Arturo Toscanini

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Arturo Toscanini
Arturo Toscanini (1908)

Arturo Toscanini (* 25. März 1867 in Parma; † 16. Januar 1957 in New York) war ein italienischer Dirigent und gilt allgemein als einer der bedeutendsten Orchesterleiter seiner Zeit.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Anfänge[Bearbeiten]

Nach einem Cellostudium beschloss Toscanini 1885, Dirigent zu werden. Erste Erfahrungen als Dirigent machte er 1886 während einer Brasilientournee. 1895 erhielt er eine Anstellung in Turin. Als knapp 29-Jähriger durfte er dort am 1. Februar 1896 wegen seines Einsatzes für das Werk die Uraufführung der Oper La Bohème von Giacomo Puccini dirigieren, obwohl er ursprünglich nur an dritter Stelle für das Dirigat vorgesehen war. 1898 ging Toscanini an die Mailänder Scala.

Toscanini heiratete Carla De Martini am 21. Juni 1897, als sie noch keine 20 Jahre alt war. Das erste Kind, Walter, wurde am 19. März 1898 geboren. Tochter Wally kam am 16. Januar 1900 auf die Welt. Giorgio folgte im September 1901, starb aber am 10. Juni 1906 an Diphtherie. Im selben Jahr kam die zweite Tochter Wanda auf die Welt.

Die Weltkarriere[Bearbeiten]

1908 wechselte er an die Metropolitan Opera nach New York, kehrte jedoch einige Jahre später wieder nach Europa zurück. Neben anderen Orchestern dirigierte er auch mit den Wiener Philharmonikern viele Konzerte – im Wiener Musikverein und in Salzburg. Nach Puccinis Tod im Jahre 1924 ließ er das Ende von Turandot, das von Franco Alfano nach dessen Tod vollendet wurde, kürzen. Diese gekürzte Fassung wird neben der vollständigen Fassung und einer weiteren Fassung des italienischen Komponisten Luciano Berio auch heute noch gespielt.

Toscanini war ab 1926 als Dirigent am New York Philharmonic Orchestra tätig. Aufgrund seiner häufigen Engagements in Europa übernahm in dieser Zeit der deutsch-amerikanische Dirigent Hans Lange die Proben mit dem Orchester.[1] Hans Lange war der älteste Sohn von Paul Lange, dem früheren Musikdozenten am American College for Girls in Konstantinopel und späteren letzten Hofkapellmeister des Osmanischen Hofes.

Arturo Toscanini (1931)

1931 wurde Toscanini vor dem Teatro Comunale in Bologna von einem italienischen Faschisten überfallen, nachdem er sich geweigert hatte, die Giovinezza, ein faschistisches Pflichtstück, auf Mussolinis Anordnung vor kulturellen Veranstaltungen zu spielen. Obwohl Toscanini kurz nach dem Ersten Weltkrieg kurzzeitig Mussolinis Politik unterstützt hatte, verweigerte er sich in der Folge jeder Vereinnahmung durch die Faschisten, da er die von ihnen ausgeübte Gewalt ablehnte. Bereits 1922, im Jahr des Marsches auf Rom, hatte er das Ansinnen zurückgewiesen, die Parteihymne Giovinezza im Anschluss an eine Aufführung des Falstaff spielen zu lassen.

1934 leitete Toscanini an der Wiener Staatsoper das Requiem von Giuseppe Verdi sowie später zwei Vorstellungen von Beethovens Fidelio. Deshalb brachte er nach dem Zweiten Weltkrieg beim Wiederaufbau der Wiener Staatsoper seinen Rat ein und sprach sich – aus akustischen Gründen – für eine Verwendung von Holz als Baumaterial im Zuschauerraum aus.

Einige Jahre prägte Toscanini als Dirigent die Salzburger Festspiele. Bis 1937 leitete er dort wesentliche Konzerte und Operninszenierungen, etwa Verdis Falstaff, Richard Wagners Die Meistersinger von Nürnberg oder Mozarts Die Zauberflöte.

Auswanderung[Bearbeiten]

Toscanini emigrierte 1937 in die USA, weil ihn der italienische Faschismus und der deutsche Nationalsozialismus abstießen. Er leitete von da an das eigens für ihn gegründete NBC Symphony Orchestra. Schon 1937 spielte er mit diesem Orchester die erste Komplettaufnahme der neun Sinfonien von Beethoven ein. Seine für 1938 geplanten Auftritte in Salzburg sagte Toscanini nach dem Anschluss Österreichs an das nationalsozialistische Deutsche Reich ab. Dagegen leitete er am 25. August 1938 ein Galakonzert im Luzerner Tribschen-Park, das als Geburtsstunde der Luzerner Musikfestwochen gilt.

Durch die Heirat seiner Tochter Wanda mit dem Klaviervirtuosen Vladimir Horowitz konnte Toscanini eine legendäre Einspielung von Tschaikowskis 1. Klavierkonzert mit seinem Schwiegersohn vorlegen. Bei einer einzigen Benefiz-Aufführung desselben Werkes in der Carnegie Hall in New York gelang es den beiden Künstlern 1943, von den Zuschauern elf Millionen Dollar einzuspielen – für Kriegsanleihen, die anstelle von Eintrittskarten ausgegeben wurden.

1946 produzierte Toscanini für den New Yorker Rundfunk eine Gesamtaufnahme der Oper La Bohème anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der seinerzeit von ihm geleiteten Uraufführung. Diese gilt heute noch in der Fachwelt als die werktreueste Aufnahme. Er entdeckte die Sopranistin Renata Tebaldi und verpflichtete sie an die wiederaufgebaute Mailänder Scala, an der Toscanini 1946 das Eröffnungskonzert leitete.

Gerühmt wurden nach dem Krieg vor allem seine Interpretationen der Werke von Giuseppe Verdi und Ludwig van Beethoven. 1947 holte Toscanini noch einmal Hans Lange, der 1936 Dirigent am Chicago Symphony Orchestra geworden war, nach New York für eine Konzertreihe mit dem NBC Symphony Orchestra.

Das letzte Konzert[Bearbeiten]

Toscanini letzte Aufnahme war zugleich seine einzige Stereoaufnahme überhaupt. Dieses letzte öffentliche Konzert dirigierte Arturo Toscanini am 4. April 1954 in der Carnegie Hall in New York. Es wurde durch Toscaninis Blackout während des Konzerts zu einer berühmten Aufführung. Er dirigierte während des Konzertes, das von NBC live übertragen wurde, sein eigenes Sinfonieorchester. Auf dem Programm standen Werke Wagners, unter anderen das Lohengrin-Vorspiel und die Szene auf dem Venusberg (Bacchanal) aus dem Tannhäuser. Beim letztgenannten, dem vorletzten Werk des Konzerts, passierte Toscaninis Blackout, er hörte für eine Minute zu dirigieren auf und hielt sich eine Hand vor die Augen. Das Orchester hörte für einen Moment zu spielen auf, bis der erste Cellist die Einsätze gab, die Senderegie der NBC blendete die Aufführung unmittelbar aus und spielte eine Brahms-Sinfonie vom Band zu. Als Toscanini wieder zu dirigieren anfing, blendete der Sender wieder in den Saal zurück. Toscanini nahm den Schlussapplaus des Publikums nicht mehr entgegen.

Der Vorfall wird in dem Kontext interpretiert, dass NBC Toscanini vorab zu verstehen gegeben hatte, man wolle das Orchester auflösen und wünsche, er würde seine Dirigenten-Laufbahn beenden. Wenige Monate später war Toscaninis Orchester tatsächlich aufgelöst und alle Musiker entlassen. Toscanini trat nie mehr als Dirigent auf.[2]

Toscanini starb am 16. Januar 1957 in seinem Haus in der New Yorker Bronx. Sein Leichnam wurde nach Italien überführt und auf dem Zentralfriedhof Mailand beigesetzt.

Filme[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Music: Lange's own, TIME Magazine, Nov 25, 1935 (TIME online archive)
  2. Bayern Klassik, Kalenderblatt vom 4. April 2012: Arturo Toscaninis dirigiert sein letztes Konzert

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Arturo Toscanini – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien