Orden des Heiligen Andreas des Erstberufenen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
St. Andreas-Orden

Der Andreas-Orden (russisch Орденъ святого Андрея Первозванного/ „Orden Swjatogo Andreja Perwoswannogo, Orden des Hl. Andreas des Erstberufenen“) wurde am 10. Dezember 1698 durch Zar Peter I. für Auszeichnung im Türkenkrieg gestiftet und war der höchste russische Orden, früher das blaue Band genannt. Später wurde er auch für andere Verdienste verliehen. Gleichzeitig ist er auch Hausorden der Romanow-Dynastie und seit 1998 wieder höchster russischer Staatsorden, er wurde jedoch bereits am 27. Dezember 1988 mit demselben Namen, aber anderen Insignien von der Orthodoxen Kirche Russlands anlässlich der 1000-Jahre-Feier der Christianisierung des Landes erneuert. Folglich gibt es heute drei Orden mit demselben Namen.

Saal des St. Andreasordens im Großen Kremlpalast (Aquarell von 1849)

Insignien (Kaiserlicher und heutiger staatlicher Orden)[Bearbeiten]

Der Orden hatte nur eine Klasse und wurde nur Personen vom Generalleutnantsrang, welche den Alexander-Newski- und den Orden vom Weißen Adler hatten, den sie am Hals, bzw. im Knopfloch trugen, verliehen. Russische Großfürsten waren geborene Ritter des Ordens.

Die Dekoration besteht aus einem goldenen, schwarz emaillierten, zweiköpfigen, gekrönten Adler mit ausgebreiteten Flügeln. Auf dem Adler liegt ein dunkelblaues Andreaskreuz mit dem Hl. Andreas in natürlicher Farbe mit goldener Binde. Der Revers zeigt nur den Doppeladler. Auf den Ecken des Kreuzes steht in lateinischen Buchstaben S. A. P. R. (Sanctus Andreas, Patronus Russiae). Die Dekoration wird von einer Krone gehalten, an der das himmelblaue Band oder die Kette befestigt ist. Der achtstrahlige silberne Stern hat in der Mitte ein Medaillon, den kaiserlichen Doppeladler, um den sich eine Schlange windet; ein blauer Kreis mit der Inschrift Za weru i wernost (Für Treue und Glauben) umschließt das Medaillon.

Die bei großen Feierlichkeiten zu tragende Collane hat dreierlei Glieder: das erste ist ein blaues Kreuz des Hl. Andreas mit den Buchstaben SARP in einer rotgoldenen Gloriole, das zweite ist ein blaues, rundes Medaillon mit dem Monogramm P I (Petrus Primus), in Fahnen gebettet und von einer Krone überhöht, das dritte der zweiköpfige Zarenadler mit dem Sankt Georgsschild auf der Brust. Für Kriegsverdienste wurde der Orden mit gekreuzten Schwertern unter der Aufhängung (der Krone) verliehen. Der Orden wurde von der rechten Schulter zur linken Hüfte getragen, der Stern auf der linken Brust.

Großkreuz mit Collane, 19. Jhdt.

Die heutigen Insignien sind mit denen der Zarenzeit identisch, indessen ist der Doppeladler des Ordenszeichens nicht schwarz emailliert, sondern ganz in Gold gehalten.

Das von der Kaiserin Anna I. vorgeschriebene Ordenskleid war ein grünsamtener Mantel, mit Weiß gefüttert und mit Silber besetzt, ein Samthut mit roten Federn. Dazu trugen die Ritter eine Kette aus drei abwechselnden Gliedern. Der Ordenstag war der 30. November.

Ab März 1917 wurde der Andreasorden nicht mehr an Außenstehende verliehen, existierte jedoch weiter als Hausorden der entthronten Dynastie Romanow.

Bekannte Träger[Bearbeiten]

Kirchlicher Orden[Bearbeiten]

Der kirchliche Orden hat ebenfalls nur eine Klasse, die Insignien sind das Ordenszeichen und der Bruststern. Das Ordenszeichen hat die Form eines vierstrahligen Sterns mit dem blauen Andreaskreuz, das als Mittenmedaillon ein von Brillanten umgebenes Bild des Apostels trägt. das Ganze ist von einer Patriarchenkrone überhöht. Es wird an einer blauen(?) Schärpe von der linken Schulter zur rechten Hüfte getragen. Der Ordensstern ist achtstrahlig, aus abwechselnd brillantierten silbernen und emaillierten roten Strahlen und hat als Mittenmedaillon das Monogramm des Heiligen, umgeben von einem blauen Band mit der Ordensdevise und einem Eichenkranz. Der Orden darf nur vom Patriarchen von Moskau und ganz Russland verliehen werden.

Staatlicher Orden der Föderation[Bearbeiten]

Durch ein Dekret des russischen Staatspräsidenten Boris Jelzin vom 1. Juli 1998 wurde der Orden unter dem Namen „Orden des Heiligen Apostels Andreas des Erstberufenen“ mit demselben Status wie in der Zarenzeit, also als Russlands höchster Orden, und den Insignien aus der Zarenzeit wieder ins Leben gerufen. Er wird verliehen für hervorragende Verdienste, die dem Gedeihen und dem Ruhm Russlands dienen, sowie für hervorragende Verdienste um die Russische Föderation. Der Orden kann an Staatspersonen, Personen des öffentlichen Lebens und Bürger Russlands sowie an ausländische Staatschefs verleihen werden.

Träger[Bearbeiten]

(chronologisch)

  1. Dmitri Lichatschow, Philologe und Literaturwissenschaftler (30. September 1998)
  2. Michail Kalaschnikow, Generalleutnant und Waffenkonstrukteur (7. Oktober 1998)
  3. Nursultan Nasarbajew, Politiker, Präsident Kasachstans (11. Oktober 1998)
  4. Alexander Solschenizyn, Schriftsteller (11. Dezember 1998, verweigerte die Annahme des Ordens)
  5. Alexius II. (Alexei Rüdiger), Patriarch der Russisch-Orthodoxen Kirche (19. Februar 1999)
  6. Waleri Schumakow, Mediziner (3. November 2001)
  7. Fasu Alijewa, awarische Dichterin, Redakteurin und Politikerin (11. Dezember 2002)
  8. Heydər Əliyev, Politiker, Präsident Aserbaidschans (10. Mai 2003)
  9. Boris Petrowski, Mediziner (4. Juni 2003)
  10. Rassul Gamsatow, awarischer Dichter, Schriftsteller und Politiker (8. September 2003)
  11. Ljudmila Sykina, Sängerin (12. Juni 2004)
  12. Irina Archipowa, Opernsängerin (2. Januar 2005)
  13. Sergei Michalkow, Schriftsteller und Dichter (13. März 2008)
  14. Daniil Granin, Schriftsteller (28. Dezember 2008)
  15. Michail Gorbatschow, Politiker, Ex-Präsident der UdSSR (2. März 2011)
  16. Sergei Schoigu, Politiker, Verteidigungsminister der Russischen Föderation (2014, genaues Datum der Ordensverleihung unbekannt; Orden mit Schwertern)

Literatur[Bearbeiten]

  • Gustav Adolph Ackermann: Ordensbuch sämmtlicher in Europa blühender und erloschener Orden und Ehrenzeichen. Annaberg 1855
  • Václav Měřička: Faleristik. Prag 1976
  • I. G.Spasskij: Inostrannyje i russkije ordjena do 1917 goda. Leningrad 1963

Weblinks[Bearbeiten]