Protreptikos

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Protreptikos (von altgriechisch προτρεπτικός, „ermunternde“ bzw. „ermahnende“ Schrift) bezeichnet eine antike Gattung philosophischer Werke, auf Deutsch „Werbe-“ oder „Mahnschriften“ genannt, deren Ziel es ist, in allgemeinverständlicher Sprache und Argumentation das Interesse der Leser an der Philosophie zu wecken und ihnen eine erste Einführung in diese zu geben.

Ein bekanntes Beispiel für einen vollständig erhaltenen Protreptikos bildet die Schrift De brevitate vitae („Über die Kürze des Lebens“) des römischen Philosophen und Anhängers der Stoa, Seneca. Sehr einflussreich war Ciceros protreptischer Dialog Hortensius, der den jungen Augustinus so entscheidend beeindruckte, dass dieser sich der Philosophie zuwandte; von diesem Werk sind nur Fragmente erhalten.

Einige Werke zählen nicht nur zur Gattung Protreptikos, sondern führen Protreptikos außerdem als Buchtitel:

  1. Eine nur fragmentarisch erhaltene Schrift des Aristoteles, die wohl zwischen 353 und 348 v. Chr. entstand und zu seinen exoterischen, also zur Publikation bestimmten Werken gehörte; von diesen allesamt verlorenen Texten ist der Protrepktios noch der am besten bezeugte. Aristoteles’ Protreptikos führte nicht nur allgemein in die Philosophie bzw. in das philosophische Leben ein, sondern stellte auch einerseits originär aristotelische Inhalte dar – etwa die Unterscheidung zwischen dynamis und energeia, also Vermögen bzw. Potentialität und Tätigkeit, Aktualität bzw. Wirklichkeit –, andererseits explizit platonische Elemente, wie die Überlegenheit der Seele über den Körper.
  2. Eine vollständig erhaltene Schrift des Neuplatonikers Iamblichos von Chalkis, die offenbar zahlreiche Zitate aus dem Protreptikos des Aristoteles enthält und daher als Hauptquelle zu dessen Rekonstruktion herangezogen wird.
  3. Eine Schrift des Kirchenvaters Clemens von Alexandria, die mit vollem Titel προτρεπτικὸς πρὸς Ἕλληνας (protreptikós prós héllēnas, „Ermahnung an die Griechen“) heißt und zur Bekehrung zum Christentum ermahnt.

Eine der Protreptik sehr ähnliche Gattung klassischen philosophischen Schrifttums ist die Paränese, die jedoch trotz ihrer begrifflichen Unschärfe einen stärker auf ethisches Handeln und die philosophische Praxis zielenden inhaltlichen Schwerpunkt hat.

Literatur[Bearbeiten]

Zu Aristoteles’ Protreptikos

  • Ingemar Düring (Hrsg.): Aristotle’s Protrepticus. An Attempt at Reconstruction. Elanders, Göteborg, 1961.
  • Ingemar Düring (Hrsg.): Der Protreptikos des Aristoteles. Einleitung, Text, Übersetzung und Kommentar. Vittorio Klostermann, Frankfurt am Main 1969, Auszüge online. – Klassische Sammlung und Kommentierung der Fragmente
  • Aristoteles, Protreptikos – Hinführung zur Philosophie. Rekonstruiert, übersetzt und kommentiert von Gerhart Schneeweiß. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2005
  • Ingemar Düring (Hrsg.): Der Protreptikos des Aristoteles. Text, Übersetzung, Kommentar. Klostermann RoteReihe 67, Frankfurt am Main 2014

Zum Protreptikos des Iamblichos

  • Iamblichos, Aufruf zur Philosophie. Erste deutsche Gesamtübersetzung. Mit zweisprachiger Ausgabe von Ciceros Hortensius herausgegeben von Otto Schönberger. Königshausen und Neumann, Würzburg 1984. ISBN 3-88479-143-5

Zu Ciceros Hortensius

  • Marcus Tullius Cicero: Hortensius. Lucullus. Academici libri. Herausgegeben, übersetzt und kommentiert von Laila Straume-Zimmermann, Ferdinand Broemser und Olof Gigon. Artemis-Verlag, München und Zürich 1990. ISBN 3-7608-1657-6