Lavaröhre

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Thurston Lava Tube im Hawaiʻi-Volcanoes-Nationalpark.
Bildung einer Lavahöhle.

Lavaröhren (engl.: lava tubes) sind Höhlen, die sich aus Lavaflüssen bilden können. Sie entstehen, wenn ein Lavafluss an der Oberfläche zuerst erstarrt, aber im Inneren flüssig bleibt und weiterfließt. Nach dem Versiegen des Lavastroms kann ein Hohlraum entstehen. In der englischen Sprache wird vom "candlewax-effect" (Abkühlen von heißem Kerzenwachs) gesprochen.

Entstehung[Bearbeiten]

Eine wesentliche Voraussetzung für das Entstehen der Lavahöhlen, die sich vor allem an Schildvulkanen befinden, ist ein Neigungswinkel am Vulkankegel von bis zu 5°. Besonders lange Röhren entstehen bei einem anschließenden relativ flachen Geländeprofil und bei einem kontinuierlichen Ausfluss entsprechender Lavamassen aus dem Krater. Die Lava in den Röhren kann dabei bis zu 60 km/h schnell fließen. Entscheidend für das Entstehen ist ferner die chemische Zusammensetzung der Lava mit einer geringen Viskosität. Die Temperatur der flüssigen Lava beim Entstehen der Lavaröhren beträgt rund 1.200 °C. Ist die Lava aus den Röhren ausgeflossen, bleiben die Röhren mit einem relativ ebenen Bodenprofil zurück, das durch Reste nicht abfließender Lava entsteht. Die Breite der Röhren kann bis zu 30 m und mehr betragen und die Höhe bis zu 15 m. Teilweise können solche Höhlen auch unter Wasser geraten (z.B. in Hawaii). Da die Decke der Röhren unterschiedlich dick ist, kann es zum Einsturz derselben aus statischen Gründen oder durch Erosion kommen.

Vorkommen[Bearbeiten]

  • Die Röhren sind besonders zahlreich auf Hawaii.
  • Die Thurston Lava Tube ist ein Exemplar, das zu den Attraktionen des Hawaiʻi-Volcanoes-Nationalpark gehört.
  • Sehr viele Höhlen gibt es auch auf Island wie zum Beispiel Surtshellir und Viðgelmir.
  • Am Ätna findet man ebenfalls zahlreiche Lavaröhren.
  • Im australischen Undara-Nationalpark gibt es den längsten Lavafluss der Erde von mehr als 100 km[1] der eine Reihe von Lavaröhren hinterließ. Im Undara-Nationalpark sind insgesamt 69 Lavaröhren begehbar, davon werden 8 im Rahmen touristischer Maßnahmen in Führungen (2008) begangen und 300 sind eingestürzt. Die längste begehbare Höhle ist knapp 1 km lang.
  • Die Kazumura Cave auf Hawaii ist die mit 65,5 km längste Lavaröhre der Welt.
  • Die längste Lavaröhre innerhalb der EU, Cueva del Viento, befindet sich auf Teneriffa und hat eine Länge von 17 km.
  • Auf Lanzarote sind die Teile Cueva de los Verdes und Jameos del Agua vom Lavatunnelsystem des Monte Corona-Vulkans öffentlich zugänglich, ebenso auf Fuerteventura die Cueva del Llano, die in der Ebene liegt und keinem sichtbaren Vulkan zugeordnet werden kann.
  • Lavaröhren sind auch auf dem Mond nachgewiesen.[2]
  • Lange und besonders breite Lavaröhren sind auf dem Mars vorhanden.[3]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Lavaröhren – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. A.  T. Atkinson, T. J. Griffin, P. J. Stephenson: A Major Lava Tub System from Undara Volcano, North Queensland, 1991,(Reprint aus Bulletin Volcanologque Tome XXXIX, 1975), S. 1.
  2. NASA Science News: Down the Lunar Rabbit-hole 12. Juli 2010.
  3. esa mars express: Lava tubes on Pavonis Mons (englisch) 23. Mai 2006.