Nicholas Wiseman

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Nicholas Patrick Stephen Wiseman
Nicholas Kardinal Wiseman, Stich um 1860, aus "Geschichte der Kirche Christi" von Johannes Ibach, Benziger, Einsiedeln, 1916

Nicholas Patrick Stephen Kardinal Wiseman (* 2. August 1802 in Sevilla; † 15. Februar 1865 in London) war ein englischer katholischer Theologe und wurde der erste römisch-katholische Kardinal und Erzbischof in England nach der Reformation.

Leben[Bearbeiten]

Wiseman studierte in Irland und Rom katholische Theologie, er war Seminarist am Päpstlichen Englischen Kolleg und wurde am 19. März 1825 zum Priester geweiht. 1848 wurde er Apostolischer Vikar in London. Innerhalb der nächsten zwei Jahre gelang es ihm, die Wiederherstellung der katholischen Hierarchie in England und Wales durch Papst Pius IX. zum Ziel zu bringen; er selbst wurde dabei zum Kardinal und Erzbischof von Westminster ernannt.

Wiseman hatte maßgeblichen Einfluss auf die Konversionen von John Henry Newman und Henry Edward Manning.

Vielfach aufgelegt und übersetzt wurde bis in die neuere Zeit sein historischer Roman Fabiola (nicht identisch mit Fabiola von Rom), der die Schicksale mehrerer bekannter Opfer der diokletianischen Christenverfolgung (u.a. Sebastian, Agnes) miteinander verknüpft und seine Vertrautheit mit der altchristlichen Literatur zeigt.

Zeitgenössischer Nachruf[Bearbeiten]

Der Tod von Kardinal Wiseman wurde in den britischen Zeitungen ausführlich kommentiert. Die Londoner Abendzeitung The Star formulierte beispielhaft, was die Öffentlichkeit empfand:

„…Wir haben uns mit der großen politischen und religiösen Krise befasst, die beim Amtsantritt Kardinal Wisemans ausbrach, denn vor allem im Zusammenhang mit dieser Krise wird England den bedeutenden Kirchenmann in Erinnerung behalten, der nun tot ist. Er kam im Sturm; er ging in Stille. Wir sagen nicht, dass die Art, wie er kam, frei von Anstoß war; aber nachdem er eingesetzt war, verhielt er sich unleugbar so, dass einem Wiederaufleben der Missstimmung im Land der Boden entzogen wurde. Kardinal Wiseman war, trotz der eigenartigen Nationalitätenmischung in seiner Abstammung, seinem Geburtsort und seiner Bildung, wesentlich und von Herzen ein Engländer. Er war in der Tat durch und durch ein Mann von Welt, ein Gentleman mit feinsten Umgangsformen, ein glänzender Schriftsteller und Redner, ein Meister der Sprache. Er schätzte die Geselligkeit und gewann Freunde und Vertraute unter Männern aller Parteien und Bekenntnisse. Er liebte die Kunst und die höhere Literatur. Er verkörperte seine Kirche in ihrem mehr nach außen gekehrten, glanzvollen und gesellschaftlichen Wesen – wie sie ist, wenn sie sich in die Gesellschaft mischt, wenn sie eine stille, aber aktive Rolle in der Politik spielt, wenn sie die Kunst fördert und den äußeren Aufwand liebt, wenn sie die Idee hierarchischer Größe und Würde vertritt. Protestanten wie Katholiken vergeben sich nichts, wenn sie freimütig die großen Fähigkeiten Kardinal Wisemans anerkennen, die weitgespannten Kenntnisse, den überlegenen Charakter und, was den privaten Umgang angeht, sein ganz und gar liberales Empfinden. Es war Missgeschick für ihn – und für uns –, dass er der britischen Öffentlichkeit als der erste englische Kardinal der Moderne vor Augen kam. Aber alle ohne Unterschied müssen zugeben, dass er unter uns auftrat wie ein Gentleman und ein Gelehrter; und alle müssen gewiss bedauern, vom Tod eines Menschen zu hören, der einen so glänzenden Intellekt und so viele herausragende und christliche Vorzüge hatte.“

„… We have dwelt upon the great political and religious crisis which sprang up on the coming of Cardinal Wiseman, because it is mainly in connection with that crisis that England will remember the distinguished ecclesiastic who now lies dead. He came in storm; he has passed away in quiet. We do not say that his manner of coming was free from offence, but once installed it cannot be denied that he demeaned himself so as to discourage the revival of ill-feeling in the country. Despite the strange blending of nationalities represented in his parentage, birth, and education, Cardinal Wiseman was essentially an Englishman at heart. He was indeed thoroughly a man of the world, a courteous polished gentleman, a brilliant writer and speaker, an accomplished linguist. He was fond of society, and made friends and intimates among men of all parties and creeds. He loved art and the more elegant branches of literature. He represented his Church in her more showy, brilliant, and social character – as she is when she mingles with society and takes a quiet but active part in politics, and patronises art and loves pomp, and sustains the idea of hierarchial grandeur. Protestants as well as Catholics can well afford to bear cordial testimony to the great abilities, the varied acquirements, the high character, and, where private intercourse was concerned, the entirely liberal sentiments of Cardinal Wiseman. It was his misfortune, and ours, that he should have been introduced to the British public as the first English Cardinal of the modern era. But all must alike admit that he bore himself amongst us like a gentleman and a scholar; and all must surely regret to hear of the death of one who had so many splendid intellectual qualities and so many exalted and Christian virtues.“

– Memoir of His Eminence Cardinal Wiseman, S. 57

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Nicholas Wiseman – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Vorgänger Amt Nachfolger
Thomas Walsh Erzbischof von Westminster
1849 - 1865
Henry Edward Kardinal Manning