Postoloprty

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Postoloprty
Wappen von Postoloprty
Postoloprty (Tschechien)
Paris plan pointer b jms.svg
Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Ústecký kraj
Bezirk: Louny
Fläche: 4651,6716[1] ha
Geographische Lage: 50° 22′ N, 13° 42′ O50.35972222222213.702777777778193Koordinaten: 50° 21′ 35″ N, 13° 42′ 10″ O
Höhe: 193 m n.m.
Einwohner: 4.955 (1. Jan. 2014) [2]
Postleitzahl: 439 42 – 440 01
Kfz-Kennzeichen: U
Verkehr
Bahnanschluss: Postoloprty–Louny
Struktur
Status: Stadt
Ortsteile: 13
Verwaltung
Bürgermeister: Václav Ibl (Stand: 2013)
Adresse: Mírové náměstí 318
439 42 Postoloprty
Gemeindenummer: 566624
Website: www.postoloprty.cz
Lageplan
Lage von Postoloprty im Bezirk Louny
Karte

Postoloprty (deutsch Postelberg) ist eine Stadt im Okres Louny (Bezirk Laun) im Nordwesten von Tschechien.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Ort wurde erstmals in der Chronica Boemorum des Cosmas von Prag als Dorf neben dem Benediktinerkloster der Jungfrau Maria erwähnt.

Auch die etwa 600 m südwestlich vom Ort an der Eger liegende slawische Burgstätte Draguš, die von den Přemysliden auf einem von ihnen eroberten Gebiet des Stammes der Lutschanen errichtet wurde, wird bei Cosmas erwähnt.

Das Kloster, dessen Stifter und Gründungsdatum nicht bekannt sind, erhielt später die Bezeichnung Porta Apostolorum. Von diesem Klosternamen soll die Ortsbezeichnung durch Verballhornung entstanden sein. Das Kloster wurde im Mai 1420 zusammen mit einer reichen Bibliothek, die wertvolle Handschriften enthielt, von den Hussiten niedergebrannt und nicht wieder aufgebaut. Der Klosterbesitz und die Herrschaft wurden durch König Georg von Podiebrad 1454 seinen Söhnen übertragen, von denen es 1480 durch die Freiherrn von Weitmühl erworben wurde. Sebastian von Weitmühl setzte sich dafür ein, dass Postelberg vom König Ladislaus II. den Status einer Untertanenstadt verliehen bekam.

Unter Ferdinand von Schwarzenberg, dem die Herrschaft seit 1692 gehörte, entwickelte sich Postelberg zu einem Mittelpunkt der umfangreichen Besitzungen, die 1846 11.500 ha umfassten. Sie verblieben bis zur Enteignung 1945 im Besitz der Familie Schwarzenberg.

1930 hatte Postelberg 3300 Einwohner, die meist deutschstämmig waren.[3] Seit dem Münchener Abkommen gehörte Postelberg zum von Deutschland annektierten Reichsgau Sudetenland.[4] Nach dem Zweiten Weltkrieg kam Postelberg am 8. Mai 1945 wieder zur Tschechoslowakei zurück.

Postelberg hat zusammen mit der Stadt Brünn den höchsten Verlust an deutschen Menschenleben bei der Vertreibung zu beklagen.[5] Die deutschen Einwohner wurden bis 1946 nach Deutschland vertrieben. Gemäß dem Beneš-Dekret 108 vom 25. Oktober 1945 wurde das Vermögen der deutschen Einwohner konfisziert und unter staatliche Verwaltung gestellt. Eine Restitution des Vermögens ist nicht erfolgt.

Massaker von Postelberg[Bearbeiten]

Ehemalige Kasernengebäude am südlichen Stadtrand
Zufahrt zu den verlassenen Kasernengebäuden

Bei einem Pogrom zwischen dem 3. und 7. Juni 1945, nachdem die seit 8. Mai anwesenden sowjetischen Truppen abgezogen waren, wurden auf dem Kasernengelände mindestens 763 deutsche Männer und Jungen im Alter von 12 bis über 60 Jahre gefoltert und erschossen. Sie stammten – jedenfalls überwiegend – aus der Nachbarstadt Saaz (Žatec) und waren am 3. Juni auf einem Todesmarsch hierher getrieben worden.[6][7] Das von der Ersten Tschechoslowakischen Division unter General Spaniel verübte Massaker wurde 1947 von einer Untersuchungskommission des Parlaments behandelt, die die Exhumierung und Verbrennung der Ermordeten empfahl.[8] Das Beneš-Dekret 115/46 erklärte derlei Handlungen bis 28. Oktober 1945 im Kampfe zur Wiedergewinnung der Freiheit, ... oder die eine gerechte Vergeltung für Taten der Okkupanten oder ihrer Helfershelfer zum Ziel hatte, ... für nicht widerrechtlich.

Im November 2009 beschloss der Stadtrat von Postoloprty, für die Opfer des Massakers ein Denkmal zu errichten, das die Inschrift „Allen unschuldigen Opfern der Ereignisse im Mai und Juni 1945“ tragen soll.[9] Am 3. Juni 2010 wurde auf dem dortigen Friedhof eine Gedenktafel mit obigem Text enthüllt.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

  • 1828: 1125 Einwohner
  • 1921: 3379 Einwohner
  • 1950: 2366 Einwohner
  • 1990: 3578 Einwohner

Ortsgliederung[Bearbeiten]

Die Stadt Postoloprty besteht aus den Ortsteilen Březno (Priesen), Dolejší Hůrky (Horka), Hradiště nad Ohří (Hraidisch), Levonice (Lewanitz), Malnice (Malnitz), Mradice (Mraditz), Postoloprty (Postelberg), Rvenice (Ferbenz), Seletice (Selletitz), Seménkovice (Semenkowitz), Skupice (Skupitz), Strkovice (Sterkowitz) und Vrbka (Ferbka).[10] Das Stadtgebiet gliedert sich in die Katastralbezirke Březno u Loun, Dolejší Hůrky, Hradiště nad Ohří, Levonice, Malnice, Mradice, Postoloprty, Rvenice, Seménkovice, Skupice u Postoloprt, Strkovice und Vrbka u Postoloprt.[11]

Grundsiedlungseinheiten sind Březno, Březno-u cukrovaru, Dolejší Hůrky, Draguš, Hradiště, Levonice, Malnice, Mradice, Nové Postoloprty, Pod Draguší, Postoloprty-střed, Průmyslový obvod-sever, Průmyslový obvod-západ, Rvenice, Seletice, Seménkovice, Skupice, Strkovice, Stříbrník, Šafranice, U hřbitova, U Ohře, U statku und Vrbka.[12]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Auf dem Gelände des Klosters wurde ab 1611 ein Schloss errichtet, das 1706-1718 nach Plänen von Paul Ignaz Bayer im Barockstil umgebaut wurde.
  • Die Kirche Mariä Himmelfahrt wurde 1753 nach Plänen von Andrea Altomontes erbaut.
  • Ein archäologisches Freilandmuseum befindet sich südwestlich des Ortes im Bereich des Dorfes Březno/Priesen am Egerufer. Es zeigt eine Siedlung, die von der Jungsteinzeit bis zur germanischen und frühslawischen Epoche genutzt wurde. Nicht weit davon entfernt befindet sich eine weitere spätjungsteinzeitliche bis bronzezeitliche Siedlung Na Šachtach, die zum Nationalen Kulturerbe der Tschechischen Republik gehört.
  • Unweit des Museums ein als Naturdenkmal geschützter geologischer Aufschluss im Zusammenhang mit dem Auftreten der Böhmischen Kreide (Priesener Schichten).

Geologie[Bearbeiten]

Nach dem heutigen Ortsteil Březno (Priesen) wurden die Priesener Schichten (tschechisch: Březenské souvrství) benannt. Es handelt sich dabei um einen lithostratigraphischen Fachbegriff für Ablagerungen im Bereich vom mittleren Coniacium bis zum unteren Santonium innerhalb der Kreidezeit. Sie bestehen aus den für sie typischen mergeligen Tonen, ferner aus kalkigen Mergeln und Plänern. In den oberen Schichten finden sich mitunter Konkretionen von Siderit und Pyrit. Zu den markanten fossilen Einlagerungen zählen die Ammonitengattung Baculites, weshalb man früher auch von Baculitenmergel oder Baculitentonen sprach.
Bei Březno erreicht diese Schichtenfolge eine Mächtigkeit von über 500 Metern. Hier bilden sie den Hauptteil vom Kreuzberg (Březenský vrch) am rechten Egerufer.[13][14] Das Vorkommen ist seit 1998 wegen seinen paläontologischen und stratigraphischen Besonderheiten ein geschütztes staatliches Naturdenkmal.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

  • Johann I. Nepomuk Anton Joseph Joachim Prokop Fürst zu Schwarzenberg (* 3. Juli 1742 in Postelberg; † 5. November 1789 in Frauenberg in Böhmen) war ein deutsch-böhmischer Adliger aus dem Hause Schwarzenberg.
  • Ludwig Freund (1878-1953), Mediziner und Zoologe in Prag, a.o. Professor 1922, Herausgeber von Lotos – Naturwissenschaftliche Zeitschrift (Deutscher naturwissenschaftlich-medizinischer Verein für Böhmen), später Professur und Institutsleitung in Halle, Arbeiten auf dem Gebiet der Parasitologie, KZ-Überlebender
  • Friedrich Balling (1834-1896), Bergdirektor in Schwarzbach, Bezirk Krumau in Südböhmen, Sohn des Friedrich Balling (1803-1859)

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.uir.cz/obec/566624/Postoloprty
  2. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2014 (PDF; 504 KiB)
  3. Brockhaus Enzyklopädie Bd. 9 (1956)
  4. siehe [1] Liste der Städte im Sudetenland
  5. Bundesministerium für Vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte (Hrsg): Die Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus der Tschechoslowakei. Bd. 1, 2. Weltbild Verlag, 1994, ISBN 3-89350-560-1. Bd.1: 10, 109. Bd.2: 67, 298, 397f., 314, 347, 415.
  6. Wilhelm Turnwald: Dokumente zur Austreibung der Sudetendeutschen. Selbstverlag der Arbeitsgemeinschaft zur Wahrung Sudetendeutscher Interessen, 1951, S. 105–110.
  7. Kurt Hantl: Ich entkam dem Todesblock im Ochsenstall. Junge Freiheit Nr. 31-32, 2010
  8. Hans-Ulrich Stoldt: Mord im Fasanengarten, in: Der Spiegel, Hamburg, Nr. 36, 31. August 2009, S. 66 f.
  9. Mahnmal für ermordete Sudetendeutsche Sächsische Zeitung vom 6. November 2009 sowie Erfolg für Sudetendeutsche, Süddeutsche Zeitung vom 7./8. November 2009.
  10. http://www.uir.cz/casti-obce-obec/566624/Obec-Postoloprty
  11. http://www.uir.cz/katastralni-uzemi-obec/566624/Obec-Postoloprty
  12. http://www.uir.cz/zsj-obec/566624/Obec-Postoloprty
  13. Friedrich Katzer: Geologie von Böhmen. Prag (I. Taussig) 1902, S. 1330
  14. Ivo Chlupáč, et al.: Geologická minulost České Republiky. Praha (Academia) 2002, S. 267, 278 ISBN 80-200-0914-0

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Postoloprty – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien