Pumpspeicherkraftwerk Geesthacht

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Pumpspeicherwerk Geesthacht)
Wechseln zu: Navigation, Suche

f2

Pumpspeicherkraftwerk Geesthacht
Speichersee, Blick vom Aussichtsturm in Richtung Süd-Ost
Speichersee, Blick vom Aussichtsturm in Richtung Süd-Ost
Lage
Pumpspeicherkraftwerk Geesthacht (Schleswig-Holstein)
Pumpspeicherkraftwerk Geesthacht
Lage in Schleswig-HolsteinSchleswig-Holstein Schleswig-Holstein
Koordinaten 53° 25′ 40″ N, 10° 23′ 55″ O53.42777777777810.398611111111Koordinaten: 53° 25′ 40″ N, 10° 23′ 55″ O
Land Deutschland
Gewässer Elbe
Daten
Primärenergie Wasser
Leistung 120 MW
Typ Pumpspeicherkraftwerk
Betreiber Vattenfall
Betriebsaufnahme 1958
Turbine 3 × Francis-Turbinen
Website http://kraftwerke.vattenfall.de/powerplant/geesthacht
Stand 2011

Das Pumpspeicherwerk Geesthacht bei Geesthacht an der Elbe dient der schnellen Abdeckung des Strombedarfs zu Spitzenlastzeiten und als Notreserve bei Stromausfällen. Es wurde am 15. Oktober 1958 in Betrieb genommen; es ist das größte seiner Art in Norddeutschland.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Stromüberschüsse - Spitzenbedarf an Strom

Es eignet sich besonders zur Speicherung von Stromüberschüssen, die bei der Gewinnung von Strom aus den regenerativen Energiequellen Wind und Sonne entstehen.

[Bearbeiten] Technik

Schautafel zum Aufbau des Pumpspeicherwerks Geesthacht
Rohrleitungen des Pumpspeicherwerks Geesthacht, Blick von unten

Über drei Rohrleitungen sind drei Sätze aus je einer Pumpe und einer Turbine mit dem etwa 80 m höher gelegenen Speichersee verbunden. Die Turbinen haben eine Leistung von je 40 MW, insgesamt also 120 MW, die Pumpen von je 32 MW. Insgesamt hat der Speichersee ein Volumen von 3.800.000 m³, davon sind 3.300.000 m³ nutzbar. Der bei Geesthacht direkt an der Bundesstraße 5 gelegene Speichersee wird direkt aus der Elbe gespeist. Seine Wasseroberfläche liegt bei vollem Becken auf 90,6 m über NN, das Absenkziel auf 76,6 m über NN. Die von der Staustufe Geesthacht aufgestaute Elbe dient als Unterbecken. Dieses hat einen Speicherraum von 8.210.000 m³. Die mittlere Fallhöhe beträgt 83 m. Insgesamt kann in dem Oberbecken laut Angaben auf der Schautafel ein Energieinhalt von 600 MWh gespeichert werden, das einem Arbeitsvermögen von 534 MWh entspricht. Ursprünglich war ein Ausbau auf die doppelte Leistung geplant (6 Turbinen à 35 MW =210 MW). Stattdessen sind es heute nur drei Turbinen. Der Betreiber des Pumpspeicherwerkes nutzte das Pumpspeicherwerk zwischen 2001 und 2011 kaum noch, weil das Bundesland eine Abgabe auf die Nutzung des Oberflächenwassers aus der Elbe eingeführt hatte, den sog. „Wasserpfennig“, der den Betrieb des Pumpspeicherwerk unrentabel machte. [1] Nach einer Absenkung dieser Abgabe ist das Speicherkraftwerk seit Oktober 2011 wieder vollständig in Betrieb. Die Anlage wird derzeit renoviert, auch ein Ausbau ist im Gespräch, um während Phasen hoher Windstromeinspeisung mehr Strom speichern zu können und damit die Energiewende zu unterstützen.[2]

[Bearbeiten] Oberbecken

Das Oberbecken umfasst eine Fläche von 500 m × 600 m. Es hat einen Ringdamm von ca. 2000 m Länge und ca. 17 m Höhe. Seine 6 m breite Krone liegt auf 92,6  m über NN. Der Damm hat Böschungen, die nach innen 1:2,5 und nach außen 1:3,5 geneigt sind. Man erreicht den Speichersee, an dessen Rand auch ein Aussichtsturm steht, über einen Zugang an der Bundesstraße 5. Vom Turm bietet sich bei gutem Wetter ein Blick bis nach Hamburg und Lüneburg.

[Bearbeiten] Stromerzeugung

Aufgrund von Lastanforderungen werden die Turbinen jährlich etwa 4.800 mal zur Abdeckung der Spitzenlast zugeschaltet. Bereits nach 70 Sekunden läuft die Stromerzeugung mit voller Leistung, die je nach Füllungsgrad des Speichersees bis zu fünf Stunden abgegeben werden kann. Der Wirkungsgrad des Pumpspeicherwerkes beträgt 80 %. Von der für das Hochpumpen und die Speicherung des Wassers im Oberbecken aufgewandten Energie können 80 % durch den Antrieb der Turbinen zurückgewonnen werden. [3] Das Pumpspeicherwerk ist damit die wichtigste Anlage für die Stabilität der Hamburger Stromversorgung. Es ist ein schwarzstartfähiges Kraftwerk, das im Falle eine Komplettausfalls der Stromversorgung die anderen, stilliegenden Kraftwerke wieder hochfahren kann. [4] Es gehörte zu der Hamburgischen Electricitäts-Werke AG, die inzwischen von Vattenfall übernommen wurde. Direkt benachbart ist das Kernkraftwerk Krümmel.

[Bearbeiten] Verbundene Anlagen

Energiepark Geesthacht mit Blick auf die Solarzellen (links)

Neben diesem Pumpspeicherwerk gibt es im Energiepark Geesthacht noch ein Windkraftwerk, das auf der Dammkrone des Speichersees steht, sowie ein Solarkraftwerk, mit deren Energie ebenfalls Wasser in das Oberbecken gepumpt wird. Das Windkraftwerk besteht aus einer Windkraftanlage mit einem Generator von 500 kW Leistung. Es treibt drei Pumpen an, die über Leistungen von 59, 144 und 315 kW verfügen und je nach zur Verfügung stehender Leistung zugeschaltet werden. Bis zu 2040 m³ Elbewasser können damit stündlich hochgepumpt werden. Das Windkraftwerk erzeugt jährlich 1.100 MWh.

Das Solarkraftwerk hat 16 Kollektoren mit 573 m² Fläche und treibt zwei Pumpen mit einer Gesamtleistung von 60 kW an. Das Solarkraftwerk erzeugt jährlich 50 MWh.

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Literatur

  • Josef Frank: Zwei neue Pumpspeicherwerke in Deutschland: Geesthacht und Happurg (ca. 1956)
  • HEW: "Pumpspeicherwerk Geesthacht", Hrsg, Hamburgische Elektrizitätswerke, 1987

[Bearbeiten] Quellen

  1. http://www.bergedorfer-zeitung.de/geesthacht/article44637/Vattenfall_investiert_in_die_Zukunft.html Vattenfall investiert in die Zukunft
  2. Pumpspeicherwerk speichert Windenergie. In: shz.de, 30. November 2011. Abgerufen am 30. November 2011.
  3. Energie auf Vorrat. In: Metropole 4/2011, S. 10-11
  4. Menschen bei Vattenfall. Der Libero. In: Metropole 4/2011, S. 28-29

[Bearbeiten] Weblinks

Meine Werkzeuge
Namensräume
Varianten
Aktionen
Navigation
Mitmachen
Drucken/exportieren
Werkzeuge