Andreaskreuz

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Andreaskreuz (Begriffsklärung) aufgeführt.
Saint Andrew's cross.svg
Andreas.jpg
Symbol des Andreaskreuzes und der Heilige Andreas mit seinem Kreuz

Das Andreaskreuz (lateinisch crux decussata zu lat. decusso aus decem u. asses: Zehn Asse, Zehnerzahl, in der Form eines X) ist ein Kreuz mit zwei diagonal verlaufenden sich kreuzenden Balken. Man nennt es auch Schragenkreuz, nach der Haltevorrichtung. Besteht das Kreuz aus schräg gestellten Balken (auch verschieden langen), wird auch der Begriff Schrägkreuz[1] verwendet.

Der Name verweist auf den Apostel Andreas, der an einem solchen Kreuz als Märtyrer gestorben sein soll, wie Berichte aus dem 4. Jahrhundert nahelegen. Das Diagonalkreuz ist daher zum Attribut dieses Apostels geworden und fand in der Religion und speziell in der spätmittelalterlich christlichen Ikonographie seinen Niederschlag. Ursprünglich Symbol der gekreuzten Hölzer des Feueropferaltars ist es etwa auch in Darstellungen der Opferung Isaaks zu finden.[2] Enthalten ist in ihm auch der griechische Buchstabe Chi (Χ) als Symbol für Christus, wie etwa auch im Christusmonogramm. Vor allem in frühchristlicher Zeit wurde das Andreaskreuz denn auch häufig für den Namen Christi z.B. als Erkennungszeichen verwendet.[3]

Bildergalerie[Bearbeiten]

Fachwerkbau[Bearbeiten]

Zwei geschweifte Andreaskreuze neben einer Heiligennische (Mitte)

Das Andreaskreuz ist eines der Grundprinzipien in Fachwerkkonstruktionen: In Konstruktionen aus einzelnen Stäben mit gelenkigen Verbindungen müssen rechteckige Formen durch schräge Stäbe ausgesteift werden, damit sie sich nicht verformen können. Wenn die aussteifenden Bauteile nur Zugkräfte aufnehmen können (z. B. Stahlseile) oder nur Druckkräfte (z. B. traditionell verbundene Holzbalken), dann können durch eine Aussteifung in Form des Andreaskreuzes alle Horizontalkräfte in der Ebene des Elementes aufgenommen werden.
Im Fachwerk eines Fachwerkhauses ist das Andreaskreuz außerdem eine Schmuckform, die nur sekundär oder gar nicht zur Aussteifung des Gebäudes benötigt wird. Sie findet sich häufig in Brüstungsgefachen unterhalb der Fenster der oberen Stockwerke und wurde auch mit geschweiften Balken ausgeführt, dann wird sie auch als Feuerbock bezeichnet. Hauptsächlich in Fachwerkhäusern des 19. Jahrhunderts wurden auch geschosshohe Gefache mit Andreaskreuzen in hoher gestreckter Form ausgeführt.

Andreaskreuze als Brüstungsgefache kombiniert mit Lisenen und Kapitellen

Auch zur Kennzeichnung, der sogenannten Aufzählung der Bauhölzer (Zimmermannszeichen) im Fachwerksbau werden Andreaskreuze benutzt. Hier sind sie als Zahl 10 des Römischen Zahlensystems verbreitet.[4]

Gefahrsymbol[Bearbeiten]

In der Chemie symbolisiert das Andreaskreuz als Gefahrensymbol reizende (Xi) oder gesundheitsschädliche (Xn) Stoffe.

Im Bergbau weisen Andreaskreuze auf die von Altmännern ausgehenden Gefahren hin.

Im Wendland, in jüngster Zeit aber auch darüber hinaus, wurde ein gelbes Andreaskreuz zum Symbol der Anti-Atomkraft-Bewegung. Oft sind die teilweise mehrere Meter hohen Balken- oder Bretterkreuze weithin sichtbar (Siehe Bildergalerie).

Fahnen und Wappen[Bearbeiten]

In der Wappenkunde wird das Andreaskreuz auch Schragen, bzw. Schragenkreuz genannt. Die kreuzweise angeordneten gemeinen Figuren liegen dann schragenweise (auch schragenförmig) – oder schräggekreuzt. Das Kreuz kann auch als Heroldsbild im Wappen vorkommen und folgt der möglichen Darstellung von Kreuzen. Ein älterer heraldischer Ausdruck ist Schildzehner in Anlehnung an die römische Zehn (X), die die Form des Andreaskreuzes widerspiegelt. In einer schmalen und kleineren Ausführung verwendet der Heraldiker den französischen Begriff flanchis.

Burgunderkreuz[Bearbeiten]

Burgunderkreuz

Eine Abwandlung ist das so genannte Burgundische Andreaskreuz. Es ist in der Heraldik auch als Burgunderkreuz verbreitet. Hierbei handelt es sich um die mehr oder weniger stilisierte Darstellung zweier gekreuzter, nur roh zugeschnittener Äste. Das rote Andreaskreuz (in Spanien auch Cruz de Borgoña genannt) wurde in dieser Form unter Philipp dem Schönen im Jahre 1506 nach seiner Heirat mit Königin Johanna von Kastilien zur spanische Kriegsflagge und ist es bis 1843 geblieben. Bis heute ist es das Symbol der carlistischen Bewegung und Teil des Wappens Königs Juan Carlos I. von Spanien.

Münzen[Bearbeiten]

Braunschweig-Lüneburg, Andreastaler 1688, Clausthal

Das Andreaskreuz kommt bei den sogenannten Andreasmünzen zusammen mit dem Bild des Apostel Andreas auf Münzen von Brabant, Braunschweig, Hohnstein, Russland, Schottland usw. vor. Adreasmünzen gab es als Goldgulden. Das sind von 1467 bis 1489 geprägten Brabanter Goldgulden. Die ersten Andreastaler sind Hohnsteinsche von 1535 aus dem Silber der Andreasgrube im Harz. Seit 1594 prägten die Herzöge von Lüneburg und die Kurfürsten von Hannover bis 1773 Andreastaler. Seit Peter I. gibt es russische Andreasdukaten zu zwei Rubel.[5]

Das Andreaskreuz kommt auch als Münzmeisterzeichen vor. Zum Beispiel tragen Münzen der sächsischen Münzstätten Schneeberg und Zwickau das Münzmeisterzeichen Andreaskreuz. Das sind die Münzmeisterzeichen der Münzmeister Andreas und Sebastian Funke von 1501 bis 1535. In der Zwickauer Münze wurde das Andreaskreuz als Münzmeisterzeichen von Sebastian Funke nur von 1530 bis 1533 verwendet.

Verkehrszeichen[Bearbeiten]

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Das Andreaskreuz wird als Verkehrszeichen oder als Symbol auf Verkehrszeichen verwendet und zwar:

  • als Warnkreuz beziehungsweise Vorschriftzeichen (Zeichen 201 der StVO) unmittelbar vor Bahnübergängen mit der Bedeutung „Dem Schienenverkehr Vorrang gewähren“,
  • als Symbol auf dem Haltverbotszeichen (Zeichen 283 der StVO) mit der Bedeutung (absolutes) Haltverbot auf der Fahrbahn“ Zeichen 283 - Haltverbot, StVO 1970.svg
  • als Symbol auf dem Gefahrzeichen (Zeichen 102 der StVO) mit der Bedeutung: Kreuzung oder Einmündung mit Vorfahrt von rechts“ Zeichen 102.svg
Zeichen 201 der StVO in der historisch älteren liegenden Version.
Zeichen 201 der StVO

Das Andreaskreuz am Bahnübergang besteht aus zwei gekreuzten weißen Balken mit roten Enden. Ein Blitzpfeil in der Mitte zeigt an, dass die Bahnstrecke eine elektrische Oberleitung besitzt. Ggf. zeigt ein Zusatzzeichen mit einem schwarzen Pfeil an, dass das Andreaskreuz nur für den Straßenverkehr in Richtung dieses Pfeils gilt. In Hafen- und Industriegebieten kann ein Zusatzschild mit der Aufschrift „Hafengebiet, Schienenfahrzeuge haben Vorrang“ oder „Industriegebiet, Schienenfahrzeuge haben Vorrang“ angebracht sein. An Bahnübergängen mit Andreaskreuz haben Schienenfahrzeuge Vorrang; der Straßenverkehr darf sich dem Bahnübergang nur mit mäßiger Geschwindigkeit nähern. Straßenfahrzeuge müssen vor dem Andreaskreuz warten, wenn

  • sich ein Schienenfahrzeug nähert,
  • rotes Blinklicht oder gelbe oder rote Lichtzeichen gegeben werden,
  • die Schranken sich senken oder geschlossen sind,
  • ein Bahnbediensteter Halt gebietet oder
  • ein hörbares Signal, wie ein Pfeifsignal des herannahenden Zuges, ertönt.

Bis zu 10 m vor dem Andreaskreuz ist das Halten unzulässig, wenn es dadurch verdeckt wird. Vor und hinter dem Andreaskreuz ist innerhalb geschlossener Ortschaften bis zu je 5 m, außerhalb geschlossener Ortschaften bis zu je 50 m das Parken unzulässig.

Wegzeichen[Bearbeiten]

Das Andreaskreuz als häufiges Wegzeichen zur Markierung von Wanderwegen

Das Andreaskreuz wird seit Beginn des 20. Jahrhunderts deutschlandweit als Wegzeichen bei der Markierung von überregionalen Wanderwegen und Hauptwanderstrecken verwendet. Erdacht hat dieses Symbol zur Markierung von Wanderwegen der Hagener Ingenieur Robert Kolb.

BDSM-Szene[Bearbeiten]

Andreaskreuz in der BDSM-Szene

In der BDSM-Szene wird es im Rahmen von Bondage- und SM-Praktiken verwendet.

Das bis zu ca. 2,40 m hohe Kreuz wird aus Holz oder Metall gefertigt und hat an den Balkenenden Ösen oder Haken zur Fixierung von Armen und Beinen mittels Seilen, Ketten, Handschellen oder Ähnlichem. Die Konstruktionen sind teilweise zwecks leichteren Transports oder Platzersparnis zerlegbar, häufig sind sie auch mit Leder oder Kunstleder gepolstert. Andreaskreuze werden im BDSM-Bereich häufig an Wänden befestigt, es existieren aber auch Ausführungen, die frei im Raum aufgestellt werden können.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Meyers Großes Konversations-Lexikon 1905 – Begriff Andreaskreuz
  2. Gerd Heinz-Mohr: Lexikon der Symbole. Bilder und Zeichen der christlichen Kunst, S. 177. Eugen Diederichs Verlag, München, Neuausg. 1998, ISBN 3-424-01420-6.
  3. Brockhaus Enzyklopädie, 19. Aufl. 1987, Bd. 1, S. 559, Bd. 4, S. 562; Encyclopedia Britannica, 15. Aufl. 1993, Bd.1, S. 391.
  4. Tabellenbuch für das Bau- und Holzgewerbe, Fachbuchverlag GmbH Leipzig, 1951
  5. Heinz Fengler, Gerd Gierow, Willy Unger: transpress Lexikon Numismatik, Berlin 1976

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Andreaskreuz (Saltire) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien