Paul Wühr

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Paul Wühr (* 10. Juli 1927 in München) ist ein deutscher Schriftsteller. Er wird dem Bereich der experimentellen Gegenwartsliteratur zugerechnet.[1]

Leben[Bearbeiten]

Paul Wühr wurde als Sohn eines Bäckers geboren. Nach dem Besuch des Wittelsbacher-Gymnasiums in München absolvierte er eine Ausbildung zum Volksschullehrer. Von 1949 bis 1983 war er als Lehrer an einer Volksschule in Gräfelfing tätig. 1973 gründete er in München gemeinsam mit Martin Gregor-Dellin, Jürgen Kolbe, Michael Krüger, Fritz Arnold, Inge Poppe-Wühr, Christoph Buggert, Günter Herburger, Tankred Dorst und Peter Laemmle die erste genossenschaftlich organisierte Autorenbuchhandlung.

Seit 1986 lebt Wühr mit seiner Frau im italienischen Passignano sul Trasimeno (Umbrien).[2]

Paul Wühr ist Mitglied des Verbandes Deutscher Schriftsteller und des PEN-Zentrums Deutschland.[3][4]

Werk[Bearbeiten]

Wühr, der bereits in der Jugend mit dem Schreiben begann, arbeitet seit Ende der 1940er Jahre an einem umfangreichen Werk, das ihn zu einem experimentellen Autor der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur werden ließ. Nach zwei Kinderbuchpublikationen Anfang der 1960er, gelangte er mit Hörspielen für den WDR erstmals an eine breitere Öffentlichkeit. Wühr ist Verfasser von Romanen, Hörspielen, Prosapoemen und Lyrik, wobei die Grenzen zwischen den Gattungen angesichts der häufig collagenhaften Technik des Autors fließend sind. Während Wühr in den 1970er Jahren Aufsehen mit seinen O-Ton-Hörspielen erregte, schrieb er danach vor allem an weiterhin sprachreflexiven und experimentellen Großpoemen und Gedichtzyklen. Seit 1978 arbeitet er an einem "Der wirre Zopf" betitelten Großprojekt. Trotz aller Anerkennung durch die Literaturkritik und zahlreicher Auszeichnungen, gilt Wühr nach wie vor als einer der großen Außenseiter der deutschen Literatur, der sich dem Literaturbetrieb weitgehend verweigert.[5]

Auszeichnungen und Ehrungen[Bearbeiten]

Werke[Bearbeiten]

  • Der kleine Peregrino, 1960 (zusammen mit Walter Habdank)
  • Basili hat ein Geheimnis, 1964 (zusammen mit Lilo Fromm)
  • Gegenmünchen, 1970
  • So spricht unsereiner, 1973
  • Preislied, (Hörspiel, BR 1971)
  • Trip Null (Hörspiel, BR 1972)
  • Verirrhaus (Hörspiel, BR 1973)
  • Grüß Gott ihr Mütter, ihr Väter, ihr Töchter, ihr Söhne, 1976
  • Rede, 1979
  • Das falsche Buch, 1983
  • Es war nicht so, 1987
  • Der faule Strick, 1987
  • Sage, 1988
  • Gedichte, 1990
  • Ob, 1991
  • Wenn man mich so reden hört, 1993 (zusammen mit Lucas Cejpek)
  • Luftstreiche, 1994
  • Ob der Magus im Norden, 1995
  • Salve res publica poetica, 1997
  • Tanzschrift, 2000 (zusammen mit Hans Baschang)
  • Venus im Pudel, 2000
  • Leibhaftig, 2001
  • Das Lachen eines Falschen, 2002
  • Was ich noch vergessen habe, 2002 (zusammen mit Lucas Cejpek)
  • An und für, 2004
  • Dame Gott, 2007

Literatur[Bearbeiten]

  • Franz Josef Czernin: Dichtung als Erkenntnis. Zur Poesie und Poetik Paul Wührs. Droschl, Graz 1999, ISBN 3-85420-509-0
  • Lutz Hagestedt (Hrsg.): Paul Wühr. Materialien zu seinem Werk. Brehm, München 1987, ISBN 3-921763-94-0
  • Reinhard Kiefer: Gottesurteil - Paul Wühr und die Theologie. Rimbaud, Aachen 2003, ISBN 3-89086-702-2
  • Sabine Kyora (Hrsg.): Die poetische Republik. Annäherungen an Paul Wührs. Salve res publica poetica. Aisthesis, Bielefeld 2002, ISBN 3-89528-356-8
  • Sabine Kyora (Hrsg.): Falsches Lesen. Zu Poesie und Poetik Paul Wührs. Festschrift zum 70. Geburtstag. Aisthesis, Bielefeld 1997, ISBN 3-89528-178-6
  • Jürgen Nelles: Denk-Spiele der Poesie. Der Hörspielmacher und Schriftsteller Paul Wühr. Bouvier, Bonn 1991, ISBN 3-416-02351-X
  • Christer Petersen: Der postmoderne Text. Rekonstruktion einer zeitgenössischen Ästhetik am Beispiel von Thomas Pynchon, Peter Greenaway und Paul Wühr. Ludwig, Kiel 2003, ISBN 3-933598-67-2

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Portrait der Paul-Wühr-Gesellschaft. Abgerufen am 28. März 2014.
  2. Portrait bei lyrikline. Abgerufen am 28. März 2014.
  3. Pen Deutschland Mitgliederliste. Abgerufen am 28. März 2014.
  4. Portrait bei Nanni Cagnone. Abgerufen am 28. März 2014.
  5. Eintrag im Autorenlexikon des Literaturportals Bayern. Abgerufen am 28. März 2014.
  6. in: Online-Standard vom 13. Mai 2014