Nives Meroi

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Nives Meroi, Rom, Ordensverleihung 2010

Nives Meroi (* 17. September 1961 in Bonate Sotto, Provinz Bergamo) ist eine italienische Bergsteigerin.

Nives Meroi gehört zu den besten und erfolgreichsten Höhenbergsteigerinnen. Seit 1989 ist sie mit ihrem ständigen Seilpartner, dem Bergführer Romano Benet, verheiratet. Als Team entwickelten sie sich allmählich zu Extrembergsteigern und sind auch an den Achttausendern des Himalaya ausnahmslos zusammen unterwegs. Wohnhaft sind sie in Fusine Laghi, einer kleinen Ortschaft der Fraktion Fusine, Gemeinde Tarvis, Provinz Udine, Region Friaul-Julisch Venezien.[1]

Stil und Art der Expeditionen[Bearbeiten]

Alle Unternehmungen zu den Himalaya-Riesen sind Kleinexpeditionen. Beschränkung auf minimale Ausrüstung und einen engen befreundeten Teilnehmerkreis ermöglicht, mit geringer Sponsorunterstützung auszukommen und verschafft die zum Erfolg nötige Flexibilität. Leila Meroi, die Schwester von Nives Meroi und Lebensgefährtin von Luca Vuerich († 2010), organisiert die Expeditionen und unterstützt sie von zu Hause aus. Alle von Nives Meroi erstiegenen Achttausender wurden ohne zusätzlichen Sauerstoff und Fremdunterstützung erreicht.

Chronik[Bearbeiten]

Romano Benet ist seit dem Frühjahr 2009 erkrankt und ohne ihren Mann unternimmt Nives Meroi keine neue Expedition. 2010 verunglückte der mehrmalige Expeditionsteilnehmer und Schwager in spe Luca Vuerich beim Eisklettern tödlich.

Am 8. März 2010 erhielt Nives Meroi vom Präsidenten der Republik Italien Giorgio Napolitano den Titel "Commendatore della Repubblica", die dritte Klasse des "Verdienstorden der Italienischen Republik".

Mitte August 2011 gibt Nives Meroi bekannt, dass bei ihrem Mann Romano Benet vor zwei Jahren eine schwere Knochenmarkaplasie diagnostiziert wurde, sie jedoch seit wenigen Monaten wieder in den Bergen unterwegs sind. Zu seiner Genesung waren zwei Knochenmarktransplantationen und eine lange Isolationsphase notwendig. Letztens wurde der Gran Paradiso (4061 m) bestiegen und im Herbst dieses Jahres ist ein Himalaya-Trekking mit Freunden zum Mera Peak (6476 m) im Khumbu-Tal geplant. Dort wird sich auch entscheiden, ob Romano Benet überhaupt wieder in große Höhen aufbrechen kann.[2]

Frauen an den Achttausendern[Bearbeiten]

Mit der Besteigung des Manaslu im Jahre 2008 hat Nives Meroi ihren elften Achttausender erklommen. Damit gehört sie zusammen mit der Polin Wanda Rutkiewicz, der Österreicherin Gerlinde Kaltenbrunner, der Spanierin Edurne Pasaban und der Südkoreanerin Oh Eun-Sun zu den erfolgreichsten Höhenbergsteigerinnen der Welt.[3]

Um alle Achttausender bestiegen zu haben, fehlen ihr noch Annapurna, Makalu und Kangchendzönga (Stand 23. Juli 2011).

Chronologie der Expeditionen[Bearbeiten]

  • 1994 K2 als erster 8000er, es bleibt jedoch bei einem Versuch, als erste Frau die NW-Wand auf teilweise neuer Route zu durchsteigen, 8450 m werden erreicht.
  • 1995 Bhagirathi II (6450 m) im Garhwal Himalaya, Neuroute an der Nordwand, Neuroute im Abstieg über die Südwand, anschließende Besteigung über den Normalweg.
  • 1996 Mount Everest, auf 8000 m wegen der schlechten Wetterbedingungen zusammen mit Romano Benet und Filippo Sala am Nordgrat gescheitert.
  • 1998 erster Achttausender-Gipfel, der Nanga Parbat, erste Italienerin und neunte Frau der Welt am Gipfel, über die Kinshofer-Route in nur neun Stunden vom letzten Lager den Gipfel erreicht.
  • 1999 Gipfel des Shisha Pangma, nur 10 Tage später Gipfel des Cho Oyu, Versuch am Mount Everest.
  • 2000 Versuche der Besteigung der bis dahin undurchstiegenen Nordseite des Gasherbrum II, eines der letzten "Probleme" des Himalaya. Schlechte Witterung verhindert einen Erfolg, fünf schwierigere Sechstausender können dennoch erstmals erstiegen werden.
  • 2001 Mazeno Peak (7120 m), die politische Situation nach den Ereignissen des 11. September führt zum frühzeitigen Abbruch der "Dreier"-Expedition (Meroi-Benet-Vuerich) und verhindert so eine erfolgreiche Erstdurchsteigung der schwierigen kombinierten 3000 Meter hohen Nordwand im Alpinstil.
  • 2003 erste Frau und erst zweite Seilschaft insgesamt, die die drei 8000er der Gasherbrum-Gruppe (Gasherbrum I, Gasherbrum II und Broad Peak) hintereinander besteigt. Sie brauchte dazu 20 Tage, 1983 brauchten Erhard Loretan, Marcel Ruedi und Jean-Claude Sonnenwyl dafür 15 bzw. letzterer 17 Tage; Versuch des K2 von Norden.
  • 2004 Gipfel des Lhotse. Ein Besteigungsversuch des K2 über die Nordseite zum 50-Jahre-Jubiläum seiner Erstbesteigung musste wegen schlechter Wetterbedingungen abgebrochen werden.
  • 2005 Besteigung des Dhaulagiri scheiterte am 8157 Meter hohen Vorgipfel wegen schlechter Verhältnisse und in Ermangelung eines Seiles. Ein Versuch an der Annapurna wird wegen Schlechtwetters abgebrochen.
  • 2006 Gipfel des Dhaulagiri. Ein Versuch an der Annapurna wird wegen ständig abgehender Eislawinen auf 6600 Metern abgebrochen. Gipfel des K2, erste Italienerin, bis dahin erst siebente Frau der Welt, neben dem italienischen Paar erreichen in diesem Jahr insgesamt nur noch zwei weitere japanische Bergsteiger (jedoch mit künstlichem Sauerstoff) den Gipfel.
  • 2007 Gipfel des Mount Everest, erster Gipfelerfolg einer Italienerin ohne Flaschen-Sauerstoff. Ein Besteigungsversuch des Makalu in der Nachmonsunzeit scheitert oberhalb des Makalu La (7400 m) auf Grund zu großer Schneemengen, welche zu zweit nicht bis zum Gipfel durchspurt werden konnten, andere Expeditionen waren nicht war am Berg.
  • 2007/2008 Versuch der Wintererstbesteigung des Makalu, stürmische Winde zerstören die aufgebauten Lager, dadurch Verlust aller Ausrüstung, Nahrungsvorräte und Kommunikationsgeräte. Auf der Flucht zum Hillary Basecamp bricht sich Meroi das Wadenbein, daraufhin mehrtägiger Krankenhausaufenthalt in Kathmandu bis zur Überstellung nach Italien.
  • 2008 Manaslu zusammen mit ihrem Mann und Luca Vuerich. Der Hauptgipfel wurde bereits 13 Tage nach Ankunft im Basislager erreicht, der Abstieg vom Gipfel ins Basislager mit Abbau aller Zwischenlager erfolgte in 10,5 Stunden, auf 6900 Metern erfolgten durch Leila Meroi höhenmedizinische Untersuchungen.
  • 2009 ursprünglich geplante Besteigung des Kangchendzönga auf Grund von regionalen politischen Unruhen schon während des Anmarsches abgebrochen. Stattdessen Versuch an der Annapurna Südwand ("Polenroute"), ungünstige Gletscherbedingungen und labile Séracs erschweren den Zustieg zur Wand, erneuter Abbruch, erreichte Höhe 5600 Meter (Materiallager). Rückkehr zum Kangchendzönga. Abbruch zwischen Lager 3 und 4 auf ca. 7500 Metern Höhe, einen Tag vor dem Gipfelsturm. Romano Benet litt an zunehmender Erschöpfung, ein Gehirnödem konnte durch Schnelltests ausgeschlossen werden. Nives Meroi verzichtete auf einen weiteren Aufstieg, um ihren Mann ins Basislager bringen zu können, der Abstieg wurde zum Martyrium.
  • 2011 Besteigungen im Alpenraum mit ihrem soweit genesenen Mann, im Herbst Besteigung des Mera Peak (6476 m) im Khumbu-Tal.[2][4]
  • 2012 Anfang April, erstmals seit Romanos Krankheit, Aufbruch in den Himalaya zum Kangchendzönga. Nachdem die Expedition gut verlaufen war und beide schnell unterwegs waren, verirrten sie sich im Gipfelaufstieg im Dunkeln in der Route. Als sie den Irrtum bei Tagesanbruch bemerkten, kehrten sie unverrichteter Dinge zurück zum Basislager und reisten wieder nach Hause.[5][6]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Persönliche Homepage von Nives Meroi (italienisch)
  2. a b Sara Sottocornola: Nives Meroi e Romano Benet tornano in Himalaya: dopo la malattia, il Mera Peak In: montagna.tv, abgerufen 14. August 2011 (ital.)
  3. Eberhard Jurgalski: Statistiken zu den Besteigungen der 8000er auf www.8000ers.com
  4. Nives Meroi and Romano Benet: I am the mountains I have not climbed, abgerufen am 24. April 2012
  5. Bericht auf orf.at
  6. Homepage von Nives Meroi (ital.)