Notruftelefon

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Notrufsäule in einer U-Bahn-Station

Als Notruftelefon (kurz NRT) bezeichnet man eine Fernsprecheinrichtung, die dazu dient, im Notfall eine telefonische Verbindung mit einer Rettungsleitstelle aufzunehmen und dort Hilfe anzufordern. Sie befinden sich in der Regel an zentralen öffentlichen Plätzen, in Grünanlagen und Parks sowie in regelmäßigen Abständen entlang von wichtigen Straßenverbindungen. Des Weiteren befinden sich Notruftelefone an Orten, an denen es häufiger zu Gefahrensituationen kommen kann (wie beispielsweise in Aufzügen, Tunneln oder an Badestränden).

Die Benutzung des Notruftelefons ist leicht verständlich und gebührenfrei. Um das Notruftelefon weithin deutlich sichtbar zu machen, erhält das Gehäuse eine auffällige Signalfarbe und einen entsprechenden Schriftzug (wie beispielsweise SOS oder Notruf). Die Farbgebung ist weltweit allerdings unterschiedlich ausgeprägt. Durch hinweisende Beschilderung (ggf. auch mit Entfernungsangabe) kann der Hilfesuchende das Notruftelefon schneller finden.

Mit dem Aufkommen des Mobilfunks und der breiten Verfügbarkeit von Mobiltelefonen hat die Bedeutung von Notruftelefonen abgenommen. Hohe Kosten aus Betrieb sowie Reparatur (meist aufgrund von Vandalismus) haben dazu geführt, dass die Verbreitung von Notruftelefonen rückläufig ist.

Eine Weiterentwicklung des Notruftelefons für Senioren oder behinderte Menschen wird als Hausnotruftelefon bezeichnet. Notruftelefone bieten in seltenen Fällen auch die Möglichkeit zur Telefonseelsorge. So befinden sich entsprechende Apparate beispielsweise an Brücken oder Klippen mit hoher Suizidrate.

Geschichte in Deutschland[Bearbeiten]

Historische Notrufsäule „eiserner Schutzmann“, ausgestellt an der Deutschen Hochschule der Polizei

In den Straßen Berlins wurden ab dem Jahr 1924 erstmals 30 Polizeistraßenmelder installiert. Polizeibeamte im Straßenaufsichtsdienst konnten mittels der ans Telefonnetz angeschlossen Melder mit dem zuständigen Polizeirevier Kontakt aufnehmen. Dies diente beispielsweise der Anforderung von Unterstützung durch ein Überfallkommando, von denen in Berlin 18 in Bereitschaft standen. Auch das Revier konnte mittels einer Signalglocke den diensthabenden Beamten auf der Straße anrufen. Nach positiven Erfahrungen erließ das preußische Innenministerium 1926 die generelle Einrichtung dieser Anlage.

Als Weiterentwicklung derartiger Straßenmelder aus der Weimarer Republik wurde auf der Internationalen Polizeiausstellung in Essen im Jahr 1956 eine Notrufeinrichtung zur kostenlosen Alarmierung der Polizei durch die Bevölkerung vorgestellt. Dieser so genannte „eiserne Schutzmann“ erfuhr eine weite Verbreitung. So waren etwa in Nordrhein-Westfalen bis zu 3.000 der hellgrünen Säulen aufgestellt, lange, bevor ein einheitlicher, kostenloser Notruf etwa aus Telefonzellen möglich war. Der eiserne Schutzmann war etwa 2,20 Meter hoch und mit einer beleuchteten Schriftzeile „Polizei“ oder auch „POLIZEI + FEUER“ am Dach gekennzeichnet. Die Spitze der Säule bildete eine gelbe Rundumleuchte. Sie wurde aktiviert, wenn ein Bürger durch Betätigung eines Knebelschalter über eine Freisprecheinrichtung den Kontakt zur Polizei herstellte. Die Leitstelle konnte ihrerseits jede einzelne Rufsäule anrufen, woraufhin die Rundumleuchte Polizeibeamten vor Ort den Anruf signalisierte. Der „eiserne Schutzmann“ verrichtet heute noch vereinzelt seinen Dienst. Neuere Modelle sind aus Kunststoff gefertigt, haben rote statt hellgrüner Farbe, der Knebelschalter ist durch einen Druckknopf ersetzt und die Rundumleuchte fehlt.

Mit ähnlicher Fernmeldetechnik und Bedienung, aber in einem Kasten untergebracht, boten Polizei-Rufstellen vor nicht ständig besetzten Polizeidienststellen die Möglichkeit, Hilfe zu rufen.[1]

1955 begann man mit dem Aufstellen von Notrufsäulen an deutschen Autobahnen.[2] Seit 1999 werden die Notrufsäulen von der GDV Dienstleistungs-GmbH & Co. KG (GDV DL) des Gesamtverband der Deutschen Versicherer abgefragt.

Funktionsweise in Deutschland[Bearbeiten]

Nahaufnahme einer Notrufsäule

Eingehende Notrufe werden vom Notruf der Autoversicherer entgegengenommen. Sie werden an die zuständige Rettungsleitstelle weitergeleitet. Pannenmeldungen werden an den gewünschten Pannendienst weitervermittelt. Für den technischen Unterhalt der Notruftelefone an den Autobahnen sind die zuständigen Fernmeldemeistereien verantwortlich.

Die einst rund 7.000 Notrufsäulen an den Bundes- und Landstraßen in Deutschland wurden von der Björn-Steiger-Stiftung und der Jürgen-Pegler-Stiftung betrieben. Die Abfrage erfolgte entweder vom Notruf der Autoversicherer oder von der zuständigen Polizei bzw. Rettungsleitstelle. Am 29. Juni 2011 teilte die Björn-Steiger-Stiftung mit, dass die Säulen in allen Bundesländern bis auf Baden-Württemberg bis Ende 2011 abgebaut würden. Bereits Mitte 2011 gab es nur noch 2.000 im Betrieb befindliche Notrufsäulen der Björn-Steiger-Stiftung.[4] Sie seien nicht mehr finanzierbar und durch die zunehmende Nutzung mobiler Fernsprecher überflüssig geworden.[5]

Dagegen ist über den Verbleib der etwa 16.000 Notrufsäulen an deutschen Autobahnen noch keine verbindliche Entscheidung getroffen; vorerst werden neugebaute Abschnitte nach wie vor mit Notrufsäulen ausgerüstet und der Bestand gepflegt. Die statistischen Rufzahlen von etwa 700 Betätigungen am Tag zeigen einen deutlichen Bedarf auf. Besonders zu den Hauptreisezeiten werden die Notrufsäulen immer noch rege genutzt. Auch bei Überlastung der Mobilfunknetze (z. B. etwaige Großschadenslage oder defektes Festnetz) steigen die Rufzahlen im entsprechenden Umkreis signifikant an. Ebenso bei starkem Frost wird eine deutliche Rufzahlsteigerung verzeichnet. Immer wieder werden Diskussionen über die Zukunft der Säulen auf deutschen Autobahnen geführt – greifbare Ergebnisse gibt es aber noch nicht.

Bei der Benutzung mancher Notrufsäulen (z. B. an den Autobahnen) ist es wichtig, die Kilometerzahl des aktuellen Straßenabschnitts mitzuteilen, um die eigene Position eindeutig zu definieren. Um die nächste Notrufsäule zu finden, sind an den Leitpfosten kleine Richtungspfeile angebracht, die anzeigen, wo sich die nähere Säule befindet.

Technisch gilt das System als „Sonderkommunikationsmittel“, da es anderen Anforderungen entspricht als übliche Festnetztelefone: Unter anderem werden Leitungswege bis zu 60.000 Meter ohne Verstärkung verlegt. Moderne Notruftelefone können per ISDN, Ethernet (IP-Telefonie) und auch per GSM mit einer Notrufleitstelle Kontakt aufnehmen. Bei diesen Geräten wird auch eine Standortkennung übertragen. Alle aktuell betriebenen Generationen sollen in der Lage sein, im Falle eines Notrufes den Standort des Telefons zu übermitteln. Neue Generationen ab dem Modell ANE 90 beherrschen ein einfaches Polling, das regelmäßig die Erreichbarkeit des Telefons prüft. Die aktuelle Generation ANE 2000 verfügt zudem über eine automatische Funktionskontrolle. Sie kann sich selbst (einschließlich Lautsprecher und Mikrofon) überprüfen, stellt die notwendige Verstärkung selbstständig ein und passt sie gegebenenfalls neu an. Auch ist es bei diesem Modell möglich, der Pannentaste und der Notruftaste unterschiedliche Empfänger zuzuordnen.

Notruftelefone auf GSM-Basis sind gelegentlich auch im Betrieb, meist als Baustellen-Notlösung. Telefone mit Voice-over-IP-Technik werden zurzeit noch nicht in größerem Maße eingesetzt.

Notruftelefone, die sich außerhalb von Autobahnen befinden, sind in der Regel mittels des Kabelnetzes der Deutsche Telekom mit der Rettungsleitstelle oder der Polizei verbunden. Telefone, die von der Björn-Steiger-Stiftung betrieben werden, sind über das Mobilfunknetz mit einem Callcenter verbunden.

Die Deutsche Bahn AG z.B. betreibt eigene Notruftelefone, die z.T. mittels Kabel, aber auch über GSM-R angebunden sind.

Funktionsweise in Österreich[Bearbeiten]

In Österreich gibt es Notruftelefone nur auf Autobahnen und Schnellstraßen. Die jeweilige Kilometerzahl ist nur auf den VoIP-Notrufsäulen – erkennbar an der eckigen Bauform – angegeben. Auf den bestehenden alten Siemens-DTMF-Säulen ist die laufende Nummer der Notrufsäule groß angeschrieben. Der Notruf wird an die Straßenmeisterei der ASFINAG abgegeben. Sie haben außerdem einen Reflektor, kombiniert mit einem Blinklicht, das bei besonderen Gefahren, speziell bei Geisterfahrerwarnung blinkt. Säulen der ältesten Bauform hatten dazu Stroboskopröhren eingebaut, die letzte Bauform verwendet mittlerweile LED-Technik. Notrufsäulen sind auf der Autobahn meist immer paarweise gegenüber aufgestellt, sodass niemand in Versuchung kommt, die Fahrbahnen zu Fuß zu überqueren.

Normalerweise sind Siemens-Notrufsäulen über Kupferkabel seitens der Autobahnmeisterei mit Strom versorgt. Die Übertragung erfolgt in 6-Draht-Technik. Eine Doppelader zur Übertragung des Gespräches – sie wird mit Spannung aus der Autobahnmeisterei versorgt, eine Doppelader zur Spannungsversorgung mit 48 V zum Laden der Notfallakkus, sowie eine Doppelader, welche zur Übertragung der Standortidentifizierung mittels DTMF-Signal dient. Auch das Positions- und Alarmblitzlicht im Säulenkopf wird mittels DTMF-Signal geschaltet. Diese aufwendige Lösung hat den Vorteil auch im spannungslosen Zustand ein sicheres Gespräch zur Autobahnmeisterei führen zu können. Es fehlt im Fehlerfall nur die automatische Standortkennung. Bis vor einigen Jahren wurden Säulen aus Kostengründen in einem „Master & Slave“-System installiert, in welchem immer einer Hauptsäule eine zweite untergeordnet war. Diese Bauart ist heute aber nur mehr sehr vereinzelt anzutreffen und wird auf Grund der Fehleranfälligkeit mehr und mehr verdrängt. Neuere Säulen (mit GSM-Anbindung) werden mit Solarzellen und Akku versorgt. In letzter Zeit werden bei Streckenumbauten die europaweit dem neuesten Stand der Technik entsprechenden VoIP-Säulen (Voice over IP) der Fabrikate IT-Technology GmbH (z.B.: A2, A8) und Siemens verbaut. Diese Säulen werden mittels Glasfasertechnik oder Ethernet über das Netzwerk an das verteilte Notrufserversystem (SaNORS) herangeführt. Die Signalisierung und Sprachübertragung erfolgen dabei über die VoIP-Standardprotokolle SIP/SDP (Session Initiation Protocol) und RTP (Realtime Transport Protocol), im Rahmen dessen auch die Steuerung (SDP) von Warnlichtern usw. effektiv durchgeführt werden kann. An sämtlichen Autobahnstrecken, wo Komplettsanierungen durchgeführt werden, wird auch auf diesen Standard aufgerüstet. Bevor die ASFINAG die Verwaltung der Autobahnen übernahm, fiel die Wartung der Notrufsäulen in die Verantwortung der ÖBB, da sie mehr Erfahrung mit Kommunikationseinrichtungen im Gegensatz zur Straßenverwaltung hatten. Diese regelmäßigen Wartungen werden mittlerweile in Jahresverträgen an diverse Fremdunternehmen vergeben.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Notruftelefon – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Notruf Freiland Technische Spezifikation der österreichischen Notrufsäulen der ASFINAG

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bildarchiv Polizeirufstellen / Notrufmelder (Version vom 17. Februar 2013 im Webarchiv Archive.today)
  2. Notrufsäulen an der Autobahn. In: Kraftfahrzeugtechnik. 10/1955, S. 369.
  3. VkBl.-Vl. vom 24. April 2006
  4. Handy oder lieber Notrufsäule? In: blitztip. 25. April 2012.
  5. Auf Bundes- und Landesstraßen — Bis Jahresende verschwinden alle Notrufsäulen. auf: RP Online. 29. Juni 2011.