Mentalist

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel beschreibt Zauberkünstler der darstellenden Kunst, die sich künstlerisch mit den Themen Gedankenlesen, Voraussagen und ähnlichen Phänomenen beschäftigen. Für die US-amerikanische Fernsehserie siehe The Mentalist

Mentalisten betreiben eine Form der Unterhaltungskunst, die sich hauptsächlich auf einen der fünf wesentlichen Aspekte der Zauberkunst beschäftigen: dem Nachempfinden paranormaler Phänome. Dabei wird eine Fähigkeit zur Vorhersage oder Telepathie dargestellt, die z. T. auf Gedächtniskunst, Suggestionstechniken, Zahlentricks/Schnellrechnen und Ähnlichem beruhen.[1]

Allgemeines[Bearbeiten]

Die Faszination für das Publikum ergibt sich aus der Illusion der paranormalen Fähigkeit und nicht aus der ästhetischen Inszenierung eines unmöglichen Geschehens, wie in anderen Sparten der modernen Bühnenmagie. Unter Umständen geben sich Mentalisten als Hellseher aus, jedoch lediglich auf der Bühne. Da Mentalisten hauptsächlich nur einen Bereich der Zuschauer ansprechen, nämlich deren Haltung zum Übernatürlichem, ist es für den Mentalisten besonders schwer, Grenzen zu ziehen. Auf der einen Seite benötigt er die Bereitschaft des Publikums, an Phänomäne zu glauben, zum anderen, will er sich als Künstler verstanden wissen, muss er mit gerade mit diesem Glauben der Zuschauer bedacht umgehen, um nicht selbst in Gefahr zu laufen, für "echt" gehalten und somit als Scharlatan betrachtet zu werden.

Der US-amerikanische Mentalist und Autor Robert Cassidy schreibt in seinem Buch, The Art of Mentalism, 1983: „Mentalism is the art of presenting seemingly paranormal effects in an entertaining manner.“ Der US-amerikanische Mentalist und Autor Phil Goldstein drückt es in seinem Buch The Blue Book of Mentalist, 1976, folgendermaßen aus: „Mentalism is the one area of magic that seems real to a lay audience. They do not only suspend their disbelief – they believe.“

Verstärkt wurde der Fokus auf Mentalisten in Deutschland in den Sendungen The Next Uri Geller gelegt, die in den Jahren 2008 bis 2009 der Sender RTL ausstrahlte. Dabei wurde von den Zauberkünstlern zunächst vertraglich verlangt, der Öffentlichkeit gegenüber zu behaupten, über übersinnlicher Kräfte zu verfügen. Mehrere der Kandidaten protestierten gegen diesen Passus, den sie mit ihrer Berufsehre als Bühnenkünstler für unvereinbar ansahen.[2][3]

Geschichte[Bearbeiten]

Der Begriff Mentalist ist eine Weiterentwicklung der Bezeichnung „Mindreader“ (Gedankenleser). Zu den ersten bekannten Gedankenlesern gehörte der US-amerikanische Zauberkünstler C. A. George Newmann (1880 – 1952), der sich als „Mindreader“ und „Master of Mental Marvels“ bezeichnete. Seine Vorstellungen ähnelten Seminaren von Universitätsdozenten. Die Programme waren jedoch keine trockenen Vorlesungen, sondern boten reichlich Unterhaltung und Humor.[4]

Einer der ersten nachgewiesenen Zauberkünstler, der sich als Mentalist bezeichnete, war Harry Kahne.[5] (1895 – 1955), der auch als „the incomparable mentalist“ bezeichnet wurde.[6][7][8]

Ab etwa 1929 wurde der Ausdruck Mentalist konsequent von dem US-amerikanischen Zauberkünstler Theodore Annemann verwandt.[9]
In Europa ist es vor allem der Engländer Chan Canasta gewesen, der sich in den 1940er Jahren mit der Mentalzauberkunst beschäftigt hat. Er trat 1951 zum ersten Mal im Fernsehen bei der BBC auf und führte Mentalzauberkunststücke vor. Insgesamt konnte Canasta an über 300 Fernsehsendungen als Mentalist teilnehmen. Er war auch Gast in der legendären Talkshow von Ed Sullivan[10] [11]
In Deutschland hat sich die Mentalzauberkunst erst ab etwa Mitte des 20. Jahrhunderts zu einer eigenständigen Präsentationsform entwickelt. Einen großen Anteil daran trug der Zauberkünstler Punx, der in seinem Abendprogramm, das in vier Akte gegliedert war, einen Bereich Alessandro Cagliostro widmete und dazu ausschließlich Mentalzauberkünststücke zeigte.[12]

Ab etwa 1980 zeigte der Berliner Zauberkünstler Ted Lesley vermehrt Mentalzauberkunst und benutzte häufig für sich die Bezeichnung Mentalist.[13]

Bekannte Mentalisten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Theodore Annemann: Practical Mental Magic
  • Barry Richardson, The Theatre of the minds
  • Borodin: Final Curtain
  • Borodin: Shereazade
  • Robert Cassidy, The Art of Mentalism
  • Phil Goldstein, The Blue Book of Mentalism
  • Tony Corinda: 13 Steps To Mentalism
  • Ted Lesley: Mental Mind Up
  • Utz Napierala: Geistes-Blitze
  • Utz Napierala: Geheimnisvolle Zahlenwunder
  • Perkeo, Geheimnisse der Parapsychologie
  • Perkeo, Im Bannkreis der Psychometrie
  • Perkeo, Dr. Stanley Jacks, 2 Bände
  • Max Maven, Prism
  • James Randi: Conjuring, The Truth of Uri Geller
  • Wonder Man Fred: Semi Mental Journey
  • Ian Rowland: The Full Fact Book of Cold Reading
  • Robert Marteau, Der Schlüssel zur Bühne

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Die magischen Grundeffekte in Handbuch der Magie, Kapitel 3, Jochen Zmeck, Universitas Verlag Berlin, 1978, ISBN 3-8004-0857-0
  2. Vgl. Björn Erichsen: Geheimvertrag für die Zauberschüler, stern.de, 15. Januar 2008.
  3. Vgl. Knebelverträge für Mental-Artisten, focus.de, 15. Januar 2008.
  4. James B. Alfredson, The Great Newmann Show, Davic Meyer, Magic Books, Glenwood, Illinois, 1989, Seite 7.
  5. Harry Kahne.
  6. UNIVERSITY OF IOWA LIBRARIES.
  7. Prgrammzettel Kahne
  8. Sphinx, Vol. 20, Nr. 12, Februar 1922.
  9. The Sphinx, Vol. 28, Juli 1929
  10. David Britland: A Review of Chan Canasta: A Remarkable Man, 2000
  11. Ed Sullivan Show 1962
  12. Programmheft Punx, ca. 1955
  13. Ted Lesley, Mental Mind up, Zauberzentrale München, 1992.