Falschfahrer
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Als Falschfahrer – umgangssprachlich auch Geisterfahrer – bezeichnet man jene Benutzer einer Autobahn oder einer anderen Straße mit geteilten Richtungsfahrbahnen, die entgegen der vorgeschriebenen Fahrtrichtung fahren.
Bei Geisterfahrten wird der Vertrauensgrundsatz durchbrochen. Dadurch sind Falschfahrer eine massive Gefahr auf Autobahnen. Sie rufen immer wieder schwerste Verkehrsunfälle hervor.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Allgemeines
[Bearbeiten] Motive
Zum Falschfahrer können Autofahrer aus verschiedensten Gründen werden, z.B.:
- aufgrund schlechter oder unübersichtlicher Beschilderung von Auf- und Abfahrten
- aufgrund einer unübersichtlichen Beschilderung und Fahrbahnführung in Baustellen
- aufgrund starker Beeinträchtigung der Sicht durch widrige Wetterverhältnisse
- durch Unachtsamkeit, zum Beispiel bei Trunkenheit am Steuer
- durch Wenden oder Umdrehen auf der Autobahn, nachdem irrtümlich aufgefahren oder eine Abfahrt verpasst wurde
- aufgrund einer Suizidabsicht
- als Mutprobe[1]
[Bearbeiten] Prävention
Versehentlichen Geisterfahrten wird versucht mit eindeutiger Beschilderung – insbesondere „Einfahrt verboten“ − vorzubeugen. Ein Verhindern von Geisterfahrten mit technischen Hilfsmitteln ist schwierig. Es gab Überlegungen, mit technischen Einrichtungen, z. B. so genannten Krallen, ein Auffahren in die Gegenrichtung durch Beschädigen der Autoreifen zu verhindern. Dies würde aber der Feuerwehr und Rettungsdiensten das Erreichen eines Einsatzortes in Gegenrichtung erschweren, wenn die Autobahn in regulärer Richtung gesperrt ist. Auch ist die Wirkung bei Eis oder Schnee nicht immer die gewünschte.
[Bearbeiten] Verhalten
Es wird häufig empfohlen, bei einem im Verkehrsfunk gemeldeten Falschfahrer äußerst rechts zu fahren und nicht zu überholen. Außerdem sollte man versuchen, über das Abblendlicht und weitere Beleuchtung vom Falschfahrer frühzeitig erkannt zu werden. Die Betätigung der Lichthupe, um auf das Fehlverhalten des Falschfahrers aufmerksam zu machen, ist zulässig.[1][2]
Verkehrsteilnehmern, die selber unfreiwillig zum Falschfahrer geworden sind (z. B. nachdem sich das Auto bei einem Verkehrsunfall gedreht hat), wird empfohlen, mit dem Fahrzeug an der Mittelleitplanke stehenzubleiben, auszusteigen, sich auf den Grünstreifen (Fahrbahnteiler) zu „retten“ und anschließend die Polizei zu informieren, damit diese beim Wendemanöver durch eine kurzfristige Fahrbahnsperrung helfen kann.[1]
[Bearbeiten] Verkehrsfunk
Mit Verkehrsdurchsagen im Hörfunk versucht man, die anderen Verkehrsteilnehmer vor gemeldeten Falschfahrern zu warnen und so den Schaden zu begrenzen. Meldungen über Falschfahrer werden im Hörfunk mit höchster Priorität behandelt; für sie werden bei vielen Sendern auch Musiktitel oder Nachrichten unterbrochen.
[Bearbeiten] „Geisterfahrer“ in Österreich
Das Phänomen „Geisterfahrer“ tritt in Österreich weit überdurchschnittlich häufig auf. So musste der österreichische Hörfunksender Ö3 sein Programm im Jahr 2008 497 mal (2007: 519; 2006: 486) für eine Geisterfahrerwarnung unterbrechen,[3] während der MDR-Sender Jump in einem mit Österreich vergleichbar großen Sendegebiet im Jahr 2005 lediglich 105 Falschfahrer verzeichnete. Auch im Verhältnis zum gesamten Bundesgebiet Deutschlands (ca. 1800 Falschfahrer pro Jahr) ist die Zahl der Geisterfahrer in Österreich fast um das Vierfache höher.
Als Gründe für das hohe Auftreten von Geisterfahrern in Österreich werden vor allem die oft unübersichtlichen Autobahnauffahrten genannt, welche aufgrund der Topografie meist auf sehr engem Raum realisiert werden müssen.
Im Jahr 2006 wurde, da es bis zu diesem Zeitpunkt Europaweit keine Warntafeln, die auf einen Falschfahrer hinweisen, gab, die Tafel Gefahrenzeichen 14a beschlossen. Diese Tafel wird ausschließlich im Anlassfall in elektronischer Form auf Wechselverkehrszeichenanlagen angezeigt.[4]
[Bearbeiten] Falschfahrer in Frankreich und Italien
In Frankreich und Italien ist es aufgrund der Mautstellen an den Ausfahrten nicht möglich, in der falschen Richtung auf eine Autobahn aufzufahren. Daher gibt es in diesen Ländern kaum Probleme mit Falschfahrern.
[Bearbeiten] Bekannte Opfer
- Der US-amerikanische Musiker Criss Oliva kam am 17. Oktober 1993 ums Leben, als er nahe Tampa frontal mit einem betrunkenen Falschfahrer zusammenstieß. Olivas Frau Dawn wurde schwer verletzt.
- Der Fußballspieler Roland Wabra kam am 17. Oktober 1994 durch einen Unfall mit einem Geisterfahrer auf der A 6 ums Leben.
- Die Fernsehmoderatorin Alexandra Freund kam am 21. Juni 2001 bei einem Verkehrsunfall auf der A 8 München–Salzburg ums Leben, als ein Geisterfahrer in suizidaler Absicht frontal in ihren Wagen raste.
- Die Schauspielerin Doris Schretzmayer hatte wegen eines Geisterfahrers einen schweren Autounfall.
[Bearbeiten] Subjektivität des Falschfahrens
Es gibt einen sehr bekannten Witz über einen Autofahrer, der im Radio eine Geisterfahrerwarnung hört: „Vorsicht! Auf der Autobahn kommt Ihnen ein Geisterfahrer entgegen!“, und zu sich sagt: „Was? Einer? Hunderte!“.
Am 17. März 2006 wurde der Witz wahr, als eine verwirrte Autofahrerin auf der A 8 (Salzburg–München) der Polizei per Handy meldete, ihr kämen „jede Menge Geisterfahrer entgegen“. Die Frau konnte gestoppt werden. Laut einem Bericht des ORF dürfte die psychisch kranke Lenkerin ihre Medikamente nicht rechtzeitig genommen haben.[5]
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ a b c POK Ballhorn, Polizeiautobahnstation Gau-Bickelheim: Geisterfahrer ? – Falschfahrer!, entnommen am 14.04.2009
- ↑ Polizei Rheinland-Pfalz: Falschfahrer (sog. Geisterfahrer), entnommen am 14.04.2009
- ↑ Ö3: Die Ö3-Geisterfahrerstatistik 2008, entnommen am 14.04.2009
- ↑ Neues Geisterfahrer-Verkehrszeichen auf ÖAMTC abgerufen am 15. April 2009
- ↑ Der Spiegel: Irrfahrt: Geisterfahrerin meldet der Polizei Falschfahrer

