Pfalz-Flugzeugwerke

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Pfalz-Flugzeugwerke GmbH war ein deutscher Flugzeughersteller während des Ersten Weltkriegs in Speyer. Auf dem Firmengelände existierten im Dritten Reich und seit 1955 verschiedene Unternehmen im Flugzeug- und Fahrzeugbau. Heute heißt das Unternehmen PFW Aerospace GmbH - „Pfalz Flugzeugwerke“. 2010 hatte das Unternehmen 2.155 Mitarbeiter. Der Umsatz lag bei 214,4 Mio. €.[1]

Firmengeschichte[Bearbeiten]

Gründungsjahre 1913/14[Bearbeiten]

Die Pfalz Flugzeugwerke GmbH wurden gegründet im Jahre 1913 im damals bayerischen Speyer am Rhein durch Alfred Everbusch und seinen Bruder Ernst, seinen Schwager Willy Sabersky-Müssigbrodt, die drei Investoren Richard und Eugen Kahn sowie August Kahn, der aber nicht direkt mit den Brüdern verwandt war. Am 12. Juli 1913 wurde die Firma im Handelsregister unter folgender Bezeichnung eingetragen "Gegenstand des Unternehmens ist der Bau von Flugzeugen und die Ausbildung von Flugzeugführern sowie die Betätigung aller Geschäfte, die geeignet sind, das Unternehmen zu fördern." Walther Eversbusch, der dritte Bruder, hatte soeben bei der Firma Morane-Saulnier in Frankreich seinen Pilotenschein gemacht.

Das Vorhaben wurde von der bayerischen Regierung gefördert. Nachdem die Stadt Speyer ein Gelände von 7.000 m² für die Anlage von Fabrikhallen bereitgestellt hatte, begann im Juli 1914 in Lizenz die Produktion der französischen Morane-Saulnier Parasol. Außerdem wurden Otto-Militärdoppeldecker gefertigt, von denen einer 1914 nach Afrika gelangte. Dieser Doppeldecker sollte während des Ersten Weltkrieges der deutschen Schutztruppe im Kampf um die Kolonie Deutsch-Ostafrika noch wertvolle Dienste leisten.

1914 bis 1918[Bearbeiten]

Bis Kriegsausbruch hatte die Firma gerade drei Parasols hergestellt, drei weitere Otto-Doppeldecker waren im Bau für die Königlich Bayerischen Fliegertruppen. Im Krieg fertigte Pfalz L.F.G. (Roland)- und Rumpler-Flugzeuge, ebenfalls in Lizenz. Im November 1916 wurde Rudolph Gehringer von der Firma Flugzeugbau Friedrichshafen GmbH angeworben, unter dessen Leitung entstanden aus den Erfahrungen im Bau der Roland-Flugzeuge heraus vor allem ab 1917 zahlreiche zum Teil sehr erfolgreiche Eigenkonstruktionen, darunter vor allem die Jagdflugzeuge Pfalz E.I, D.III und D.XII. Gegen Kriegsende produzierten die Pfalz-Werke mit 2.600 Arbeitern; allein im Oktober 1918 verließen noch 157 neue Maschinen die Werkshallen. Insgesamt wurden während des Krieges ca. 2.500 Flugzeuge geliefert.

1919 bis heute[Bearbeiten]

Die Pfalz Flugzeugwerke mussten nach dem Waffenstillstand und dem Abbau der Produktionsanlagen unter der französischen Besatzung Konkurs anmelden. Am 4. Juni 1919 wurde A.G. Pfalz neu eingetragen; als Firmenzweck waren Schiffbau sowie Produktion und Vertrieb von Industriegütern dokumentiert. Die Firma ging in der allgemeinen Depression 1932 zugrunde.

Auf dem Werksgelände entstanden 1937 die Flugwerke Saarpfalz, die sich erneut auf Flugzeugbau und –überholung konzentrierten, darunter Baumuster wie die Junkers Ju 88 und die Heinkel He 111. Die Firma hatte 1937 bereits 200 Mitarbeiter, bei Kriegsausbruch bereits 500 und gegen Kriegsende 1.500, davon viele Zwangsarbeiter. Beim Anrücken der alliierten Truppen im März 1945 wurde die Arbeit eingestellt.

1955 entdeckte Ernst Heinkel das brachliegende Industriewerk und ließ dort für die Ernst Heinkel-Fahrzeugbau fünf Jahre lang insgesamt 3.800 Heinkel-Kabinenroller, bis zu 50 pro Tag, herstellen. Bereits 1956 gab es wieder Aktivitäten im Flugzeugbau. So wurden neben der Fahrzeugproduktion während der Jahre 1957 bis 1959 auch Reparatur- und Wartungsarbeiten für verschiedenste Flugzeuge übernommen.

Ernst Heinkel verstarb sechs Tage nach seinem 70. Geburtstag am 30. Januar 1958. Bald danach erfolgte die Umbenennung seiner Firma in Speyer zu seinen Ehren und wegen zunehmender Flugzeugbautätigkeiten in Ernst Heinkel Flugzeugbau GmbH.

Von 1958 bis 1964 wurden zahlreiche Flugzeuge entwickelt und in Serie gefertigt sowie Flugzeugkomponenten hergestellt. Dazu zählen unter anderem: Tragflächen und Leitwerke für den Lookheed-Nachbau F 104, Serienbau der Fiat G 91, Bauvorrichtungen und Komponenten für das Verkehrsflugzeug F-27 "Friendship" und Entwicklung eines eigenen Verkehrsflugzeugs HE 211.

Die Fabrik wurde ab 1964 von den Vereinigten Flugtechnischen Werke (VFW) aufgekauft, wanderte dann 1983 in die Gruppe Messerschmitt-Bölkow-Blohm, die ab 1991 in der Firma Deutsche Airbus aufging. Die Namensfindung änderte sich in den Folgejahren 1992 in Deutsche Aerospace Airbus GmbH und 1995 in Daimler-Benz Aerospace Airbus GmbH.

Als 1997 das Daimler-Benz-Aerospace-/Airbus Werk in Speyer im Rahmen des „Dolores“-Programms verkauft bzw. geschlossen werden sollte, wurde es unter dem Traditionsnamen Pfalz-Flugzeugwerke GmbH (PFW) von den 527 Mitarbeitern eigenverantwortlich übernommen. 2001 verkauften die Mitarbeiter das Unternehmen an den amerikanischen Finanzinvestor Safeguard International Fund.[2] Dieser firmierte das Unternehmen 2006 als PFW Aerospace AG[3]. Die Auszubildenden der Firma bauten aus Traditionsbewusstsein eine Pfalz D.III nach, die seit 2009 im Technik Museum Speyer ausgestellt ist.

PFW Aerospace GmbH[Bearbeiten]

Heute arbeitet das Unternehmen als PFW Aerospace - mit Untertitel Pfalz Flugzeugwerke - weiter im Flugzeugbau; verbaut werden die von PFW Aerospace erstellten Komponenten in große Verkehrsflugzeuge, wie z. B. die gesamte Airbuspalette von A318 - A380 und die Boeing 787; in Militärflugzeuge A310MRTT, Eurofighter Typhoon, Panavia Tornado, EC 135, Westland EH 101 Merlin, Airbus A400M, Nimrod; in Regional- und Geschäftsflugzeuge wie Bombardier CL300, Bombardier Global Express, Bombardier CRJ700 u. CRJ 900, Embraer 170 u. 190, Gulfstream 5. Außerdem ist das Unternehmen im Komponentenbau für Triebwerke, z.B. Trent 700 u. 800, V2500, BR 710, Tay 611, RB 199, Adour und das EJ 200, aktiv.

Spezialisiert ist die PFW u. a. auf Rohrsysteme, Frachtladesysteme, Strukturbauteile u. Komponenten und Schalldämpfung.

Im Jahr 2005 wurden Anteile an der Garner CAD Technik GCT übernommen, die vor allem in dem Bereich Entwurf und Konstruktion von Flugzeugen und Flugzeugsystemen sowie in anderen, ähnlichen Aufgaben und Forschungsaufträgen tätig ist. 2009 wurde GCT vollständig von PFW gekauft und Teil des neuen Geschäftsmodells "Build-to-Spec".

2006 übernahm PFW die Firma Specitubes in Frankreich, zuvor ihr Hauptlieferant für Stahl- und Titanrohre, die weiterhin an den beiden Standorten Nanterre und Samer für den Eigenbedarf, aber auch für eine Vielzahl internationaler Luftfahrtkunden produziert werden. 2008 gründete PFW einen weiteren Produktionsstandort in Xi'an (China) zur Fertigung von Kleinkomponenten.

2011 wurde die Mehrheit an PFW wieder (nach dem Verkauf im Jahr 1997) von Airbus übernommen.[4]

Produzierte Typen im Ersten Weltkrieg[Bearbeiten]

  • A.I - Aufklärer
  • A.II - Aufklärer
  • E.I – Jagdeinsitzer, Eindecker
  • E.II - Jagdeinsitzer, Eindecker
  • E.III - Jagdeinsitzer, Eindecker
  • E.IV - Jagdeinsitzer, Eindecker
  • E.V - Jagdeinsitzer, Eindecker
  • E.VI - Jagdeinsitzer, Eindecker
  • Dr.I – Jagdeinsitzer, Dreidecker
  • Dr.II – Jagdeinsitzer, Dreidecker
  • D.I – Jagdeinsitzer, Doppeldecker
  • D.II - Jagdeinsitzer, Doppeldecker
  • D.III - Jagdeinsitzer, Doppeldecker
  • D.IV - Jagdeinsitzer, Doppeldecker
  • D.VI - Jagdeinsitzer, Doppeldecker
  • D.VII - Jagdeinsitzer, Doppeldecker
  • D.VIII - Jagdeinsitzer, Doppeldecker
  • D.XI - Jagdeinsitzer, Doppeldecker
  • D.XII - Jagdeinsitzer, Doppeldecker
  • D.XIII - Jagdeinsitzer, Doppeldecker
  • D.XIV - Jagdeinsitzer, Doppeldecker
  • D.XV - Jagdeinsitzer, Doppeldecker

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.pfw.de/data_facts.php%3Flang=de&bereich=8&menu=46&submenu=.html
  2. http://de.reuters.com/article/companiesNews/idDEBEE78Q0EI20110927
  3. http://www.pfw.de/index0.php?lang=de Homepage des Unternehmens
  4. http://de.reuters.com/article/companiesNews/idDEBEE78Q0EI20110927

Literatur[Bearbeiten]

  • Günter Kroschel, Helmut Stützer: Die deutschen Militärflugzeuge 1910-18, Wilhelmshaven 1977
  • Kenneth Munson: Kampfflugzeuge 1914–19, Zürich 1968
  • Heinz Nowarra: Die Entwicklung der Flugzeuge 1914-18, München 1959

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Pfalz-Flugzeugwerke – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien