Postbeutel

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Beutelspanne in einem Bahnpostwagen der Deutschen Bundespost
moderner Briefbeutel der Deutschen Post AG

Der Postbeutel, seltener auch Briefbeutel, Postsack oder Briefsack genannt, dient zum Transport von Postsendungen wie Postkarten und Briefen. Als Vorgänger zählt das Felleisen. Zu den ältesten Exemplaren gehören die Feldpostbeutel aus dem Dreißigjährigen Krieg,[1] damit zählt er zu den ältesten noch in Gebrauch befindlichen Aufbewahrungsmitteln für Postsendungen. Heute wird für den Transport von Postsendungen meist auf Briefbehälter zurückgegriffen. Der Postbeutel ist von der Briefsammeltasche zu unterscheiden, welche zum Einsammeln der eingeworfenen Sendungen aus Briefkästen dient. Dieser Artikel behandelt hauptsächlich die Postbeutel der Deutschen Bundespost. Postbeutel werden aber auch bei anderen Postdienstleistern verwendet.

Material[Bearbeiten]

Postbeutel bestehen meist aus Leinen, Jute oder ähnlichen Textilgeweben. Bei neueren Beuteln werden auch strapazierfähige Kunststoffgewebe eingesetzt. Bedruckt sind die Beutel mit dem Namen des jeweiligen Postunternehmens. Früher wurden die Postsendungen hauptsächlich in Bahnpostwagen sortiert und in eine sogenannte Beutelspanne, die für jede Leitregion einen Beutel besaß, eingeworfen. Seit der Einführung moderner Postzentren mit Postsortierstraßen werden zum Transport meist Postcontainer eingesetzt. Wenn überhaupt, findet man Postbeutel heute nur noch im internationalen Flugposttransport.

Beutelarten[Bearbeiten]

Die Form der Brief- und Paketpost, die Länge der Beförderungsstrecke, die Art der Beförderungsmittel und der Verwendungszweck bestimmten bei der Deutschen Bundespost Größe, Aufschrift und Beschaffenheit der Beutel.

Briefbeutel[Bearbeiten]

links: Luftpostbeutel, rechts: Briefbeutel

Für den Inlands-, Europa- sowie den Verkehr nach außereuropäischen Ländern waren drei Größen in Gebrauch:

  • I: 125 cm × 41 cm (Länge × Breite)
  • II: 100 cm × 58 cm
  • III: 125 cm × 75 cm

Als Textilgewebe wurde in der Regel graues Leinen verwendet. Aus Mangel an Rohstoffen waren vorübergehend (vor 1952) auch Inlandsbeutel aus Jute zugelassen, die aber wieder durch rundgewebte Leinenbeutel ersetzt wurden, die nahtlos gewebt werden konnten und deren Haltbarkeit fünfmal so groß ist.

Paketsack[Bearbeiten]

Sortierkraft sortiert die Päckchen nach den Bestimmungsorten und wirft diese in die aufgebauten Paketsäcke (1953).

Paketsäcke waren für den Inlands- und Europaverkehr nur in einer Größe von 133 cm × 83 cm bei einem Umfang von 166 cm in Gebrauch. Die Säcke hatten rechteckige Böden, einen Rucksackverschluß mit Lochösen und zwei Handgriffen. Das Fassungsvermögen wurde der körperlichen Leistungsfähigkeit des Personals angepasst und der Umfang daher auf 102 cm reduziert. Damit wurde die Akzeptanz erhöht, da die Zusammenfassung der Pakete in Säcken die Bearbeitung beschleunigte.

Im außereuropäischen Verkehr wurden Paketsäcke in drei Größen benutzt.

  • 120 cm × 45 cm
  • 120 cm × 55 cm
  • 130 cm × 65 cm

Daneben kamen aber auch Überseebeutel in der Größe III (125 cm × 75 cm), die statt Ösen zum Aufhängen über einen Wulstrand verfügen, zum Einsatz.

Luftpostbriefbeutel[Bearbeiten]

Luftpostbriefbeutel mit Abbildung eines Flugzeuges

Luftpostbriefbeutel bestanden aus Leinen oder festem Baumwollgewebe in hellblauer, später grüner Farbe. Sie wurden in fünf Größen von 44 cm × 28 cm bis 100 cm × 58 cm hergestellt.

Innenbeutel[Bearbeiten]

Mit ihnen wurden Ladungsgegenstände, die nachgewiesen oder besonders sorgsam behandelt werden mussten, gesichert von und zur Übergabestelle befördert. Sie waren rot und bestanden aus Baumwollgarn (Nesselstoff). Von den insgesamt vier Größen wurden meist nur die Größe I (40 cm × 25 cm) und die Größe II (60 cm × 35 cm) verwendet.

Versteckbeutel[Bearbeiten]

Sie bestanden aus hellrotem, leichten Leinengarn oder aus Baumwolle in der Größe 50 cm × 40 cm und dienten zum Verpacken von umfangreichen und schweren Drucksachen und Warenproben, von Sendungen in Rollenform sowie von Ortsbriefbunden im Verkehr von Postämtern untereinander. Der Bedarf an Beuteln dieser Art war gering, weil für diesen Zweck meist Inlandsbeutel der Größe I benutzt wurden.

Sonderformen[Bearbeiten]

Feuerrettungssack im Vergleich zum normalen Postbeutel und Luftpostbeutel
Postbeutel der Feldpost der Bundeswehr.

Ladesäcke (früher Kurssäcke) wurden für den Postenaustausch im Bahnpost- und Kraftpostdienst benutzt. Es handelte sich hierbei gewöhnlich um Briefbeutel der Größe III aus festem Leinen. Als Feuerrettungssäcke wurden auch noch brauchbare Briefbeutel oder Säcke ohne Wulstrand verwendet. Beide Sonderformen gehörten zu den Ausstattungsgegenständen der Postämter, die nachzuweisen waren.

Kennzeichnung[Bearbeiten]

Für die Kennzeichnung der Postbeutel der Deutschen Bundespost galt:

  • Brief-, Luftpostbriefbeutel und Paketsäcke trugen in schwarzer Farbe den Aufdruck Deutsche Bundespost und hatten auf der Innen- und Außenseite einen eingewebten Streifen in den Bundesfarben.
  • Luftpostbeutel trugen zusätzlich noch die Bezeichnung Luftpost bzw. später das Piktogramm eines Flugzeugs. Paketsäcke trugen die Aufschrift Paketsack, im Auslandsverkehr wurden diese mit Colis Postaux gekennzeichnet.
  • Innenbeutel trugen nur die Aufschrift Deutsche Bundespost.

Verschluss[Bearbeiten]

Wiederverwendbarer Beutelverschluss

Die Postbeutel wurden meist mit einem wiederverwendbaren Beutelverschluss versehen. Dies war eine aus Plastik oder Blech bestehende Scheibe, an der eine Feder angebracht war. Durch Umwickeln mit der Schnur wurde der Beutel verschlossen. Zusätzlich wurde unter der Scheibe die so genannte Beutelfahne angebracht, auf der der Bestimmungsort vermerkt war. Beutel, die nur mit einer normalen Paketschnur verschlossen waren, wurden mit einem speziellen Briefbeutelmesser geöffnet. Die Beutel mussten zur Entleerung grundsätzlich gewendet werden um sicherzustellen, dass kein Brief im Beutel zurückblieb (sog. Brieffalle).

Logistik[Bearbeiten]

Die Ermittlung des Beutelbedarfs und die Verwaltung der Beutel oblag der Beutelhauptausgleichstelle beim Posttechnischen Zentralamt in Darmstadt, das auch für die Beschaffung zuständig war. Daneben waren bei den großen Post- und Bahnpostämtern Beutelausgleichstellen eingerichtet. Sie regelten den Bedarf und Umlauf in ihrem Versorgungsbereich, der mehrere Oberpostdirektionen umfasste. In jedem Oberpostdirektionsbezirk gab es eine Beutelsammelstelle für den Ausgleich innerhalb des Bezirkes. Einigen dieser Beutelausgleich- und Sammelstellen wurde die Beutelpflege (Unterhaltung und Ausmusterung der Beutel) übertragen. Diese sorgten für die Reinigung und ggf. die Instandsetzung oder Ausmusterung der Beutel. Dazu verfügten sie über die erforderlichen Geräte wie Beutelstopfmaschine und Beutelreinigungsanlage.

Philatelie[Bearbeiten]

Bereits 1969 gab es bei den Berliner Marken zum Weltkongreß des Personals der Post-, Telegrafen- und Telefonbetriebe (IPTT) eine Marke, die Luftpostverladekräfte aus der Schweiz mit Luftpostbeuteln zeigte. Außerdem wurden im letzten Briefmarken-Jahrgang der Deutschen Bundespost Berlin zwei Wohlfahrtsmarken ausgegeben, auf denen u. a. Postbeutel abgebildet waren. In der entsprechenden Bundesausgabe waren in der gleichen Serie nur auf einer Marke Postbeutel abgebildet.

Kunst[Bearbeiten]

Der Künstler Karl Schaper verarbeitete Postbeutel in mehreren seiner Kunstwerke und Bilder, dazu zählen[2]:

  • Das letzte Stück Himmelblau, 1983, Öl auf Postsack, 120×140 cm
  • Soldatenmütze, 1983, Zwei Postsäcke, gefaltet, farbig gefasst, 70×134×58 cm
  • Deutsch-deutscher Dialog, 1984, Spaten, Holzspaten, zwei Postsäcke, Foto, 120×60×15 cm
  • Postamt des Thanatos, 1984, Öl auf Leinwand, 200×300cm (Nach einem Objekt aus vier Holzleitern, Sperrholzplatten, 14 Postsäcken und 27 Holzpostkarten)
  • Hysterisch-hypernationaler Hampelmann oder: Deutsches Gespenst, 1985, Postsäcke, Weidenstangen, Ölfarbe, 202×85×200 cm
  • Römische Hommage an Brecht, 1985, Zwei Postsäcke, farbig gefasst, zwei Äxte, 220×130×15 cm
  • Hommage à Jean Lurçat in Gedanken an zwei deutsche Staaten, 1985/86, Textilien und Postsäcke auf Leinwand (in Zusammenarbeit mit Susanne Schaper), 400×235 cm
  • Römische Wölfin, 1985, Bemalte Postsäcke auf Leinwand, 150×165×8 cm
  • Vorsicht: Schwurhand!, 1985, Zwei Postsäcke, Holztonne, 155×55×40 cm
  • Zwei Säcke, 1991, Öl auf Leinwand, 120×160 cm

Angebliches Amtsdeutsch[Bearbeiten]

In seinem Werk „Früher begann der Tag mit einer Schußwunde“[3] von 1969 erfindet Wolf Wondratschek ein Merkblatt zum § 49 der Allgemeinen Dienstanweisung (ADA), das Unklarheiten im Umgang mit den Begriffen „Wertsack“, „Wertbeutel“, „Versackbeutel“ und „Wertpaketsack“ beseitigen soll.[4] Dieser Text wird seit Jahren als Paradebeispiel der Beamtensprache verbreitet. Dabei wird der Eindruck erweckt, es handle sich um eine amtliche Verlautbarung der ehemaligen Deutschen Bundespost.

„Sollte es sich bei der Inhaltsfeststellung eines Wertsacks herausstellen, dass ein in einem Wertsack versackter Versackbeutel statt im Wertsack in einem der im Wertsack versackten Wertbeutel versackt werden muss, so ist die in Frage kommende Versackstelle unverzüglich zu benachrichtigen.“

angeblich aus einem Merkblatt der Deutschen Post von 1992: Duden – Auf gut Deutsch 2009, Vorsicht Fettnapf, Kalenderblatt vom 18. Dezember 2009

Tatsächlich gab es eine sehr ähnliche Regelung im § 49 der „Dienstanweisung für den Postbetrieb Teil 2“.

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Herbert Leclerc: »Die Postabteilung des Bundespostmuseums« – Abschnitt: Briefkästen und Briefbeutel; S. 30
  2. Katalog: Karl Schaper, Objekte und Bilder
  3. Reihe Hanser, Carl Hanser Verlag 9. Auflage 1978, Titel „Bundespost“ Seite 70
  4. Wolf Wondratschks Merkblatt zum § 49 ADA

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Postbeutel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Ungesicherte Angaben: