Nationalratswahl in Österreich 1945

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Nationalratswahl 1945
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Von 165 Sitzen entfallen auf:

Die erste Nationalratswahl in der Zweiten Republik fand am 25. November 1945 statt. Die ÖVP unter Leopold Figl ging als Sieger aus der Wahl hervor und erreichte eine absolute Mandats-Mehrheit. Zweiter wurde die SPÖ unter Staatskanzler Karl Renner. Die KPÖ blieb deutlich hinter den Erwartungen und schaffte nur knapp den Einzug in den Nationalrat.

Insgesamt waren etwas weniger als 3,5 Millionen Österreicher wahlberechtigt. Die Wahlbeteiligung lag bei 93,27 Prozent.

Hintergrund[Bearbeiten]

Karl Renner 1905.jpg
Karl Renner (1905)
Figl leopold 01.jpg
Leopold Figl

Die Nationalratswahl 1945 war die erste demokratische Wahl nach der militärischen Niederschlagung des Nationalsozialismus und zugleich die fünfte Nationalratswahl in der Geschichte Österreichs. Zugleich war sie die erste demokratische Wahl seit dem als „Selbstausschaltung des Parlaments“ in die Geschichte eingegangenen austrofaschistischen Putsch durch Bundeskanzler Engelbert Dollfuß im Jahr 1933.

Mit der Wiedererrichtung eines selbstständigen österreichischen Staates Ende April 1945 wurde zunächst der Sozialdemokrat Karl Renner durch die Besatzungsmächte als Kanzler einer provisorischen Staatsregierung aus SPÖ, ÖVP und KPÖ eingesetzt. Die NSDAP wurde mit dem Verbotsgesetz unmittelbar nach dem Krieg verboten und durfte somit nicht mehr zu den Wahlen antreten. Rund 800.000 ehemalige NSDAP-Mitglieder waren bei der ersten Nationalratswahl 1945 nicht wahlberechtigt. Von den 165 Abgeordneten waren 118 auch frühere politische Häftlinge oder Widerstandskämpfer[1].

Endergebnis[Bearbeiten]

Wahlwerber Stimmen Anteil Mandate
Österreichische Volkspartei (ÖVP) 1.602.227 49,8 % 85
Sozialistische Partei Österreichs (SPÖ) 1.434.898 44,6 % 76
Kommunistische Partei Österreichs (KPÖ) 174.257 5,4 % 4
Demokratische Partei Österreichs (DPÖ) 5.972 0,2 %
Alliierte Besatzungszonen in Österreich

Folgen[Bearbeiten]

Rund drei Wochen nach der Wahl, am 19. Dezember 1945, trat das Parlament zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen, womit die Bundesverfassung wieder in Kraft trat. Tags darauf wurde Leopold Figl von der ÖVP, die die absolute Mehrheit an Mandaten erreicht hatte, Bundeskanzler. Am selben Tag wurde auf seinen Vorschlag hin die neue Bundesregierung Figl I ernannt. Ebenso wie die provisorische Vorgängerregierung handelte es sich um eine Konzentrationsregierung aus ÖVP, SPÖ und KPÖ. Die SPÖ stellte neben dem Vizekanzler (Adolf Schärf) auch den Innenminister (Oskar Helmer); im Vergleich zur ersten Konzentrationsregierung unter Karl Renner schwand der Einfluss der KPÖ deutlich, die mit Karl Altmann fortan nur mehr einen Minister stellte.

Quellennachweise[Bearbeiten]

  1. Paul Lendvai: Mein Österreich, S. 39

Weblinks[Bearbeiten]