National Trust

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Hinweisschild auf den National-Trust-Naturschutzpark in Windermere (Cumbria)
Klippen bei Rhossili
Waddesdon Manor in Buckinghamshire
Stourhead Landschaftsgarten

Der National Trust for Places of Historic Interest or Natural Beauty (deutsch etwa: „Nationale Treuhandschaft für Orte von historischem Interesse oder von Naturschönheit“), meist verkürzt zu National Trust, ist eine gemeinnützige Organisation, die Objekte aus dem Bereich der Denkmalpflege und des Naturschutzes in England, Wales und Nordirland betreut. Schottland hat eine eigene Organisation für denselben Zweck, den National Trust for Scotland. Der National Trust ist mit 3,7 Millionen Mitgliedern die größte Organisation Europas für Kultur- und Naturschutz[1] und eine der größten Organisationen in Großbritannien. Präsident ist Prinz Charles. Der Verwaltungssitz ist in Swindon in Südwestengland.

Geschichte[Bearbeiten]

Der National Trust wurde 1895[2] im Viktorianischen Zeitalter gegründet. Zu den Gründern gehörten Octavia Hill, Sir Robert Hunter und Canon Hardwick Rawnsley. Ziel war es, Gebäude oder Landschaften von historischem Interesse oder besonderer Schönheit zu bewahren. Die Grundidee war, dass nur der Privatbesitz von Gebäuden und Grundstücken diese vor einer späteren Zerstörung oder Verbauung durch den Staat oder Unternehmen bewahren kann.

In den Vereinsstatuten ist festgeschrieben, dass einmal erworbene Grundstücke oder Gebäude vom Trust nicht wieder verkauft werden dürfen.

Gebäude, Gärten und anderes[Bearbeiten]

Derzeit zählen rund 200 historische Gebäude und Gärten sowie 47 industrielle Bauwerke und Mühlen, 49 Kirchen und Kapellen, einige Pubs und 19 Schlösser zum Eigentum des Trusts.

Nach dem Zweiten Weltkrieg haben zahlreiche britische Adlige anstelle von hohen Erbschaftssteuern ihre Herrenhäuser dem Staat übergeben, der sie anschließend dem National Trust überließ. Das erste Haus, das der National Trust auf diese Weise erwarb, war 1947 Cotehele House von der Familie Edgcumbe[3]. Zu den zahlreichen weiteren Häusern, die der National Trust anstelle von Erbschaftssteuern übernahm, zählen Penryhn Castle (1952), Castle Ward (1953), Petworth House (1954), Ickworth House (1956) und Saltram House (1957). Oft konnten die Besitzer jedoch ein Wohnrecht vereinbaren, dass ihnen in einem Teil der Räumlichkeiten gewährt wurde.

Als größte Schenkung an den National Trust gilt die Überlassung von Kingston Lacy. Nach seinem Tod 1981 überließ der letzte Bewohner, Ralph Bankes, dem National Trust nicht nur das Herrenhaus samt seinen prächtigen Kunstschätzen, sondern auch seinen 64 km² umfassenden Grundbesitz.[4]

Heute besitzt der National Trust mit etwa 2550 km² Grundbesitz 1,5 Prozent des Landes, darunter ein Viertel des Lake District, sowie über 1120 km Küstenlinie. Dies sind etwa zehn Prozent der gesamten Küste.[5]

Die meistbesuchte Sehenswürdigkeit ist Wakehurst Place mit etwa 500.000 Besuchern im Jahr, berühmt für seinen Botanischen Garten.[6]

Auch Wohnstätten berühmter Engländer wie Winston Churchill,[7] John Lennon und Paul McCartney[8] sind über den National Trust zugänglich.

Soweit dies nicht durch Baumaßnahmen verhindert wird, öffnet der Trust seinen Besitz gegen eine Eintrittsgebühr für Besucher. Den Mitgliedern der Organisation stehen die zahlreichen Denkmäler und Parkanlagen kostenlos offen. Bei einer längeren Tour durch England, Wales und Schottland kann es deshalb sinnvoll sein, vorher dem National Trust beizutreten; es gibt auch Touristen-Pässe für sieben Tage.[9] Im Jahr 2004 besuchten rund 50 Millionen Menschen die Einrichtungen des National Trust, durch den vier von fünf geschichtlich wertvollen Häusern für die Öffentlichkeit zugänglich sind.

Finanzen[Bearbeiten]

Der Etat des National Trust beträgt rund 470 Millionen Euro.[10]

Finanziert wird dieses Unterfangen vor allem über die Beiträge der Mitglieder, unbezahlte Arbeit der 61.000 Freiwilligen, Spenden, Erbschaften und Geschenke. Auch die Erträge der Andenkenläden, Restaurants und aus Vermietungen fließen in den Haushalt ein. In den Vereinigten Staaten wurde The Royal Oak Foundation gegründet, um so leichter Spenden sammeln zu können.

Weitere Sammlungen[Bearbeiten]

Der National Trust sammelt auch außergewöhnliche Dinge. So kann er 26 Samuraiwaffenausrüstungen, den Oscar von George Bernard Shaw, eine nationale Sammlung von Rasenmähern, 57 Fleischklopfer und ein Fotoalbum von der Größe eines Poststempels sein Eigen nennen.

Das bekannteste Denkmal, das fälschlicherweise dem National Trust zugeordnet wird, ist Stonehenge. National Trust besitzt zwar 850 ha Land, auf dem dieses prähistorische Gebilde steht, und durch eine Vereinbarung haben National-Trust-Mitglieder freien Eintritt in die Anlage, das eigentliche Bauwerk wird aber von English Heritage verwaltet und betreut.

Weltweite Anstöße[Bearbeiten]

Ähnliche Organisationen gibt es zum Beispiel in Australien. In Deutschland gründete Gottfried Kiesow nach dem englischen Vorbild die Deutsche Stiftung Denkmalschutz.[11]

In Frankreich entstand 1975 die Organisation Conservatoire du littoral, um Küstenabschnitte zu erhalten. In Österreich gibt es seit 2000 die Die Gemeinnützige Österreichische Baukultur-Privatstiftung.

Herausragende Gärten, Häuser, Burgen[Bearbeiten]

Wicken Fen, erworben 1899

Die komplette Liste aller Objekte in England findet man im entsprechenden Artikel der englischsprachigen Wikipedia.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Reisebericht auf zeit.de, abgerufen am 28. November 2011
  2. Who we are. National Trust, abgerufen am 9. Juni 2013.
  3. Treasure Hunt: National Trust Collections. Abgerufen am 12. März 2013.
  4. Dorset History: Kingston Lacy House. Abgerufen am 12. März 2013.
  5. Angaben auf der offiziellen Seite des National Trust, abgerufen am 29. November 2011
  6. Angaben auf der offiziellen Seite des National Trust, abgerufen am 28. November 2011
  7. Angaben auf der offiziellen Seite des National Trust, abgerufen am 28. November 2011
  8. Angabe auf der offiziellen Seite des National Trust, abgerufen am 28. November 2011
  9. Angaben auf der offiziellen Seite des National Trust, abgerufen am 29. November 2011
  10. PDF-Dokument zum Etat des National Trust, S. 412, abgerufen am 29. November 2011
  11. Interview mit dem Gründer Kiesow auf der offiziellen Seite der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, abgerufen am 28. November 2011