Nicolas Régnier

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Nicolas Régnier, in Italien nannte er sich Niccolò Renieri, (* um 1588 in Maubeuge; † 1667 in Venedig) war ein flämischer Maler des Barock, der in der Nachfolge von Caravaggio malte und in Italien wirkte.

Selbstporträt (Ausschnitt), 1623/24, Cambridge, Fogg Museum

Leben[Bearbeiten]

Häufig wird aufgrund einer falsch gelesenen Geburtsurkunde 1591 als Geburtsdatum angegeben, er wurde aber möglicherweise schon 1588 geboren und auf jeden Fall vor 1593.[1] Regnier ging in Antwerpen bei Abraham Janssens in die Lehre, einem der wenigen Maler des nördlichen Europa, die während der Lebenszeit Caravaggios in Rom waren[2]. Er ging über Parma (wo er 1616/17 war) nach Rom, wo er in der ersten Hälfte der 1620er Jahre war[3]. Dort war er nach Joachim von Sandrart ein Anhänger von Bartolomeo Manfredi (einem der ersten Nachahmer von Caravaggio) und begann im Stil von Caravaggio bzw. in dessen Interpretation durch Manfredi zu malen. Mit der Malweise von Caravaggio war er wahrscheinlich schon durch seinen Lehrer Janssens vertraut und vielleicht durch Lionello Spada, einem Maler am Hof der Farnese in Parma. Régnier war mit Valentin de Boulogne Hauptvertreter einer gefälligeren, weltmännischen Interpretation des Caravaggio-Stils nach Bartolomeo Manfredi (von Annick Lemoine Poesie der Verführung oder Caravaggismus der Verführung genannt), im Gegensatz zu niederländischen Caravaggisten wie Gerrit van Honthorst und Dirck van Baburen, die Caravaggio selbst enger folgten und realistischer malten. Weitere französische Caravaggisten waren Nicolas Tournier (1590–1639) und Claude Vignon (1593–1670).

Nicolas Régnier Die Wahrsagerin, 1626, Louvre

Anfangs wohnte er in Rom mit den Malern David de Haen und Dirck van Baburen, ebenfalls Caravaggisti. Er war in Rom offizieller Maler und Mitglied des Hofs des Herzogs Vincenzo Giustiniani, ein ehemaliger Patron von Caravaggio. Außerdem war er in Rom mit Simon Vouet und anderen französischen Malern der Caravaggio-Nachfolge eng verbunden. Régnier malte Genreszenen wie Kartenspieler, Wahrsager und Trickbetrüger, Soldaten, Karnevalsszenen, Porträts und religiöse Themen.

Kartenspielerin, vor 1626, Budapest

1626 ging er nach Venedig, wo er neben seiner Malerei auch mit Antiquitäten und Gemälden handelte und eine allgemein bewunderte eigene Sammlung zusammentrug. Er malte dort weniger in der Art von Caravaggio sondern in mehr dekorativem Stil, wobei er von Guido Reni beeinflusst war. Er war dort mit dem Maler Guido Cagnacci befreundet. Er blieb bis zu seinem Tod in Venedig.

Seine Gemälde sind in vielen Museen der Welt, so in Budapest (Kartenspieler und Wahrsager), Sarasota (Heiliger Matthäus mit Engel), Stuttgart (Amnon und Tamar, Pandora), Detroit (Maria Magdalena als Büßerin), Bordeaux (Renaud und Armide), im Louvre (Wahrsagerinnen/La Diseuse de Bonne Aventure) und in Berlin und Sanssouci (Abendmahl), Cambridge/Massachusetts (Fogg Art Gallery, Selbstporträt mit Staffelei), Lyon (Junge Frau bei der Toilette), Dijon (David und Goliath, Junger Mann), Kunsthistorisches Museum Wien (Maria Magdalena), Zwinger in Dresden (Heiliger Sebastian), Rouen (Heiliger Sebastian), Grenoble (Mann mit Gitarre), Rom (Galerie Spada, David und Goliath), Lille (Spielende Soldaten), Eremitage (Johannes der Täufer, Heiliger Sebastian) und Warschau (Karnevalsszene, um 1630, also aus Venedig). Ein Porträt von Gabriel Naudé ist in der Bibliothèque nationale de France in Paris. Die Berliner Gemäldegalerie hat insbesondere Gemälde aus der Sammlung Giustiniani (aus der König Friedrich Wilhelm III. 1815 in großem Umfang aufkaufte), in der neun von Regniers Gemälden waren (darunter das Potsdamer Abendmahl)[4] Ein Heiliger Hieronymus aus einer Kirche in Padua, der noch 1974 auf der Pariser Caravaggisten Ausstellung gezeigt wurde, ist gestohlen (Stand: 2008). In Venedig gibt es eine Taufe Christi in der Kirche San Salvatore und eine Verkündigung in der Scuola Grande di San Marco.

Da er in ähnlichem Stil wie andere Caravaggio-Nachfolger malte sind viele Zuschreibungen unsicher. Bekannter wurde er insbesondere durch eine Ausstellung im Grand Palais in Paris 1974 über französische Caravaggisti.

Er hatte vier Töchter (Angelica, Anna, Clorinda, Lucrezia), die für ihre Schönheit bekannt waren - eine Tochter Clorinda Renieri heiratete den venezianischen Maler Pietro della Vecchia (1603–1678) und war selbst eine Malerin, eine andere Tochter Lucrezia den Maler Daniel van den Dyck (1610–1670). Beide Maler waren Schüler von Régnier. Es ist überliefert, dass er als Kunsthändler auch mit Fälschungen handelte, die sein Schwiegersohn Pietro della Vecchia anfertigte (zum Beispiel ein angebliches Tizian-Selbstporträt in der National Gallery in Washington). Er hatte einen Halbbruder Michele Desubleo, der auch als Maler in Rom wirkte und in ähnlichem Stil malte.

Galerie[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Annick Lemoine Nicolas Régnier (alias Niccolò Renieri) ca. 1588-1667 peintre, collectionneur et marchand d'art, Paris: Edition Arthéna 2008 (erhielt den Preis des Syndicat National des Antiquaires)
  • Arnauld Brejon Les caravagesques français, Ausstellungskatalog der Ausstellung im Grand Palais, Paris, Februar-April 1974

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Annick Lemoine in seinem Buch
  2. Die Lehre ist nur bei Joachim von Sandrart belegt
  3. Beginnend zwischen Mai 1617 oder Ostern 1620, nach Lemoine
  4. Ein Homer, der blind Violine spielt, aus Sanssouci, der als Kriegsverlust gilt, ist möglicherweise heute in Russland (siehe Webseite von Didier Rykner 2008 in den Weblinks).