Brombeeren

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Brombeeren
Brombeere 0815-23.jpg

Brombeeren (Rubus sectio Rubus)

Systematik
Eurosiden I
Ordnung: Rosenartige (Rosales)
Familie: Rosengewächse (Rosaceae)
Unterfamilie: Rosoideae
Gattung: Rubus
Sektion: Brombeeren
Wissenschaftlicher Name
Rubus sectio Rubus

Die Brombeeren (Rubus sectio Rubus) sind eine Sektion aus der umfangreichen und weltweit verbreiteten Pflanzengattung Rubus innerhalb der Familie der Rosengewächse (Rosaceae). Die Sektion umfasst mehrere tausend Arten, allein in Europa wurden mehr als 2.000 Arten beschrieben.[1][2] Die Früchte werden als Obst verwendet. Das Wort Brombeere hat sich aus dem althochdeutschen Wort brāmberi‚ Dorngebüschbeere oder Beere des Dornstrauchs, entwickelt.

Beschreibung[Bearbeiten]

Habitus, Laubblätter und Früchte
Radiärsymmetrische Blüte mit fünf Kronblättern und vielen Staubblättern von Rubus fruticosus
Reife Früchte
Blüte mit Biene

Erscheinungsbild und Blätter[Bearbeiten]

Brombeer-Arten sind winterkahle oder wintergrüne (und dann im Frühjahr Laub abwerfende) Sträucher oder genau genommen etwas verholzende, ausdauernde krautige Pflanzen mit zweijährigen Zweigen: Die überwinternden Zweige bringen aus ihren Knospen ausschließlich Blütenstände hervor und sterben dann nach dem Fruchten ab. Brombeeren sind häufig Kletterpflanzen (Spreizklimmer) und werden zwischen 0,5 und 3 Meter hoch; die Sprossachsen sind je nach Art oder Sorte mehr oder weniger stachelig und verholzen mit der Zeit. Die dünnen und derben Stacheln dienen als Kletterhilfe und Fraßschutz.

Die wechselständig angeordneten Laubblätter sind in Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Die Blattspreite ist unpaarig drei-, fünf- und siebenzählig gefiedert. Die Fiederblättchen sind gezähnt.

Blütenstände und Blüten[Bearbeiten]

Die Blütezeit reicht von Mai bis August. Erst im zweiten Jahr werden spezielle Seitentriebe gebildet, an deren Ende sich die Blütenstände befinden. Es werden traubige oder rispige Blütenstände gebildet.[3]

Die zwittrigen Blüten sind radiärsymmetrisch und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Der Blütenboden ist vorgewölbt. Es sind fünf Kelchblätter vorhanden. Die fünf freien Kronblätter sind meist weiß, selten rosafarben. Es sind über 20 Staubblätter und viele Fruchtblätter vorhanden.

Früchte[Bearbeiten]

Die bei Reife meist blauschwarzen Früchte sind botanisch gesehen keine Beeren, sondern Sammelsteinfrüchte, die sich aus den einzelnen Fruchtblättern bilden: Jede ihrer kleinen Einzelbeeren ist im Aufbau einer Steinfrucht (zum Beispiel Kirsche) gleich und hat wie diese eine dünne Außenhaut. