Päpstliche Zuaven

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Die Päpstlichen Zuaven (ital. Zuavi Pontifici) waren eine militärische Infanterieeinheit, die für die Verteidigung des Kirchenstaates zuständig waren.

Ursprung[Bearbeiten]

Die Zuaven entstanden aus einer Einheit, die 1860 von General Louis Juchault de Lamoricière als Französisch-Belgische Tirailleure aufgestellt wurde. Am 1. Januar 1861 wurde die Einheit in Päpstliche Zuaven umbenannt. Diese Bezeichnung wurde von Frédéric-François-Xavier Ghislain de Mérode eingeführt.

Internationale Zusammensetzung[Bearbeiten]

Päpstlicher Zuave, der Major O’Reilley’s Papal Brigade, Veteran des Krieges gegen Garibaldi. Voll bewaffnet und ausgerüstet mit einem französischen Gewehr Kaliber 71 Modell 1842 mit Bajonett und Rucksack
Jules Marie DELUEN (1849–1918) in päpstlicher Zouavenuniform in Nantes, Frankreich
John Surratt in Zouavenuniform in Nantes, Frankreich, ca. 1866–1867
Douwe und Matthijs Walta aus Workum, zwei niederländische Zuaven dienen unter Papst Pius IX. 1870.

Die päpstlichen Zuaven waren hauptsächlich junge Männer, die unverheiratet und römisch-katholisch waren. Sie dienten freiwillig Papst Pius IX. in seinem Kampf gegen die italienische Revolution. Ihre Uniform unterschied sich von derjenigen der französischen Zuaven nur anhand der Farbe Grau und einem roten Beschnitt. Ein rot-graues Käppi ersetzte den für die nordafrikanischen Zuaven typischen Fes.

Alle Befehle wurden auf Französisch erteilt und die Einheit wurde von dem Schweizer Oberst M. Allet geführt.[1]

Trotzdem war das Regiment international besetzt. Im Mai 1868 zählte es 4592 Männer, bestehend aus 1910 Niederländern, 1301 Franzosen, 686 Belgiern, 157 Römern und päpstlichen Untertanen, 135 Kanadiern, 101 Iren, 87 Preußen, 50 Engländern, 32 Spaniern, 22 Deutschen, 19 Schweizern, 14 Amerikanern, 14 Neapolitanern, 12 Muden, 12 Polen, 10 Schotten, 7 Österreichern, 6 Portugiesen, 6 Tuskiern, 3 Maltesern, 2 Russen und je einem Freiwilligen von den Südsee-Inseln, aus Indien, Afrika, Mexiko, Peru und Kaukasien.[2]

Ein britischer Freiwilliger, Joseph Powell, notierte in seinem Dienstbericht Two Years in the Pontifical Zouaves, dass mindestens drei „Schwarze“ und ein Chinese bei den Zuaven gedient haben.[1]

Zwischen Februar 1868 und September 1870 stieg die Anzahl von kanadischen Freiwilligen, die hauptsächlich aus der frankophonen und überwiegend katholisch geprägten Provinz Québec stammten, auf 500 Mann. 114 von ihnen kehrten nach der bevorstehenden Kapitulation des Kirchenstaates im September 1870 nach Kanada zurück.[3]

Der Kampf um Mentana[Bearbeiten]

1500 päpstliche Zuaven unterstützten beim Kampf um Mentana am 3. November 1867 die französisch-päpstlichen Truppen bei ihrem Sieg über italienische Freiwilligentruppen unter der Führung von Giuseppe Garibaldi.[4]

In seinem Bericht an den Papst lobte der Kommandeur der päpstlichen Truppen, General Hermann Kanzler, den Mut der Zuaven unter Berufung auf einen bestimmten Bajonettangriff als ein besonderes Beispiel.[5]

Die Zuaven trugen mit 81 Toten und Verwundeten die Hauptlast der Kämpfe. Sie erlitten 24 Todesopfer – von insgesamt 30 Todesopfern der päpstlichen Truppen – und 57 Verletzte.[6] Der offizielle französische Schlachtenbericht des französischen Kommandanten General de Failly erwähnte auch die Tapferkeit der päpstlichen Zuaven.[7] Das jüngste Opfer war der 17-jährige englische Zuave Julian Watts-Russel.[8]

Die Zuaven werden in Victor Hugos Gedicht Mentana erwähnt.[9]

Die letzten Tage des päpstlichen Staates[Bearbeiten]

Die Zuaven spielten eine Rolle im Endkampf gegen die Streitkräfte des neu vereinigten Königreiches Italien im Jahre 1870. Zudem waren die päpstlichen Zuaven in der Minderheit, im Verhältnis sieben zu eins. Die Zuaven kämpften gegen die feindlichen Lanzenreiter mit päpstlicher Artillerie. Des Weiteren bereiteten die Zuaven einen Gegenangriff gegen die Truppen Garibaldis vor. Bevor es zur Kapitulation kam, zerstörten die Zuaven ihre Waffen.

Etliche Zuaven wurden hingerichtet oder durch die italienischen Streitkräfte ermordet, einschließlich eines Offiziers, der sich geweigert hatte, sein Schwert aufzugeben.

Freiwillige aus dem Westen[Bearbeiten]

Nach der Eroberung von Rom durch Viktor Emanuel II. von Italien im Jahre 1870 diente das französische Aufgebot der früheren päpstlichen Zuaven den Franzosen zur Verteidigung während des Französisch-Preussischen Kriegs. In ihrer bisherigen roten und grauen Uniform kämpften sie, nun unter dem neuen Namen Volontaires de l’Ouest (Freiwillige des Westens), gegen die Preußen und deren Deutsche Verbündeten. Beim Gefecht bei Artenay zwischen dem 11. und 12. Oktober 1870 wurden 15 Männer verletzt, einige davon tödlich.[10] Mit einer Armee von 1800 Mann kämpften die früheren päpstlichen Zuaven in der Schlacht von Loigny (2. Dezember 1870). Hierbei verloren sie 216 Kämpfer, während sie für die sich zurückziehende französische Armee einstanden.[11] Die Freiwilligen des Westens lösten sich auf, nachdem die Preussen bis nach Paris vorgedrungen waren.

Denkmäler[Bearbeiten]

Es gibt mehrere Denkmäler der päpstlichen Zuaven, unter anderen das eines niederländischen Museums in der Nähe der Basilika von Oudenbosch, die Massenkapelle in der Kapuzinergruft und ein weiteres Denkmal im Lateran.[12][13]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Joseph Powell: Two Years in the Pontifical Zouaves, S. 287
  2. Howard R. Marraro: Canadian and American Zouaves in the Papal Army, 1868–1870 CCHA Report, 12 (1944–45), 83–102, Seite 83. Die Ziffern sind dem New York Herald vom 10. Juni 1868 entnommen. Online (PDF-Datei)
  3. The Canadian Encyclopedia – Zouaves
  4. Joseph Powell: Two Years in the Pontifical Zouaves, S. 26.
  5. Joseph Powell: Two Years in the Pontifical Zouaves, S. 28.
  6. Joseph Powell, Two Years in the Pontifical Zouaves, S. 32.
  7. Joseph Powell, Two Years in the Pontifical Zouaves, S. 35-36.
  8. Joseph Powell: Two Years in the Pontifical Zouaves, S. 219.
  9. Victor Hugo’s poem: Mentana
  10. Joseph Powell: Two Years in the Pontifical Zouaves, S. 297 ff.
  11. French Army 1870–71 Franco-Prussian War – Republican Troops, S. 32–33, ISBN 1-85532-135-1
  12. The Zouave museum (niederländisch)
  13. The Papal Zouaves