Notre-Dame (Morienval)

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Ehemalige Abteikirche Notre-Dame in Morienval

Die katholische Pfarrkirche Notre-Dame in Morienval, einer Gemeinde im Département Oise in der französischen Region Picardie, gehörte ehemals zu einem Benediktinerinnenkloster und wurde vermutlich in der Mitte des 11. Jahrhunderts errichtet. Seit 1840 steht die Kirche als Monument historique auf der Liste der Baudenkmäler in Frankreich.

Geschichte[Bearbeiten]

Die ehemalige Benediktinerinnenabtei von Morienval wurde vermutlich im 9. Jahrhundert gegründet. In einer Urkunde aus dem Jahr 920 werden Schenkungen an das Kloster erwähnt, die bis auf Karl den Kahlen zurückreichen. Wann die Kirche gebaut wurde, ist nicht belegt. Man nimmt an, dass sie in der Mitte des 11. Jahrhunderts begonnen wurde. Zwischen 1075 und 1103 erhielt das Kloster die Reliquien des hl. Annobert, der im 7. Jahrhundert Bischof von Sées war. Der Vorhallenturm, zumindest die oberen Geschosse, werden in das frühe 12. Jahrhundert datiert. Wohl vor der Mitte des 12. Jahrhunderts wurde das Chorjoch eingewölbt. Im 13. Jahrhundert baute man an das nördliche Querhaus eine Kapelle an und erneuerte das Gewölbe der Apsis im gotischen Stil. Ab 1625 wurden unter der Äbtissin Anne de Foucault größere Umbauten durchgeführt. Der Turm wurde in die Westfassade integriert, im nördlichen Seitenschiff wurde ein großes Portal durchgebrochen und das Mittelschiff wurde mit Kreuzgratgewölben versehen. An das südliche Querhaus baute man eine Sakristei an.

1745 wurde die Abtei aufgehoben und die Kirche wurde Pfarrkirche. 1878 und von 1900 bis 1903 erfolgten unter der Leitung des Architekten Paul Selmersheim Renovierungsmaßnahmen.

Chor

Architektur[Bearbeiten]

Außenbau[Bearbeiten]

Die Kirche besitzt drei Türme, zwei seitlich des Chores und einen Westturm, den sogenannten Vorhallenturm. Der Unterbau des Westturmes ist an den Kanten mit Strebepfeilern verstärkt. Das darüber liegende Geschoss ist von rundbogigen Klangarkaden durchbrochen und auf dem obersten Stockwerk öffnen sich auf allen vier Seiten Zwillingsfenster. Die Rundbögen der Fenster sind wie das Gesims zwischen den beiden Obergeschossen mit einem Rollenfries verziert.

Die beiden Türme seitlich des Chorhauptes sind schlanker als der Turm der Westfassade und besitzen drei Obergeschosse, die auf allen Seiten von rundbogigen Zwillingsfenstern durchbrochen sind. Der Nordturm ist rechteckig, der Südturm quadratisch. Beide Türme werden von vierseitigen Pyramidendächern bekrönt.

Vom Chorhaupt hat nur die Außenmauer des Chorumgangs ihren originalen Schmuck bewahrt. Sie ist von vier Fenstern durchbrochen, deren Archivolten mit Rundstäben verziert sind, über denen ein Rollenfries verläuft. Dieser setzt sich über die gesamte Apsiswand und deren oben abgerundete Strebepfeiler fort.

Innenraum
Kapitelle

Innenraum[Bearbeiten]

Die Kirche ist eine dreischiffige Basilika mit einer Vorhalle im Westen. Das Langhaus erstreckt sich über drei Joche, die durch weite Rundbogenarkaden gegliedert werden. Diese ruhen auf Pfeilern mit Säulenvorlagen, die mit Kapitellen verziert sind. Der Dekor der Kapitelle weist neben Spiralmotiven und Flechtwerk stilisierte Blätter, menschliche Köpfe und Tierdarstellungen auf. Motive und Art der Darstellung sind aus vorromanischer Zeit übernommen.

Ein großer Triumphbogen, über dem sich fünf Rundbogenarkaden reihen, öffnet das Langhaus zur Vierung und den beiden Querhausarmen. Das daran anschließende Chorjoch ist mit einem Kreuzgratgewölbe aus dem 12. Jahrhundert gedeckt. Die Apsis wird von vier ungleichmäßigen Arkaden begrenzt. Die äußeren und die mittlere linke Arkade sind spitzbogig, die mittlere rechte Arkade weist einen Rundbogen auf. Die Kapitelle der Säulenvorlagen sind schlanker als die des Mittelschiffs, weisen aber ähnliche Motive auf wie in Flechtwerk eingebundene Masken, Palmetten, eingerollte Blätter, Vögel und ein von Blattwerk umgebenes Pferd.

Der Chorumgang, der als Pseudoumgang bezeichnet wird, da er wohl aus statischen Gründen errichtet wurde und für einen echten Chorumgang zu eng und außerdem von den Querhausarmen nicht zugänglich ist, besitzt ein unregelmäßiges Kreuzrippengewölbe.

Literatur[Bearbeiten]

  • Anne Prache: Romanik der Île-de-France (Paris und Umgebung). Echter Verlag, Würzburg 1987, S. 91–99, ISBN 3-429-01029-2

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Abbaye de Morienval – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

49.2981666666672.9221944444444Koordinaten: 49° 17′ 53,4″ N, 2° 55′ 19,9″ O