Organisches Psychosyndrom

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Ein Organisches Psychosyndrom (OPS) ist eine psychische Veränderung des Menschen als Folge einer organischen Erkrankung des Gehirns (veraltet: auch Hirnorganisches Psychosyndrom – HOPS) oder des Körpers allgemein. Heute verwendet man meistens den Begriff Delir. Das OPS wird in der Klassifikation der WHO ICD-10 − im Gegensatz zum DSM-IV-TR − nicht aufgeführt. Als organisch bedingtes ist es abzugrenzen gegen endogene, durch Veranlagung bedingte Psychosen (Schizophrenie und Depression/Manie) sowie gegen exogene, durch äußere Faktoren ausgelöste psychotische Störungen. Als typisch gilt die begleitende Bewusstseinsstörung (Vigilanz oder Orientiertheit), die nicht bei endogenen oder exogenen Ursachen auftritt. Es ist zwischen akutem und chronischem OPS zu unterscheiden.[1]

Klassifikation nach ICD-10
F07 Persönlichkeits- und Verhaltensstörung aufgrund einer Krankheit, Schädigung oder Funktionsstörung des Gehirns
F07.2 Organisches Psychosyndrom nach Schädelhirntrauma
F07.9 Nicht näher bezeichnete organische Persönlichkeits- und Verhaltensstörung aufgrund einer Krankheit, Schädigung oder Funktionsstörung des Gehirns – Organisches Psychosyndrom
ICD-10 online (WHO-Version 2013)

Akute organische Psychosyndrome[Bearbeiten]

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In Anlehnung an die von Karl Bonhoeffer 1917 postulierten „exogenen Reaktionstypen“ werden die folgenden akuten organischen Psychosyndrome unterschieden:

Delirium
Unruhe, Erregung, Sinnestäuschung, Herzrasen, Schwitzen
amnestisches Syndrom
Gedächtnisstörung, besonders Neugedächtnisstörung
Dämmerzustand
Schläfrigkeit und Denkstörung, oft Gedächtnisstörung
isolierte Bewusstseinstrübung
Schläfrigkeit bis Koma
Verwirrtheitszustand
Orientierungsstörung, Denkstörung
aspontanes Syndrom
Antriebsstörung (fehlende Willküraktivität trotz Wachheit)
affektives Syndrom
Stimmungsänderung, meist gereizt, depressiv oder aggressiv, aber auch manisch usw.
Halluzinose
im Vordergrund stehende Sinnestäuschungen

Die akuten OPS gelten als rückbildungsfähig, können aber in Abhängigkeit von der Ursache auch in eine chronische Form übergehen.

Chronische organische Psychosyndrome[Bearbeiten]

Chronische organische Psychosyndrome können wiederum in Abhängigkeit von der Ursache stabil oder progredient sein. Es werden folgende Formen unterschieden:

meist reizbar oder apathisch, aber auch euphorisch und kritiklos
Abnahme der intellektuellen Leistung durch meist Denk- und Gedächtnisstörungen
Antriebs- und Konzentrationsstörung, weniger Denk- oder Gedächtnisstörungen beeinträchtigen die psychischen Leistungen
  • hirnlokale Psychosyndrome
z. B. Frontalhirnsyndrome, Korsakow-Syndrom, Klüver-Bucy-Syndrom
  • Defektsyndrome nach Koma
Apallisches Syndrom, Akinetischer Mutismus, Hypersomnie-Syndrom

Ursachen[Bearbeiten]

Das OPS kann durch hirneigene wie körperliche Erkrankungen verursacht werden.

An hirneigenen Erkrankungen treten vor allem Demenzen und andere neurodegenerative Erkrankungen (z. B. atypische Parkinson-Syndrome) auf, ebenso Epilepsie wie auch Hirntumoren, Encephalitis und Schädel-Hirn-Trauma.

Körperliche Erkrankungen können akute Auslöser haben wie Intoxikation (Alkoholmissbrauch) oder Sauerstoffmangel (Hypoxie), aber auch chronische Ursachen wie Entgleisungen des Salz-Wasser-Haushalts (Exsikkose), endokrine Störungen (Hypothyreose) und Stoffwechselstörungen (Diabetes, Urämie, Leberversagen).

Behandlung[Bearbeiten]

Beim akuten OPS steht die Behandlung der Ursache an erster Stelle. Dies ist für die Prognose entscheidend.

Beim neu aufgetretenen chronischen OPS sollte zunächst eine Rehabilitation bedacht werden. Ansonsten bleibt nur die Behandlung belastender Symptome, z. B. einer Depression, von Halluzinationen oder Unruhezuständen.

Prognose[Bearbeiten]

Die weitere Entwicklung ist von der Ursache abhängig. Je schneller die Ursache der Schädigung behoben wird, desto besser ist die Chance auf Erholung. Besonders anschaulich ist dies am Beispiel des Sauerstoffmangels nachzuvollziehen. Akut kommt es rasch zur Bewusstlosigkeit, bleibende Schäden sind bereits nach einigen Minuten wahrscheinlich.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Morschitzky, H. (2000). Qualitätsmanagement in der klinisch-psychologischen Diagnostik. Kritische Anmerkungen zur Diagnostik des organischen Psychosyndroms in der klinischen Praxis.
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