Progressiv-sozialistische Partei

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Parti socialiste progressiste
Progressiv-Sozialistische Partei
Parteiflagge der Parti socialiste progressiste
Partei­vorsitzender Walid Dschumblat
Gründung 1949 durch Kamal Dschumblat
Haupt­sitz Mokhtara, Libanonberg
Aus­richtung säkular, Demokratischer Sozialismus, Sozialdemokratie
Parlamentsmandate 7 von 128
Website www.psp.org.lb

Die Progressiv-Sozialistische Partei (arabisch ‏الحزب التقدمي الاشتراكي‎ al-Ḥizb at-taqaddumī al-ischtirākī ‚Progressiv-Sozialistische Partei‘, französisch Parti socialiste progressiste, Kürzel PSP) wurde 1949 von Kamal Dschumblat gegründet und ist von Drusen dominiert.

Die Partei ist das zweite libanesische Vollmitglied der Sozialistischen Internationale (neben der bereits seit 1908 bestehenden armenischen Haj Heghapochakan Daschnakzuzjun - Taschnak).

Die PSP strebt einen Weg zum Sozialismus im Rahmen der verfassungsmäßigen Ordnung der libanesischen Republik an.

Geschichte[Bearbeiten]

In den fünfziger und sechziger Jahren war Kamal Dschumblat der Führer der politischen Linken im Libanon, und stand in engen Beziehungen mit zahlreichen linken Anführern von Befreiungsbewegungen in der Dritten Welt. In den 50er Jahren bekämpfte er den pro-amerikanischen Kurs von Präsident Camille Chamoun und Außenminister Charles Malik, lehnte aber auch die Versuche des nach dem Bürgerkrieg 1958 ins Amt eingeführten Präsidenten Fouad Chehab ab, die verschiedenen im Lande aktiven Milizen zu entwaffnen und das Gewaltmonopol des Staates zu festigen. Zusammen mit dem Führer der rechten christlichen Kata'ib-Partei, Pierre Gemayel, stand er in Opposition zu Chehab. Nach 1968 unterstützte Jumblatt zunehmend die bewaffnete Präsenz der PLO im Libanon und brachte damit den Libanon in Konflikt mit Israel und sich selbst in Konflikt mit der von maronitischen Politikern dominierten christlichen Rechten.

Die Miliz der PSP wurde neben der Kata'ib (Phalange) von Gemayel und den PLO-Kräften zur wichtigsten paramilitärischen Gruppe im Libanon, und war nach der Entfesselung des Bürgerkrieges 1975 sehr schnell die wichtigste Kraft im so genannten „muslimischen“ Lager des Krieges (obwohl der PSP bis 1975 auch viele linke libanesische Christen angehört hatten). Dschumblat, der zunächst ein Verbündeter Syriens gewesen war, geriet 1977 in Konflikt mit der Führung des Nachbarlandes, und fiel am 16. März 1977 einem Attentat zum Opfer. Nachfolger als Parteichef wurde sein Sohn Walid Dschumblat. Speziell nach der Invasion Israels 1978 wurde die PSP zunehmend von einer sozialistischen Miliz zu einer hauptsächlich die Interessen der sie tragenden drusischen Familien vertretenden bewaffneten Gruppe. Nach dem Abzug der Israelis aus dem von Drusen und Christen gemeinsam bewohnten Schuf-Gebirge Anfang der 80er Jahre kam es zu ethnischen Säuberungen und der Vertreibung von christlichen Familien aus der Gegend.

Seit dem Bürgerkrieg[Bearbeiten]

Nach dem Ende des Bürgerkrieges unterstützte Walid Dschumblat zunächst die pro-syrische Führung, geriet aber speziell im Zusammenhang mit der so genannten Zedernrevolution wie der sunnitische Ministerpräsident Rafik Hariri immer mehr in Konflikt mit der den Libanon nach wie vor besetzenden Schutzmacht. Am 1. Oktober 2004 überlebte ein Abgeordneter der PSP, Marwan Hamadeh, ein präzise geplantes Bombenattentat. Dies war der erste einer Reihe von politischen Attentaten, denen zahlreiche anti-syrische Politiker zum Opfer fielen. Am 14. Februar 2005 starben bei einem Anschlag Ex-Premierminister Rafiq al-Hariri und der evangelische Christ und ehemalige Wirtschaftsminister Bassel Fleihan, am 2. Juni 2005 der Kolumnist der Zeitung an-Nahar (die der christlichen Familie Tueni gehört) der orthodoxe Christ Samir Kassir und kurz darauf am 21. Juni der langjährige Generalsekretär der libanesischen KP, George Hawi, ebenfalls ein Orthodoxer. Zuletzt wurde am 12. Dezember 2005 der Herausgeber von an-Nahar, Gebran Tueni, durch eine Autobombe getötet. Tueni war orthodoxer Christ, seine Mutter ist eine Schwester des drusischen PSP-Abgeordneten Marwan Hamadeh.

Literatur[Bearbeiten]

  • Kamal Dschumblat: I speak for Lebanon. Zed Press, London 1982, ISBN 0-86232-097-6 (Original auf Französisch unter dem Titel Pour le Liban erschienen, ein Abriss der Geschichte der PSP aus der Sicht ihres Vorsitzenden, zugleich eine Rechtfertigungsschrift für Kamal Jumblatts Verhalten in der Startphase des libanesischen Bürgerkrieges).

Weblinks[Bearbeiten]