St. Moritz

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Dieser Artikel behandelt den Ort in der Schweiz. Zum namengebenden Heiligen siehe: Mauritius (Heiliger).
St. Moritz
Wappen von St. Moritz
Staat: Schweiz
Kanton: Graubünden (GR)
Bezirk: Maloja
Kreis: Oberengadin
BFS-Nr.: 3787i1f3f4
Postleitzahl: 7500
UN/LOCODE: CH SMV
Koordinaten: 784192 / 15242446.4977779.8383231822Koordinaten: 46° 29′ 52″ N, 9° 50′ 18″ O; CH1903: 784192 / 152424
Höhe: 1'822 m ü. M.
Fläche: 28.69 km²
Einwohner: 5149 (31. Dezember 2013)[1]
Einwohnerdichte: 179 Einw. pro km²
Website: www.stmoritz.ch
St. Moritz

St. Moritz

Karte
Albignasee Lej da Champfèr Lago Bianco Lago di Lei Lago di Gera Lago di Livigno Lago di S. Giacomo-di Fraéle Lago di Poschiavo Lago di Monte Spluga Lai da Marmorera Silsersee Silvaplanersee St. Moritzersee Stazersee Sufnersee Italien Albula (Bezirk) Bernina (Bezirk) Hinterrhein (Bezirk) Inn (Bezirk) Plessur (Bezirk) Bezirk Prättigau-Davos Bever GR Bever GR Bregaglia Celerina/Schlarigna Madulain Madulain Pontresina La Punt-Chamues-ch Samedan Samedan S-chanf Sils im Engadin/Segl Silvaplana St. Moritz Zuoz ZuozKarte von St. Moritz
Über dieses Bild
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St. Moritz (hochdeutsch [ˌsaŋktmoˈrɪts][2], bündnerdeutsch [ˌsamoˈrits], rätoromanisch  San Murezzan?/i, italienisch San Maurizio, französisch Saint-Moritz, lokaler Übername der Bewohner ils draguns ‚die Drachen‘) ist eine politische Gemeinde im Kreis Oberengadin, Bezirk Maloja des schweizerischen Kantons Graubünden. Der Ort ist benannt nach dem heiligen Mauritius, der auch im Wappen abgebildet ist. Die Gemeinde ist einer der berühmtesten Kurorte und Wintersportplätze der Alpen.

Geographie[Bearbeiten]

St. Moritz mit St. Moritzersee und den Ortsteilen Bad und Dorf

Die Gemeinde St. Moritz besteht aus den zusammengefassten Ortsteilen St. Moritz-Dorf, St. Moritz-Bad, Suvretta und der einen Hälfte des zwei Kilometer entfernten Champfèr – die andere Hälfte von Champfèr gehört zu Silvaplana. St. Moritz-Dorf (1'822 m) liegt am steilen Nordufer des St. Moritzersees, St. Moritz-Bad (1'774 m) und Champfèr (1'825 m) auf je einer Ebene westlich des St. Moritzersees.

In südwestlicher Richtung zwischen St. Moritz und Maloja liegt die Engadiner Seenplatte, die aus dem St. Moritzer-, Champfèrer-, Silvaplaner- und Silsersee besteht. Die Höhendifferenz vom St. Moritzersee bis zum 15 Kilometer entfernten Malojapass beträgt nur knapp 50 Meter. Östlich von St. Moritz liegen der Stazerwald und die Charnadüra-Schlucht, durch die man auf die 50 Meter tiefer gelegene nächste grosse Ebene gelangt, die bis ins 20 Kilometer entfernte S-chanf nur 60 Höhenmeter Gefälle aufweist.

Der Hausberg, auf dem auch das 23 Anlagen umfassende Winterskigebiet liegt, heisst Corviglia und Piz Nair (3'057 m) und liegt nördlich des Dorfes. Etwas unbekannter, aber durch seine Höhe und Form imposanter, ist der Piz Güglia/Julier (3'380 m).

Bevölkerung[Bearbeiten]

Jahr 1803 1870 1880 1910 1920 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2005 2010
Einwohnerzahl 184 400 394 3197 2614 3968 2558 3751 5699 5900 5426 5589 5121 5202
Bevölkerung nach Nationalität (Volkszählung)
Nationalität Anzahl
ohne Doppelbürger
Anzahl
mit Doppelbürger
Schweiz 3079 3527
Italien 897 1162
Portugal 435 445
Deutschland 202 232
Serbien-Montenegro 106 108
Österreich 74 104
Frankreich 56 73
Kroatien 62 63
Spanien 33 41
Grossbritannien 20 32
Niederlande 17 29
Bosnien-Herzegowina 27 28

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Bis 1880 war St. Moritz ein kleines Dorf, obwohl sich die Bevölkerung zwischen 1803 und 1870 von 183 auf 400 Personen mehr als verdoppelt hat. Innerhalb dreier Jahrzehnte folgte dann ein Bevölkerungswachstum von 394 (1880) auf 3197 Einwohner (1910; +711 %). Infolge eines Rückgangs des Fremdenverkehrs sank die Bevölkerung in den 1910er-Jahren bedeutend, wuchs aber dann bis 1930 auf einen neuen Höchststand von 3968 Personen an. 1941, mitten im Krieg, wurden dann nur noch 2418 Einwohner gezählt. Doch zwischen 1950 und 1980 folgte ein weiterer starker Bevölkerungsschub von 2558 auf 5900 Personen (+131 %). Seit diesem Höchststand sinkt die Einwohnerzahl wieder (1980–2005: −13 %).

Herkunft und Nationalität[Bearbeiten]

Von den Ende 2005 5121 Bewohnern waren 3382 (= 66 %) Schweizer Staatsangehörige. Die letzte Volkszählung zeigte den internationalen Charakter der Einwohnerschaft und ergab folgendes Bild: Insgesamt zählte man damals nebst den 3527 Schweizern 2062 Ausländer (= 37 %).

Religionen und Konfessionen[Bearbeiten]

St. Moritz nahm erst 1577 die Reformation an, später als die meisten anderen Engadiner Gemeinden. Heute ist die Gemeinde infolge starker Zuwanderung aus Südeuropa (vor allem Italien und Portugal) konfessionell gemischt. Bei der letzten Volkszählung im Jahr 2000 gab es 3137 Katholiken (56 %), 1736 Protestanten (31 %), 124 Orthodoxe (2 %), 351 Konfessionslose (6 %) und kleine Minderheiten an Muslimen und Juden (43 respektive 16 Personen). 165 Einwohner machten keine Angabe zu ihrem Glaubensbekenntnis.

Sprachen[Bearbeiten]

Sprachen in St. Moritz
Sprachen Volkszählung 1980 Volkszählung 1990 Volkszählung 2000
Anzahl Anteil Anzahl Anteil Anzahl Anteil
Deutsch 3092 52,41 % 3186 58,72 % 3286 58,79 %
Italienisch 1608 27,25 % 1157 21,32 % 1220 21,83 %
Rätoromanisch 569 9,64 % 338 6,23 % 264 4,72 %
Einwohner 5900 100 % 5426 100 % 5589 100 %

Die ursprüngliche Sprache Puter, ein Idiom des Bündnerromanischen, wurde bereits 1880 von nur noch 50,2 % der Einwohnerschaft gesprochen. Verdrängt wurde es nicht nur vom Deutschen, sondern auch vom Italienischen. 1900 hatte Italienisch eine relative Mehrheit (mit 31 %), ebenso 1910. Doch mittlerweile dominiert Deutsch deutlich, gefolgt vom Italienischen. Das Romanische ging immer mehr zurück. 1941 waren es noch 20 %, 1970 erstmals unter 10 % (8 %). Bloss noch 13 % der Bevölkerung konnten sich im Jahr 2000 auf Romanisch verständigen – der mit Abstand tiefste Wert aller Oberengadiner Gemeinden. Die Tabelle zeigt die Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte.

Nach Deutsch und Italienisch ist Portugiesisch mit 7 % Bevölkerungsanteil die dritthäufigste Sprache. Dem Engagement des St. Moritzer Verlegers Gammeter ist es zu verdanken, dass nach dem Einstellen der romanischen Zeitung Fögl Ladin seine Engadiner Post nun zweisprachig als Engadiner Post / Posta Ladina erscheint.

Geschichte[Bearbeiten]

St. Moritz-Bad, um 1900

Die Datierung des Lärchenholzes der prähistorischen St. Mauritiusquellfassung zeigte, dass die Heilquellen bereits in der Bronzezeit vor über 3400 Jahren bekannt waren. Es dauerte jedoch bis 1856, als mit der Eröffnung des ersten Hotels, des Kulm-Hotels, der Aufstieg des Ortes begann. Dank einer Wette, die Johannes Badrutt (ein St. Moritzer Hotel-Pionier) im September 1864 mit vier Engländern gemacht hatte, etablierte sich auch der Wintersport. Er schlug der Gruppe vor, einen Winter in St. Moritz zu verbringen. Sie dürften dafür gratis logieren und so lange bleiben, wie sie wollten. Wenn es ihnen nicht gefalle, würde er ihnen die Reisekosten (von London ins Engadin und zurück) bezahlen. Die Engländer nahmen die Wette an und blieben von Weihnachten bis Ostern.

