Technik-Museum Speyer

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Technik Museum Speyer, begehbare Boeing 747, Liller Halle
Technik Museum Speyer, begehbare Antonow An-22 Antey
Technik Museum Speyer, U-Boot U 9
Seenotkreuzer John T. Essberger
Transport der Buran (OK-GLI) nach Speyer
OK-GLI-Testpilot Igor Wolk, der deutsche Astronaut Thomas Reiter und US-Astronaut Charlie Duke (zehnter Mann auf dem Mond) bei der Eröffnung der Raumfahrthalle mit der Ausstellung „Apollo and beyond“ mit der Buran OK-GLI am 2. Oktober 2008.

Das Technik-Museum Speyer befindet sich in der Nähe des Speyerer Stadtzentrums am Flugplatz Speyer.

Es präsentiert seit Anfang der 1990er Jahre auf einer Hallenfläche von 25.000 Quadratmetern und 100.000 Quadratmetern Freigelände eine große Anzahl zum Teil besonderer technischer Konstruktionen aus dem Fahrzeug- und Flugzeugbau. Des Weiteren befinden sich auf dem Museumsgelände das so genannte Marinehaus und ein Modellbaumuseum sowie ein IMAX-Filmtheater mit einer 24 Meter durchmessenden kuppelförmigen Leinwand mit einer Projektionsfläche von ca. 1000 Quadratmetern. Im Forum des Museums können sich Besucher kostenlos über die Transporte einiger größerer Ausstellungsobjekte zum Technik Museum Speyer und zum Auto- und Technikmuseum Sinsheim informieren.

Getragen wird das Museum von dem gemeinnützigen eingetragenen Verein Auto & Technik Museum mit weltweit mehr als 2000 Mitgliedern. Direktor und Haupttriebfeder für den starken Ausbau des Museums ist der Unternehmer Hermann Layher, Sohn des Gründers Eberhard Layher.

Das Museum ist durch den sogenannten „City-Shuttle“ an den Speyerer Hauptbahnhof angebunden. Für das Gebiet des Verkehrsverbundes Rhein-Neckar existiert ein Kombiticket.

Vorgeschichte des Geländes[Bearbeiten]

Das Hauptgebäude, die denkmalgeschützte Liller Halle, wurde 1913 im nordfranzösischen Lesquin bei Lille für die Firma Thomson in Houston (USA) erbaut. Während des Ersten Weltkriegs wurde die komplette Halle von deutschen Truppen demontiert und 1915 nach Speyer transportiert, wo sie als Produktionshalle für die Pfalz-Flugzeugwerke aufgebaut wurde. Im Jahr 1913 wurden die Pfalz-Flugzeugwerke gegründet, die auf dem heutigen Gelände des Technik-Museums ein Flugzeugwerk errichteten und bis 1918 dort Flugzeuge produzierten. 1918, nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg, wurden die Pfalz-Flugzeugwerke von französischen Truppen beschlagnahmt und bis 1926 das Gelände als militärischer Automobilpark genutzt. Die letzten französischen Truppen zogen 1930 aus Speyer ab. In den Jahren 1937 bis 1945 wurde das Ensemble als Reparatur- und Überholungswerkstatt für Flugzeuge von den Flugwerken Saarpfalz genutzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gelände von 1945 bis 1984 von der französischen Besatzungsmacht als Kaserne genutzt und weiter ausgebaut. Die so genannte Kaserne Martin wurde zum 30. Dezember 1986 von den französischen Streitkräften an die deutschen Behörden zurückgegeben.

Zunächst gab es Planungen, dort eine Hundertschaft des Bundesgrenzschutzes unterzubringen. Aus dieser Zeit stammt noch der stacheldrahtbewehrte Zaun auf der Südseite. Nachdem diese Pläne verworfen wurden, wurden 1990 die Liller Halle und im Dezember 1992 das 18,5 Hektar große Gelände mit Ausnahme von 1,6 Hektar, auf denen ein Busunternehmen angesiedelt wurde, an die Eigentümer des Technik-Museums Sinsheim verkauft, die in Sinsheim nicht mehr erweitern konnten.

