Mir (Weißrussland)

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Mir
Wappen der Stadt Mir
Basisdaten
Staat: Weißrussland
Woblasz: Hrodna
Rajon: Karelickij
Geografische Lage: 53° 27′ N, 26° 28′ O53.4526.466666666667Koordinaten: 53° 27′ N, 26° 28′ O
Erste urkundliche Erwähnung: 1345
Einwohner: 2.500[1] (2005)
Einwohnerentwicklung: 5.400 (1886)

ca. 6000 (1930er)

Postleitzahl:
Telefonvorwahl: (+375) ??

Mir (weißruss.: Мір; russ.: Мир) ist eine Kleinstadt in Weißrussland am Fluss Miranka in der Hrodsenskaja Woblasz, an der Straße Minsk-Nawahradak, ca. 85 km südwestlich von Minsk gelegen.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Die größeren in Mir ansässigen Betriebe verarbeiten hauptsächlich landwirtschaftliche Produkte (Fabriken für Milchprodukte, Brotfabrik, Brennerei, Geflügelfabrik, Sägewerke).

Geschichte[Bearbeiten]

Mittelalter und frühe Neuzeit[Bearbeiten]

Die erste urkundliche Erwähnung der Stadt ist datiert auf das Jahr 1395. Seit 1486 gehörte die im Großfürstentum Litauen gelegene Stadt der Magnatenfamilie der Illintschi. Vermutlich erst nach 1522 ließ Jurij I. Illinitsch das heute zum Weltkulturerbe der UNESCO gehörende Schloss Mir errichten.

1555 wurde Mir Zentrum der gleichnamigen Grafschaft und ging 1568 in den Besitz der Familie Radziwiłł über. Elf Jahre später erhielt Mir Magdeburger Stadtrecht.

Mir entwickelte sich in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts zu einem wichtigen Zentrum von Handwerk und Handel für Polen und Litauen, den größten Wirtschaftsfaktor stellte jedoch die Landwirtschaft dar.

Neuzeit[Bearbeiten]

Seit der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts ist für Mir eine große jüdische Gemeinde nachgewiesen. Mir entwickelte sich zu einem geistigen und spirituellen Zentrum des Judentums von internationaler Bedeutung, das eine Reihe berühmter Rabbiner und anderer Gelehrter hervorbrachte. Die Stadt wurde zu einem der osteuropäischen Schtetl. Hiervon zeugt nicht zuletzt die große Anzahl von Synagogen: An Gotteshäusern sind für das Jahr 1886 nachgewiesen: Sieben Synagogen, zwei Kirchen, eine Moschee.

Im Dritten Nordischen Krieg wurde Mir 1706 stark zerstört. Die Stadt erholte sich rasch wieder, im 18. Jahrhundert etablierten sich jährlich abgehaltene Messen, die im Mai und Dezember für jeweils einen Monat abgehalten wurden.

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts siedelten sich Zigeuner in Minsk an, hier lebte auch deren Oberhaupt (König) für das Großfürstentum Litauen, dem 1787 von K. Radziwiłł das Privileg der Gerichtsbarkeit über die Zigeuner verliehen wurde.

Infolge der dritten Teilung Polens kam Mir 1795 als Teil des Russischen Reichs unter die Herrschaft des Moskauer Zaren.

20. Jahrhundert[Bearbeiten]

Mir vom Schlossturm aus gesehen. Links im Hintergrund die orthodoxe Dreieinigkeitskirche.

Nach dem Polnisch-Sowjetischen Krieg und dem Frieden von Riga vom 18. März 1921 fiel Mir an Polen, wo es bis zum sowjetischen Einmarsch im September 1939 verblieb.

Im Zuge des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion herrschte vom 26. Juni 1941 bis zur Befreiung am 7. Juli 1944 die deutsche Besatzungsmacht in Mir und ermordete den größten Teil der jüdischen Bevölkerung der Stadt.

Am 9. November 1941 ermordeten Soldaten des Infanterieregiments 727, unterstützt von einheimischen Polizisten, etwa 1.500 Juden in Mir. Damals lebten die Juden noch in einer Art offenen Ghetto mitten in der Stadt. Im Mai 1942 wurde das Ghetto mit etwa 800 Überlebenden in die Ruinen des Schlosses von Mir verlegt. Hier organisierten sich Widerstand und Fluchtpläne, die von Oswald Rufeisen unterstützt wurden. Rufeisen, ein polnischer Jude, der sich erfolgreich als Pole ausgegeben hatte, arbeitete als Übersetzer bei der lokalen Polizei, weshalb er über interne Informationen verfügte, die er an den Ghettowiderstand weiterleitete. So konnte er auch vor der bevorstehenden „Räumung des Ghettos“ (ein SS-üblicher Euphemismus für die Ermordung der Bewohner) warnen. Etwa 200 Personen schlugen sich daraufhin in die Wälder durch, weshalb einige von ihnen die Shoah überlebten.

Insgesamt ermordeten die Deutschen und ihre lokalen Helfer in Mir und Umgebung mehr als 2.500 Zivilisten.

Am 15. Januar 1940 wurde Mir Zentrum des neugebildeten Rajons Mir, seit dem 17. Dezember 1956 gehört die Stadt zum Karelickij Rajon.

Kultur, Bildung und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Blick in den Innenhof des Schlosses von Mir

In Mir gibt es eine technische Berufsschule, eine Fachschule für Kunstrestauration, eine Mittelschule und einen Kindergarten, ein Haus der Kultur sowie eine Filiale des Weißrussischen Kunstmuseums.

Das berühmteste Gebäude in Mir ist das zu Beginn des 15. Jahrhunderts errichtete Schloss von Mir, das seit dem Jahr 2000 auf der Liste des UNESCO-Welterbes verzeichnet ist.

In Mir gibt es die katholische St. Nicolaj-Kirche, die orthodoxe der Dreieinigkeitskirche (Trojckaja cerkov), eine ehemalige Synagoge sowie das Gebäude der ehemaligen Jeschiwa.

Ein Denkmal auf einem Massengrab erinnert an die Opfer des Nationalsozialismus.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Nachman Blumental: Sefer Mir [The Book of Mir] (Jerusalem: Entsiklopedia shel Galuyot, 1962)
  • Martin Dean: Microcosm: Collaboration and Resistance during the Holocaust in the Mir Rayon of Belarus, 1941-44. In Collaboration and Resistance during the Holocaust: Belarus, Estonia, Latvia, Lithuania, edited by D. Gaunt, P.A. Levine, L. Palosuo (Bern, &c.: Peter Lang, 2004), pp. 223–60
  • Michail Hurin: „Mir.“ In: Encyklapedyja Historyj Belarusi. Bd. 5, S. 204f. (Enzyklopädie der Geschichte Weißrusslands).
  • Nesvish: Mir. Putevoditel. Minsk 2004. (Njaswisch. Mir. Reiseführer.)
  • Nechama Tec: In the lion's den: the life of Oswald Rufeisen (New York: Oxford University Press, 1990)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Mir frendy.de

Weblinks[Bearbeiten]