Pagliacci

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Werkdaten
Titel: Der Bajazzo
Originaltitel: Pagliacci
Originalsprache: Italienisch
Musik: Ruggero Leoncavallo
Libretto: Ruggero Leoncavallo
Uraufführung: 22. Mai 1892
Ort der Uraufführung: Mailand
Spieldauer: ca. 1 1/4 Stunde
Ort und Zeit der Handlung: Montalto (Kalabrien); an Mariä Himmelfahrt, 15. August 1865
Personen
  • Nedda, Komödiantin, Frau des Canio – in der Komödie Colombina (Sopran)
  • Canio, Haupt einer Komödiantentruppe – in der Komödie Bajazzo (Tenor)
  • Tonio, der Tölpel, Komödiant – in der Komödie Taddeo (Bariton)
  • Beppo, Komödiant – in der Komödie Harlekin (Tenor)
  • Silvio, ein junger Bauer (Bariton)
  • Landleute, Gassenbuben (Chor)
Pagliacci (1892)

Pagliacci (Der Bajazzo) ist eine veristische Oper in zwei Akten und einem Prolog von Ruggero Leoncavallo, der sowohl die Komposition als auch das Libretto anfertigte. Die Uraufführung fand 1892 im Teatro Dal Verme in Mailand unter Arturo Toscanini statt. Der Bajazzo ist Leoncavallos größter Erfolg und sein einziges Werk, das noch heute Teil des Standard-Opernrepertoires ist.

Handlung[Bearbeiten]

Prolog[Bearbeiten]

Tonio tritt vor den geschlossenen Vorhang und heißt das Publikum mit einer Rede über die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Schauspiel und Realität willkommen. Im Namen des Librettisten und Komponisten bereitet er die Zuschauer auf ein besonders realitätsnahes Stück vor.

Erster Akt[Bearbeiten]

Mit seiner Commedia-dell'arte-Truppe zieht Canio ins Dorf und lädt die jubelnde Menge zur Abendvorstellung ein. Als die Komödianten ins Wirtshaus eingeladen werden, entschuldigt sich Tonio, er müsse noch den Esel versorgen. Die Neckereien der Bauern, er wolle wohl mit der hübschen Nedda allein bleiben, lösen bei deren eifersüchtigem Mann Canio einen Wutausbruch aus, und er verkündet, anders als auf der Bühne würde er im echten Leben Untreue mit dem Tode rächen.

Von diesen Worten tief beunruhigt, bleibt Nedda, deren Gewissen gar nicht rein ist, zurück und besingt neidisch die Freiheit der Vögel. Tonio nähert sich und macht ihr Avancen, die sie spottend zurückweist. Nachdem sie ihn mit einer Peitsche in die Flucht geschlagen hat, tritt Neddas Geliebter Silvio auf, der sie überreden will, mit ihm in der Nacht zu fliehen. Tonio hat die beiden beobachtet und alarmiert Canio. Silvio kann in letzter Sekunde unerkannt fliehen. Mit dem Messer drohend, verlangt Canio von Nedda den Namen des geflohenen Geliebten, doch Beppo kommt dazwischen und kann Canio zunächst mit der Begründung, die ersten Gäste seien bereits kurz vor dem Eintreffen, zur Vernunft bringen.

Die Schauspieler gehen sich nun umziehen, und der betrogene Canio singt eine verzweifelte Arie ("Vesti la giubba" bzw. auch "Ridi, pagliaccio / Lache, Bajazzo").

Zweiter Akt[Bearbeiten]

Vor der Vorstellung sammelt Nedda das Eintrittsgeld und warnt dabei heimlich den tatsächlich anwesenden Silvio vor Canios Zorn.

Die Aufführung beginnt: Von ihrem Mann "Bajazzo" (Canio) alleingelassen, wartet "Colombina" (Nedda) auf ihren Geliebten "Harlekin" (Beppo), doch "Taddeo" (Tonio) platzt hinein und will sich ihr nähern. "Harlekin" verjagt ihn, und die beiden Liebenden setzen sich zum Essen. Da kommt "Bajazzo" nach Hause, und als Nedda dem fliehenden "Harlekin" die gleichen Abschiedsworte nachruft wie am Nachmittag ihrem Silvio, verliert Canio/Bajazzo die Contenance: Indem er Spiel und Ernst zu vermischen beginnt, fragt er Nedda erneut nach dem Namen seines Nebenbuhlers. Die Zuschauer sind hingerissen von dieser Intensität und applaudieren dem so real wirkenden "Spiel". Erst als Canio der fliehenden Nedda ein Messer in den Rücken sticht und ihr letzter Seufzer "Silvio!" erklingt, erkennt das Publikum den Ernst der Lage, doch zu spät: Auch der Geliebte wird vom rasenden Ehemann erstochen, der das Publikum mit den Worten "La commedia è finita" / "Die Komödie ist aus" nach Hause schickt.

Entstehung[Bearbeiten]

Leoncavallos Vater war Richter und Magistrat. Dessen verschiedene Versetzungen führten ihn 1865 nach Montalto Uffugo in Kalabrien, wo er einen Mordfall in einer Zirkustruppe zu beurteilen hatte. Dieser Fall inspirierte beinahe 30 Jahre später zur Oper.


Moderne Bezugnahmen[Bearbeiten]

Die Folge "Die Opernkarten"/"The Opera" der Serie Seinfeld (Staffel 4) dreht sich vollständig um Pagliacci. Jerry, Kramer, Elaine und George besuchen eine Aufführung der Oper, Kramer verkauft dabei sein Ticket an Elaines Freund und Jerrys Stalker "Crazy" Joe Davola.

Auch eine Folge der Cartoon-Serie "Die Simpsons" nimmt Bezug auf Leoncavallos Oper I Pagliacci. In der Episode "Der italienische Bob" (im englischen Original "The Italian Bob") mimt Krusty, der Clown, in einer Aufführung am Kolosseum in Rom den Canio. Tingeltangel-Bob, der der Familie Simpson Vendetta (also Blutrache) schwört und diese bis nach Rom verfolgt, springt für den erfolglosen Krusty ein und singt die Arie des Canio, "Ridi, pagliaccio".

Im Film "The Untouchables – Die Unbestechlichen" von Brian De Palma besucht Al Capone (Robert De Niro) die Oper und ist bei der Arie "Vesti La Giubba" so gerührt, dass er weinen muss – während seine Männer einen Polizisten ermorden.

Im Lied 'Mister Sandman' (erstmals gesungen 1954 von der Girlgroup The Chordettes und später oft gecovert) lautet ein Reim

Mr. Sandman, bring us a dream / Give him a pair of eyes with a "come-hither" gleam /

Give him a lonely heart like Pagliacci / And lots of wavy hair like Liberace

(etwa: ... , bring' uns einen Traum(mann) / gib' ihm Augen mit einem verführerischen Glanz

gib ihm ein einsames Herz wie Pagliacci (Opernfigur) / und reichlich lockiges Haar wie Liberace)

Im Film "To Rome With Love" von Woody Allen inszeniert der gescheiterte Opernregisseur Jerry (gespielt von Allen) eine Aufführung des Pagliacci, in der sein neu entdeckter Star Giancarlo (gespielt von Fabio Armiliato), der nur unter der Dusche singen kann, den Part des Canio in einer Duschkabine singend bestreitet.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Pagliacci – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien