Paul Bäumer

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Dieser Artikel behandelt den Jagdflieger Paul Bäumer; zum Protagonisten aus Erich Maria Remarques Antikriegsroman siehe Im Westen nichts Neues.
Albatros D.V Von Paul Bäumer, Jasta 5
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War er nun Zahnarzt oder Zahntechniker

Paul Wilhelm Bäumer (* 11. Mai 1896 in Meiderich; † 15. Juli 1927 bei Kopenhagen) war mit 43 Luftsiegen einer der erfolgreichsten deutschen Jagdflieger im Ersten Weltkrieg.

Inhaltsverzeichnis

Leben [Bearbeiten]

Als Jugendlicher war er mit dem Fahrrad an den Bodensee gereist und hatte dort den Start eines Zeppelins beobachtet. Seitdem begeisterte er sich für die Fliegerei. Mit seiner Tätigkeit als Zahntechniker finanzierte er seine eigene Flugausbildung und erhielt im Sommer 1914 sein Flugzeugführer-Patent. Als Freiwilliger meldete er sich nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs zu den Seefliegern der Marine, wurde aber abgewiesen. Er trat daraufhin in die Infanterie ein und kämpfte im 8. Rheinische Infanterie-Regiment Nr. 70 bei St. Quentin in Frankreich und in Russland. Nach seiner Verwundung wechselte er in die Fliegertruppe, war dort aber nur als Wachsoldat tätig. Erst als er seinem Kommandeur persönlich meldete, dass er vor dem Krieg bereits Flugstunden genommen hatte, gelangte er in die Fliegerlaufbahn, kam zunächst zum Armee-Flugpark 1, am 26. März 1917 nach Abschluss seiner Ausbildung zur Feldflieger-Abteilung 7 und am 28. Juni 1917 zur Jagdstaffel Boelcke (Jasta 2), zwei Tage später zur Jagdstaffel 5, wo er innerhalb von vier Tagen drei feindliche Beobachtungsballons abschoss. Im August 1917 kam er wieder zur Jagdstaffel Boelcke, bei der er am 12. Februar 1918 das Goldene Militär-Verdienst-Kreuz erhielt. In der Verleihungsurkunde hieß es:

„Der Vizefeldwebel Bäumer ist seit dem 19. Februar 1917 als Flugzeugführer an der Front. Am 12., 13. und 15. Juli 1917 schoss er je einen feindlichen Fesselballon ab. Bei der Jagdstaffel Boelcke erzielte er seit September fünfzehn weitere Abschüsse. Diese Anzahl von Luftsiegen einem überlegenen Feinde gegenüber errang er auf Grund seines hervorragenden Angriffsgeistes und persönlichen Mutes.“

Bäumer wurde später zum Leutnant befördert, in diesem Rang verblieb er bis Kriegsende. Bäumer wurde selbst brennend abgeschossen, konnte sich aber mit einem Fallschirmabsprung retten.

Paul Bäumer erzielte insgesamt 43 Luftsiege und erhielt am 2. November 1918 den Orden Pour le Merite. Nach dem Krieg übte Paul Bäumer zunächst seinen Beruf als Zahnarzt aus, war dann aber Kunstflieger und gründete im Oktober 1922 zusammen mit seinem Kriegskameraden Harry von Bülow-Bothkamp (1897–1976) die Flugzeugbaufirma „Bäumer Aero GmbH“ in Hamburg. Am 15. August 1924 startete in Hamburg die von den TH-Praktikanten Walter Günter (1899–1937), Walter Mertens und Werner Meyer-Cassel konstruierte Bäumer B I "Roter Vogel" zu ihrem Erstflug, die am alljährlichen Rhön-Segelflugwettbewerb teilnehmen sollte. Die mit einem Zweizylinder Boxermotor Douglas mit 5,9 kW Leistung ausgestattete Maschine, war zwar nur auf Gefälle eigenstartfähig, erreichte aufgrund ihrer geringen Masse von nur 235 kg allerdings eine Spitzengeschwindigkeit von 115 km/h und erhielt ein Preisgeld bei dem Wettbewerb in Höhe von 2000 Mark. Im Mai 1925 folgte die Bäumer B II Sausewind, die BZ-Preis der Lüfte teilnehmen sollte und Deutschen Rundflug und Otto-Lilienthal-Wettbewerb Preise gewann. Die Maschine war ein aerodynamisch fortschrittlicher Eindecker mit elliptischem Flügel und einem 48 kW starkem Dreizylindermotor Wright L4. Von dieser Maschine wurde eine Doppeldeckervariante als Bäumer B III Alsterkind und eine 1926 eine Weiterentwicklung Bäumer B IV Sausewind abgeleitet. Von letzterer wurden drei Exemplare gebaut, wovon eine im Juli 1927 mit 6782 einen Höhenweltrekord aufstellte. Die nächste Maschine stellte die von den Gebrüdern Günter (Siegfried und Walter) entworfene Bäumer B V Puck dar, welche als Kunstflugdoppeldecker dienen sollte, aber wegen Motorproblemen nie fertig wurde.[1] Während des Einfliegens der neuen Rohrbach Rofix stürzte Paul Bäumer am 15. Juli 1927 zwei Kilometer vor der Küste von Öresund ins Meer. Seine letzte Ruhestätte fand Paul Bäumer auf dem Friedhof Ohlsdorf in Hamburg (Grablage: H6 – 188).

Die Gebrüder Günter entwickelten Mitte 1929 noch die Bäumer B VI Libelle von der zwei Exemplare gebaut wurden, die aber beide 1930 abstürzten und die Firma dann noch 1930 aufgaben.

In Anspielung auf den Kriegshelden nannte Erich Maria Remarque in seinem Antikriegs-Roman Im Westen nichts Neues den Protagonisten Paul Bäumer. Remarque war einer seiner Patienten, als Bäumer nach dem Krieg als Zahnarzt tätig war.

Die „Paul-Bäumer-Straße“ in Duisburg-Meiderich51.4636111111116.764361111111130 wurde nach ihm benannt. Früher hieß auch der Vorplatz des Hamburg Airport nach Bäumer Paul-Bäumer-Platz. Nach Aufhebung dieses Platzes durch den Bau der Umgehung Fuhlsbüttel wurde eine nahegelegene Brücke nach Bäumer benannt. In Berlin-Tempelhof befindet sich im so genannten Fliegerviertel eine nach Paul Bäumer benannte Straße namens "Bäumerplan".

Bäumer war seit 1924 Mitglied des Pépinière-Corps Suevo-Borussia.[2]

Auszeichnungen [Bearbeiten]

Literatur [Bearbeiten]

  • Jürgen Brinkmann: Die Ritter des Orden „Pour le mérite“ 1914–1918. Schäfer, Hannover 1982.
  • Klaus D. Patzwall (Hrsg.): Das preussische Goldene Militär-Verdienst-Kreuz. Militair-Verlag Patzwall, Norderstedt 1986, (Quellen und Darstellungen zur Geschichte der Orden & Ehrenzeichen 2, ZDB-ID 2294200-2).
  • Arch Whitehouse: Flieger-Asse 1914–1918. Motorbuch-Verlag, Stuttgart 1970, S. 362–363.
  • Walter Zuerl: Pour le mérite-Flieger. Luftfahrtverlag Axel Zuerl, Steinebach Wörthsee 1987, ISBN 3-934596-15-0.

Siehe auch [Bearbeiten]

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. Von Gewinnern und Verlierern. Bäumers Fall und Heinkels Aufstieg. FliegerRevue April 2010, S. 56–59
  2. Kösener Corpslisten 1930, 68, 494