Museum für Kommunikation Frankfurt

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Museum für Kommunikation Frankfurt
Museum-fuer-kommunikation-ffm006.jpg
Nam June Paiks Skulptur Pre-Bell-Man vor dem Museum für Kommunikation in Frankfurt am Main
Daten
Ort Frankfurt am Main, Schaumainkai 53 (Museumsufer)
Art Post-, Kommunikationsmuseum
Architekt Günter Behnisch
Eröffnung 31. Januar 1958
Besucheranzahl (jährlich) ca. 120.000
Leitung Dr. Helmut Gold
Website Museum für Kommunikation Frankfurt

Das Museum für Kommunikation Frankfurt wurde am 31. Januar 1958 als Bundespostmuseum eröffnet und gehört zu den ersten Museen am Frankfurter Museumsufer.

Bis 1994 unterstand es dem Bundesministerium für das Post- und Fernmeldewesen und war damit das „Unternehmensmuseum“ der Deutschen Bundespost (DBP). 1990 begann mit der Eröffnung des Neubaus nach dem Entwurf des Stuttgarter Architekten Günter Behnisch ein neues Kapitel in der Geschichte des Bundespostmuseums. Das neue Gebäude läutete mit seiner gläsernen, transparenten Architektur eine inhaltliche Neuausrichtung und Modernisierung des Museums ein, die schließlich in der Umbenennung zum Museum für Kommunikation mündete. Dieser grundlegende Wandel war unmittelbar vom Abschluss der deutschen Postreform und der Privatisierung der DBP beeinflusst.

Seit 1995 gehört das Museum neben den Schwestermuseen in Berlin und Nürnberg zur Museumsstiftung Post und Telekommunikation. Diese öffentlich-rechtliche Stiftung wird in einem Public Private Partnership-Engagement von den beiden Aktiengesellschaften Deutsche Post und Deutsche Telekom getragen.

Geschichte[Bearbeiten]

Briefmarke von 1972 zum einhundertjährigen Jubiläum

Vorgeschichte (1872–1958)[Bearbeiten]

Das Bundespostmuseum ging unmittelbar auf die bedeutende Sammlung des Reichspostmuseums zurück, dessen kriegsbedingt ausgelagerten Bestände als Grundstock des neuen Museums dienten.

Das Reichspostmuseum wurde 1872 von Heinrich von Stephan in Berlin gegründet. Lediglich als „Plan- und Modellkammer“ zur Unterweisung der Postbeamten angelegt wuchs es schnell zur repräsentativen Sammlung an – mit dem globalen Anspruch „die Entwicklung des Verkehrswesens von den Völkern des Altertums beginnend bis zur neuesten Zeit kulturgeschichtlich zu veranschaulichen“.[1] 1898 wurde der eigens für diesen Zweck errichtete Museumsneubau in der Leipziger Straße für den Publikumsverkehr geöffnet.

Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde das Museum, wie auch schon während des Ersten Weltkriegs 1914–1918, geschlossen. Aufgrund der Architektur mit dem hohen Lichthof und den großen Fenstern galt das Gebäude als besonders brandbombengefährdet, so dass ab 1940 bereits Teile der Ausstellung in den Keller des Gebäudes verlegt wurden. Im Sommer 1943 ließ man besonders wertvolle Exponate aufgrund starker Feuchtigkeitsschäden auslagern. Rund die Hälfte der Sammlung blieb im Museumsgebäude, das nach den alliierten Luftangriffen auf Berlin ab 1943 große Teile der Vitrinen und Exponate, die aufgrund ihrer Größe oder wegen des Gewichts nicht transportiert werden konnten, unter sich begrub.

Die ausgelagerten Bestände gelangten bis zum Ende des Krieges nach Thüringen und wurden unter anderem ins Schloss Waltershausen gebracht, das die Reichspost als Erholungsheim nutzte. Während Teile der Briefmarkensammlung, die in einem Bergwerk bei Eisleben eingelagert worden war, bei der Übergabe des Gebiets an die sowjetischen Besatzer von den Amerikanern heimlich nach Hessen überführt wurden, blieben die Objekte in Waltershausen an Ort und Stelle. Im September 1947 wurde die Sammlung offiziell an die Hauptverwaltung für das Post- und Fernmeldewesen im vereinigten Wirtschaftsgebiet (HVPF) übergeben. Kurz darauf richtete man im Schloss die neue Dienststelle des Postarchivs ein, unter der Leitung des Postamtmanns Erwin Müller-Fischer. Erst 1951 wurde die gesamte Sammlung von Schloss Waltershausen nach Frankfurt transportiert, wo seit 1950 das Bundesministerium für das Post- und Fernmeldewesen untergebracht war.

