Deutsche Einigung

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Nationale Einigung Deutschlands)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Proklamation Kaiser Wilhelms I. (Gründung des Deutschen Reichs) am 18. Januar 1871 im Spiegelsaal von Versailles

Unter der deutschen Einigung versteht man die Schaffung eines deutschen Nationalstaates durch Otto von Bismarck 1871 (Deutsches Kaiserreich).

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Schon zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurde vereinzelt in der Literatur der Frühaufklärung Kritik an der deutschen Kleinstaaterei geübt und öffentlich der Wunsch nach einem Nationalstaat geäußert. [1] Vor allem im Kreis um den Gelehrten Johann Gottfried Gregorii entstanden Schriften für ein gesamtdeutsches Lesepublikum, welche die Geschichte,[2] Geographie, Kartographie [3] und Sagenüberlieferung[4] der Kultur- und Sprachnation zum Inhalt hatten und damit den Einheitsgedanken im deutschen Schrifttum manifestierten. Ein Jahrhundert später, in Zeiten napoleonischer Besatzung, erinnerte sich eine Gesellschaft von Weimarer Gelehrten um Friedrich Johann Justin Bertuch an die gesamtdeutsche Sichtweise des Vordenkers: … allein mit dem dem sonst so fabelreichen Joh. Gottfried Gregorius (unter dem angenommenen Namen Melissantes) bildete sich schon zu Anfang des XVIII. Jahrhunderts eine Ansicht, die würdig gewesen wäre, weiter verfolgt zu werden, wenn sie überall gleich grosse Empfänglichkeit gefunden hätte. Seine curiöse Beschreibung einiger vormals berühmten, theils verwüsteten und zerstörten, theils aber wieder neu aufgebaueten Bergschlösser in Teutschland, verbunden mit seinem neu eröffneten Schauplatz denkwürdiger Geschichte, auf welchem die Erbauung und Verwüstung vieler berühmter Städte und Schlösser präsentirt wird (2. Th. 1715) war für ein Vaterland berechnet, das nicht von den engen Gränzen der landesherrlichen Territorien beschränkt ward, aber da das Vaterland dem Vaterlande fehlte, so wie der Mensch dem Patrioten, so ging das allgemeine Interesse, das dieser erregen wollte, in dem besondern, und das besondere in dem Mangel am allgemeinen unter …[5]

Die Schaffung eines geeinten Deutschlands war seit den Befreiungskriegen 1813 das Ziel der Liberalen und Studenten. Doch scheiterte das Bürgertum damit 1848 und 1849 (Märzrevolution, Frankfurter Nationalversammlung). Dieses urliberale Ziel verwirklichten dann paradoxerweise der Adel und der erzkonservative preußische Ministerpräsident Bismarck, also genau die politischen Gegner der Liberalen.

Politische Einigung[Bearbeiten]

Die Reichseinigung als „Revolution von oben“ vollzog sich im Zusammenhang mit den Einigungskriegen, im Wesentlichen in zwei Schritten: Nach dem Deutschen Krieg Preußens gegen das Kaisertum Österreich 1866 wurde der Norddeutsche Bund gegründet, der im darauffolgenden Jahr durch eine Verfassung zum Bundesstaat wurde. Der Krieg gegen Frankreich 1870/71 bot schließlich die Gelegenheit zur Gründung des Deutschen Reiches, was einer Gebietsvergrößerung und Erweiterung des Bundes gleichkam.

Gemeinsame Währung[Bearbeiten]

Ab 1871 wurde die Mark als einheitliche goldgedeckte Währung des Deutschen Kaiserreichs („Reichsgoldwährung“) eingeführt.

Einheitliches Rechtssystem[Bearbeiten]

Vor dem Inkrafttreten des Bürgerlichen Gesetzbuchs herrschte auf dem Gebiet des 1871 gegründeten Deutschen Reichs Rechtszersplitterung, es galt u. a. Gemeines Recht, das Preußische Allgemeine Landrecht (ALR) von 1794, der Code Civil von 1804, Badisches Recht von 1810, der Codex Maximilianeus Bavaricus Civilis von 1756, das Jütische Recht von 1241, der Sachsenspiegel bzw. das gemeine Sachsenrecht und das Sächsische BGB von 1865.

Allmählich verstärkten sich aber die Forderungen nach einem bürgerlichen Gesetzbuch. Bereits 1867 wurde im Reichstag des Norddeutschen Bundes beantragt, die Kompetenz zur Regelung des Bürgerlichen Rechts dem Bund zuzuweisen, was aber abgelehnt wurde. Zwei Jahre später wurde ein weiterer Antrag gleichen Inhalts eingereicht, welcher nun angenommen wurde, allerdings folgenlos blieb. 1873 beschlossen Reichstag und Bundesrat, auf Antrag der Reichstagsabgeordneten Miquel und Lasker von der Nationalliberalen Partei, eine Änderung der Reichsverfassung, die dem Reich die Gesetzgebungszuständigkeit für das gesamte Zivilrecht übertrug (siehe lex Miquel-Lasker). Das BGB trat am 1. Januar 1900 in Kraft. Es wurde vom Einführungsgesetz zum Bürgerlichen Gesetzbuche (EGBGB) begleitet, in dem die Übergangsregelungen zum bis dahin in Deutschland geltenden Recht und Öffnungsklauseln für die Gesetzgebung der Bundesstaaten (heute: Länder) enthalten sind (sog. Landesprivatrecht).

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Kurt Jaeger: Die deutschen Münzen seit 1871: mit Prägezahlen und Bewertungen. (Bewertungen mit aktuellen Marktpreisen; mit allen deutschen Euro-Münzen). 19., erw. Auflage. bearb. von Helmut Kahnt, H. Gietl Verlag, Regenstauf 2005, ISBN 3-924861-97-8.
  • Wolfgang Trapp, Torsten Fried: Handbuch der Münzkunde und des Geldwesens in Deutschland Reclam, Stuttgart 2006, ISBN 3-15-010617-6.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Johann Gottfried Gregorii alias Melissantes: GEOGRAPHIA NOVISSIMA, Teil 1, 1. Auflage, Frankfurt, Leipzig [und Erfurt] 1708, S. 1126
  2. Hrsg.: Burkhard Gotthelf Struve: Erläuterte teutsche Reichs-Historie, Jena 1720
  3. Johann Christoph Weigel und Johann Gottfried Gregorii: Continuirter ATLAS PORTATILIS GERMANICUS. Nürnberg 1723-1780
  4. Melissantes: Das erneuerte Alterthum, oder curieuse Beschreibung einiger vormahls berühmten, theils verwüsteten und zerstörten, theils aber wieder neu auferbaueten Berg-Schlösser in Teutschland / aus glaubwürdigen Historicis und Geographis mit vielen denckwürdigen Antiquitäten vorgestellet, und nebst zweyen Registern ausgefertiget von Melissantes, Frankfurt, Leipzig [und Erfurt] 1713/1721
  5. Friedrich Justin Bertuch: Allgemeine geographische Ephemeriden: Bd. 34, Weimar 1811, S. 71/72