Palazzo Ducale (Urbino)

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Der Palazzo Ducale ist ein Herzogspalast der Renaissance in der italienischen Stadt Urbino in der Region Marken. Als eines der bedeutendsten Denkmale Italiens ist es Weltkulturerbe der UNESCO .

Geschichte[Bearbeiten]

Der Arkadenhof (um 1468)

Der Bau des Herzogspalasts wurde um 1450/60 im Auftrag von Federico da Montefeltro vom florentiner Architekten Maso di Bartolomeo begonnen. Der damals errichtete einflügelige Trakt ist noch heute im Palazzo della Jole auf der Straßenseite erhalten.

Luciano Laurana, ein Architekt aus Dalmatien, der durch die antikisierende Architektur Brunelleschis in Florenz beeinflusst war, entwarf ab 1466/67 eine große zweigeschossige Erweiterung um einen neu zu errichtenden Arkadenhof herum. In der Folge entstanden die Fassaden, die drei weiteren Flügel um den Innenhof und die monumentale Treppe.

Fassade

Nach dem Weggang Lauranas wurden ab 1472 die Arbeiten von Francesco di Giorgio Martini geleitet, der vor allem für den Ausbau der herzoglichen Wohngemächer verantwortlich war. Die Portale und Fenstergewände wurden vom Mailänder Ambrogio Barocci ausgeführt, der außerdem die Innenräume schmückte. In den hohen, vollständig stuckierten Räumen stechen die reich verzierten Türeingänge, Kamine und Friese von Barocci, Domenico Rosselli und ihren Werkstätten hervor. Nach dem Tod des Herzogs Federico (1482) blieb der Bau teilweise unvollendet. Der zweite Stock wurde in der ersten Hälfte des folgenden Jahrhunderts von Girolamo Genga hinzugefügt und ersetzte einen Zinnenkranz.

Der Palast blieb Regierungsgebäude bis ins 20. Jahrhundert, beherbergte kommunale Archive und Behörden sowie die öffentlichen Sammlungen antiker Inschriften und Skulpturen: Die Galleria Nazionale delle Marche (siehe unten). 1985 abgeschlossene Restaurierungen haben auch die umfangreichen unterirdischen Räumlichkeiten der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Der Palazzo ist auch berühmt als Schauplatz der fiktiven Gespräche über das Hofleben, die Baldassare Castiglione in seinem Werk Il Cortegiano (1507) in der Halle der Nachtwachen ansiedelte.

Besondere Räumlichkeiten[Bearbeiten]

Der Herzogspalast enthält einige Räume, die Federicos Hinwendung zu klassischen und humanistischen Studien widerspiegeln und in seinem Tagesablauf üblicherweise genutzt wurden, etwa der Besuch des Lararium und die Lektüre griechischer Literatur. Diese gelehrten und ausdrücklich vorchristlichen Aspekte wären für einen mittelalterlichen Palast untypisch gewesen.[1]

Der Studiolo[Bearbeiten]

Ein Hauptbestandteil dieses Konzepts ist der Studiolo (ein kleiner Studien- oder Andachtsraum), nur 3.60 x 3.35 m groß, mit Blickrichtung weg von Urbino und hinaus über die ländlichen Güter. [2] Seine schön ausgeführten Intarsien, die den Betrachter mit trompe-l'oeil–Borden, –Bänken und halb-offenen Gitterwerktüren umgeben, hinter denen symbolische Gegenstände die Freien Künste repräsentieren, stellt das berühmteste Beispiel Italiens in dieser Kunst dar. Die Bänke tragen Musikinstrumente, und die Borde zeigen Darstellungen von Büchern und Noten, wissenschaftlichen Instrumenten (mit einem Astrolabium und einer Armillarsphäre), Studienmöbeln (mit Schreibtisch und Stundenglas), Waffen und Rüstung, und verschiedenen anderen Gegenständen (z. B. Papageien im Käfig und ein Mazzocchio).[3]

Der Studiolo zeigt darüber hinaus Idealbildnisse verschiedener historischer und zeitgenössischer Personen. Auf den Intarsientafeln engrammiert sind Statuen Federicos – in Scholarenkleidung – und von Glaube, Liebe, Hoffnung. Darüber eine Reihe Porträts großer Autoren, gemalt von Joos van Wassenhove (mit Überarbeitungen durch Pedro Berruguete):[4]

Joos van Wassenhove: Albertus Magnus, um 1475, Studiolo
Nordwand
Plato Aristoteles Ptolemäus Boethius
Hl. Gregor Hieronymus Ambrosius von Mailand Augustinus
Westwand Ostwand
Pietro d’Abano Petrarch Moses Cicero
Hippokrates Dante Salomo Seneca
Fenster Thomas von Aquin Homer
Fenster Duns Scotus Vergil
Südwand
Sixtus IV. Albertus Magnus Bessarion Pius II.
Bartolus Solon Vittorino da Feltre Euklid

Die obere Reihe (im Diagramm außen) zeigt klassische und humanistische Autoren, im Gegensatz zu den religiösen Autoren (vereinfacht ausgedrückt) der unteren Reihe (innen).[5]

Zwillingskapellen: Kapelle der Vergebung und Musentempel[Bearbeiten]

Treppab befinden sich die Zwillingskapellen, eine christliche und eine heidnische. Der Eingangsraum hebt ihren Zusammenhang mit dieser Inschrift, einem elegischen Couplet, hervor:

Bina vides parvo discrimine iuncta sacella:

altera pars musis, altera sacra deo est.

Zweifach siehst Du die heiligen Räume, verbunden durch eine kleine Unterteilung:

ein Teil ist den Musen, der andere Gott geweiht.

Der Musentempel, womöglich der persönliche Studiolo von Federicos Sohn Guidobaldo, zeigte ursprünglich die Musen als „besonnene Musiker“, vielleicht eine Arbeit von Giovanni Santi.[6]

Galleria Nazionale delle Marche[Bearbeiten]

Portrait einer jungen Frau (bekannt als La Muta), Raffael, 1507-1508, Galleria Nazionale delle Marche.

Die Galleria Nazionale delle Marche (Nationalgalerie), die der Palast beherbergt, ist eine der bedeutendsten Kunstsammlungen der Renaissance weltweit. Sie beheimatet Werke von Raffael, Joos van Wassenhove (ein Abendmahl mit Porträts der Montefeltro-Familie und Hofstaat), Melozzo da Forlì, Piero della Francesca (mit der berühmten Geißelung Christi), Paolo Uccello, Timoteo della Vite, Tizian (die Auferstehung) und weiteren Künstler des 15. Jahrhunderts.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Joscelyn Godwin, The Pagan Dream of the Renaissance (Grand Rapids: Phanes Press, 2002), S. 90-91.
  2. Godwin, S. 91 und 94.
  3. Godwin, p. 92
  4. Godwin, S. 92-94.
  5. Siehe Cheles, S. 17.
  6. Godwin, S. 91.

Literatur[Bearbeiten]

  • Janez Höfler: Der Palazzo ducale in Urbino unter den Montefeltro (1376-1508). Neue Forschungen zur Bau- und Ausstattungsgeschichte. Regensburg 2004.
  • Robert Kirkbride: Architecture and memory. The Renaissance studioli of Federico de Montefeltro. New York 2008.
  • Maria Luisa Polichetti (Hrsg.): Il Palazzo di Federico da Montefeltro. Restauri e ricerche. 2 Bde. Urbino 1985.
  • Werner Lutz: Luciano Laurana und der Herzogspalast in Urbino. Weimar 1997.
  • Joscelyn Godwin, The Pagan Dream of the Renaissance (Grand Rapids: Phanes Press, 2002)
  • Luciano Cheles: The Studiolo of Urbino: An Iconographic Investigation (Penn State Press, 1986)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Palazzo Ducale, Urbino – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Studiolo di Federico da Montefeltro – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Galleria Nazionale delle Marche – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

43.72333333333312.637777777778Koordinaten: 43° 43′ 24″ N, 12° 38′ 16″ O