Mondkolonisation

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Künstlerische Darstellung einer Mondbasis (1984)
NASA-Vision einer Mondbasis (1995)

Unter einer Mondkolonisation wird die Gründung und Entwicklung von Kolonien (lat. colonia: Ansiedlung) auf dem Mond verstanden. Neben zahlreichen Programmen zur Erforschung des Mondes existieren derzeit keine Bestrebungen, die eine Kolonisation durch den Menschen vorsehen.

Geschichte[Bearbeiten]

Seit mehr als einem Jahrhundert machen sich Menschen Gedanken über Reisen zum Mond und die Probleme, die damit verbunden sind. Mit dem Beginn des Raumfahrtzeitalters bzw. dem Bau erster Raketen geriet auch die Möglichkeit der Kolonisation des Mondes in das Blickfeld der Science-Fiction-Autoren und Wissenschaftler. Zu den bekannten SciFi-Autoren zählen Jules Verne, Arthur C. Clarke und zu den Wissenschaftlern Hermann Oberth, Konstantin Ziolkowski uvm.

Mit dem Roman Von der Erde zum Mond (1865) beschrieb Jules Verne, wie eine private Organisation, der fiktive Baltimore Gun Club, ein Verein von Artillerieexperten, eine riesige Kanone als Raumfahrtantrieb verwenden will, um mit einer Kanonenkugel (in Form eines Projektils) eine Mondreise durchzuführen. Der Nachfolgeroman Reise um den Mond (1870) beschreibt dann die Reise zum Mond und die Rückreise zur Erde, wobei nur eine Umrundung des Mondes erfolgte. Während in Jule Vernes Romanen hauptsächlich die Aspekte der Reise eine Rolle spielen, so wurden in den nachfolgenden Romanen und Geschichten schon das Leben auf dem Mond dargestellt. Bei dem Stummfilm Frau im Mond (1929), der eine Expedition zum Mond erzählt, wurde der Regisseur in technischen Aspekten von Oberth beraten. Der Roman von Clarke „Um die Macht auf dem Mond“[1] handelt in einer Zeit, in der der Mond von den Menschen besiedelt wurde. Das Erscheinungsjahr des Romans war 1957, also zu einer Zeit, in der der Weltraum in greifbare Nähe rückte (siehe Sputnik). Ab dieser Zeit, die auch als Beginn des Raumfahrtzeitalters bezeichnet wird, stieg die Zahl der Romane und der wissenschaftlichen Arbeiten zum „Leben auf dem Mond“ deutlich an. Mit dem Apollo-Programm wurde dann im Jahr 1969 die technische Möglichkeit der Reise zum Mond und eine mögliche Besiedlung bestätigt.

Ablauf und Nutzen einer Mondkolonisation[Bearbeiten]

Die Schritte einer Kolonisation bzw. einer Landnahme können, z. B. anhand der geschichtlichen Betrachtung von New Mexiko,[2] in die folgenden Phasen untergliedert werden:

  1. Phase: Erkundung des zu kolonisierenden Raumes (Expeditionen)
  2. Phase: Errichtung von Siedlungen
  3. Phase: Ökonomische Entwicklung und Bevölkerungszuwachs

Während die Durchführung der ersten Phase, aufgrund der Neugierde des Menschen und des noch geringen wirtschaftlichen Aufwands, in der Regel möglich ist und auch durchgeführt wird, werden bei der zweiten Phase schon erste ökonomische Abwägungen getroffen (Kosten-Nutzen-Verhältnis). Diese zweite Phase ist im eigentlichen Sinne der erste Schritt zu einer Kolonisation und bedarf der Erbringung von „Kolonisierungsarbeit“,[3] d. h. Aufwand zur Urbarmachung des zu kolonisierenden Raumes. Demgegenüber steht der Ertrag, der durch die Arbeitskraft (Siedlung) erbracht wird, wobei zwischen kurzfristigen und langfristigen Investitionen (Zeitdauer bis zur Ertragserbringung) unterschieden werden muss. Mit einer gegebenen Rentabilität der Siedlungen (ökonomisch und/oder gesellschaftlich) schließt sich die dritte Phase an.

Ausgangspunkt der Diskussionen bzgl. einer Kolonisation des Mondes ist deshalb die Fragen nach dem Nutzen solch einer Basis (Siedlung) und den gegenüberstehenden Kosten von mehreren 100 Mrd. € (Vergleich hierzu die Kosten der ISS[4]).

Nutzen einer Mondkolonisation[Bearbeiten]

Zum Nutzen einer Mondkolonisation gibt es einige wissenschaftliche Arbeiten, deren Inhalte zum Teil noch sehr theoretischer Natur sind. Des Weiteren beruhen einige der veröffentlichten Vor- und Nachteile auf den vorhandenen Umweltbedingungen. Einige dieser Umweltbedingungen die vorteilhaft genutzt werden könnten, z. B. das der fehlenden Atmosphäre, können aber auch als Nachteil gewertet werden. Weiterhin spielen auch die allgemeinen Vor- und Nachteile der Weltraumkolonisierung eine Rolle, da die Mondkolonisierung ein Bestandteil der Weltraumkolonisierung ist. Im Nachfolgenden wird jedoch versucht, lediglich die Vor- und Nachteile der Kolonisierung des Mondes aufzuzeigen, dies jedoch unter dem Gesichtspunkt des „Nutzens“.

Ökonomische Aspekte[Bearbeiten]

Der Raketentechniker Krafft Ehricke bezeichnete die lunare Wirtschaft als "Selenoconomy".[5] Diese Wirtschaft hätte zum einen das Potential Güter und Serviceleistungen für den eigenen Standort zu generieren oder diese anderen Standorten anzubieten, wie z. B. den lunaren, den geostationären oder den erdnahen Orbit.[5] Der Standortvorteil des Mondes beruht u. a. auf der geringeren Gravitation, so dass das gleiche Produkt, z. B. Treibstoff, mit einen wesentlich geringeren Energieaufwand als beim Start von der Erde, zu den Verbrauchern, z. B. einer Raumstationen, transportiert werden kann. Folgende wirtschaftliche Leistungen könnten angeboten werden:

  • Produkte: Metalle, Mineralien,[6] Treibstoff,[7] Sauerstoff,[8] Helium 3[9]
  • Serviceleistungen: Errichtung und Wartung verschiedener Teleskopanlagen,[10][11] Rohstoffverteilung (z. B. Treibstoff, Sauerstoff) im erdnahen Raum[12]

Politische Aspekte[Bearbeiten]

Eine Mondkolonisierung, sogar nur die Errichtung einer Mondbasis, kann heutzutage nur in internationaler Kooperation stattfinden, da das notwendige Kapital kaum von einer einzelnen Institution oder einem Staat aufgebracht werden kann. Sollte ein einzelner Staat sich trotzdem dieses Ziel setzen, so muss die Regierung den hohen Kapitaleinsatz der Exploration gegenüber den anderen Staatsbereichen (Sicherheit, Sozialsysteme, …) rechtfertigen können, da ein politisches System die unterschiedlichen Interessen der beteiligten Akteure berücksichtigen muss. Die Exploration muss also unter den Aspekten der nationalen Sicherheit, des Prestiges, der Außenpolitik, der wissenschaftlichen und ökonomischen Relevanz und den Nutzen gegenüber der Gesellschaft betrachtet werden.[5]

Der Nutzen solch einer internationalen Kooperation kann anhand der Errichtung und des Betriebs der Internationale Raumstation gesehen werden. Am Ende des Kalten Krieges hat sich die US-amerikanische Regierung dazu entschieden, die bisher geplante nationale Raumstation „Freedom“ in internationaler Kooperation zu errichten. Zum einen hatte dies den Zweck die Kostenrisiken des Projektes zu minimieren bzw. auf die anderen Kooperationspartner zu verteilen und zum anderen sollten die außenpolitischen Beziehungen zu den Kooperationspartnern, u. a. Russland, durch solch ein Projekt gestärkt werden. Obwohl die Kostenrisiken durch Aufteilung des Budgets gesenkt werden, steigen die Gesamtkosten durch Installation entsprechender Schnittstellen und den erhöhten Abstimmungsaufwand bei den Kooperationspartnern, um ca. 30 % an. Der letzte Aspekt, die Abstimmung der nationalen wirtschaftlichen und politischen Interessen untereinander, sowie die Schaffung eines entsprechenden Ausgleichs, ist auf politischer Ebene deshalb einer der bedeutendsten.[5][13]

Darüber hinaus sind noch einige Aspekte des Weltraumrechts ungeklärt, siehe hierzu z. B. den Mondvertrag.