In der Folge wurden zunächst die Liller Halle und dann der Wilhelmsbau renoviert und wie größere Freiflächen für Museumszwecke genutzt. Die ehemalige Kasernenkantine wird als Restaurant genutzt. Das Offiziersgebäude und das Krankenrevier wurden zum Hotel umgebaut. Schließlich wurden zwei IMAX-Kinos und ein großer Eingangsbereich nördlich der Liller Halle angebaut.[1]

Geschichte des Museums[Bearbeiten]

Da im Auto- und Technikmuseum Sinsheim Erweiterungsflächen fehlten, gründete der Verein „Auto & Technik Museum“ Ende der 1990er Jahre eine zweite Ausstellungsfläche auf dem heutigen Gelände des Technikmuseums Speyer. Das Technikmuseum wurde 1991 eröffnet.

1993 erreichte das U-Boot U 9 der deutschen Bundeswehr Ausstellungsgelände. Im selben Jahr wurde in der ehemaligen Werkstatt des Museums eine Marinemuseum eröffnet.

1995 wurde das Hotel am Technik Museum eingeweiht. Das Hotel wurde in den Jahren 1997, 1999 und 2000 erweitert.

1997 wurde mit dem Umbau des Verwaltungsgebäudes der Pfalz-Flugzeugwerke zu dem museumseigenen Wilhelmsbau begonnen. Der Umbau wurde 2000 fertiggestellt. Ebenfalls wurde auf dem Museumsgelände die chinesische Dampflokomotive Qian Jin ausgestellt sowie der IMAX DOME eröffnet.

1999 wurde das Transportflugzeug Antonow An-22 in das Museum transportiert. 2002 wurde eine Boeing 747 („Jumbo Jet“) in Flugposition auf einem Metallgerüst im Technikmuseum montiert.

Im Jahr 2003 wurde auf dem Museumsgelände die Fernsehsendung Das Rasthaus produziert. 2004 wurde dem Museum das Hausboot der Kelly Family gespendet, 2004 wurde ein Forum mit 350 Plätzen für Vorträge und Versammlungen eröffnet und 2008 eine Raumfähre vom Typ Buran ausgestellt. 2010 wurde die Raumfahrtausstellung um eine originale Sojus Raumkapsel erweitert.[2][3]

Hauptattraktionen[Bearbeiten]

Zu den Hauptattraktionen gehören unter anderem das größte in Serie gebaute propellergetriebene Flugzeug der Welt, die Antonow An-22, das U-Boot U 9 der Deutschen Marine, der russische Orbiter Buran und eine Boeing 747-230 mit der Kennung D-ABYM der Lufthansa, die wie ihre linke Tragfläche begehbar ist. Von der auf einem 20 Meter hohen Gestell montierten Jumbojet hat man einen guten Überblick über das Museumsgelände und die angrenzende Stadt Speyer. Fast alle Exponate können auch von innen besichtigt werden.

Raumfahrthalle mit Buran OK-GLI und der Ausstellung Apollo and beyond[Bearbeiten]

Seit dem 2. Oktober 2008 verfügt das Museum über eine Raumfahrthalle, die sich stilistisch am Weltraummuseum der NASA orientiert. Hauptattraktion der Ausstellung ist ein Prototyp der früheren sowjetisch-russischen Raumfähre Buran, die OK-GLI, mit der im Rahmen des Raumfährenprogramms der Sowjetunion in 24 Versuchsflügen das Flugverhalten in der Atmosphäre und die vollkommen ferngesteuerte Landung erprobt wurde. Das Shuttle erreichte Speyer am 11. April 2008 nach einem medienwirksamen Schiffstransport auf dem Rhein per Schubverband. Die Ausstellung Apollo and beyond zeigt die Entwicklung der Geschichte der bemannten Raumfahrt von den Anfängen in den frühen 1960er-Jahren bis zur Internationalen Raumstation (ISS).[4] Neben originalen Raumanzügen, Triebwerken und Bauteilen sowie großen und kleinen Modellen werden auch Gegenstände und Memorabilia gezeigt, die aus dem All und vom Mond wieder mitgebracht wurden. Bebilderte Schautafeln in deutscher und englischer Sprache geben zusätzliche Informationen.

