GSM-R

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GSM-R-Basisstation an der NBS Ingolstadt–Nürnberg

Global System for Mobile Communications - Rail(way) (GSM-R oder GSM-Rail) ist ein Mobilfunksystem, das auf dem weltweit dominierenden Funkstandard GSM aufbaut, jedoch für die Verwendung bei den Eisenbahnen angepasst wurde.

Entwicklung[Bearbeiten]

Im Zuge des zusammenwachsenden Europas wurde auch im Bereich Zugfunk eine einheitliche, standardisierte und europaweit interoperable Lösung notwendig. In der EG-Richtlinie 96/48 vom 23. Juli 1996 wird deshalb die Interoperabilität für den transeuropäischen Hochgeschwindigkeitsverkehr ab Mai 1999 zur gesetzlichen Pflicht gemacht.[1]

Im Jahr 1997 verpflichteten sich deshalb 32 europäische Bahnverwaltungen zur GSM-R-Einführung. Damit wird die Interoperabilität bei der mobilen Kommunikation im Bahnbetrieb europaweit gewährleistet.[2] Die funktionale Anforderungsspezifikation wurde Ende Juni 1998 von den Generaldirektoren der Bahnunternehmen der UIC genehmigt.[3]

Ein weiterer Grund für die Einführung des neuen Funkstandards war, dass die bislang betriebenen analogen Funksysteme veraltet und somit nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben sind. Alleine die Deutsche Bahn betreibt seit den sechziger Jahren acht verschiedene Analog-Funk-Systeme: Zugfunk, Rangierfunk, Kfz-Funk, Betriebs- und Instandhaltungsfunk und weitere.

Später beschlossen dann auch außereuropäische Bahnverwaltungen, GSM-R einzuführen.

Technik[Bearbeiten]

GSM-R ist ein auf GSM aufbauender Mobilfunkstandard, der seit 1992 vom Internationalen Eisenbahnverband (Union Internationale des Chemins de fer, UIC) betreut und weiterentwickelt wird. Dies geschah zuerst im Rahmen des Projekts EIRENE (European Integrated Railway Radio Enhanced Network), seit Ende 2006 im Rahmen des Projekts ERTMS. Auf diesem Weg werden die über GSM hinausgehenden, GSM-R-spezifischen Spezifikationen erarbeitet, die dann als FRS (Functional Requirements Specifications) und SRS (System Requirement Specification) veröffentlicht werden. Neben GSM-R ist die ERTMS-Projektgruppe der UIC auch für ETCS zuständig.

Neben der Sprachkommunikation soll GSM-R als Transportmedium für ETCS-Daten dienen,[4] die neben der Zugsicherung auch Zugfernsteuerung, Stellwerkskommunikation und die Überwachung des Zuglaufs ermöglichen.

Um alle Applikationen des GSM-R-Netzes für die Fahrdienstleiter und Disponenten zu nutzen, kommen spezielle Fixed Terminal Systems (FTS) zum Einsatz.

GSM-R kennt zwei Betriebsmodi, die sich in wesentlichen Parametern voneinander unterscheiden.

Betrieb im GSM-Modus[Bearbeiten]

Für den Betrieb im GSM-Modus kommen die für Netze nach GSM-Standard spezifizierten Betriebsparameter zur Anwendung. Ein GSM-R-Netz im GSM-Modus entspricht weitgehend einem öffentlich zugänglichen GSM-Netz, jedoch sind seitens der UIC zusätzliche Dienste gefordert, und einige Parameter aus Standard-GSM wurden enger spezifiziert. Die Unterschiede sind im Einzelnen:[5][6][7]