Wissenschaftliche Aspekte[Bearbeiten]

Ein wissenschaftlicher Nutzen einer Mondbasis oder einer Mondkolonisation kann in den Bereichen der Mondforschung, der Erdbeobachtung, der Erforschung des Universums aber auch in der Technologieentwicklung zur Weltraumkolonisierung gesehen werden.

Obwohl der Mond, neben der Erde, zu einem der am besten erforschten Himmelskörper zählt, sind einige Fragen noch offen. Neben dem Sachverhalt, dass die Bildung des Erde-Mond-Systems als noch nicht vollständig verstanden betrachtet werden muss, wurden durch neuere Forschungssonden Gebiete auf der Mondoberfläche entdeckt, die sich wesentlich von den Apollo-Landestellen unterscheiden. Darüber hinaus liefert der Mond durch seine Ein-Platten-Tektonik ein Informationsarchiv mit deren Hilfe weitere Einsichten in die Planetenentstehung generiert werden können.[14][15]

Analog der Satelliten im Erd- oder Sonnenorbit können wissenschaftliche Geräte zur Erdbeobachtung und Erforschung des Universums, auch auf der Mondoberfläche installiert werden. Durch bemannte Basen in der Nähe, wäre dann eine Wartung oder Instandsetzung dieser Systeme möglich.

Ein bedeutender wissenschaftlicher Nutzen könnte auch in der Technologieerprobung liegen. Neben den Ähnlichkeiten von Mars und Mond,[16] und der Entwicklung von Technologien auf dem Mond die auch auf einer Marsmission eingesetzt werden könnten, spielt die Frage nach der Errichtung autarker Basen und dem dafür notwendigen Equipment, sowie die Nutzung der Ressourcen vor Ort eine wesentliche Rolle.[17]

Umweltbedingungen[Bearbeiten]

Magnetfeldstärken auf der Mondoberfläche
Falschfarbendarstellung der Kartierungsergebnisse der Raumsonde Clementine zu der Gesteinsverteilung auf den Mond.

Man kann die natürlichen und die (zukünftig) durch den Menschen verursachten Umweltbedingungen unterscheiden.

Natürliche Umweltbedingungen[Bearbeiten]

Der Mond besitzt keine nennenswerte Atmosphäre, nur ein Sechstel der Fallbeschleunigung der Erde an der Oberfläche, gelegentlich lokale Magnetfelder und örtlich unterschiedlich verteilte Ressourcen. Die fehlende Atmosphäre ist u. a. für den Betrieb von Teleskopanlagen auf dem Mond von Vorteil oder für Prozessverfahren die auf Vakuumtechnik passieren. Die vorhandenen Ressourcen können abgebaut und genutzt werden, wobei der Aufenthaltsort der Abbauanlage auf der Mondoberfläche und die Nutzung des vorhandenen Materials (Mondstaub oder Gesteinsformationen) eine Rolle spielt.

Neben den Bestandteilen des Mondstaubes sind auch dessen Eigenschaften, wie Partikelgröße, spezifisches Gewicht, Porosität, Verdichtbarkeit etc. für die Nutzung vor Ort von Interesse. Diese Eigenschaften bestimmen z. B. das Verhalten des Mondstaubes bei Aushub oder Aufschüttung, im Speziellen ist die maximale Steillage des Hangs zu berücksichtigen (siehe Reibungswinkel). Weiterhin kann auch die Haftung bestimmt werden, die für die Befahrbarkeit (z. B. Auslegung von Mondfahrzeugen) eine Rolle spielt. Die elektrostatischen und magnetischen Eigenschaften geben Auskunft über die Durchlässigkeit von Radiosignalen oder das Verhalten des Mondstaubes. So können Radiosignale Mondstaub bis ca. 10 m durchdringen, so dass ein direkter Kontakt zur Erde nicht erforderlich ist (unterirdische Basen oder Basen mit Deckschichten aus Mondstaub/-gestein). Auf der anderen Seite, können die Staubpartikel durch Sonneneinstrahlung auch aufgeladen werden, was zu einem Schwebe- und Migrationsverhalten dieser führt. Diese Partikel können sich dann an Geräten ablagern.[5]

