Falschfahrer

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Als Falschfahrer – umgangssprachlich auch Geisterfahrer[1] – bezeichnet man jene Benutzer einer Autobahn oder einer Straße mit geteilten Richtungsfahrbahnen, die entgegen der vorgeschriebenen Fahrtrichtung fahren.

Bei Falschfahrten wird der Vertrauensgrundsatz durchbrochen. Dadurch sind Falschfahrer eine massive Gefahr für den Straßenverkehr, vor allem auf Autobahnen. Sie verursachen immer wieder schwerste Verkehrsunfälle. Das Fahren auf Radwegen entgegen der eigentlichen Fahrtrichtung ist innerorts eine der Hauptursachen für Unfälle mit Personenschäden bei Radfahrern.

Allgemeines[Bearbeiten]

"Stop falsch!" in Österreich

Ursachen und Motive[Bearbeiten]

Zum Falschfahrer können Auto- und Fahrradfahrer aus verschiedensten Gründen werden, z. B.:

  • aufgrund schlechter oder unübersichtlicher Beschilderung von Auf- und Abfahrten
  • aufgrund einer unübersichtlichen Beschilderung und Fahrbahnführung in Baustellen
  • aufgrund ungewöhnlicher Verkehrsführungen im Bereich von Auf- und Abfahrten (z.B. Abfahrten, die von rechts kommend die nach links führende Auffahrtspur kreuzen und in die falsch abgebogen wird)
  • durch falsches Auffahren von Autobahnraststätten oder Parkplätzen
  • aufgrund starker Beeinträchtigung der Sicht durch widrige Wetterverhältnisse oder Sonnenblendung
  • aufgrund Überforderung durch Alter oder Drogeneinfluss, zum Beispiel bei Trunkenheit im Verkehr
  • durch Unachtsamkeit
  • durch Wenden oder Umdrehen auf der Autobahn, nachdem irrtümlich aufgefahren oder eine Abfahrt verpasst wurde
  • aufgrund einer Suizid- oder erweiterten Suizidabsicht
  • als Mutprobe[2]
  • aufgrund der Gewöhnung an Linksverkehr oder Rechtsverkehr
  • aufgrund der GPS-Durchsage "Bitte Wenden!"
  • bei Radfahrern entgegen der erlaubten Fahrtrichtung auf Radwegen: aufgrund von Bequemlichkeit und Nachlässigkeit oder ungeeigenter Fahrradinfrastruktur

Prävention[Bearbeiten]

Verstärke Beschilderung an der Karlsruher Südtangente
Hinweisschild für Radfahrer in Bamberg
Auf Ontarios Autobahnen ist die in Fahrtrichtung linke Fahrbahnrandmarkierung gelb, so dass die Fahrtrichtung auf jedem Straßenabschnitt immer zu erkennen ist
Geisterfahrerprävention – Frankreich

Mit eindeutiger Beschilderung – insbesondere „Einfahrt verboten“ – wird versucht, versehentlichen Geisterfahrten vorzubeugen. Ein Verhindern von Geisterfahrten mit technischen Hilfsmitteln ist schwierig. Es gab Überlegungen, mit technischen Einrichtungen, z. B. so genannten Krallen, ein Auffahren in die Gegenrichtung durch Beschädigen der Autoreifen zu verhindern. Dies würde aber der Feuerwehr und Rettungsdiensten das Erreichen eines Einsatzortes in Gegenrichtung erschweren, wenn die Autobahn in regulärer Richtung gesperrt ist. Auch ist die Wirkung bei Eis oder Schnee nicht immer die gewünschte.

In Österreich wurde 1997 mit Hilfe von Warntafeln mit der Prävention gegen Geisterfahrer begonnen. Diese Tafeln sind insofern ein Unikum im Straßenverkehr Österreichs, als sie nicht mit Steuergeldern finanziert werden, sondern ausschließlich durch Einnahmen für Werbung, die sich auf der Rückseite der Tafeln befindet, was andererseits auf Autobahnen und Schnellstraßen üblicherweise verboten ist.[3]

In manchen Bezirken Kanadas, zum Beispiel der Provinz Ontario, werden die zwischen Fahrbahnen für entgegengesetzte Fahrtrichtungen liegenden Mittel- und Randlinien in Gelb ausgeführt, so dass die korrekte Fahrtrichtung auf jedem Straßenabschnitt immer zu erkennen ist.[4]

Mercedes-Benz hat Anfang 2013 für die S-Klasse ein Warnsystem angekündigt, das zusammen mit der Continental AG entwickelt wurde. Es erkennt die Kombination von zwei Verbotsschildern und einem Pfeil, wie sie für Autobahnauffahrten verwendet wird. Gleichzeitig wird das Ergebnis mit den Daten des Navigationssystems abgeglichen. Besteht die Gefahr, dass eine falsche Auffahrt benutzt wird, gibt es, ähnlich wie bei einer offenen Tür, eine „Rote Warnung“. Der Fahrer wird akustisch und mit einer Nachricht gewarnt. Das Assistenzsystem nutzt eine Kamera, die jetzt bereits zur Erkennung von Tempo-Begrenzungen eingesetzt wird.[5]

Verhalten[Bearbeiten]

Es wird häufig empfohlen, bei einem im Verkehrsfunk gemeldeten Falschfahrer äußerst rechts zu fahren und nicht zu überholen. Außerdem sollte man versuchen, über das Abblendlicht und weitere Beleuchtung vom Falschfahrer frühzeitig erkannt zu werden. Die Betätigung der Lichthupe, um auf das Fehlverhalten des Falschfahrers aufmerksam zu machen, ist zulässig.[2][6]

Falschfahrern wird empfohlen, mit dem Fahrzeug an der Mittelleitplanke stehenzubleiben, auszusteigen, sich auf den Grünstreifen (Fahrbahnteiler) zu „retten“ und anschließend die Polizei zu informieren, damit diese beim Wendemanöver durch eine kurzfristige Fahrbahnsperrung helfen kann.[2]

Verkehrs- und anderer Warnfunk[Bearbeiten]

Mit Verkehrsdurchsagen im Hörfunk versucht man, die anderen Verkehrsteilnehmer vor gemeldeten Falschfahrern zu warnen und so den Schaden zu begrenzen. Dabei werden häufig Warnungen für beide Richtungsfahrbahnen ausgesprochen, da die Meldungen häufig von Verkehrsteilnehmern stammen und man einer möglichen Verwechslung der benannten Fahrtrichtung vorbeugen möchte. Meldungen über Falschfahrer werden im Hörfunk mit höchster Priorität behandelt; für sie werden bei vielen Sendern auch Musiktitel oder Nachrichten unterbrochen. Auch über den TMC werden die Warnmeldungen gesendet. Die Verarbeitung der Meldungen in Navigationsgeräten ist nach einem gemeinsamen Test von ADAC und dem Fraunhofer Institut noch sehr verbesserungswürdig (Stand: Ende 2012).[7]

Länderspezifisches[Bearbeiten]

Falschfahrer in Deutschland[Bearbeiten]

In Deutschland soll es zu etwa fünf Radiomeldungen über Falschfahrer pro Tag kommen. Allerdings sind einige dieser Meldungen falsch, weil sich Autofahrer geirrt haben. Lediglich das Bundesland Bayern führt eine offizielle Statistik.

Bei den früheren registrierten Fällen gab es 1978 insgesamt 1.788 Autofahrer, die auf Autobahnen oder anderen mehrspurigen Straßen in verkehrter Fahrtrichtung gefahren sind. Die Zahl ging bis 1981 auf 1.100 zurück, da eine bessere Beschilderung von Autobahnzufahrten und Abzweigungen vorgenommen wurde.

Im Jahr 2010 wurden in Bayern an der A 3 sowie der A 8 im Rahmen eines Pilotversuches Schilder aufgestellt, die bis auf kleine Unterschiede jener in Österreich verwendeten ähneln. Im Oktober 2011 wurden zudem zwischen Marktl und Mühldorf solche Schilder aufgestellt, da es hier besonders oft zu Unfällen mit Geisterfahrern kam.

Im Dezember 2012 veröffentlichte der ADAC eine Untersuchung für die beiden Jahre 2010 und 2011, in der rund 30 als besonders auffällige Autobahnen für Falschfahrten identifiziert werden konnten. Dabei handelt es sich zum Großteil um Straßen mit dreistelligen Autobahn-Nummern, die meist als Zubringer oder Verbindungsstrecken in Ballungsräumen fungieren.[8] Zu den zehn gefährlichsten Autobahnen gehören, nach dieser Studie, die: A 98, A 255, A 293, A 391, A 516, A 559, A 562, A 643, A 661 und die A 980[9] Ebenfalls stellte sich in der Studie heraus, dass die Anzahl der Falschfahrer am Wochenende und dann vor allem in der Nacht um das doppelte ansteigt, die Häufigkeit von Warnmeldungen liegt hier zwischen 20 und 23 Prozent, an Wochentagen beträgt diese lediglich 11 bis 12 Prozent. Über die Hälfte der Irrfahrten beginnt an den Anschlussstellen (51 %), gefolgt von den Autobahndreiecken und -kreuzen (17 %), 11 Prozent auf freier Strecke, an den Tank- und Rastanlagen sowie Parkplätzen 6 Prozent, und am Autobahnbeginn zwei Prozent. Die restlichen 13 Prozent sind als „sonstige“ in der Statistik zusammengefasst.[10] 1914 Falschfahrer wurden 2012 im Verkehrsfunk von deutschen Autobahnen gemeldet. Die meisten Meldungen gehen zwischen August und Oktober ein.[11]

Falschfahrer in Österreich[Bearbeiten]

Das Gefahrenzeichen 14a. „Achtung Falschfahrer“ (Österreich) existiert nur als Leuchttafel bei Bedarf

Das Phänomen „Geisterfahrer“ tritt in Österreich überdurchschnittlich häufig auf. So musste der österreichische Hörfunksender Ö3 sein Programm im Jahr 2008 497 mal (2007: 519; 2006: 486) für eine Geisterfahrerwarnung unterbrechen,[12] während der MDR-Sender Jump in einem mit Österreich vergleichbar großen Sendegebiet im Jahr 2005 lediglich 105 Falschfahrer verzeichnete. Als Gründe für das hohe Auftreten von Geisterfahrern in Österreich werden vor allem die oft unübersichtlichen Autobahnauffahrten genannt, welche aufgrund der Topografie meist auf sehr engem Raum realisiert werden müssen. Erst im Jahr 2011 wurde mit 366 ein Niedrigststand an Meldungen erreicht. Erstmals seit 1987 kam auch kein Mensch ums Leben.[13]

Um die Verbotene Einfahrt bei Autobahnausfahrten möglichst auffällig zu gestalten, werden großflächige Tafeln aufgestellt. Zur Finanzierung der Tafeln wurde das auf der Autobahn verhältnismäßig strenge Werbeverbot aufgeweicht und es erlaubt, nun auf der Rückseite dieser Tafeln Werbeflächen, mit denen diese Hinweisschilder finanziert werden, anzubringen.[14]

Da es europaweit kein Verkehrszeichen gab, das auf einen entgegenkommenden Falschfahrer hinweist, wurde im Jahr 2006, auf Betreiben des damaligen Verkehrsministers Gorbach und gegen einige kritische Stimmen, dass das Zeichen situationsbedingt falsch verstanden werden könnte, das Gefahrenzeichen 14a. „Achtung Falschfahrer“ (§ 50 Z. 14a.) in die StVO eingefügt:

„Dieses Zeichen zeigt an, dass ein Fahrzeug auf einer Richtungsfahrbahn entgegen der vorgesehenen Fahrtrichtung fährt, obwohl das nicht durch Straßenverkehrszeichen oder Bodenmarkierungen erlaubt ist.“

Dem Wortlaut der Z. 14a. folgend, wird dieses Verkehrszeichen ausschließlich im Anlassfall in elektronischer Form auf Wechselverkehrszeichenanlagen angezeigt. Vor Einführung dieses Verkehrszeichens gab es den Begriff Falschfahrer weder im österreichischen Recht noch in der Judikatur. Aus diesem Grund wird in der Öffentlichkeit anstelle des amtlichen weiterhin fast nur der bisherige rechtlich nicht fixierte Begriff Geisterfahrer verwendet.

Falschfahrer in Frankreich und Italien[Bearbeiten]

In Frankreich und Italien sind viele Autobahnen mautpflichtig. Zumindest auf diesen Strecken gibt es in diesen Ländern kaum Probleme mit Falschfahrern, da an den Ausfahrten in der Regel eine Mautstelle passiert werden muss.

Strafbarkeit[Bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten]

In Deutschland ist Falschfahren unter Umständen eine Gefährdung des Straßenverkehrs und damit eine Straftat nach § 315c Strafgesetzbuch. Der auf Falschfahrer bezogene Teil der Vorschrift lautet: „Wer im Straßenverkehr … grob verkehrswidrig und rücksichtslos … auf Autobahnen oder Kraftfahrstraßen wendet, rückwärts oder entgegen der Fahrtrichtung fährt oder dies versucht … und dadurch Leib oder Leben eines anderen Menschen oder fremde Sachen von bedeutendem Wert gefährdet, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“ Als Nebenfolge kommt ein Fahrverbot nach § 44 in Betracht.

Österreich[Bearbeiten]

In Österreich wird das Falschfahren erfasst durch § 177 StGB als fahrlässige Gemeingefährdung. Die Tat kann mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr bestraft werden. Hat die Tat den Tod eines Menschen oder schwere Körperverletzungen einer größeren Zahl von Menschen zur Folge oder sind durch die Tat viele Menschen in Not versetzt worden, so ist nach § 170 StGB der Täter mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren zu bestrafen. Wurde der Tod einer größeren Zahl von Menschen verursacht, ist die Strafe Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren.

Schweiz[Bearbeiten]

In der Schweiz ist Falschfahren ein Verstoß gegen Art. 90Vorlage:Art./Wartung/ch-Suche, Satz 2 Strassenverkehrsgesetz: „Wer durch grobe Verletzung der Verkehrsregeln eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft oder in Kauf nimmt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft.“ Der Verstoß wird juristisch als abstraktes Gefährdungsdelikt behandelt.

Bekannte Opfer[Bearbeiten]

  • Der US-amerikanische Musiker Criss Oliva kam am 17. Oktober 1993 ums Leben, als er nahe Tampa frontal mit einem betrunkenen Falschfahrer zusammenstieß. Olivas Frau Dawn wurde schwer verletzt.
  • Der Fußballspieler Roland Wabra kam am 17. Oktober 1994 durch einen Unfall mit einem Geisterfahrer auf der A 6 ums Leben.
  • Die Fernsehmoderatorin Alexandra Freund kam am 21. Juni 2001 bei einem Verkehrsunfall auf der A 8 München–Salzburg ums Leben, als ein Geisterfahrer in suizidaler Absicht frontal in ihren Wagen raste.
  • Die Schauspielerin Doris Schretzmayer hatte wegen eines Geisterfahrers einen schweren Autounfall.

Trivia[Bearbeiten]

Es gibt einen bekannten Witz über einen Autofahrer, der im Radio eine Geisterfahrerwarnung hört: „Vorsicht! Auf der Autobahn kommt Ihnen ein Geisterfahrer entgegen!“, und zu sich sagt: „Was? Einer? Hunderte!“. Dieser Witz wurde auch in einer Folge der Sendung Der 7. Sinn dargestellt. Am 17. März 2006 wurde der Witz wahr, als eine geistig verwirrte Autofahrerin auf der A 8 (Salzburg–München) der Polizei per Mobiltelefon meldete, ihr kämen „jede Menge Geisterfahrer“ entgegen.[15] Die Frau konnte gestoppt werden.

Literatur[Bearbeiten]

  • Claus Christoph Eicher: Tödliche Begegnung, in: ADAC Motorwelt Heft 1 Januar 2013; S. 20–26.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. In Österreich existiert der Begriff Falschfahrer nur als gesetzmäßige Bezeichnung eines bestimmten Verkehrszeichen, allgemein wird „Geisterfahrer“ verwendet.
  2. a b c POK Ballhorn, Polizeiautobahnstation Gau-Bickelheim: Geisterfahrer ? – Falschfahrer!, entnommen am 14. April 2009
  3. Stop für Geisterfahrer Presseaussendung von 3M vom 18. November 1997, abgerufen am 9. September 2013.
  4. Verkehrsministerium der kanadischen Provinz Ontario: Fahrerhandbuch
  5. (ski): „Rote Warnung vor einer Geisterfahrt – Mercedes bietet neues Assistenzsystem“; Verlagsgruppe Rhein Main, Allgemeine Zeitung Mainz; S. 28 (Panorama), 10. Januar 2013.
  6. Polizei Rheinland-Pfalz: Falschfahrer (sog. Geisterfahrer), entnommen am 14. April 2009.
  7. „Navis und Geisterfahrer: Hier hapert es gewaltig“, in: ADAC Motorwelt Heft 1 Januar 2013; S. 26.
  8. Größte Gefahr auf kurzen Autobahnen / ADAC Untersuchung zu Geisterfahrern - 40 Prozent der Falschfahrermeldungen an Wochenenden vom 20. Dezember 2012
  9. Falschfahrer in Deutschland: Die zehn gefährlichsten Autobahnen ADAC 12/2012; JPG-Datei, online im Internet 25. Dezember 2012
  10. Claus Christoph Eicher: „Tödliche Begegnung“ in: ADAC Motorwelt Heft 1 Januar 2013; S. 20.
  11. Datenschutz für Geisterfahrer , aufgerufen am 31. Januar 2013.
  12. Ö3: Die Ö3-Geisterfahrerstatistik 2008, entnommen am 14. April 2009.
  13. Die Ö3-Geisterfahrerstatistik 2011 auf Ö3 vom 19. Jänner 2012, abgerufen am 26. November 2012.
  14. Autobahnwerbung, abgerufen am 2. Februar 2011.
  15. Der Spiegel: Irrfahrt: Geisterfahrerin meldet der Polizei Falschfahrer vom 17. März 2006 mit Material von abl/AP

Weblinks[Bearbeiten]