Pylaemenes guangxiensis

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Pylaemenes guangxiensis
Pylaemenes guangxiensis, adultes Weibchen

Pylaemenes guangxiensis, adultes Weibchen

Systematik
Ordnung: Gespenstschrecken (Phasmatodea)
Teilordnung: Areolatae
Überfamilie: Bacilloidea
Familie: Heteropterygidae
Gattung: Pylaemenes
Art: Pylaemenes guangxiensis
Wissenschaftlicher Name
Pylaemenes guangxiensis
(Bi & Li, 1994)
Rechts Weibchen von Pylaemenes guangxiensis, links zunächst als Pylaemenes guangxiensis "Taiwan" bezeichnetes Weibchen, welches nun der neu beschriebenen Art Pylaemenes shirakii zugerechnet wird

Pylaemenes guangxiensis ist der bekannteste Vertreter der zu den Gespenstschrecken zählenden Gattung Pylaemenes. Die Art ist in weiten Teilen Ostasiens anzutreffen.

Merkmale[Bearbeiten]

Beide Geschlechter sind flügellos und haben für Gespenstschrecken auffällig kurze Beine. Die Weibchen sind 40 bis knapp 50 Millimetern lang und von gedrungener Gestalt. Ihre Grundfarbe ist meist ein helles Beige oder Braun, welches von fast weißen, braunen und schwarzen Mustern ergänzt wird. Die Körperoberfläche ist mit kleinen, meist schwarzen Tuberkeln besetzt. Der für die Gattung typische Kiel ist in der Mitte der sonst flachen Thoraxoberseite nur schwach und an dessen Seitenrändern deutlich ausgebildet. Auf der nach oben schmaler werdenden Stirn bilden die vier gattungstypischen Erhebungen zwei zur Stirnspitze zusammenlaufende Kanten, die von vorn betrachtet ein Dreieck bilden. Das Abdomen wird bis zu Mitte deutlich breiter und ist bei eierlegenden Weibchen ebenfalls bis zur Mitte seitlich stark erhoben.

Die Männchen sind 38 bis knapp 40 Millimeter lang. Sie sind fast einfarbig mittel- bis dunkelbraun gefärbt und zeigen bei einigen Fundortvarianten kleine dunkle Flecken an der Basis des Abdomens und ein größeres Paar, wie Flügelstummel wirkender Flecken auf dem Metanotum. Vor und hinter den Augen befinden sich paarweise angeordnete, stumpfe Stacheln. Auf der Stirnspitze sitzen zwei deutliche Erhebungen, die sich hinten fast berühren und sich nach vorne unten voneinander entfernen. Am Hinterrand des Mesonotums sitzt ein Paar besonders großer Tuberkeln. Das Abdomen ist im Querschnitt rund. Am Hinterrand des achten Abdominalsegments befindet sich eine mittig sitzende Erhebung. Die Zeichnung beider Geschlechter verblasst mit zunehmendem Alter und die Tiere werden dann zusehends einheitlich hellbraun.[1][2]

Vorkommen und Lebensweise[Bearbeiten]

Das relativ große Verbreitungsgebiet erstreckt sich über die chinesischen Provinzen Fujian, Guangdong, Hainan und das autonome Gebiet Guangxi. Es schließt Hongkong ein und soll bis in den Süden Japans reichen.[1][3]

Die nachtaktiven Tiere sind wie alle Vertreter der Gattung zu einer nahezu perfekten Phytomimese in der Lage, indem sie Beine und Antennen längs zum Körper ausrichten und so kaum von einem kurzen abgebrochenen Ast zu unterscheiden sind. Pylaemenes guangxiensis ist zur Parthenogenese fähig. An vielen Fundorten wurden bisher nur Weibchen gefunden. Etwa sechs Wochen nach der Häutung zur Imago beginnen die Weibchen damit ein bis drei Eier pro Woche zu legen. Diese haben eine Länge und Breite von etwa drei Millimetern und eine Höhe von knapp zwei Millimetern. Sie sind auf der dorsalen Seite stärker gewölbt und haben kurze, mit Widerhaken endende Härchen. Die Mikropylarplatte hat drei Schenkel, von denen einer Richtung Deckel zeigt, während die anderen beiden zirkulär um das Ei verlaufen (Siehe auch Bau des Phasmideneies). Die Eiablage erfolgt am Boden oder in Bodennähe. Oft werden Eier in Rinde geklemmt oder an Moose geheftet. Nach durchschnittlich vier Monaten schlüpfen die Nymphen, die deutliche Kiele längs der Körpermitte und der -ränder haben und schon die gattungstypische hohe und spitze Stirn besitzen. Bis sie zu Imagines herangewachsen sind vergeht gut ein Jahr. Ältere Nymphen sind oft kontrastreicher und farbenfroher gefärbt als adulte Weibchen. Häufig sind bei ihnen rotbraune Töne zu finden.[2][4]

Taxonomie und Systematik[Bearbeiten]

Li Tianshan sammelte 1991 sieben Tiere dieser Art in der chinesische Region Guǎngxī. Im Jahr 1994 beschrieben D. Bi und T. Li anhand dieser Tiere die Art als Datames guangxiensis. Das Artepitheton bezieht sich auf den Fundort. Als Holotypus wurde ein Weibchen am Entomologischen Institut der Chinesischen Akademie der Wissenschaften in Shanghai hinterlegt. Bereits 1935 von T. Shiraki und 1999 von Masaya Okada in Taiwan bzw. Japan gesammelte Exemplare der Art wurden fälschlich als Datames mouhotii (heute gültiger Name Orestes mouhotii) identifiziert. Frank H. Hennemann stellte 1998 die Gattung Datames als Synonym zur Gattung Pylaemenes. Dadurch musste auch Datames guangxiensis der Gattung Pylaemenes zugeordnet werden. Paul D. Brock und Francis Seow-Choen beschrieben im Jahr 2000 Pylaemenes hongkongensis aus Hongkong, die sich wenig später als synonym zu Pylaemenes guangxiensis erwies. Oliver Zompro stellte die Art 2004 in die Gattung Dares und die 1999 von ihm und Ingo Fritzsche beschriebene Dares ziegleri als Synonym zu der von ihm als Dares guangxiensis angesprochenen Art. Brock und Okada beschrieben 2005 Männchen von Pylaemenes guangxiensis und konnten mit diesen nachweisen, dass die Art tatsächlich in die Gattung Pylaemenes gehört und nicht identisch mit Dares ziegleri ist, welche wieder validisiert wurde.[1][2][5][6]

Demnach gibt es folgende Synonyme:[3]

  • Datames guangxiensis Bi & Li, 1994
  • Pylaemenes hongkongensis Brock & Seow-Choen, 2000

Terraristik[Bearbeiten]

Der erste und bisher am weitesten in der Terraristik verbreitete Zuchtstamm geht auf Weibchen zurück, die von Francis Seow-Choen und Paul D. Brock 1996 in Hongkong gesammelt wurden und die sie 2000 als Pylaemenes hongkongensis beschrieben hatten. Ein weiterer parthenogenetischer Zuchtstamm, welcher 2008 aus dem Norden Taiwans eingeführt worden war, wurde zunächst als Pylaemenes guangxiensis "Taiwan" angesprochen. Bei diesen Tieren handelt es sich nach aktuellen Erkenntnissen um die neu beschrieben Art Pylaemenes shirakii.[7][8] Ein sexueller Zuchtstamm aus Japan wird derzeit (Herbst 2013) von mehreren europäischen Züchtern gehalten. Er wurde von Kazuhisa Kuribayashi auf Okinawa gesammelt und wird von diesem als Pylaemenes guangxiensis bezeichnet.[2]

Pylaemenes guangxiensis ist leicht zu halten und zu züchten. Bevorzugt wird eine hohe Luftfeuchtigkeit, die durch eine mit feuchtem Moos abgedeckte Schicht Erde erreicht werden kann. Gefressen werden Blätter von Brombeeren oder andere Rosengewächsen, außerdem auch von Shallon-Scheinbeere (Salal), Eichen, Buchen, sowie von Efeutute und anderen Aronstabgewächsen.[1][2][4][9]

Von der Phasmid Study Group wird Pylaemenes guangxiensis unter der PSG-Nummer 248 geführt.[10]

Bilder[Bearbeiten]

Belege[Bearbeiten]

  1. a b c d Paul D. Brock & Masaya Okada: Taxonomic notes on Pylaemenes Stål 1875 (Phasmida: Heteropterygidae: Dataminae), including of the description of the male of P. guanxiensis (Bi & Li, 1994). Journal of Orthopthera Research 2005, 14(1), S. 23-26
  2. a b c d e Holger Dräger: Gespenstschrecken der Familie Heteropterygidae Kirby, 1896 (Phasmatodea) – ein Überblick über bisher gehaltene Arten, Teil 2: Die Unterfamilie Dataminae Rehn & Rehn , 1839, ZAG Phoenix, Nr. 5 Juni 2012 Jahrgang 3(1), S. 22-45, ISSN 2190-3476
  3. a b Paul D. Brock: Phasmida Species File Online. Version 5.0/5.0 (abgerufen am 27. Oktober 2013)
  4. a b Zuchtanleitung und Infos über Pylaemenes guangxiensis "Taiwan" von Bruno Kneubühler auf phasmatodea.com
  5. Frank H. Hennemann: Ein Beitrag zur Kenntnis der Phasmidenfauna von Sulawesi. Mitteilungen des Museums für Naturkunde, Berlin 1998, Zoologische Reihe 74, S. 95-128
  6. Oliver Zompro: Revision of the genera of the Areolatae, including the status of Timema and Agathemera (Insecta, Phasmatodea), Goecke & Evers, Keltern-Weiler 2004, S. 218-226, ISBN 978-3931374396
  7. Informationen über Pylaemenes guangxiensis "Taiwan" bzw. Pylaemenes shirakii von Bruno Kneubühler auf [1]
  8. George Ho Wai-Chun: Zootaxa 3669 (3): Contribution to the knowledge of Chinese Phasmatodea II: Review of the Dataminae Rehn & Rehn, 1939 (Phasmatodea: Heteropterygidae) of China, with descriptions of one new genus and four new species, Magnolia Press, 2013, S. 201–222, ISSN 1175-5326
  9. Phasmatodea Seite von Oskar V. Conle und Frank H. Hennemann
  10. Phasmid Study Group Culture List (engl.)

Weblinks[Bearbeiten]