Menschlich verursachte Umweltbedingungen[Bearbeiten]

Der Mond mit seiner Entstehungsgeschichte kann als eine Art "Archiv der Entstehung des Sonnensystems" gesehen werden. Die Mondkruste bildete sich in der frühen Phase der Entstehung und veränderte sich, aufgrund fehlender vulkanischer Aktivitäten, lediglich durch Asteroideneinschläge. Weiterhin führten Meteorideneinschläge zur Bildung des Mondstaubes, so dass dieses deren Materialien beinhaltet. Durch entsprechende Abbauaktivitäten könnten solche "Archive" zerstört werden. Darüber hinaus können Kolonien durch ihre Aktivitäten Mondstaub aufwirbeln, die sich dann an Geräte und Teleskopanlagen in unmittelbarer Nähe ablagern. Funkverbindung der Basis mit dem Missionskontrollzentrum können ein Hintergrundsignal erzeugen, dass für den Betrieb einer Radioteleskopanlage ungünstig sein könnte.[5]

Zukünftige durch den Menschen verursachte Aktivitäten können entsprechende Auswirkungen auf die Umweltbedingungen zur Folge haben und müssen bei den Planungen entsprechend berücksichtigt werden.

Logistische Infrastruktur[Bearbeiten]

Die Flugbahn der GRAIL Mission zum Mond wurde aufgrund des geringem Treibstoffbedarfs bestimmt.
Erde-Mond System
Mögliche Flugbahn zum Mond
Transferphasen einer Mondmission

Zu Beginn der Planungen einer Mondmission, als Bestandteil einer Mondkolonisation, sind die nachfolgenden Grundsatzentscheidungen zu treffen, die das Missionsprofil festlegen:

  • Gemeinsamer oder getrennter Nutzlast- und Personentransport
  • Standorte von Basen auf dem Mond
  • Etablierung einer logistischen Infrastruktur

Ein Vergleich des Apollo-Programms mit dem Constellation-Programm verdeutlicht die unterschiedlichen Transportkonzepte. Während beim Apollo-Programm die Nutzlast gemeinsam mit der Mannschaft in den Weltraum transportiert wurde (Saturn V), sollte der Transport beim Constellation-Programm mit unterschiedlichen Trägersystemen (Ares I, Ares V) erfolgen. Hintergrund sind erhöhte Anforderungen bei der bemannten Raumfahrt (Gefährdung von Personen) im Gegensatz zur unbemannten Raumfahrt (Gefährdung von Material). Darüber hinaus ermöglicht eine Trennung auch andere Flugprofile für den Gütertransport als für den Personentransport, da die Dauer des Transfers für Material im Gegensatz zu Personen von untergeordneter Bedeutung ist (siehe z. B. Flugbahn der GRAIL Mission). Eine ähnliche Trennung existiert auch bei der Versorgung der ISS.

Ein weiteres wichtiges Kriterium ist die Auswahl des Standortes der Basis auf den Mond. Hierdurch können die Umweltbedingungen der verschiedenen Regionen des Mondes für den Standort genutzt werden, wie vorkommende Ressourcen, wissenschaftlich relevante Untersuchungsgebiete, etc. Zur Versorgung der Basis ist dann eine logistische Infrastruktur notwendig. Diese ist für eine Kolonie im Gegensatz zu einer temporären Forschungsmission unerlässlich, da der Kolonie notwendige nicht vorhandene Ressourcen kontinuierlich zur Verfügung gestellt werden müssen.

Verschiedene mögliche Kolonisationsorte[Bearbeiten]

Die Auswahl eines oder mehrerer Kolonisationsorte hängt von dem Ziel der Mission bzw. Kolonisationsstrategie ab. Nachfolgend werden drei wesentliche Regionen, die besondere Eigenschaften besitzen, kurz dargestellt.[18]

Die Polregionen besitzen Punkte, die fast ständigem Lichteinfall ausgesetzt sind ("Berge des ewigen Lichts"). Somit wäre die Sonne als Energiequelle nutzbar. Bei einem Verbund mehrerer Solarparks wäre eine ständige Energieversorgung gewährleistet. Mittels eines Verteilernetzes ließen sich so auch Stützpunkte betreiben, die nicht ständigem Sonnenlicht ausgesetzt sind. Ein interessanter Kandidat könnte der Shackleton-Krater sein. Darüber hinaus liegen die Täler der Bergketten stetig im Schatten. Untersuchungen zeigten, dass dort Wassereis vorhanden ist, das für eine Kolonie genutzt werden könnte.

Die Äquatorialregionen besitzen aufgrund des steileren Einfallswinkels des Sonnenwindes eine höhere Konzentration an Helium-3 und sind leichter erreichbar, da für Start und Landung keine polare Umlaufbahn sondern ein LMO (Low Moon Orbit) verwendet werden kann. Ein interessanter Standort könnte das Gebiet Reiner Gamma sein, das ein nennenswertes magnetisches Feld besitzt um den Sonnenwind abzulenken.

Die Rückseite des Mondes bietet zum einen eine Abschirmung gegen Radiosignale von der Erde, so dass der Betrieb von Radioteleskopanlagen unter optimalen Bedingungen erfolgen könnte und zum anderen dürften die Helium-3-Konzentration hier noch merklich stärker sein als auf der erdzugewandten Seite, die von dem Erdmagnetfeld bei dessen Monddurchlauf vor dem Sonnenwind geschützt wird. Die Kommunikation mit der Erde wäre jedoch nur über einen Satelliten am L2-Lagrange-Punkt oder über eine Satellitenkonstellation für Kommunikationszwecke realisierbar.

Bausteine einer Infrastruktur[Bearbeiten]

Die Transportvorgänge zwischen Erde und Mond können wie folgt zusammengefasst werden:

Transferweg 1: Erdoberfläche – LEO (Low Earth Orbit) / LEO – Erdoberfläche (Abb. rote Flugbahn)
Transferweg 2: LEO – LMO (Low Moon Orbit) / LMO – LEO (Abb. gelbe Flugbahn)
Transferweg 3: LMO – Mondoberfläche / Mondoberfläche – LMO (Abb. grüne Flugbahn)

Eine der wesentlichen Fragestellungen beim Aufbau einer Infrastruktur ist die nach der Nutzung von Raumstationen in der Erd- und/oder Mondumlaufbahn zur Unterstützung der Versorgung der Mondkolonie.[19] Hierbei würde der Transport von der Erdoberfläche zur Raumstation im LEO (oder auch GEO), danach zur Raumstation im LMO und dann vom LMO zur Mondbasis erfolgen, und umgekehrt.

Bei Betrachtung des Flugverlaufs von Apollo 11 wird ersichtlich, das unnötige Materialtransporte stattfinden, wenn das Apollo-Konzept für die Versorgung einer Mondkolonie angewendet werden würde:

  • Die Wiedereintrittskapsel (Kommandomodul) wurde zum Mond und zurück transportiert (hatte dafür jedoch auch noch andere Funktionen, entsprechend der Bezeichnung).
  • Bei jeder Mission wurde eine Mondlandefähre mitgeführt.
  • Die Komponenten Kommandomodul, Servicemodul und Mondlandefähre wurden nicht zur Wiederverwendung ausgelegt.

Diese Aspekte waren aufgrund des Ziels des Apollo-Programms nicht von Bedeutung (u. a. verschiedene Landeplätze), müssten aber bei einer Kolonisierung berücksichtigt werden. Durch entsprechende Raumstationen, könnten das Transferraumschiff LEO-LMO und die Mondlandefähre zur Wiederverwendung ausgelegt werden, was entsprechende Ressourcen einsparen würde.

