Hafiz al-Assad

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Hafiz al-Assad im Jahr 1996

Hafiz al-Assad (arabisch ‏حافظ الأسد‎, DMG Ḥāfiẓ al-Asad, auch Hafis el Assad; * 6. Oktober 1930 in Kardaha; † 10. Juni 2000 in Damaskus) war ein syrischer Politiker und als Generalsekretär der Baath-Partei, Ministerpräsident sowie Staatspräsident von 1970 bis 2000 der Diktator Syriens. Sein „linker“ Nationalismus suchte meist die Unterstützung der Sowjetunion. Nach seinem Tod im Jahr 2000 wurde sein Sohn Baschar al-Assad der neue Machthaber in Syrien.

Ausbildung und sozialer Hintergrund[Bearbeiten]

Assad gehörte der Religionsgemeinschaft der Alawiten an. Als erstes Mitglied seiner Familie erwarb er eine höhere Schulbildung. Da die Familie nicht genug Geld für die Universität aufbringen konnte, besuchte er 1951 die Militärakademie. Dort wurde er – teilweise in der Sowjetunion – zum Piloten ausgebildet.

Assad entstammte einer angesehenen Grundbesitzerfamilie aus dem Dorf Qardaha im alawitischen Kernsiedlungsgebiet um den Dschebel Ansariye. Sein Vater Sulayman al-Assad (1875–1963) war einer von sechs Notablen, die 1933 während der französischen Mandatszeit in einer Stellungnahme an den französischen Ministerpräsidenten Léon Blum die Beibehaltung des autonomen Alawitenstaates neben einem späteren unabhängigen Syrien forderten.[1]

Politik[Bearbeiten]

Hafiz al-Assad (rechts) mit Soldaten an der Golan-Front im Oktober 1973.

Parteikarriere[Bearbeiten]

Assad trat schon als 16-Jähriger in die nationalistisch-sozialistische Baath-Partei ein und gewann in ihr durch seinen militärischen Aufstieg an Einfluss. Bald setzten sich jedoch die Panarabisten durch und führten Syrien 1958 in die Vereinigte Arabische Republik mit Ägypten unter Gamal Abdel Nasser. Assad opponierte gegen diesen Staatenbund, weil durch deren Verstaatlichungspolitik die ägyptische Dominanz wuchs. Mit anderen jungen Offizieren putschte er 1961, die Union wurde aufgelöst. Nach der Revolution des 8. März 1963 bildete die Baath-Partei die Regierung und Assad stieg zum Luftwaffenchef auf.

Aufstieg zum Staatspräsidenten[Bearbeiten]

1966 wurde Assad nach einem neuen Putsch Verteidigungsminister und der eigentlich starke Mann der Regierung. Nach dem verlorenen Sechstagekrieg gegen Israel 1967 diskreditiert, zwang er 1968 Premier Yusuf Zuayyin zum Rücktritt, entmachtete 1969 General Salah Dschadid und putschte 1970 erneut, um die Zivilregierung zu beseitigen. Zunächst wurde er Premier, 1971 auch Präsident[2] (Wiederwahl 1978, 1985 und 1991). Im Jom-Kippur-Krieg von 1973 gelang Syrien lediglich die Rückeroberung eines kleinen Teils der seit 1967 von Israel besetzten Golanhöhen.

Assad stützte seine Macht auf die Armee und den Geheimdienst. Er versuchte das Land zu reformieren und verstärkte dessen Militärmacht. Dadurch geriet Syrien jedoch in Gegnerschaft zu den meisten Staaten der Region und wurde international isoliert. Allerdings bescherte Assads Politik Syrien zum ersten Mal seit der Unabhängigkeit eine beachtliche politische Stabilität. Unter Assads Regierung kam der Libanon 1976 unter syrische Herrschaft. Der Islamismus und die Muslimbrüder wurden unterdrückt, 1982 wurde ihr Aufstand beim Massaker von Hama blutig niedergeschlagen. An diesem Massaker war auch Assads Bruder maßgeblich beteiligt, Rifaat al-Assad (* 1937), der lange Syriens „Nr. 2“ war. 1983 putschte Rifaats Miliz (die Verteidigungsbrigaden) und Teile der Armee. Den folgenden Bürgerkrieg gewann der inzwischen herzkranke „Löwe von Damaskus“; sein Bruder musste ins Exil gehen.

Bronzefarbene Büste vor dem Büro einer Busgesellschaft in Raqqa. Die Zeichnung an der Wand zeigt ebenfalls Assad.

Ein ausgeprägter Personenkult sorgte dafür, dass auf den zentralen Plätzen der größeren Städte des Landes Bronzestandbilder des Präsidenten aufgestellt wurden; Plakate mit seinem Porträt an den Hausfassaden und in jedem öffentlichen und privaten Umfeld waren allgegenwärtig. Die Plakate wurden mittlerweile durch andere ersetzt, die Abbildungen seines Sohnes zeigen.

Im Ersten Golfkrieg zwischen dem Irak und dem Iran von 1980 bis 1988 unterstützte er den Iran, im Zweiten Golfkrieg von 1990 bis 1991 beteiligte er sich an der anti-irakischen Koalition. In den 1990ern näherte sich Assad dem Westen und den konservativen Staaten Arabiens an. Friedensgespräche mit Israel scheiterten jedoch.

Die Menschenrechtsgruppe Human Rights Watch beschuldigte Assad, dass unter seiner Regentschaft Tausende Syrer staatlich ermordet worden seien.[3]

Tod und Nachfolge[Bearbeiten]

Einige Monate nach Assads Tod im Jahr 2000 wurde sein von ihm vorgeschlagener zweiter Sohn Baschar al-Assad mit 34 Jahren sein Nachfolger. Eigens dafür wurde am 10. Juni 2000 die Verfassung geändert und das Mindestalter für den Präsidenten von 40 auf 34 Jahre herabgesetzt. Assads ältester Sohn und eigentlicher Nachfolger Basil al-Assad starb 1994 bei einem Autounfall.

Literatur[Bearbeiten]

  • Moshe Ma’oz, Avner Yaniv (Hrsg.): Syria under Assad. Croom Helm, London 1986, ISBN 0-7099-2910-2.
  • Patrick Seale: Asad of Syria. The Struggle for the Middle East. IB Tauris, London 1988, ISBN 1-85043-061-6.
  • Martin Stäheli: Die syrische Aussenpolitik unter Präsident Hafez Assad. Balanceakt im globalen Umbruch. Steiner, Stuttgart 2001, ISBN 3-515-07867-3.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hafiz al-Assad – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Fouad Ajami: The Syrian Rebellion. Stanford, 2012, S. 19f
  2. Michael Lueders: Die Not diktiert den Wandel. Hafiz al-Assad modernisiert seine Herrschaft und baut den Sohn als Erben auf. in: Die Zeit, Ausgabe 38/1995. Abgerufen am 23. Mai 2011.
  3. Executive Summary. In: Human Rights Watch. 16. Juli 2010, abgerufen am 13. Juli 2012 (englisch).