Un ballo in maschera

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Werkdaten
Titel: Ein Maskenball
Originaltitel: Un ballo in maschera
Originalsprache: Italienisch
Musik: Giuseppe Verdi
Libretto: Antonio Somma
Literarische Vorlage: Eugène Scribe, Gustave III: ou le bal masqué
Uraufführung: 17. Februar 1859
Ort der Uraufführung: Rom, Teatro Apollo
Spieldauer: ca. 140 Minuten
Ort und Zeit der Handlung: Boston und Umgebung, Ende des 17. Jahrhunderts (neuere Fassung nach dem ursprünglichen Entwurf: Stockholm und Umgebung, 1792)
Personen
  • Graf Richard (König Gustav III. von Schweden) - Tenor
  • Graf René (Anckarström) - Bariton
  • Amelia, dessen Gemahlin - Sopran
  • Ulrica, Wahrsagerin - Alt oder Mezzosopran
  • Oscar, Page - Soubrette
  • Silvano, Matrose - Bariton
  • Tom (Graf Horn), Verschwörer - Bass
  • Samuel (Graf Ribbing), Verschwörer - Bass
  • Oberrichter - Tenor
  • Diener Amelias - Tenor
  • Hofleute, Gesandte, Offiziere, Abgeordnete, Künstler, Gelehrte, Verschworene, Diener, Maskierte, Tänzer, Soldaten, Bürger, Bauern, Matrosen, Schiffer, Volk - Chor

Un ballo in maschera (deutsch: Ein Maskenball) – Untertitel Amelia – ist eine Oper in drei Akten von Giuseppe Verdi. Das Libretto stammt von Antonio Somma nach dem Drama Gustave III: ou le bal masqué von Eugène Scribe.

Die Uraufführung fand am 17. Februar 1859 im Teatro Apollo in Rom statt.

Historisches[Bearbeiten]

Schon seit dem Jahre 1843 kam Giuseppe Verdi immer wieder einmal der Gedanke, eine Oper über Shakespeares King Lear zu komponieren. So beauftragte er den Dichter Antonio Somma (1809–1864), ein Libretto zu verfassen. Als Verdi für das Teatro San Carlo in Neapel einen Kontrakt für ein neues Werk für das Jahr 1858 bekam, bat er Somma, die Arbeit am Libretto zu unterbrechen (Verdi wollte unbedingt, dass Maria Piccolomini die Rolle der Cordellia singt, aber sie war für Neapel nicht verfügbar), und widmete sich einem anderen Werk.

Seine Entscheidung fiel auf Eugène Scribes Werk Gustave III, ein Drama über Leben und Tod des schwedischen Königs. Gustav III. von Schweden galt seinerzeit als eine der schillerndsten Persönlichkeiten Europas. Er war ein aufgeklärter Monarch, berühmt als Kunstfreund und berüchtigt für seine Lebenslust. Da er Privilegien des Adels abschaffen wollte, zog er sich in diesem Stand mächtige Feinde zu. Am 16. März 1792 wurde der König auf einem Maskenball in der Stockholmer Oper vor den Augen der Ballgesellschaft von einem Maskierten, dem Grafen Johann Jakob Anckarström, angeschossen und starb knapp zwei Wochen später an einer Blutvergiftung. Dieser historische Vorfall inspirierte Verdi zu seiner Oper Un ballo in maschera.

Auf Bitte Verdis erklärte sich Antonio Somma bereit, dieses Libretto zu schreiben, jedoch mit der Bedingung: „... möchte ich gerne die Anonymität dieses Werkes bewahren oder es mit einem Pseudonym unterzeichnen. Auf diese Weise kann ich mit mehr Freiheit schreiben.

Sommas Vorsicht war nur allzu verständlich. Im Jahre 1848/49 war er in Venedig an einem Aufstand gegen die österreichischen Feudalherren beteiligt und wurde seither polizeilich überwacht. Er wollte nicht in Verbindung mit einem Stück gebracht werden, das einen Königsmord als Inhalt hat.

Für Neapel war es ein geradezu revolutionärer Stoff, denn man konnte sich in Neapel noch gut an das vier Jahre zuvor verübte Attentat gegen den König von Neapel erinnern. Am 13. Januar 1858 hatte Graf Felice Orsini ein Attentat auf Kaiser Napoléon III. von Frankreich verübt. So war es verständlich, dass die Zensur des von den Bourbonen abhängigen Neapel diese Oper ablehnte.

Die Zensur schrieb die Oper total um, nannte sie nun Adelia degli Adimari, und Verdi musste praktisch jede Szene der Oper vor der Zensur rechtfertigen. Der Komponist war aufs höchste entrüstet. Da sich das Volk und einige Persönlichkeiten Neapels hinter den Komponisten stellten, kam es zu Tumulten. Es gab Demonstrationen gegen die Regierung und für die künstlerische Freiheit eines Komponisten. Schließlich entband der König Verdi aus seinem Kontrakt. Verdi verließ die Stadt und wollte nie wieder eine Oper für Neapel schreiben.

Das Teatro Apollo in Rom bot Verdi an, seine neue Oper dort aufzuführen. Doch machte die päpstliche Zensur zunächst ebenfalls Probleme. Sie war schließlich unter der Bedingung einverstanden, dass die Handlung nach Boston verlegt werde und einige Personen, vor allem die Adligen, umbenannt würden. Die Musik und der Text wurden beibehalten. Der Titel des Stückes aber wurde umbenannt in Un ballo in maschera.

Am 17. Februar 1859 fand die Uraufführung der Oper statt. Sie wurde zu einem Triumph, nicht nur für Verdi, sondern auch für den Freiheitskampf der Italiener. Der Name Verdi wurde personifiziert in Vittorio Emanuele Re d’Italia.

Am 7. September 1860 stürzte in Neapel der verhasste bourbonische Thron. Eine der ersten Opern, die im befreiten Neapel aufgeführt wurden, war Un ballo in maschera.

Heute wird gelegentlich die Stockholm-Version der Oper unter dem Namen Gustav III. aufgeführt.

Handlung[Bearbeiten]

Erster Akt[Bearbeiten]

Erstes Bild – Audienzsaal des Grafen Richard[Bearbeiten]

Graf Richard wird von Bürgern und Adeligen, Bittstellern und Höflingen erwartet. Er tritt ein und prüft einige Schriftstücke. Ein Page reicht ihm die Liste der zum bevorstehenden Maskenball eingeladenen Gäste. Richard wirft einen Blick darauf und ist erfreut, dass seine heimliche Liebe Amelia, die Gattin seines Sekretärs Graf René, mit aufgeführt ist. René, zugleich der beste Freund des Königs, warnt ihn vor einer Verschwörung. Doch der König nimmt die Warnung gelassen auf. Da tritt ein Richter auf mit einem Urteil gegen die Wahrsagerin Ulrica, die des Landes verwiesen werden soll. Der Page Oscar setzt sich für die Wahrsagerin ein und berichtet, dass bisher alles, was sie vorhersagte, auch eingetroffen sei. Richard will dies überprüfen und fordert alle Anwesenden auf, ihn verkleidet zur Wahrsagerin zu begleiten.

Zweites Bild – Hütte der Wahrsagerin Ulrica[Bearbeiten]

Der Matrose Silvano fragt bei Ulrica an, ob er für die Opfer, die er jahrelang in Diensten des Grafen erbracht hat, belohnt werden wird. Die Wahrsagerin sagt ihm allerlei Gutes voraus und dass er bald reich sein werde. Graf Richard, als Fischer verkleidet, steckt dem Matrosen heimlich einen Beutel voller Münzen in seine Tasche. Als der Matrose zu seiner Tasche zurückkommt, ist die Freude groß, dass ein Teil der Prophezeiung sich schon erfüllt hat. Da kommt ein Diener und meldet die Ankunft einer hohen Persönlichkeit. Ulrica schickt alle aus der Höhle. Richard hat Amelias Diener erkannt und versteckt sich. Als Amelia auftritt, berichtet sie der Wahrsagerin, dass sie jemanden liebe, aber ein Mittel gegen diese Liebe wünscht. Ulrica empfiehlt ihr als Gegenmittel ein magisches Kraut, das auf dem Galgenberg vor den Toren der Stadt wächst. Amelia müsse es aber selbst und noch heute nacht pflücken. Diese entfernt sich wieder. Die Hofleute kommen zurück. Dann tritt Richard, nach wie vor inkognito, zur Wahrsagerin und lässt sich seine Zukunft vorhersagen. Ulrica erzählt ihm, dass er bald ermordet werde, und zwar von demjenigen, der ihm als Nächstes die Hand reicht. Richard geht mit ausgestreckter Hand zu jedem der Umstehenden hin, doch keiner will diese Hand ergreifen. Da erscheint René und begrüßt seinen Freund Richard per Handschlag. Dieser lacht über die eben gemachte Prophezeiung. Ulrica aber warnt ihn.

Zweiter Akt[Bearbeiten]

Bild – Auf dem Galgenberg, vor den Toren Bostons[Bearbeiten]

Mariano Padilla und Sarolta de Bujanovis als Renato und Amelia, 1867

Amelia ist auf den Galgenberg gegangen, um das Kraut zu pflücken. Richard ist ihr heimlich gefolgt. Auf sein Drängen gesteht sie ihm ihre Liebe, aber auch, dass sie sich diese Liebe aus dem Herzen reißen wolle. Sie hören Schritte. Amelia kann gerade noch mit einem Schleier ihr Gesicht verbergen, als auch schon ihr Gemahl, Graf René, auftaucht. Er teilt Richard mit, dass Verschwörer im Anmarsch seien, die ihn ermorden wollen. Richard übergibt René die Frau mit dem Befehl, den Schleier der Dame nicht zu lüften. Dann eilt er davon. Die Verschwörer erscheinen und sind enttäuscht, da sie nur den Sekretär mit einer Dame vorfinden. Wenigstens wollen sie wissen, wer die Dame sei. René will die Dame mit dem Schwert vor den Zudringlichkeiten der Verschwörer schützen, als plötzlich Amelia sich den Schleier selbst herunterreißt. René ist entsetzt: Seine Frau bei einem Techtelmechtel mit Richard! Die Verschwörer verspotten den Sekretär. Er fasst sich wieder und verbündet sich mit den Verschwörern.

Dritter Akt[Bearbeiten]

Erstes Bild – Arbeitszimmer Renés[Bearbeiten]

René beschuldigt seine Frau der Untreue und will sie töten. Sie bittet ihren Mann, vorher noch einmal ihren kleinen Sohn sehen zu dürfen (Arie Morrò, ma prima in grazia). René, allein, beschließt, lieber Richard für die Untreue zu bestrafen als seine eigene Frau. Da treten die Verschwörer Samuel und Tom zu ihm. Der Sekretär weist ihnen die Verschwörung nach, aber nicht um sie zu verraten, sondern um mitzuwirken. Das Los soll entscheiden, wer den Dolchstoß gegen Richard ausführen darf. Amelia, die soeben ins Zimmer zurückkommt, soll das Los ziehen. Auf dem Los, das sie zieht, steht der Name - ihres Mannes René. In diesem Augenblick erscheint der Page Oscar und überbringt die Einladung zum Maskenball.

Zweites Bild – Arbeitszimmer des Grafen Richard[Bearbeiten]

Graf Richard schreibt einen Erlass über die Rückkehr Renés nach England. Schon in Kürze solle dieser gemeinsam mit Amelia Nordamerika verlassen. Er will die Ehe und den Ruf seines besten Freundes nicht länger gefährden. Ein anonymer Brief warnt Richard vor einem Mordanschlag auf dem Ball. Doch dieser ist kein Feigling und nimmt an dem Ball teil.

Drittes Bild – Großer Ballsaal[Bearbeiten]

Der Maskenball ist in vollem Gange. Die Verschwörer – unter ihnen René – mischen sich unter die maskierten Gäste. René versucht vom Pagen Oscar zu erfahren, hinter welcher Maske sich Richard verbirgt. Doch Oscar verrät nichts. Amelia erkennt jedoch Richard. Beide treffen sich abseits und verabschieden sich voneinander. Als beide auseinandergehen wollen, streckt René mit einem Dolchstoß den Grafen Richard nieder. Die Menge ist aufgebracht und will sich auf den Mörder stürzen. Richard nimmt ihn jedoch in Schutz und zeigt ihm den Erlass, der die Rückkehr Renés und Amelias nach England verfügt. Er schwört seinem Freund, dass zwischen Amelia und ihm nichts Unziemliches vorgefallen sei. Richard vergibt seinem Mörder und stirbt. Die Prophezeiung Ulricas hat sich erfüllt.

Diskografie (Auswahl)[Bearbeiten]

CD:

DVD:

  • Metropolitan Opera Orchestra unter James Levine mit Luciano Pavarotti, Leo Nucci, Aprile Millo, Florence Quivar, Harolyn Blackwell (136', Sound: DSS5.1/DTS5.1; Bild: 4:3; Sub: D, E, F, Sp, Ch, I), Deutsche Grammophon 1991

Literatur[Bearbeiten]

  • Georg Mondwurf: Giuseppe Verdi und die Ästhetik der Befreiung. Peter Lang, Frankfurt am Main 2002, ISBN 3-631-38400-9.
  • Ders.: Giuseppe Verdis Maskenball. In: Programmheft der Deutschen Staatsoper Berlin zu „Ein Maskenball“, 2008. S. 19–28.
  • Tino Drenger: Liebe und Tod in Verdis Musikdramatik. Semiotische Studien zu ausgewählten Opern. Karl Dieter Wagner, o. O. 1996, ISBN 3-88979-070-4.
  • Johann Christoph Grünbaum: Ein Maskenball von Giuseppe Verdi. Reich, o. O. 1949.
  • Teresa Klier, Wolfgang Osthoff (Hrsg.): Der Verdi-Klang. Die Orchesterkonzeption in den Opern von Giuseppe Verdi. Hans Schneider, Tutzing 1998, ISBN 3-7952-0917-X.
  • Tanja Stern: Opernballaden – Ein Maskenball. Verdi-Opern in Prosa erzählt. 2005, ISBN 3-938105-01-1. Auch als CD-Hörbuch, ISBN 3-938105-05-4.

Libretto:

  • Wilhelm Zentner (Hrsg.) Giuseppe Verdi. Ein Maskenball. Deutsch von Johann Christoph Grünbaum (Reclams Universal-Bibliothek Nr. 4236). Reclam, Stuttgart 1949 u.ö., ISBN 978-3-15-004236-6.
  • Rosemarie König, Kurt Pahlen (Hrsg.): Ein Maskenball. Textbuch Italienisch – Deutsch. Opern der Welt. 3. Auflage. Atlantis, Zürich/Mainz 1997, ISBN 3-254-08023-8.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Un ballo in maschera – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien