Maximilien de Béthune, duc de Sully

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Maximilien de Béthune, Herzog von Sully

Maximilian von Béthune, Herzog von Sully, Baron, dann Marquis von Rosny (* 13. Dezember 1560 in Rosny bei Mantes-la-Jolie (Yvelines); † 21. Dezember 1641 in Villebon (Eure-et-Loir), 20 km westlich von Chartres) war ein hochrangiger französischer Artillerieoffizier (Großmeister der Artillerie von Frankreich), Minister, Staatsmann, Marschall von Frankreich und Freund Heinrichs IV. Sein vollständiger Name und Titel lautete: Maximilien (Ier) de Béthune, Duc de Sully, Baron de Rosny, Pair de France, Prince Souverain d'Henrichemont et de Boisbelle, Marquis de Nogent-le-Rotrou, Comte de Muret et de Villebon, Vicomte de Meaux.

Biografie[Bearbeiten]

Sully wurde in der reformierten Kirche erzogen und zugleich mit Heinrich von Navarra unterrichtet. Er nahm mit Auszeichnung an den Feldzügen des jungen Königs von Navarra teil und kämpfte bei Coutras (1587) und bei Ivry (1590) mit. Ein strenger Calvinist, stolz und schroff, trat er auch seinem königlichen Freund, besonders seiner Verschwendung und Ausschweifung, wiederholt mit Energie entgegen; doch vereinte beide bald wieder die gemeinsame Liebe zum Vaterland. Deswegen riet er auch 1593 Heinrich zur Annahme des Katholizismus, um den Bürgerkrieg zu beendigen.

1597 an die Spitze der Finanzen gestellt (Conseiller aux Finances), tilgte er eine Staatsschuld von 200 Millionen Livres, erwarb den größten Teil der verschleuderten Domänen zurück, hob eine Menge überflüssiger Ämter auf, ordnete und vereinfachte das Steuerwesen, baute Straßen, führte die Seidenkultur und andere Erwerbszweige ein und begünstigte den Ackerbau; diesen und die Weidewirtschaft (mfrz. pastourage, frz. pâtourage) erklärte er wiederholt als die Brüste, von denen Frankreich ernährt werde («Labourage et pasturage sont les deux mamelles dont la France est alimentée».)

Seit 1599 auch als erster Großmeister der Artillerie von Frankreich und Oberaufseher über alle Befestigungen des Landes, stellte er in kurzem die öffentliche Ruhe wieder her, namentlich durch Vernichtung vieler Räuberbanden. Auf Heinrichs Zug nach Savoyen (1600) eroberte Sully die für unüberwindlich gehaltenen Festungen Montmelian und Bourg. Nach dem Frieden übernahm er unter dem Titel eines erblichen Kapitäns der Häfen, Flüsse und Kanäle das Département der öffentlichen Bauten, hob Zölle auf, erklärte den Getreidehandel für frei, legte Kanäle an und leistete in dieser Stellung viel für die Verbesserung der Kommunikationsmittel des Landes. Zugleich leitete er auch die auswärtigen Verhandlungen.

1604 wurde er zum Gouverneur von Poitou und 1606 für sein Schloss Sully an der Loire nebst den dazugehörigen Ländereien zum erblichen Herzog ernannt. Dabei erwarb er für sich selbst ein bedeutendes Vermögen. Nach der Ermordung Heinrichs IV. (14. Mai 1610) wurde er seiner Stellung am Hof entbunden und von diesem auf sein Schloss verwiesen; doch bediente sich auch Ludwig XIII. öfters seines Rats und ernannte ihn 1634 zum Marschall von Frankreich. Sein gleichnamiger Sohn übernahm das Amt des Großmeister der Artillerie von Frankreich, starb aber bereits 1634 mit 46 Jahren.

Maximilien de Béthune, Herzog von Sully, starb am 21. Dezember 1641 im Alter von 81 Jahren.

Maximilien de Rosny, eine durch den Herzog von Sully inspirierte literarische Figur, verkörpert den (beinahe?) idealen Politiker in Heinrich Manns Roman Die Vollendung des Königs Henri Quatre.

Weblinks[Bearbeiten]

Werke[Bearbeiten]

Wichtig für die Geschichte seiner Zeit, obwohl durchaus nicht zuverlässig, sind seine in Stil und Form ungenießbaren "Mémoires ou Oeconomies royales d’Estat" (Amsterdam 1634, 2 Bände; 2 Supplementbände 1662), die von Abbé l'Écluse (das. 1745, 8 Bände) modernisiert, aber auch sehr verändert und gefälscht wurden.

Die englische Schriftstellerin und Dichterin Charlotte Lennox übersetzte 1753 seine Erinnerungen ins Englische unter dem Titel Memoirs of Maximilian de Bethune, Duke of Sully, prime-minister to Henry the Great. Diese Übersetzung sollte fast 100 Jahre lang eine der Hauptquellen im englischsprachigen Raum für dessen Überlieferung sein.

Literatur[Bearbeiten]

  • Auguste J. Bouvet de Cressé: Sully, Rigaud, Paris 1878
  • Joseph Chailley: Sully, économies royales, Alcan, Paris 1858
  • L. Dussieux: Étude biographique sur Sully Lecoffre, Paris 1887
  • Jules Gourdault: Sully et son temps. La mémoires et documents du XVI. siècle, Mame, Tours 1876
  • Ernest Legouvé: Sully, Didier, Paris 1873
  • Moritz Ritter: Die Memoiren Sullys und der große Plan Heinrichs IV., Franz, München 1871