Aufbau[Bearbeiten]

Wohnkomplexe[Bearbeiten]

Entwurf eines Wohnkomplexes

Es gibt verschiedenste Vorstellungen, wie man auf dem Mond leben könnte, die sich jedes Mal auf unterschiedliche Kenntnisse und Techniken stützen. Um nur ein kurioses, aber ernsthaftes Beispiel zu nennen: Es gab Ideen darüber, Stationen zu bauen, die auf den Staubseen schwimmen würden. Auch wurde über aufblasbare Komplexe diverser Ausführungen und Größenordnungen nachgedacht. Ebenso wurde der Umbau der Treibstofftanks vorgeschlagen.

  • Besiedlung im Untergrund: Die Kolonie würde hauptsächlich unter der Mondoberfläche gebaut werden, um kosmischer Strahlung, Mikrometeoriten und starken Temperaturschwankungen zu entgehen.
  • Natürliche Höhlen: Es wurden inzwischen lunare Lavaröhren nachgewiesen.[20] Diese natürlichen Formationen ließen sich entweder direkt nutzen oder in Komplexe integrieren.
  • Eingraben: Als praktischste Lösung wird der Bau einer Basis an der Oberfläche angesehen, die anschließend unter mehreren Metern Mondstaub begraben wird.
  • Auf der Oberfläche: Vor der kosmischen Strahlung kann sich die Kolonie mit künstlichen Magnetfeldern schützen.

Energie[Bearbeiten]

Solar[Bearbeiten]

Während in den Polregionen Orte mit ständiger Sonnenbestrahlung liegen, ist sonst auf dem Mond die Sonne nur zeitweise verfügbar. Auf etwa zwei Wochen (336 Stunden) ununterbrochener Sonneneinstrahlung folgen zwei Wochen ununterbrochener Dunkelheit. Da eine entsprechende Energiespeicherung für die Dunkelphase sehr aufwändig ist, wird den Polregionen wohl der Vorzug gegeben.

Rohmaterialien für die Herstellung von Photovoltaikanlagen sind auf dem Mond vorhanden. Auch Sonnenwärmekraftwerke sind denkbar.

Nuklear[Bearbeiten]

Obwohl das für einen Kernfusionsreaktor notwendige Helium-3 reichlich auf dem Mond vorhanden ist, ist eine Nutzung in nächster Zeit unwahrscheinlich, da nach wie vor kein Fusionsreaktor konstruiert wurde, der mehr Energie freisetzt, als er benötigt. Deswegen käme die Nutzung eines Kernkraftwerks in Frage, da diese Technologie bekannt und technisch umgesetzt ist. Als Alternative sollte man noch die Radioisotopengeneratoren nennen, die vor allem bei Langzeitmissionen wie Sonden eingesetzt werden, aktuell beispielsweise die Raumsonde New Horizons.

Transport[Bearbeiten]

Zur Oberfläche[Bearbeiten]

Der Mensch ist bereits mittels Raketen während des Apollo-Programms zum Mond geflogen, auf ihm gelandet und anschließend wieder zurückgeflogen. Dabei blieben immer Ausrüstungsgegenstände wie Mondrover oder Landemodule auf der Oberfläche zurück.

Ein großes Problem bei der Anreise ist es, dass der Mond keine Atmosphäre besitzt und somit kein atmosphärisches Bremsen möglich ist. Somit bleibt bei derzeitigem Technologiestand nur die Möglichkeit, mitgebrachten Treibstoff zum Abbremsen zu nutzen.

Auf der Oberfläche[Bearbeiten]

Bisher wurden hauptsächlich Rover genutzt, um auf dem Mond zu fahren. Für den Transport von Material und Personen zwischen der Kolonie und den Lagerstätten von Bodenschätzen ist aber ein leistungsfähigeres Transportmittel nötig. Hierfür würde sich eine Magnetschwebebahn anbieten, da keinerlei Reibung die Geschwindigkeit begrenzen würde und somit wesentlich höhere Reisegeschwindigkeiten als mit vergleichbarer Technologie auf der Erde möglich wären. Ausfallsichere Lebenserhaltungssysteme sind in den Personentransportmitteln notwendig.

Mondbasis mit Massetreiber

Von der Oberfläche[Bearbeiten]

Der Mangel an Atmosphäre ist Hindernis und Vorteil zugleich, so sind durch die fehlende Atmosphäre realistische Varianten einer Railgun möglich. Solche festen Installationen auf der Oberfläche könnten ein Objekt elektromagnetisch bis jenseits der Fluchtgeschwindigkeit beschleunigen, womit sie dann einen Mondorbit verlassen würden. Die fehlende Atmosphäre, aber auch die geringere Anziehungskraft des Mondes sorgen dafür, dass sich das Objekt mit deutlich geringerer Energie beschleunigen ließe als auf der Erde, wo unter anderem auch der Luftwiderstand Grenzen setzt. Je nach Ausrichtung könnte diese Ladung dann an diversen Punkten abgefangen werden oder auf der Erde landen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kolonisation des Mondes – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Um die Macht auf dem Mond. www.sf-leihbuch.de, abgerufen am 30. November 2013 (HTML, deutsch).
  2. Dietrich Fliedner u. a.: Die Kolonisierung New Mexicos durch die Spanier. Universität Saarland, 1975, abgerufen am 1. Dezember 2013 (PDF; 15 MB, deutsch).
  3. Verena Winiwarter: Gesellschaftlicher Arbeitsaufwand für die Kolonisierung von Natur. Universität Klagenfurt, abgerufen am 1. Dezember 2013 (PDF; 19 MB, deutsch).
  4. Alan Boyle: What’s the cost of the space station? MSNBC, 25. August 2006, abgerufen am 23. Januar 2011 (englisch).
  5. a b c d e f The McGraw-Hill Companies: The Lunar Base Handbook - An Introduction to Lunar Base Design and Operations. Second Edition, United States of America, 2006, ISBN 0-07-329444-6.
  6. Michael Odenwald: Yutu entdeckt: Nasa-Sonde filmt Chinas Jadehasen auf dem Mond. Focus Online, 5. Januar 2014, abgerufen am 23. Februar 2014 (HTML, deutsch).
  7. Mining and Manufacturing on the Moon. International Space School Educational Trust (ISSET), abgerufen am 23. Februar 2014 (HTML, englisch).
  8. Lunar Oxygen Production or MoonROx Challenge. NASA, 2009, abgerufen am 23. Februar 2014 (HTML, deutsch).
  9. Raumfahrtvisionen - Energielieferant der Zukunft: Helium-3 vom Mond. Focus Online, abgerufen am 23. Februar 2014 (HTML, deutsch).
  10. Harald Zaun: Dark Side of the Moon. heise.de, 12. Januar 2002, abgerufen am 23. Februar 2014 (HTML, deutsch).
  11. Space Solar Power Workshop: Lunar In –Situ Resource Advantages. Georgia Institute of Technology, abgerufen am 21. Dezember 2013 (PDF; 50 kB, englisch).
  12. Smitherman, Davi. V.: Pathways to Colonization. NASA, 2002, abgerufen am 21. Dezember 2013 (PDF; 2,51 MB, englisch).
  13. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatDie Internationale Raumstation. DLR, Juni 1998, abgerufen am 23. Februar 2014 (PDF; 2,03 MB, englisch).
  14. Urs Mall: SMART-1 - Europas Mission zum Mond. Max-Planck-Gesellschaft, 2004, abgerufen am 23. Februar 2014 (HTML, deutsch).
  15. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatThe Case for an International Lunar Base. International Academy of Astronautics, November 1989, abgerufen am 23. Februar 2014 (3,4 MB, englisch).
  16. Trudy E. Bell, Tony Phillips: Why colonize the Moon before going to Mars? Phys.org, 21. März 2005, abgerufen am 23. Februar 2014 (HTML, englisch).
  17. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatNASA In-Situ Resource Utilization (ISRU) - Development & Incorporation Plans (Präsentation). NASA, Nov 2007, abgerufen am 21. Dezember 2013 (PDF; 4,77 MB, englisch).
  18. Ambrose, W. A. et al.: Abstract - Optimal Locations for Lunar Settlements and Industrial Facilities. AAPG Datapages, 2013, abgerufen am 13. April 2014 (PDF; 19,7 MB, englisch).
  19. Duke, M. B. et al.: Strategies for a Permanet Lunar Base. Lunar and Planetary Institute, 1985, abgerufen am 13. April 2014 (PDF; 3,14 MB, englisch).
  20. NASA Science News: Down the Lunar Rabbit-hole 12. Juli 2010.