Dank innovativer Einheimischer und Gäste konnte St. Moritz mehrfach als erste Gemeinde in der Schweiz technische Neuigkeiten präsentieren, so zum Beispiel das erste elektrische Licht (Weihnachten 1878), den ersten Motorflug in der Schweiz (1910) oder den ersten Skilift (1935). St. Moritz liess 1930 als erster Ort ein Symbol («Die Sonne von St. Moritz») juristisch schützen, und seit 1986 ist der Schriftzug mit Signet (St. Moritz, TOP OF THE WORLD) markenrechtlich geschützt. Letzter Kur- und Verkehrsdirektor war Hanspeter Danuser.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Klimadiagramm für St. Moritz
Schiefer Turm der abgebrochenen Mauritiuskirche

Wahrzeichen von St. Moritz-Dorf ist der Schiefe Turm[3], ein Rest der im 19. Jahrhundert abgebrochenen Mauritiuskirche aus der Zeit um 1500.

Das Segantini Museum beherbergt eine grosse Sammlung von Werken des Künstlers Giovanni Segantini. Eine mehrtägige Wanderung namens Senda Segantini verbindet Stationen aus dem Leben des Malers.[4]

Im Engadiner Museum sind kulturhistorische und volkskundliche Sammlungen ausgestellt. Es ist in einem von Nicolaus Hartmann im Engadiner Stil entworfenen Gebäude untergebracht.

Mitten im Zentrum von St. Moritz Dorf steht die reformierte Dorfkirche.

Bemerkenswert sind noch:

  • Altes Schulhaus[5] an der plazza da Scoula
  • Bylandt-Brunnen[6]
  • Eisbahn- und Golfpavillon[7]
  • Chesa Futura, 2003, Via Tinus 25, Architekt: Norman Robert Foster[8]
  • Konditorei-Café Hanselmann[9]
  • Mauritiusbrunnen[10]
  • Mili Weber-Haus[11]
  • Hotel Carlton[12]
  • Hotel Kulm[13]
  • Hotel La Margna[14]
  • Hotel Palace[15]
  • Hotel Schweizerhof[16]
  • Hotel Suvretta House[17]
  • Ehemalige Trinkhalle, in St. Moritz-Bad[18]
  • Saalanbau am Hotel Reine Victoria[19]

St. Moritz-Bad umfasst die eigentliche Kurzone der Ortschaft und liegt am Südrand des Sees. An der Via dal Bagn liegt die Evangelische Kirche St. Moritz Bad, an der Plazza Paracelsus die Französische Kirche.

Ebenfalls als «Sehenswürdigkeit» bezeichnen die St. Moritzer das Wetter: Die Sonne scheint an durchschnittlich 322 Tagen im Jahr. Da die Luft sehr trocken ist, spricht die Tourismuswerbung auch vom «prickelnden Champagner-Klima».

Panoramabild über St. Moritz Bad und den St. Moritzersee, von der Corviglia aus gesehen



Verkehr[Bearbeiten]

Touristisches St. Moritz im Dezember 1930

Im Jahr 1904 erhielt St. Moritz mit der von Thusis im Norden kommenden Albulabahn eine Anbindung an das Netz der Rhätischen Bahn (RhB). 1909 folgte die Inbetriebnahme der Berninabahn, die St. Moritz mit Tirano in Italien verbindet. Von Bever an der Albulabahn aus gibt es mit der Engadinerlinie seit 1913 eine Verbindung mit Scuol. Das Postauto bedient die Strecken über den Julierpass nach Chur und über den Malojapass nach Chiavenna und weiter nach Lugano. Der Bahnhof St. Moritz liegt an der Strecke des Bernina-Express und ist Ausgangspunkt des Glacier-Express und des Palm-Express.

Für den lokalen Verkehr im Engadin haben sich die Rhätische Bahn, Postauto, Engadin Bus und der Ortsbus St. Moritz zum Engadin Verbund zusammengeschlossen. Für den Individualverkehr steht neben den gut ausgebauten Alpenpässen auch noch der Flughafen Engadin im 5 km entfernten Samedan zur Verfügung.

Von 1896 bis 1932 verkehrte zwischen St. Moritz-Bad und St. Moritz-Dorf die Strassenbahn St. Moritz.

Sport[Bearbeiten]

St. Moritz ist für seine Sportanlagen bekannt. Das erste Golfturnier in den Alpen wurde 1889 hier ausgerichtet. 1928 wurden die II. Olympischen Winterspiele und 1948 die V. Olympischen Winterspiele ausgetragen. Im Jahr 1994 folgte der erste Windsurf-Weltcup auf einem Binnensee. Der erste Engadin-Inline-Marathon wurde 1996 organisiert. In den Jahren 1934, 1974 und 2003 fanden in St. Moritz die Alpine Skiweltmeisterschaften statt. St. Moritz bewarb sich um die WM im Jahr 2013, diese wurde jedoch im Mai 2008 an Schladming vergeben[20]. Am 31. Mai 2012 erhielt St. Moritz den Zuschlag für die Durchführung der alpinen Skiweltmeisterschaften im Jahr 2017.

Skigebiete[Bearbeiten]

Das Skigebiet Corviglia-Marguns-Piz Nair ist direkt vom Ort aus erschlossen, zur Skiregion gehören auch Corvatsch/Furtschellas, Bernina-Diavolezza, Bernina Lagalb, Muottas Muragl, Zuoz, und kleinere Anlagen am Maloja, in Pontresina, Samedan, La Punt (Chamues-ch) und S-chanf (Bügls).[21]

Bob und Skeleton[Bearbeiten]

Der Skeleton-Sport hat in St. Moritz seine Wurzeln. In der Wintersaison 1884/1885 wurde der berühmte St Moritz Tobogganing Club gegründet. Die Cresta Run genannte Bahn wird von dem britischen Privatklub betrieben und jeden Winter von neuem aufgebaut.

1889 wurde der erste Bob in St. Moritz gebaut, und 1892 fand das erste Bobrennen in St. Moritz statt. Auch die Olympia Bob Run genannte Natureisbahn wird jedes Jahr zur Wintersaison neu aufgebaut. 2013 fanden hier die Bob- und Skeleton-Weltmeisterschaften statt.

Pferdesport[Bearbeiten]

Cartier Polo World Cup on Snow (2008)

Auf dem gefrorenen St. Moritzersee werden die Rennen des White Turf[22] und der St. Moritz Polo World Cup on Snow ausgetragen.

Exklusive Sportangebote[Bearbeiten]

Badrutt’s Palace Hotel

Seinem Ruf als mondäner Tourismusort zwischen den Anfängen des Fremdenverkehrs und zeitgenössischen Trends wird St. Moritz auch mit einem Angebot an exotischen Sportarten wie dem Tobogganing, Cricket on Ice und den Pferderennen sowie Polo auf Schnee gerecht.

Hotellerie[Bearbeiten]

Ortsbild beim Schiefen Turm, Januar 2014

St. Moritz ist eine traditionelle Destination des Jetset. Es gibt hier mehrere Luxushotels wie Badrutt’s Palace, das Kulm-Hotel, das Suvretta House, das Carlton Hotel und Kempinski St. Moritz.

Zu den prominenten Immobilienbesitzern in St. Moritz zählten Sonja Ziemann, Gunter Sachs, Herbert von Karajan, Lakshmi Mittal, Ivan Glasenberg, Mohammad Reza Pahlavi, Ingvar Kamprad, Helmut Horten, Giovanni Agnelli, Aristoteles Onassis und Stavros Niarchos.[23]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: St. Moritz – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: St. Moritz – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistik Schweiz – STAT-TAB: Ständige und Nichtständige Wohnbevölkerung nach Region, Geschlecht, Nationalität und Alter (Ständige Wohnbevölkerung)
  2. Deutschschweizer sprechen den Ortsnamen, den romanischen Betonungsverhältnissen entsprechend, mit Betonung auf der dritten Silbe (also auf dem «i») aus. Deutsche verwenden mehrheitlich die Aussprache [ˌsaŋktˈmoːʀits], also mit Betonung auf dem «o», das zudem gelängt wird.
  3. Schiefer Turm
  4. Wandern in der Schweiz auf den Spuren von Giovanni Segantini in Graubünden
  5. Altes Schulhaus
  6. Bylandt-Brunnen
  7. Eisbahn- und Golfpavillon
  8. Chesa Futura
  9. Konditorei-Café Hanselmann
  10. Mauritiusbrunnen
  11. Mili Weber-Haus
  12. Hotel Carlton
  13. Hotel Kulm
  14. Hotel La Margna
  15. Hotel Palace
  16. Hotel Schweizerhof
  17. Hotel Suvretta House
  18. Ehemalige Trinkhalle
  19. Saalanbau
  20. Alpine Ski-WM 2013 findet in Schladming statt – ORF.at vom 29. Mai 2008 (Stand: 31. Mai 2008)
  21. Pistenbericht, stmoritz.ch; Skigebiet Übersichtskarte (pdf, engadin.stmoritz.ch; 767 kB)
  22. White Turf
  23. Wolfgang Koydl: St. Moritz – Darben im Champagnerklima. In: Süddeutsche Zeitung. 26. Januar 2012.