Mindestreserve

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Wichtige Mindestreservesätze
Zentralbank Satz
Chinesische Volksbank 20,0 %[1]
Europäische Zentralbank 1 %[2]
Federal Reserve System 10 %
Bank Rossii 3,5 %
Schweizerische Nationalbank 2,5 %

Die Mindestreserve (kurz MR, auch Mindestreserveverpflichtung) ist eine proportionale Bankeinlage, die mindestens vorgeschrieben ist und damit eine Bankenregulierung.

In den meisten Mindestreserve-Systemen werden die Geschäftsbanken gezwungen, bei der Zentralbank eine Mindestreserve zu hinterlegen. Dabei ist die Mindestreserve ein geldpolitisches Instrument der jeweiligen Zentralbanken zur Steuerung der Nachfrage der Geschäftsbanken nach Zentralbankgeld. Sie wird von der Zentralbank festgelegt als Anteil an den Einlagen der Kunden der jeweiligen Geschäftsbank.

Funktionsweise[Bearbeiten]

Mindestreservesatz[Bearbeiten]

Zur Bestimmung der Höhe der verpflichtenden Mindestreserve wird der sogenannte Mindestreservesatz r_{SE} von den Zentralbanken bestimmt. Er bezeichnet das proportionale Verhältnis zwischen der Mindestreserve und dem Volumen an Sichteinlagen, das Geschäftsbanken dem Nichtbankensektor ausgestellt haben. Für die Steuerung der Geldschöpfung spielt dieser Satz in der Realität eine eher untergeordnete Rolle, da der Satz selten geändert wird.

Der Satz wirkt unmittelbar auf die Liquiditätslage der Banken. Eine Erhöhung der Reservesätze entzieht den Kreditinstituten Liquidität, eine Senkung führt Liquidität zu. Dabei dienen die Mindestreserven zur Beeinflussung des Geldumlaufs und der Kreditgewährung, indem die Mindestreserve die Giralgeldschöpfung beschränkt. Je nachdem wie hoch der aktuelle Reservezinssatz in Relation zu den möglichen Erträgen aus anderen Anlageformen liegt, kann sich die Mindestreserve negativ auf den Ertrag der Kreditinstitute auswirken. Dem Gegenüber stehen aber die Erträge aus den Krediten für deren Vergabe sie erforderlich ist.

Geldpolitisches Instrument[Bearbeiten]

Die Mindestreserve ist ein mengenwirksames und liquiditätspolitisches Instrument der Geldpolitik. Sie ermöglicht es der Zentralbank, die Geschäftsbanken bei ihrer Kreditverteilung von ihren eigenen Krediten bei der Zentralbank abhängig zu machen, indem sie die Mindestreservepflicht erhöht oder senkt. Die Geschäftsbanken sind im Gegenzug auf Zentralbankgeld angewiesen.

Unterhält eine Geschäftsbank bei der Zentralbank einen Betrag, der die Mindestreserve übersteigt, so ist der überzählige Betrag eine Überschussreserve. Die Überschussreserve ist meist nur sehr gering. Genauer entspricht sie dem Sichtguthaben der Geschäftsbanken bei der Zentralbank minus der Mindestreserve minus dem Bargeldbestand der Geschäftsbanken, welcher für Barabhebungen der Nichtbanken bereitgestellt ist.[3]

Im Falle der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion ist das wichtigste geldpolitische Instrument das Hauptrefinanzierungsinstrument der Europäischen Zentralbank. Die wichtigsten Funktionen des Mindestreservesystems sind dabei die Stabilisierung der Geldmarktsätze und die Vergrößerung der strukturellen Liquiditätsknappheit im Bankensystem[4].

Ermittlung der notwendigen Mindestreserve in der EWU[Bearbeiten]

A. In die Mindestreserve einbezogene Verbindlichkeiten mit positivem Reservesatz[Bearbeiten]

Einlagen:

  • täglich fällige Einlagen
  • Einlagen mit einer vereinbarten Laufzeit von bis zu 2 Jahren
  • Einlagen mit einer vereinbarten Kündigungsfrist von bis zu 2 Jahren

Ausgegebene Schuldverschreibungen:

  • Schuldverschreibungen mit vereinbarter Laufzeit von bis zu 2 Jahren

B. In die Mindestreserve einbezogene Verbindlichkeiten mit einem Reservesatz von 0 %[Bearbeiten]

Einlagen:

  • Einlagen mit einer vereinbarten Laufzeit von über 2 Jahren
  • Einlagen mit einer vereinbarten Kündigungsfrist von über 2 Jahren
  • Repogeschäfte

Ausgegebene Schuldverschreibungen:

  • Schuldverschreibungen mit vereinbarter Laufzeit von über 2 Jahren

C. Nicht in die Mindestreserve einbezogene Verbindlichkeiten[Bearbeiten]

  • Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten die selbst Mindestreserve unterhalten
  • Verbindlichkeiten gegenüber EZB und NZBs
  • Verbindlichkeiten aufgrund geldpolitischer Maßnahmen des ESZB

Vorgangsweise[Bearbeiten]

Die notwendige Mindestreserve (Mindestreserve-Soll) wird von der EZB anhand der reservepflichtigen Verbindlichkeiten der Vormonatsbestände ermittelt. Dabei müssen derzeit genau 1% dieser reservepflichtigen Verbindlichkeiten von den Kreditinstituten vorgehalten werden. Von der ermittelten Mindestreserve kann jedoch noch ein Abzug von pauschal 100.000,00 EUR Freibetrag erfolgen. Die durch dieses Verfahren ermittelte Mindestreserve ist dabei jeweils maßgeblich für die im übernächsten Monat beginnende Mindestreserve-Erfüllungsperiode.

Die Berechnung der bestehenden Mindestreserve (Mindestreserve-Ist) erfolgt dabei anhand aller Tagesbestände auf dem Konto bei der EZB. Die Tagesbestände werden dabei addiert und durch die Anzahl der Tage geteilt.

Die Erfüllungsperiode endet dabei meist am Dienstag der ersten oder zweiten Woche eines Monats. Am darauffolgenden Tag beginnt dann entsprechend die neue Mindestreserveperiode[5]. Der exakte Termin orientiert sich dabei an den Sitzungen des EZB-Rats.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wirksam ab 18. Mai 2012. http://www.n-tv.de/wirtschaft/China-lockert-die-Zuegel-article6253821.html
  2. Seit 18. Januar 2012. http://www.bundesbank.de/Navigation/DE/Kerngeschaeftsfelder/Geldpolitik/Mindestreserven/mindestreserven.html
  3. Horst Wagenblaß, Volkswirtschaftslehre, öffentliche Finanzen und Wirtschaftspolitik, 7. Auflage, Heidelberg 2001, S. 159
  4. Die Geldpolitik der EZB. Europäische Zentralbank, Frankfurt 2004
  5. ecb.int: Veröffentlichung der unverbindlichen Kalender für die Mindestreserve-Erfüllungsperioden in den Jahren 2010 und 2011, 29. Mai 2009, abgerufen am 14. Juni 2011