Eröffnung (1958)[Bearbeiten]

Aufgrund der politischen Entwicklungen wuchsen die Überlegungen ein eigenes Postmuseum für Westdeutschland einzurichten, schließlich war das Berliner Reichspostmuseum nicht allein aufgrund der starken Zerstörung weiten Teilen der deutschen Bevölkerung versperrt. Mit der Gründung der Deutschen Bundespost 1954 erhielten die Wünsche für ein Bundespostmuseum Auftrieb und die Frage nach einem geeigneten Standort wurde neu gestellt. Nicht nur West-Berlin und Bonn machten sich große Hoffnung, die Heimat des neuen Museums zu werden. Auch Heidelberg, Karlsruhe und Düsseldorf bemühten sich neben Frankfurt am Main um diesen Posten. Die Wahl fiel schließlich auf Frankfurt, das nicht nur wegen seiner Bedeutung als zentralem Verkehrsknotenpunkt und ob seiner posthistorischen Vergangenheit gewürdigt wurde. Vielmehr sollte das neue Museum auch einen Ausgleich bieten, da der Umzug des Bundesministerium für das Post- und Fernmeldewesen nach Bonn bereits in Gange war.

Am 27. Januar 1955 zog das Postarchiv in die Villa Neufville am Schaumainkai ein und begann sofort mit der Einrichtung einer Ausstellung. Die für den 11. Juni geplante Eröffnung musste allerdings verschoben werden, da sich die bisherigen Mieter, der Suhrkamp Verlag und das Niederländische Generalkonsulat, dem Auszug verweigerten. Schließlich dauerten die Vorbereitungen so lange, dass das Museum erst 1958 vom damaligen Bundespostminister Richard Stücklen eingeweiht werden konnte.


Exponate[Bearbeiten]

Blick vom Erd- ins Untergeschoss
Erstes Obergeschoss mit Kinderwerkstatt im Hintergrund. Die Röhre dient zur spielerischen Sprachkommunikation in der Etagen

Dauerausstellung[Bearbeiten]

Zur Dauerausstellung im Frankfurter Museum gehören:

Sonderausstellung[Bearbeiten]

Auswahl:

  • Angezettelt. Antisemitismus im Kleinformat, 2013.
  • Pop meets Pop. Andy Warhol und die Beatles, bis 31. Juli 2011
  • Spiel mit! 100 Jahre Kinderpost, 11. November 2010 bis 30. Januar 2011
  • Dialog im Stillen – Kommunikation ohne Worte, 7. Oktober 2010 bis 27. Februar 2011
  • Das Sandmännchen ist da! 4. Dezember 2008 bis 22. Februar 2009
  • Motiventwürfe von James Rizzi für die Briefmarken die 2008 von der Deutschen Post herausgekommen sind, bis 2008
  • Pong, pong. mythos, 16. November 2006 bis 21. Januar 2007[4]
  • Das Netz. Sinn und Sinnlichkeit Vernetzter Systeme, 28. Februar bis 1. September 2002
  • Wanderausstellung: X für U – Bilder, die lügen, vom 17. August 2000 bis 15. Oktober 2000
  • Postleitzahlen in aller Welt, vom 9. Februar bis 1. Mai 1977[5]
Historischer Postbus von DAAG aus dem Jahr 1925
Zwei elektrisch angetriebene Bergmann-Paketzustellwagen im Museumsdepot in Heusenstamm
Blick in die Telefonsammlung des Depots

Postbus[Bearbeiten]

Ein komplett restaurierter und fahrbereiter DAAG-Postbus Typ ACO aus dem Jahr 1925 gehört zum Bestand des Museums. Der Bus blieb als einziges Fahrzeug seines Typs erhalten.[6]

Sammlungsdepot Heusenstamm[Bearbeiten]

Alle Exponate, die nicht in einem der Museen für Kommunikation gezeigt werden können, lagern gut archiviert in Heusenstamm (Schwerpunkt: Telekommunikationshistorie und Fahrzeuge) oder in Berlin (Schwerpunkt: Postgeschichte). Das Depot Heusenstamm, in der nach Philipp Reis benannten Straße, kann ebenfalls einmal am ersten Freitag im Monat von März bis November besichtigt werden.[7] Zusätzlich ist das Depot am Internationalen Museumstag geöffnet. Dort befinden sich auf 15.000 Quadratmetern über 375.000 verschiedene Exponate, darunter Postkutschen, historische Kraftfahrzeuge, Telefone, Gemälde, Rundfunkgeräte und viele andere Objekte aus der Geschichte der Nachrichtentechnik.

Gebäude[Bearbeiten]

Altbau[Bearbeiten]

Das Gebäude wurde 1891/1893 als Villa de Neufville von Franz von Hoven errichtet, und dient heute der Verwaltung und der Stiftung als Sitz.

Neubau[Bearbeiten]

Der benachbarte Museumsneubau wurde von Behnisch & Partner entworfen und 1990 eröffnet. Es beherbergt neben den Museumsexponaten auch das Museumscafé und den Museumsshop.

Die Ausstellung wurde um 2000 neu konzeptioniert, vornehmlich um jüngere Entwicklungen zu dokumentieren (z.B. Internet). Jedoch wurde die Kunstausstellung wesentlich verkleinert, und auf wenige Wände reduziert.

Literatur[Bearbeiten]

  • Bodo Michael Baumunk: „Übersicht über die Gestaltung des Verkehrswesens aller Zeiten und Völker“. Die Geschichte des Reichspostmuseum und seiner Sammlungen 1872–1945. In: Sigrid Randa-Campani u.a. (Hrsg.): „… einfach würdiger Styl!“ Vom Reichspostmuseum zum Museum für Kommunikation Berlin. Umschau/Braus, Heidelberg 2000, ISBN 3-8295-7026-0, S. 124–173 (Publikation anlässlich der Museumseröffnung und der Ausstellung „Einfach würdiger Styl! Zur Biographie des Museums“ im Museum für Kommunikation, Berlin)
  • Frank Gnegel (Hrsg.): Museum für Kommunikation Frankfurt. Geschichte, Sammlungen, Architektur. Frankfurt 2008, ISBN 978-3-9808448-8-8
  • Helmut Gold (Hrsg.): Welcome. Ein Rundgang durch das Museum für Kommunikation Frankfurt. Edition Braus, Heidelberg o.J. (2004?), ISBN 3-89904-244-1
  • Archiv für deutsche Postgeschichte; Hrsg. und Verlag: Gesellschaft für deutsche Postgeschichte:
    • Heft: 1/1973
      • Gottfried North: 1872–1972. Von der Plan- und Modellkammer zum Bundespostmuseum,
      • Herbert Leclerc: Die Postabteilung des Bundespostmuseums
      • Wolfgang Klein: Die Fernmeldeabteilung des Bundespostmuseums
      • Helmut Jockel: Das Archiv des Bundespostmuseums
      • Helmut Jockel: Die Bibliothek des Bundespostmuseums
      • Wilhelm Stössel: Das Postwertzeichenarchiv der Deutschen Bundespost

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Museum für Kommunikation Frankfurt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

Automatenmarke mit Sonderstempel aus dem Museum
  1. Katalog des Reichspostmuseums, Berlin 1897. Zitiert nach: Frank Gnegel: Zur Vorgeschichte des Bundespostmuseums 1939–1958. In: Museum für Kommunikation Frankfurt. Geschichte, Sammlungen, Architektur, Frankfurt 2008, ISBN 978-3-9808448-8-8, S. 14
  2. Die Funkstation auf dem Museumsdach. Website des Museums für Kommunikation Frankfurt. Abgerufen am 15. April 2011
  3. DL0DPM Clubstation im Museum für Kommunikation Frankfurt/Main. Website des Ortsvereins Frankfurt (F05) des Deutschen Amateur Radio Clubs. Abgerufen am 15. April 2011
  4. pong. mythos
  5. Deutsche Bundespost, Pressemitteilung Nr. 2/1977, Blatt 3
  6. „Postbus mieten“ des Museums für Kommunikation Frankfurt am Main
  7. Führung im Depot

50.1044444444448.6752777777778Koordinaten: 50° 6′ 16″ N, 8° 40′ 31″ O