  • Die Unterstützung von Funktionsrufnummern für Sprach- und Datenanrufe ist erforderlich
  • Funktionsrufnummern müssen vom Netz aufgelöst und auf den Endgeräten in Textform dargestellt werden
  • Die Anrufzustellung abhängig vom Aufenthaltsort des Anrufenden muss möglich sein. Auf diese Art kann etwa, abhängig vom Aufenthaltsort, mit der gleichen Rufnummer immer der zuständige Fahrdienstleiter erreicht werden
  • Die Implementierung eines bahnspezifischen Notrufs ist erforderlich
  • Die Implementierung der Advanced Speech Call Items ist erforderlich
  • Die Implementierung des GSM-Dienstes VBS (Voice Broadcast Service) ist erforderlich. Hierbei handelt es sich um einen Sammelanruf für Einwegkommunikation, d.h. der Anrufende kann sprechen, alle Angerufenen können nur zuhören (Durchsagedienst).
  • Die Implementierung des GSM-Dienstes VGCS Voice Group Call Service ist erforderlich. Hierbei handelt es sich um einen Sammelanruf, der zeitgleich an ganze Nutzergruppen zugestellt wird und in dem alle Teilnehmer sprechen können
  • Die Unterstützung von Funktionsrufnummern für VBS und VGCS ist erforderlich. Hierbei müssen Adressierungsmöglichkeiten wie etwa alle Züge oder gesamtes Zugpersonal unterstützt werden
  • Für Sprachverbindungen muss ein spezieller Rangiermodus implementiert werden. Dieser beinhaltet die Schaltung eines link assurance signal, eines Verbindungskontrollsignals, das allen Beteiligten regelmäßig das Bestehen einer Verbindung in Form eines Kontrolltons anzeigt
  • Die Implementierung von eMLPP ist erforderlich. Jedem Anruf muss eine Prioritätsstufe zugewiesen werden, das Netz muss die Verdrängung von Anrufen niedriger Priorität durch höher priorisierte Anrufe unterstützen, verdrängte Anrufe sollen beendet werden. Die folgenden Prioritätsstufen werden in GSM-R vergeben:
    • bahnspezifische Notrufe (railway emergency)
    • sicherheitsrelevante Übertragungen (control-command (safety))
    • öffentliche Notrufe (etwa an die 112) und Gruppenanrufe zwischen Lokführern (public emergency and group calls between drivers in the same area)
    • betriebsrelevante Übertragungen und Rangiermodus (railway operation)
    • sonstige Anrufe (railway information)
  • Ein spezifischer Datendienst für ETCS muss implementiert werden
  • In den verwendeten SIM-Karten müssen Datenfelder für GSM-R-spezifische Daten angelegt werden
  • Die Unterstützung von Endgeräten, die sich mit einer Geschwindigkeit von bis zu 500 km/h bewegen, muss sichergestellt werden
  • Ein Versorgungspegel von mindestens 38,5 dBμV/m (entspricht -98 dBm) mit einer Versorgungswahrscheinlichkeit von 95 % für Sprachverbindungen und nicht sicherheitskritische Anwendungen muss sichergestellt werden
  • Ein Versorgungspegel von mindestens 41,5 dBμV/m (entspricht -95 dBm) mit einer Versorgungswahrscheinlichkeit von 95 % für Strecken mit ETCS Level 2/3 bei Geschwindigkeiten von bis zu 220 km/h muss sichergestellt werden
  • Rufaufbauzeiten für bahnspezifische Notrufe müssen in mindestens 95 % der Fälle kleiner als 2 Sekunden sein
  • Rufaufbauzeiten für Gruppenrufe zwischen Teilnehmern eines Rufbereichs müssen in mindestens 95 % der Fälle kleiner als 5 Sekunden sein
  • Fest eingebaute Endgeräte müssen bei Ausfall der Stromversorgung mindestens eine Stunde weiter funktionieren, wobei das Gerät 15 Minuten benutzt werden kann

Der GSM-Modus von GSM-R wurde für den gesamten R-GSM Frequenzbereich spezifiziert.[8] Die tatsächliche Zuteilung der Frequenzbereiche erfolgt durch die Regulierungsbehörden der einzelnen Staaten. Roaming zwischen GSM-R und öffentlichen GSM-Netzen ist möglich.

Funktionsrufnummern[Bearbeiten]

Die Implementierung von Funktionsrufnummern bedeutet, dass das Netz neben den individuellen, an die SIM-Karte gebundenen Rufnummern, zusätzliche Rufnummern für bestimmte Endstellen und Funktionsträger zur Verfügung stellt.[6]

Auf diese Art können Funktionsträger in einem Zug (etwa der Triebfahrzeugführer oder der Zugführer bzw. bei DB Fernverkehr der Zugchef), die Besatzung einer Lokomotive, eine Rangier- oder Wartungsgruppe, ein bestimmter Fahrdienstleiter oder etwa der Zugdatenrecorder erreicht werden, ohne die jeweilige individuelle Rufnummer kennen zu müssen. Es ist außerdem möglich, Funktionsträger gruppenweise zu adressieren, beispielsweise die gesamte Besatzung eines Zuges oder alle Lokführer, die eine bestimmte Strecke befahren.

Beispiele, abgeleitet aus dem von der UIC vorgeschlagenen Rufnummernplan:

Mit der Rufnummer 1200 erreicht man den örtlich zuständigen Fahrdienstleiter

  • 1 als Kennung für einen Anruf zu einer Kurzwahl
  • 200 für den regional passenden, ersten Fahrdienstleiter

Mit der Rufnummer 21768701 erreicht man den Lokführer in einem Zug

  • 2 als Kennung für einen Anruf zu einer Funktionsrufnummer in einem Zug
  • 17687 ist die Zugnummer
01 ist der erste Lokführer dieses Zugs (Leading driver)
  • Diese Nummer wird dynamisch vergeben, der Zug muss sich darauf registrieren

Mit der Rufnummer 412345678901 erreicht man den Lokführer in einem Triebfahrzeug

  • 4 als Kennung für einen Anruf zu einer Funktionsrufnummer in einem Triebfahrzeug
  • 123456789 ist die Triebfahrzeugnummer (vgl. Fahrzeugliste der DB)
  • 01 ist der erste Lokführer dieses Zugs (Leading driver)
  • Diese Nummer wird statisch vergeben und gehört fest zum jeweiligen Triebfahrzeug

Bahnspezifischer Notruf[Bearbeiten]

Beim bahnspezifischen Notruf handelt es sich um einen Anruf mittels VGCS der, abhängig vom Standort des Anrufenden und der angerufenen Notrufnummer, an festgelegte Nutzergruppen zugestellt, speziell signalisiert und automatisch verbunden wird. Durch die spezielle Signalisierung wird der Rufaufbau verkürzt und Rufe mit niedrigerer Priorität werden verdrängt. Jedes GSM-R-Endgerät muss für diese Art des Notrufs eine spezielle, rote Taste haben.[9] Über die anzurufende Notrufnummer entscheidet nicht der Anwender, sondern die Verwendung des Geräts. Zum Beispiel konfiguriert ein GSM-R-Endgerät, das für einen Rangiermitarbeiter im Netz angemeldet wird, automatisch die korrekte Notrufnummer. Die dafür notwendige Informationen sind auf der SIM-Karte des Endgerätes und in der MSC hinterlegt. Bahnnotrufe werden auf Anweisung des Eisenbahn-Bundesamtes (EBA) für eine spätere Auswertung des Unfallgeschehens aufgezeichnet.

Für die adressierbaren Notrufgruppen sind folgende Notrufnummern definiert:

  • 299 Notruf für Zuggruppen und Triebfahrzeugführer
  • 539 Notruf für Bahnhofs- und Sicherheitspersonal
  • 569 Notruf für Technik- und Wartungspersonal (Trackside maintenance groups)
  • 579 Fahrdienstleiternotruf
  • 599 Rangiergruppennotruf

Betrieb im Direct-Modus[Bearbeiten]

Für reine Kurzstreckenkommunikation oder Betriebsfälle, in denen kein GSM-R-Netz im GSM-Modus zur Verfügung steht, wurde der Direct-Modus spezifiziert,[10] jedoch zur Zeit nicht bei der Deutschen Bahn eingesetzt (Stand 2014). In diesem Betriebsmodus können Endgeräte ohne weitere Infrastruktur direkt miteinander kommunizieren. Die verwendeten Betriebsparameter sind in diesem Fall:

  • Frequenzbereich 873,0 MHz bis 880,0 MHz, Kanalabstand 12,5 kHz
  • Frequenzmodulation, Sendeleistung max. 1 W
  • Halbduplexbetrieb
  • Mindestempfindlichkeit des Empfängers –107 dBm
  • Mindestreichweite 2000 m
  • Der im GSM-Modus vorhandene Rangiermodus muss einschließlich des Verbindungskontrollsignals implementiert werden
  • Tragbare Endgeräte müssen eine Mindestlaufzeit von 8 Stunden aufweisen, bezogen auf eine Aufteilung von 20 % Sendebetrieb, 20 % Empfangsbetrieb und 60 % Stand-by


Verwendung[Bearbeiten]

Weltweiter Einsatz von GSM-R, Stand April 2009[11][12]
Land Betreiber Status Streckenlänge mit GSM-R
geplant
Nutzer
Algerien ANESRIF im Aufbau[13]
Australien RailCorp im Aufbau 40
Belgien SNCB/NMBS in Betrieb 3000 400
Bulgarien NRIC im Aufbau 1020
Dänemark Banedanmark in Planung 2000
Deutschland DB Netz AG in Betrieb 29300 31346
Kroatien in Planung 1280
Finnland RHK in Betrieb 4970 100
Frankreich RFF in Betrieb 14400
Griechenland Testbetrieb 707
Großbritannien Network Rail Limited in Betrieb 14780 8452
Indien IR in Betrieb 3200
Irland CIÉ im Aufbau
Italien RFI in Betrieb 10199 3000
Litauen Lietuvos Geležinkeliai in Betrieb 1179
Luxemburg CFL im Aufbau 275
Mexiko im Aufbau 35
Niederlande ProRail in Betrieb 3050 6900
Nordirland Machbarkeitsstudien
Norwegen JBV in Betrieb 3800 4420
Österreich ROeEE / ÖBB Infra in Betrieb 3500 820
Polen PKP im Aufbau 15000
Portugal in Planung 2600
Rumänien in Planung 750
Russland Machbarkeitsstudien
Saudi-Arabien im Aufbau 2493
Schweden Banverket, seit 2010 Trafikverket in Betrieb 9850 4300
Schweiz SBB/CFF/FFS in Betrieb 3100 5100
Slowakei in Betrieb 884
Slowenien AZP Pilotbetrieb 1226
Spanien ADIF in Betrieb 10189 1900
Tschechien Czech Railways in Betrieb 5400 300
Türkei im Aufbau 1720
Ungarn VPE im Aufbau 900
Vereinigte Staaten US/DOT Machbarkeitsstudien
Volksrepublik China CR Group in Betrieb 3896


In Zusammenarbeit mit der Firma Nortel hat Kapsch ein GSM-R-Netz in der Slowakischen Republik für die Bahn (ŽSR) aufgebaut und Anfang September 2006 in Betrieb genommen. Auch in Slowenien baut Kapsch gemeinsam mit Iskratel bis 2015 ein GSM-R auf einer Strecke von 1200 Kilometer auf.[14] Ein weiterer Lieferant ist Nokia Solutions and Networks NSN (bis 2013: Nokia-Siemens-Networks). NSN-GSM-R-Netze sind zum Beispiel in Schweden (erstes GSM-R-Netz weltweit), Holland und Italien in Betrieb.

Verwendung bei der Deutschen Bahn[Bearbeiten]

1998 entschied die Deutsche Bahn, den in den 1970er Jahren eingeführten analogen Zugfunk vollständig auf GSM-R umzustellen.[15]

Im Januar 1998 wurden GSM-R-Funktests auf der Strecke zwischen Stuttgart und Bruchsal durchgeführt. Im Jahr 2001 wurde das System auf einem 15 km langen Testabschnitt BitterfeldGräfenhainichen der Strecke Berlin–Halle vollständig in Betrieb genommen.[16]

In Deutschland reservierte die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (jetzt Bundesnetzagentur für Elektrizität, Gas, Telekommunikation, Post und Eisenbahnen) die Frequenzbereiche 876,0–879,8 MHz und 921,0–924,8 MHz (das sind die Kanäle 955–974) für GSM-R im GSM-Modus. Somit stehen insgesamt 20 Kanäle mit einer Bandbreite von 200 kHz für die Kommunikation zur Verfügung. Ende 2009 gab die Bundesnetzagentur einem Antrag der Deutschen Bahn aus dem Jahr 2005 statt, wonach das Unternehmen zukünftig ein sieben statt bislang vier Megahertz breites Band (E-GSM-R) nutzen darf. Das Unternehmen rechnet damit, die zusätzlichen Frequenzen ab 2015 einsetzen zu können.[17] Allerdings kann der zusätzlich zugewiesene Frequenzbereich von 873,0–876,0 MHz und 918,0–921,0 MHz[18] im Moment (Stand: 2009) nicht für Anwendungen nach GSM-Standard genutzt werden, da dieser Frequenzbereich in den GSM-Spezifikationen nicht vorgesehen ist[19], es sind also nur PMR-Anwendungen oder Nutzung des Direct-Modus möglich[20]. Die Deutsche Bahn kritisiert außerdem, dass in diesem Spektrum auch andere Betriebs- und Bündelfunkanwendungen zulässig sind.[21]

Die Deutsche Bahn stellte am 1. Oktober 1999 ihre Pläne für den Aufbau eines GSM-R-Netzwerks vor. Bis Ende 2002 sollten dabei 27.000 Strecken-Kilometer mit 2800 Basisstationen abgedeckt werden.[22] Im Frühjahr 2001 plante das Unternehmen, binnen drei Jahren 25.000 km mit GSM-R zu versorgen. Dabei sollten 1,5 Milliarden Euro in die Streckeninfrastruktur und 250 Millionen Euro in die Zugterminals investiert werden.[23] Im Frühjahr 2004 kündigte das Unternehmen an, im Jahr 2005 GSM-R auf mehr als 24.000 Streckenkilometern in Betrieb zu nehmen. In einem ersten Schritt sollten in der Nacht zum 2. Januar 2005 rund 2.300 km im DB-Netz-Bereich Südwest umgeschaltet werden.[24]

Umstritten war, inwieweit private Eisenbahnverkehrsunternehmen zur Umstellung auf GSM-R gezwungen werden können. Kritiker bemängelten, dass das neue System den Unternehmen kaum Vorteile bringen, jedoch hohe Kosten aufbürden würde. Ende 2003 wurde dabei ein Kompromiss zwischen den Verkehrsunternehmen und DB Netz ausgehandelt.[25] Im Oktober 2004 wies das Landgericht Berlin den Antrag eines Eisenbahnverkehrsunternehmen auf Erlass einer einstweiligen Verfügung gegen die Einführung von GSM-R durch DB Netz ab.[26]

Die Deutsche Bahn wird rund 29.000 km ihrer 34.000 betrieblich genutzten Netzkilometer mit GSM-R/EIRENE ausstatten. Der analoge Zugfunk wird zurzeit nach und nach durch GSM-R ersetzt. Die Schnellfahrstrecke Köln-Rhein/Main ging am 1. August 2002 als die erste nur auf GSM-R basierende Strecke in Betrieb.

Folgende Teile dieses Abschnitts scheinen seit 2007 nicht mehr aktuell zu sein: Einführung des Funks im Rangierbahnhof Seelze Bitte hilf mit, die fehlenden Informationen zu recherchieren und einzufügen.

Bis März 2007 war GSM-R entlang von mehr als 20.000 Streckenkilometern in Betrieb. Insgesamt wurden dazu rund 2900 Basisstationen (BTS), 63 Basisstationssteuerungen (BSC), sieben Vermittlungsstellen (MSC) und 4 Operation & Maintenance Center (OMC), davon eines als Network Management Center (NMC), aufgebaut. Insgesamt wurden rund 10.000 Fahrzeuge für GSM-R ausgerüstet und 3000 Teilnehmer im Festnetz angebunden.[27] Seit 2006 wird GSM-R dabei auch versuchsweise zur Übermittlung von EBuLa-Fahrplan-Daten verwendet. Seit 2007 läuft am Rangierbahnhof Seelze der Probebetrieb für digitalen Rangierfunk auf GSM-R-Basis (Stand Juli 2014).

Im September 2007 war GSM-R entlang von rund 24.000 Strecken-Kilometern aktiv und für die Verwendung im Zugfunk zugelassen, auf rund 23.000 km war der Zugfunk auf GSM-R umgestellt. Von rund 5000 Strecken-km, die zusätzlich mit GSM-R ausgerüstet werden sollen, waren etwa 1000 km im Bau. Die Nutzung von GSM-R im Rangierfunk war an 1400 Rangierbereichen vorgesehen, wobei in etwa 30 Bereichen aus Frequenzmangel bis dahin keine Planung möglich war.[28] Bis Dezember 2009 wurde digitaler Rangierfunk in 1.050 von 1.350 Rangierbereichen in Betrieb genommen. Im April 2010 waren mehr als 25.000 Kilometer des Streckennetzes auf GSM-R-Zugfunk umgestellt.[29]

In Vorbereitung für die Einführung von ETCS wurde entlang von Neu- und Ausbaustrecken im Umfang von 3444 km ein erhöhter Funkpegel von mindestens -95 dBm (gemäß EIRENE SRS) realisiert. Auf rund 3000 km wurde eine für ETCS benötigte, erhöhte BTS-Verfügbarkeit realisiert.[28]

Bis Mitte 2007 waren rund 9800 Fahrzeuge der Deutschen Bahn für GSM-R umgerüstet worden.[28]

Eigentümer und Betreiber des deutschen GSM-R-Netzes ist die DB Netz AG.

Generalunternehmer und Hersteller des Mobilfunknetzes der Deutschen Bahn war die kanadische Firma Nortel (heute Kapsch Carrier Com KCC), seit Februar 2008 werden Basisstationen von Nokia Siemens Networks (heute Nokia Solutions and Networks, NSN) aufgebaut[30]. Die Dualmode-GSM-R-Terminals, welche neben dem GSM-R-Standard auch noch den analogen Zugfunk unterstützen, wurden von der Hörmann Funkwerk Kölleda GmbH über Nortel Networks an die Deutsche Bahn geliefert.

Die Zahl der MSC-Server soll bis 2014 von sieben auf zwei reduziert werden.[31] Dabei wird die Architektur des Core-Netzes von der veralteten Release-99-Architektur modernisiert auf 3GPP-Release 4.

Verwendung bei den Schweizerischen Bundesbahnen[Bearbeiten]

GSM-R Bedienteil für die SBB

Anfang 1999 erteilten die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) den Auftrag zum Aufbau und Betrieb eines GSM-R-Netzes. Die SBB gaben dabei die Versorgung einer 36 km langen Pilotstrecke, zwischen Zofingen und Sempach, in Auftrag. Die ersten Versuchsfahrten waren für die zweite Jahreshälfte 1999 geplant.[32]

Insgesamt 2360 der 3100 Streckenkilometer im Netz der SBB werden im Moment (Stand: Dezember 2006) für 431 Millionen Schweizer Franken mit GSM-R ausgerüstet.[33]

Teile dieses Abschnitts scheinen seit 2011 nicht mehr aktuell zu sein. Bitte hilf mit, die fehlenden Informationen zu recherchieren und einzufügen.

Eine vollständige Ausrüstung zu einem geplanten Preis von 357 Millionen Franken wurde nach Kostensteigerungen verworfen. Bis Ende 2011 sollen alle Hauptstrecken mit GSM-R ausgerüstet werden.[34] Das Netzwerk wird von Nokia Siemens Networks geliefert und betrieben. Die Single-Mode-Zugfunkanlagen (GSM-R) wurden bei Hörmann Funkwerk Kölleda GmbH in Auftrag gegeben – die Hauptauslieferung ist inzwischen abgeschlossen (Stand: 08/2009).

Seit 2006 werden bei SBB neue Applikationen durch Einsatz einer integrierten Applikationsplattform GEMS betrieben. Durch GEMS lassen sich kombinierte Dienste durch Bezug von Informationen aus diversen Umsystemen in sehr kurzer Zeit nach Kundenwunsch realisieren. Beispiele: Weitervermittlung funktionaler Registrierungen an GSM-R-fremde Systeme, Versand von SMS auf Züge, Rufvermittlung auf Basis gleisgenauer Position des Zuges, zudem diverse USSD-Dienste. Selbst eine mobilfunkbasierte Abfahrabfertigung wird mittels GEMS realisiert. GEMS wird von Nokia Siemens Networks und Atos (Ehemals Siemens IT Solution and Services) geliefert und betrieben und kann bei Bedarf auch in anderen Länder eingesetzt werden.

Verwendung bei den RFF[Bearbeiten]

Der französische Netzbetreiber Réseau ferré de France vergab im Frühjahr 2010 einen Vertrag zur GSM-R-Ausrüstung an das Konsortium Synerail. Bis 2015 sollen im Rahmen des mehr als eine Milliarde Euro umfassenden PPP-Projektes rund 14.000 Streckenkilometer mit GSM-R ausgerüstet werden. Eingeschlossen ist dabei der Betrieb über 15 Jahre.[35]

Bilder[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: GSM-R – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

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  1. Deine Bahn - GSM-R Herausforderung und Zukunft des digitalen Funks (Ausgabe 3/2006)
  2. Deine Bahn - GSM-R Basispaket installiert (nur mit Premium-Abo abrufbar, Dateien maximal 36 Monate verfügbar) (Version vom 2. April 2009 im Internet Archive)
  3. Meldung EIRENE genehmigt. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 9, 1998, ISSN 1421-2811, S. 380
  4. What is ERTMS? (Englisch, HTML; 38 KB) 20. April 2009. Abgerufen am 27. Dezember 2009.
  5. UIC Project EIRENE - Functional Requirements Specification Version 7 (Englisch, PDF; 370 KB) 17. Mai 2006. Abgerufen am 27. Dezember 2009.
  6. a b UIC Project EIRENE - System Requirements Specification Version 15 (Englisch, PDF; 903 KB) 17. Mai 2006. Abgerufen am 27. Dezember 2009.
  7. GSM-R Procurement Guide (Englisch, PDF; 1,75 MB) 1. Februar 2007. Abgerufen am 27. Dezember 2009.
  8. UIC REFERENCE A 11 T 6001 12: Radio Transmission FFFIS for EuroRadio
  9. UIC Project EIRENE - Functional Requirements Specification Version 7, Kap. 5.4.7
  10. MORANE I 13/3 T 6001 2: FFFIS for DIRECT MODE (Version vom 12. Januar 2004 im Internet Archive)
  11. UIC, GSM-R Implementation planning and progress map (Version vom 14. Oktober 2007 im Internet Archive)
  12. Atlas of ERTMS Worldwide Implementation 2009; Stand April 2009. Erhältlich über (Abgerufen: 27. Dezember 2009)
  13. Kapsch CarrierCom erobert afrikanischen Markt: GSM-R Großprojekt in Algerien (German) 12. April 2011. Abgerufen am 15. April 2011.
  14. Kapsch erhält Auftrag für GSM-R Netz in Slowenien Pressetext von Kapsch vom 10. September 2013 abgerufen am 6. Oktober 2013
  15. Claus Kandels, Klaus-Dieter Wittenberg: Die Einführung von GSM-R bei der DB Netz AG – GSM-R als technisches Netzzugangskriterium. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 8–9/2004, ISSN 1421-2811, S. 345–348.
  16. DB AG startet Versuche mit ETCS-Level 2. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 4/2002, ISSN 1421-2811, S. 186–189.
  17. Meldung DB darf zusätzliche GSM-R-Frequenzen für Bahnfunk nutzen. In: DB Welt, Heft 12/2009, S. 15
  18. Frequenznutzungsplan über die Aufteilung des Frequenzbereichs von 9 kHz bis 275 GHz, Einträge 227009, 227010, 228003 und 228004 (Version vom 28. November 2009 im Internet Archive)
  19. 3GPP TS 45.005: Radio Access Network; Radio transmission and reception (Release 9); Kap. 2: Frequency bands and channel arrangement (Englisch, ZIP/DOC; 1,1 MB) 18. Dezember 2009. Abgerufen am 20. Dezember 2009.
  20. Extension of the current GSM-R spectrum, called E-GSM-R at 873-876 MHz paired with 918-921 MHz, in ETSI TR 102 627: Additional spectrum requirements for PMR/PAMR systems operated by railway companies (GSM-R)
  21. Frequenzverteilungsuntersuchung der möglichen Flexibilisierung im 900/1800 MHz Band Wissenschaftliches Gutachten mit ökonomisch-frequenztechnischem Schwerpunkt im Auftrag der Bundesnetzagentur für Elektrizität, Gas, Telekommunikation, Post und Eisenbahnen
  22. Meldung DB AG: Aufbau eines der größten digitalen Mobilfunknetze für den Bahnbetrieb. In: Eisenbahntechnische Rundschau. 1999, Nr. 11, 1999, S. 765.
  23. Meldung Aufnahme des ERTMS-Testbetriebs. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 5/2001, ISSN 1421-2811, S. 197.
  24. Meldung Umstellung auf GSM-R. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 5/2004, ISSN 1421-2811, S. 196.
  25. Martin Henke: GSM-R als Netzzugangskriterium. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 8–9/2004, ISSN 1421-2811, S. 348.
  26. Meldung GSM-R-Einführung durch DB Netz AG ist rechtmässig. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 2/2005, ISSN 1421-2811, S. 52.
  27. GSM-R-Meldungen (Version vom 7. Januar 2007 im Internet Archive)
  28. a b c DB Netz AG, Dr. Reiner Behnsch: GSM-R und ETCS. Überblick, Stand und Schnittstellen. Vortrag auf der 52. Eisenbahntechnischen Fachtagung des VDEI. Magdeburg, 6. September 2007
  29. GSM-R: Neue Welt des Rangierfunks. In: DB Welt, Ausgabe April 2010, S. 10
  30. Pressemeldung von Nokia Siemens Networks: Deutsche Bahn AG erteilt NSN Auftrag zur Erweiterung des GSM-R Netzes der Bahn (Version vom 14. Mai 2012 im Internet Archive)
  31. D-Frankfurt am Main: Digitale Vermittlungsausrüstung. Dokument 2010/S 143-220916 vom 27. Juli 2010 im Elektronischen Amtsblatt der Europäischen Union.
  32. Meldung SBB: GSM-Netz. In: Eisenbahntechnische Rundschau. 48, Nr. 3, 1999, S. 176.
  33. Kostenexplosion beim SBB-eigenen Mobilfunk-Netz (Version vom 28. September 2007 im Internet Archive)
  34. SBB-Funkantenne am Bahnhof Murgenthal (Version vom 16. April 2008 im Internet Archive)
  35. Meldung GSM-R für Frankreich. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 5, 2010, ISSN 1421-2811, S. 246