Prototyp der sowjetischen Raumfähre Buran

Weitere Ausstellungsstücke[Bearbeiten]

Chinesische Dampflokomotive „Qian Jin“ 2655
Hanomag-Dampflokomotive G8.1 55 3528
Schweizerische Gebirgslokomotive „Krokodil“ 14 267
Kriegsdampflokomotive 42 1504
LKM-Cfl-Lok auf einem 12-rädrigen SEAG-LS70 Straßenroller
DB-Baureihe V 200.0
Vorserienexemplar der V36, ehemaliges Fahrzeug der Stadtwerke Frankfurt mit Stromabnehmer zur Steuerung von Signalen auf einer Strecke der ehemaligen Frankfurter Lokalbahn
Das Hausboot der Kelly Family

Das Museum Wilhelmsbau[Bearbeiten]

Technik-Museum Speyer, Wilhelmsbau

Das Museum Wilhelmsbau wird auch als eine Schatzkiste bezeichnet, mit deren Hilfe der Besucher in die deutsche Vergangenheit vornehmlich der letzten zwei Jahrhunderte geführt wird. Auf drei Etagen sind unter anderem folgende Exponate ausgestellt:

Im Untergeschoss ist auch eine der größten Sammlungen mechanischer Musikinstrumente zu sehen. Sie umfasst über 100 heute noch spielfähige historische Stücke wie:

Darunter sind historische Instrumente der Firmen Imhof & Mukle, Weber, Popper, Hupfeld, Steinway & Sons und Welte.

Besucher haben die Gelegenheit, einige der Instrumente nach jeweiligem Einwurf eines Geldstücks oder einer vorher gekauften „Museumsmünze“ zum Spielen zu bringen. Dieses Konzept wird auch bei etlichen anderen Exponaten der Ausstellung des gesamten Technikmuseums genutzt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Das große Museumsbuch. Technik Museen Sinsheim und Speyer. Motorbuchverlag, ISBN 3-613-30512-7, 416 Seiten, 800 Abbildungen, gebunden, mit CD, alle Texte in deutscher und englischer Sprache.
  • Militärtechnik – in den Technik Museen Sinsheim und Speyer. 1. Auflage. Motorbuchverlag, 2007, ISBN 3-613-30577-1, 160 Seiten, 300 Farbabbildungen
  • Musikautomaten im Auto & Technik Museum Sinsheim. bzw. Musikautomaten, Moden und Uniformen im Technik Museum Speyer. ISBN 3-9809437-4-7, 192 Seiten, gebunden, mit Audio-CD, alle Texte in deutscher und englischer Sprache;.
  • Heinz Elser, Margrit Elser-Haft, Vladim Lukashevich: Buran – Geschichte und Transport der russischen Raumfähre OK-GLI in das Technik Museum Speyer. 2008, ISBN 3-9809437-7-1, zweisprachig Deutsch und Englisch

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Technik Museum Speyer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vorhabenbezogener Bebauungsplan Nr. 037 D „Technik Museum I“, XVII. Änderung des Flächennutzungsplans, Erläuterungsbericht S. 9 und Altlastengutachten der IABG S. 2
  2. technik Museum Speyer – Der offizielle Führer durch das Technik Museum Speyer mit Lageplan und über 140 Farbbildern, Seite 6-10, 2010 Auto & Technik Museum e.V
  3. Geschichte des Museums – Technikmuseum Speyer, abgerufen am 1. Oktober 2013
  4. Raumfahrtausstellung. Webseite des Technik-Museums Speyer, abgerufen am 23. September 2013.
  5. Friedel-Münch-Ausstellung. Webseite des Technik-Museums Speyer, abgerufen am 23. September 2013.

49.31258.4463888888889Koordinaten: 49° 18′ 45″ N, 8° 26′ 47″ O