Nolan Bushnell

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Nolan Bushnell (2009)

Nolan Bushnell (* 5. Februar 1943 in Clearfield, Utah) ist ein US-amerikanischer Unternehmer. Bushnell gründete 1972 die Computerfirma Atari, die bis Anfang der 1990er Jahre wichtige Impulse auf dem Markt der Videospiele setzte.

Inhaltsverzeichnis

Leben [Bearbeiten]

Bushnell stammt aus einer Mormonen-Familie in Utah, ist selbst aber nach eigenen Angaben nicht religiös. Er studierte an den Universitäten von Utah und Stanford Elektrotechnik, wo er zum ersten Mal in Kontakt mit Computern kam. Bushnell wollte das Spiel Spacewar, das ursprünglich von Steve Russell für die DEC PDP-1 geschrieben worden war, als Automatenversion veröffentlichen. Er produzierte einige Exemplare des ersten Arcade-Automaten namens „Computer Space“, doch letztlich wurde das Spiel aufgrund seiner Komplexität nicht angenommen – die potenziellen Kunden waren noch nicht erfahren genug im Umgang mit Videospielen.

Atari [Bearbeiten]

Am 27. Juni 1972 gründete er mit einem Startkapital von 500 Dollar die Computerfirma Atari. Ursprünglich wollte er die Firma Syzygy nennen, aber zu seiner eigenen Überraschung gab es bereits einen Dachdecker mit diesem Namen, und er wich auf den Namen „Atari“ aus – einen Begriff aus der japanischen Kampfkunst und dem Brettspiel Go, das er in seiner Freizeit gern spielte. Atari bedeutet da: Angriff, Treffer. Als Logo wählte er die stilisierte Fassung des japanischen Berges Fuji. Er ließ von seinem Kollegen, dem Atari-Mitbegründer Allan Alcorn[1] ein einfaches Reaktionsspiel programmieren: Pong. Dieses auch für Anfänger leicht verständliche Spiel begründete 1972 den ersten Erfolg der Firma. Bushnell geriet damit in einen juristischen Streit mit der Firma Magnavox, der damit endete, dass Magnavox von Atari bis 1976 einen Gewinnanteil erhielt. 1976 verkaufte er Atari an Time Warner. 1978 verließ Bushnell die Firma.

Chuck E. Cheese Pizza [Bearbeiten]

Im Mai 1977 gründete er die Fastfoodkette Chuck E. Cheese’s Pizza Time Theater, die als Zielgruppe Familien mit Kindern hatte. Zum Konzept gehörte, den Kunden neben dem Essen auch Automatenspiele in einem mit Animatronic-Figuren dekorierten Ambiente anzubieten. Vermutlich war diese Restaurantkette die erste mit diesem Ansatz. Ab 1979 vergab Bushnell erfolgreich Lizenzen an Franchise Unternehmen, woraus auch das Unternehmen Showbiz Pizza Place entstand. 1984, während einer Krise der Spieleindustrie, machte Chuck E. Cheese 15 Millionen Dollar Verlust und ging mit insgesamt 250 Standorten (davon 128 Corporate, der Rest Franchise) ins „Chapter 11“-Konkursverfahren.[2]

Axion und Androbot [Bearbeiten]

In den 80er Jahren gründete Nolan Bushnell die Spielefirma Axlon, welche auch für den Atari 2600 Spiele produzierte. Er war auch Mitbegründer von Sente Games. Auch den Namen „Sente“ entnahm er dem Japanischen. Während in dem Spiel Go das Wort „Atari“ die Drohung ist, einen Stein zu schlagen, bedeutet Sente, in der Vorhand zu sein.[3]

Mit Allan Alcorn gründete Bushnell 1982 das Unternehmen Androbot Inc., das Heimroboter herstellte. Die in San José, Kalifornien, ansässige Firma gehörte zur Catalyst Technologies Venture Capital Group, die die Projekte finanzierte. Androbot Inc. produzierte die ersten Roboter für den Heimgebrauch. Sie erhielten zwar viel Aufmerksamkeit bei der Presse, fanden jedoch nur wenige Käufer, unter anderem wegen des hohen Preises. Die Produktion wurde deswegen bereits 1984 wieder eingestellt.

Anfang der 1990er Jahre verurteilte ein Gericht Bushnell wegen Bankbetruges. Seit 1999 leitet er die Internetfirma UWink, welche Automatenspiele über das Internet vertreibt. Im Jahr 2005 erhielt Bushnell für sein Lebenswerk einen Stern auf dem Walk of Game.

Privat engagiert er sich für den internationalen Schüleraustausch. Im Juni 2008 wurde bekannt, dass der Schauspieler Leonardo DiCaprio als Produzent und Hauptdarsteller das Leben von Nolan Bushnell verfilmen will.

Im April 2010 lud Atari Bushnell ein, künftig als Mitglied des Aufsichtsrats und Berater im Unternehmen tätig zu sein. Bushnell nahm an: „Ich bin sehr froh, wieder mit Atari zusammenzukommen – und das zu einer Zeit, in der wir mit großen Schritten in wachsende Schlüsselbereiche der Spieleindustrie hineinwachsen können.“[4][5][6]

Im Buch Tobias O. Meißners zur Entwicklung der Computerspielindustrie und der zugehörigen Szene wird die Generation der amerikanischen Atari-Kids mit der zugehörigen Generation Golf in Deutschland parallel gesetzt. Als Atari Democrats werden in den USA moderat linke technologiefreundliche Politiker aus der Zeit bezeichnet, so unter anderem Al Gore.[7]

Preise und Auszeichnungen [Bearbeiten]

Im Juli 2010 erhielt Bushnell den Lara-Award in der Kategorie Lebenswerk (Lara of Honor), eine Auszeichnung der deutschen Videospielbranche.[8]

Weblinks [Bearbeiten]

 Commons: Nolan Bushnell – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. Allan Alcorn in der englischen Wikipedia Allan Alcorn
  2. Die von Chuck e Cheese selbst betriebenen Restaurants wurden von Bushnells Franchisenehmer Bob Brock in dessen Unternehmen Showbiz Pizza Place eingegliedert. Bis 1993 liefen beide Ketten nebeneinander, dann übernahm Showbiz Pizza Chuck E. Cheese als Maskottchen und Namensgeber.
  3. Die Namensgebung „Sente“ war vermutlich Bushnells Idee, mit der neuen Firma seiner alten (Atari) Konkurrenz zu machen.
  4. Golem.de: "Nolan Bushnell ist wieder bei Atari", von Peter Steinlechner, 20. April 2010
  5. Shacknews.com: "Atari Co-founder Nolan Bushnell Rejoins Company as Board Member", von Jeff Mattas, 19. April 2010
  6. Joystiq.com: "Nolan Bushnell and Tom Virden join Atari board; Harrison and Gardner depart", von Ben Gilbert, 19. April 2010
  7. Wir waren Space Invaders. Geschichten vom Computerspielen. Autoren, Mathias Mertens, Tobias Meißner. Verlag, Eichborn Verlag Frankfurt am Main, 2002.
  8. Computerbild.de: "Lara Award 2010: Die Gewinner", 1. Juli 2010