Peter Oberender

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Peter O. Oberender (* 14. Juni 1941 in Nürnberg) ist ein deutscher Volkswirt mit dem Forschungsschwerpunkt Gesundheitsökonomie. Er war bis 2007 Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftstheorie der Universität Bayreuth. Er ist aktuell noch Direktor der Forschungsstelle für Sozialrecht und Gesundheitsökonomie an der Universität Bayreuth[1], Direktor des Instituts für angewandte Gesundheitsökonomie (IaG)[2] sowie Inhaber und Seniorpartner der Unternehmensberatung Oberender & Partner, eines auf Gesundheitsökonomie und Krankenhausmanagement spezialisierten Beratungsunternehmens.

Oberender ist Mitherausgeber der Zeitschrift ORDO[3] und Gründungspräsident der Wilhelm Löhe Hochschule für angewandte Wissenschaften in Fürth[4].

Außerdem war Peter Oberender Mitglied des Wissenschaftsrates, in dessen Arbeitsgruppe Public Private Partnership in der Hochschulmedizin er immer noch Vorsitzender ist. Er ist auch Mitglied der Bayerischen Bioethik-Kommission[5], stellvertretender Vorsitzender des Bundesschiedsamtes für die vertragsärztliche Versorgung und Vorsitzender des Bundesschiedsamtes für die zahntechnische Versorgung und Gründungspräsident der Wilhelm-Löhe-Hochschule in Fürth[6]. Außerdem ist er der erste Träger der Gérard-Gäfgen-Medaille der Deutschen Gesellschaft für Gesundheitsökonomie. 2011 wurde Oberender in die Klasse Social Sciences, Law and Economics der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste aufgenommen.[7]

Leben[Bearbeiten]

Oberender studierte Wirtschafts- und Sozialwissenschaften an den Universitäten Erlangen-Nürnberg und München. Danach war er wissenschaftlicher Assistent von Ernst Heuss (Universität Marburg), bei dem er auch promovierte. Nach Dozententätigkeit in Marburg war er 1967 Guest Scholar bei der Brookings Institution, Washington D.C. 1980 habilitierte er bei Heuss in Marburg und folgte kurz darauf einem Ruf auf einen Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre an der Universität Bayreuth. In Bayreuth begründete er den Studiengang für Gesundheitsökonomie. 1987 bis 1990 war er Mitglied der Enquête-Kommission Strukturreform der gesetzlichen Krankenversicherung des Deutschen Bundestages[8].

Verschiedene Rufe auf Lehrstühle für Volkswirtschaftslehre an den Universitäten Witten/Herdecke (1986), Freiburg im Breisgau (1990), sowie der Friedrich-Schiller-Universität Jena (1992) lehnte er zugunsten Bayreuths ab. Oberender war Gründungsdekan und Dekan der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität Jena (1990–1994). Am 26. Januar 2007 hielt Oberender offiziell seine Abschiedsvorlesung unter dem Thema Ordnungspolitik – Quo vadis?. Er bleibt der Universität Bayreuth weiterhin als Lehrbeauftragter für den von ihm initiierten Studiengang „Gesundheitsökonomie“ verbunden.

Kernthesen und Kontroversen[Bearbeiten]

Peter Oberender vertritt streng marktwirtschaftliche Positionen in der Gesundheitspolitik. So stellt er die paritätische Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung unter Verweis darauf, dass der „sogenannte Arbeitgeberanteil Lohnbestandteil ist“, in Frage, kritisiert die Budgetierungen im Gesundheitswesen als „künstliche Eindämmung eines möglichen Marktwachstums im Gesundheitswesens“ und fordert die „Umorientierung von einer Politik der Planwirtschaft hin zu einer marktwirtschaftlichen Gesundheitspolitik bei einem ausreichenden Schutz ökonomisch Schwacher und chronisch Kranker“.[9]

In seinem Buch „Wachstumsmarkt Gesundheit“ stellt er die These auf, dass das Gesundheitssystem eine potentielle Wachstumsbranche sei, da der medizinische Fortschritt und die demographiebedingte Alterung der Gesellschaft in Kombination mit einer außerordentlich hohen individuellen Wertschätzung der Gesundheit in einer Marktwirtschaft zu einem überproportionalen Wachstum des Anteils der Gesundheitsausgaben am Volkseinkommen führen sollte. Die Bindung der für das Gesundheitssystem zur Verfügung gestellten Mittel an das (demographiebedingt geringer wachsende) Wachstum der Lohnsumme führe zu einer Unterversorgung der Bevölkerung mit Gesundheitsdienstleistungen[10].

Mit seinen Positionen steht Oberender in der Kritik von Gewerkschaften und Sozialverbänden. Auch die Zustimmung von Peter Oberender zu einem kommerziellen Organhandel unter klar definierten Rahmenbedingungen[11] wird bis hin zu Faschismusvorwürfen aus der linken Szene[12] kritisiert, insbesondere wegen seiner Aussagen mit Blick auf Bezieher von Hartz IV-Leistungen: „Wenn jemand existenziell bedroht ist, sollte er die Möglichkeit haben, sich und seine Familie durch den Verkauf von Organen zu finanzieren.“[13]

Oberender war Mitunterzeichner des eurokritischen Manifests Die EG-Währungsunion führt zur Zerreißprobe (1992) und des Hamburger Appells (2005).[14][15]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Forschungsstelle für Sozialrecht und Gesundheitsökonomie
  2. Institut für angewandte Gesundheitsökonomie
  3. Herausgeber auf der Website der Zeitschrift
  4. Informationen zur Leitung auf der Website der Hochschule
  5. Mitglieder der Bayerischen Bioethikkommission
  6. http://www.nordbayern.de/toller-tag-fur-furth-1.2246301 Ein toller Tag für Fürth
  7. EuropAcad Peter Oberender → 2011
  8. Endbericht der Enquete-Kommission „Strukturreform der Gesetzlichen Krankenversicherung“ : gemäß Beschluß des Deutschen Bundestages vom 4. Juni 1987 und vom 27. Oktober 1988 ; Drucksachen 11/310 und 11/3181 , Bonn 1990
  9. Alle Zitate aus seiner Stellungnahme zum Entwurf eines Beitragssicherungsgesetzes in der gesetzlichen Krankenversicherung und in der gesetzlichen Rentenversicherung (Bundestagsdrucksachen 15/27 und 15/28), PDF.
  10. Oberender, P.; Hebborn, A; Zerth, J, Wachstumsmarkt Gesundheit, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-8252-2231-4
  11. „Experte fordert freien Organhandel“ Spiegel Online vom 12. Mai 2004
  12. vgl. hierzu unter anderem „der Starauskoter in Fragen Gesundheitswesen“, Prof. Peter Oberender der Josef Mengele der INSM oder Unappetitliches aus Bayreuth aus Der Freitag vom 6. März 2011
  13. "Wir brauchen einen regulierten Markt für Organe" Deutschlandradio Kultur vom 22. Dezember 2006
  14. Die EG-Währungsunion führt zur Zerreißprobe als PDF-Datei
  15. Hamburger Weltwirtschaftsarchiv (PDF; 44 kB)