Schädel-Hirn-Trauma

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Ausgedehntes subdurales Hämatom mit vollständiger Komprimierung des Ventrikelsystems auf der Trauma-Seite.
Ausgedehntes subdurales Hämatom mit vollständiger Komprimierung des Ventrikelsystems auf der Trauma-Seite.

Als Schädel-Hirn-Trauma (auch SHT) bezeichnet man jede Verletzung des Schädels mit Hirnbeteiligung, aber keine reinen Schädelfrakturen oder Kopfplatzwunden. Wegen der Gefahr von Hirnblutungen muss jeder Patient mit Schädel-Hirn-Trauma (auch "nur" Gehirnerschütterung) in ein Krankenhaus zur Beobachtung.

Man unterteilt das Schädel-Hirn-Trauma in

  • geschlossenes SHT
  • offenes SHT (Zerreißung der Dura-Mater-Hirnhaut).

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Schweregrade

Es erfolgt eine Einteilung in drei Schweregrade, die sich an der Dauer der Bewusstlosigkeit, der Rückbildung der Symptome und den Spätfolgen orientieren:

  • SHT 1. Grades (commotio cerebri oder Gehirnerschütterung): Ist als eine leichte, gedeckte Hirnverletzung ohne Bewusstlosigkeit bzw. mit Bewusstlosigkeit bis zu 15 Minuten definiert. Sie heilt in ca. 5 Tagen vollständig aus. Die Patienten haben in der Regel lediglich eine retrograde Amnesie und Übelkeit zu beklagen.
  • SHT 2. Grades (contusio cerebri oder Gehirnprellung): Bewusstlosigkeit länger als 15 Minuten. Spätfolgen sind von der Lokalisation der Hirnschädigung abhängig. Keine Perforation der Dura.
  • SHT 3. Grades (compressio cerebri oder Gehirnquetschung): Bewusstlosigkeit länger als 30 Minuten, verursacht durch Einklemmung des Gehirns durch Blutungen, Ödeme oder ähnliche Vorgänge. Hierbei sollte man bedenken, dass das Gehirn der einzige große Körperteil des Menschen ist, der fast vollständig von Knochen umgeben ist. Dieser besondere Schutz kann jedoch bei solchen raumfordernden Prozessen gleichzeitig zur Gefahr werden, da somit das gesamte Gehirn unter dem Druckanstieg und der folgenden Einklemmung leiden kann. Die Folge ist oftmals ein lang andauerndes (oftmals künstliches) Koma, ein komaähnlicher Zustand, eine temporäre Entfernung eines Teils der Schädeldecke (einige Monate) oder gar der Tod. Dauerhafte Schäden sind zu erwarten, aber nicht zwangsläufig.

Die Einteilung ist sehr schematisch. Z. B. tritt bei einer traumatischen Verletzung des Frontalhirns nicht unbedingt eine Bewusstlosigkeit auf, kann aber zu einer dauernden Schädigung führen (Frontalhirnsyndrom). Meist wird heute nur noch zwischen leichtem, mittelschwerem und schwerem Schädel-Trauma differenziert.

Aktuell erfolgt die Einteilung über die Glasgow Coma Scale:

  • leichtes SHT: GCS 13-15
  • mittelschweres SHT: GCS 9-12
  • schweres SHT: GCS 3-8

[Bearbeiten] Symptome

Die folgenden Symptome deuten auf ein Schädel-Hirn-Trauma hin. Es gilt zu beachten, dass sich einige der genannten Symptome teilweise deutlich nach dem Trauma entwickeln können. Dies wird als Latenz oder Latenzzeit (Zeitraum zwischen Auftreten des Traumas und des Symptoms) bezeichnet.

  • Bewusstseinsstörung, evtl. mit zunehmender Eintrübung
  • Kopfschmerzen
  • Schwindel und Gleichgewichtsstörungen
  • Schielen
  • Pupillendifferenz (unterschiedlich große Pupillen)
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Bewusstlosigkeit
  • Erinnerungslücken (Amnesie)

Dabei müssen die Pupillendifferenz und zunehmende Bewusstseinsstörungen als besondere Warnzeichen betrachtet werden, da sie Hinweise auf eine Blutung innerhalb des Schädels sein können.

[Bearbeiten] Diagnostik

Um das Ausmaß der Hinrschäden festzustellen, ist eine umfassende Diagnostik durchzuführen. Schäden im Gehirn können durch folgende Untersuchungsmethoden festgestellt werden.

  • Die Klinische- neurologische Untersuchung:ein Neurologe prüft mögliche Störungen an Auge, Ohr und den Gesichtsnerv und kontrolliert Funktionen wie Schlucken, Kauen, Würgereiz, Sprache und Sprechen. Weiters untersucht er den Patienten auf Bewegungsstörungen.
  • Die Computertomographie (CT)des Kopfes: mittels diesem Röntgenuntersuchungsverfahren kann festgestellt werden, ob und wo Blutungsherde, Gewebsschäden oder Hirndruckzeichen vorhanden sind.
  • Magnetresonanztomographie (MRT): hier werden elekromagnetische Impulse gemessen. Die äußerst scharfen Bilder lassen bereits kleine Schäden an verschiedenen Hirngebieten erkennen. Voraussetzung für diese Untersuchung ist die Ruhelage des Patienten.
  • Das Elektroenzephalogramm (EEG): damit werden die Hirnströme, also die Funktion des Gehirns gemessen, d.h. ist die gesamte Hirnfunktion oder sind nur einzelne Teile betroffen (häufige Konflikte bei Schädel- Hirn Verletzungen sind die epileptischen Anfälle; EEG zeigt epileptische Aktivität der Hirnströme)
  • Evozierte Potentiale: Nervenbahnen werden auf ihre Durchlässigkeit überprüft. Auge, Ohr und Haut werden elektrisch gereizt. Reaktionen darauf lassen auf Störungen an bestimmten Schaltstellen schließen.
  • Der augenärztliche Befund: dieser untersucht die Funktionen der inneren und äußeren Augenmuskeln, des Gesichtsfeldes und der Sehnerven
  • Nachuntersuchungen: d.h. liegen Schäden außerhalb des Kopfbereiches vor, z.B. Knochenbrüche; Nierenprellungen

[Bearbeiten] Behandlung

Die frühzeitig einsetzende aggressive Therapie vermindert Sekundärschäden und ist ausschlaggebend für den Erfolg.

[Bearbeiten] Erste Hilfe bei Kopfverletzungen


  • ansprechbarer Patient ohne Symptome nach Schädel-Hirn-Trauma
    • beobachten, nicht alleine lassen (Symptome entwickeln sich teilweise erst nach Stunden)
  • ansprechbarer Patient mit Eintrübung, Erinnerungslücke, Schwindel, Übelkeit o.a. Symptomen
    • Notruf 112 (Schweiz, Österreich: 144)
    • Beruhigen, Ermutigen, Trösten
    • Oberkörper erhöht lagern max. 30° (zur Hirndrucksenkung)
    • Kopf und Halswirbelsäule sollten gerade und stabil gelagert werden, bis der Rettungsdienst eintrifft. Der Patient sollte nicht durch Laien unnötig und unbedacht bewegt werden.
    • Decke unterlegen - Zudecken
    • Bewusstsein regelmäßig kontrollieren
    • Atmung regelmäßig kontrollieren (durch erhöhten Hirndruck kann Atemzentrum beeinträchtigt werden, dies kann auch bei Patienten mit leichter Eintrübung vorkommen)
  • nicht ansprechbarer Patient:
    • Notruf 112 (Schweiz, Österreich: 144)
    • Atmung kontrollieren
    • Achtung: keine stabile Seitenlage in Kombination mit Oberkörperhochlagerung - Verhinderung einer Aspiration hat oberste Priorität!


weitere Maßnahmen:

  • Schwellung (Beule) ohne Wunde kühlen
  • Kopfwunde steril abdecken, verbinden und gut fixieren
  • Blutung oder Flüssigkeitsaustritt aus Nase oder Ohr belassen, keine Tamponade o. ä.

[Bearbeiten] Therapie

Jeder Patient mit SHT sollte mindestens 24 Stunden im Krankenhaus überwacht werden (auch wenn „nur“ eine Gehirnerschütterung vermutet wird).

Die Rückbildung der Symptome bei Gehirnerschütterung kann 10 bis 25 Tage dauern, sie wird unterstützt durch Ruhe, Vermeiden von Fernsehen, Lärm und Stress.

Im Rahmen des SHT können verschiedene Komplikationen auftreten, deren Therapie jeweils in dem entsprechenden Artikel beschrieben sind: Bewusstlosigkeit, Hirndruck, Epiduralblutung, Subduralblutung, Schädelbasisbruch.

[Bearbeiten] Weblinks

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