NeXT

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Dieser Artikel befasst sich mit dem Unternehmen NeXT, Inc., für den Film siehe Next (Film).
NeXT, Inc.
Logo
Rechtsform Inc.
Gründung 1985
Auflösung 1996
Auflösungsgrund Übernahme durch Apple
Sitz Redwood City, Kalifornien, USA
Leitung Steve Jobs
Branche Elektroindustrie

Das Unternehmen NeXT, Inc. [nɛkst] wurde 1985 von Steve Jobs gegründet. Zuvor hatte er Apple nach einem verlorenen Machtkampf verlassen. NeXT entwickelte und verkaufte vielbeachtete Workstations mit Prozessoren der Motorola 68000er-Familie. Das selbstentwickelte Unix-artige Betriebssystem NeXTstep galt, wie auch das Design, der Aufbau und die Ausstattung der Geräte, in vielen Aspekten als wegweisend. Die NeXT-Workstations konnten sich jedoch am Markt nicht durchsetzen und blieben ein Nischenprodukt, was auch auf die hohen Preise ab etwa 6000 US-Dollar zurückgeführt wurde.

Ende 1996 wurde NeXT von Apple übernommen, das auf der Basis von NeXTstep das Betriebssystem Mac OS X entwickelte.

Unternehmensgeschichte[Bearbeiten]

NeXTcube

Nachdem Steve Jobs mit den fünf Kollegen Rich Page, George Crow, Bud Tribble, Dan'l Lewin und Susan Barnes Apple 1985 verlassen hatte, gründeten sie zusammen mit Randy Heffner und Gary H. Moore 1986 die NeXT Computer, Inc. Steve Jobs steuerte 5 Millionen US-Dollar aus seinem eigenen Vermögen zur Gründung bei. 1987 erwarb Ross Perot für 20 Millionen US-Dollar einen Anteil von 16 % an NeXT. Im Oktober 1988 stellte Steve Jobs den ersten NeXT-Computer in San Francisco vor. Ab September 1989 wurde dieser dann auch als NeXTcube ausgeliefert. Ebenfalls 1989 erwarb Canon einen Anteil von 16,6 % an NeXT für 100 Millionen US-Dollar.

NeXTstation

1990 wurde die NeXTstation vorgestellt, eine flache Pizza box, die unter den Monitor gestellt wurde.

Ende 1990 etablierte sich in Deutschland eine Vertriebsorganisation aus NeXT Deutschland GmbH (München), drei NeXTcentern (d'ART Hamburg, AMG Dortmund und DCS Waldbronn bei Karlsruhe) und zahlreichen NeXTpartnern, darunter auch die Computerabteilung des Karstadt-Oberpollingers in München.

1993 verabschiedete sich NeXT vom Hardware-Geschäft und entwickelte die plattformunabhängige Software NeXTStep für Intel, NeXTstep für Motorola (NeXT-Hardware) und für spezielle Unix-Workstations (PA-RISC) von HP und Sun SPARC, sowie – zumindest im Labor – auch für IBM PowerPC.

Im Zuge der Umorientierung wurde der Unternehmensname 1995 in NeXT Software, Inc. geändert. OPENSTEP, eine Implementierung der OpenStep-Spezifikation, lieferte NeXT für Intel-Rechner (als vollständiges Betriebssystem openSTEP/Mach for Intel und als OpenStep/NT als Aufsatz auf Windows NT) und seine bestehende NeXT-Hardware. Parallel dazu entstand mit WebObjects eine objektorientierte Entwicklungs- und Laufzeitumgebung für dynamische Webseiten.

Schließlich wurde das Unternehmen am 20. Dezember 1996 für 400 Millionen US-Dollar von Apple Computer aufgekauft. Der deutsche Geschäftsführer Gerhard Tauschl führte bei Apple als Sales Manager Enterprise Business Europe das WebObjects-Geschäft weiter. Auf der Basis von Apple WebObjects entstand u. a. der iTunes Store. Steve Jobs kehrte zu Apple zurück und hatte von 1997 bis zu seinem Rücktritt im August 2011 die Position des CEO inne.

Das Betriebssystem NeXTStep, genauer gesagt der Mikrokernel Mach und die API OpenStep, bilden heute zusammen mit FreeBSD die Grundlagen für das derzeitige Apple-Betriebssystem Mac OS X.

Open-Source-Projekte wie die Fenstermanager AfterStep und GNU Window Maker machen das Look and Feel der NeXT-Benutzeroberfläche auch für andere Betriebssysteme verfügbar. Eine OpenStep-kompatible API für Unix-Systeme wird mit dem Projekt GNUstep entwickelt.

Auf den Workstations von NeXT lässt sich auch NetBSD als alternatives modernes Betriebssystem einsetzen.

Bedeutung in der Datenverarbeitung[Bearbeiten]

Das Unternehmen NeXT hat bedeutende Beiträge für die Fortschritte im Bereich der Informationstechnologie geleistet. In NeXTStep und den NeXT-Rechnern wurden erstmals Konzepte einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht, die später zum Standard wurden. Beispiele:

  • Die erste objektorientierte grafische Entwicklungsumgebung, mit der die Erstellung von Benutzeroberflächen für Programme mit einem grafischen, mausbedienten Editor erfolgte. Von besonderer Bedeutung war die Verwendung von Display PostScript, also der Seitenbeschreibungssprache für die Druckausgabe auch am Monitor, so dass ein vollständiges WYSIWYG-Konzept verwirklicht wurde.
  • Unternehmensweite Vernetzung von Arbeitsgruppen mit grafischer Schnittstelle. Die Netzwerkkonfigurationsdatenbank Netinfo und die GUI-basierten Programme zu ihrer Verwendung erlaubten eine einfache Konfiguration von Computernetzwerken ohne tiefergehende Kenntnisse des darunterliegenden Unix-Betriebssystems.
  • Erstes einheitliches Installations- und Deinstallationssystem für Programme.
  • Als Basis wurde der öffentlich zugängliche KernelMach“ der Carnegie Mellon University verwendet und verfeinert. Es entstand eine Systembasis, die in Mac OS X und in den Aktivitäten der Linux-Gemeinde weiterlebt.
  • Die NeXT-Rechner verfügten zusätzlich zur Haupt-CPU über einen DSP zur Verbesserung der Rechenleistung bei der Verarbeitung bestimmter Daten. Dieses Konzept lebt heute im Einsatz von GPUs zur Berechnung allgemeiner Vorgänge fort (GPGPU).
  • Die NeXT-Rechner waren die ersten Rechnersysteme, die nicht nur als Hardware mit Betriebssystem, sondern auch mit einem umfangreichen Softwarepaket ausgeliefert wurden, was den höheren Preis zum Teil erklärte.

Sonstiges[Bearbeiten]

  • Tim Berners-Lee entwickelte auf einem NeXTcube die Grundlagen des World Wide Webs. Sowohl der erste Browser, WorldWideWeb, als auch der erste Webserver liefen somit auf NeXTStep.
  • Das NeXT-Logo wurde von Paul Rand entworfen. NeXT hat sich das Engagement von Rand 100.000 US-Dollar kosten lassen.
  • Die Workstations von NeXT wurden vom Unternehmen frog design des Produktdesigners Hartmut Esslinger entworfen. Wegen des außergewöhnlichen Designs sind einige NeXTcubes in Museen ausgestellt, etwa in der Neuen Sammlung der Pinakothek der Moderne in München und im Museum of Modern Art in San Francisco.[1]

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: NeXT – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Virtueller Ausstellungskatalog, Museum of Modern Art San Francisco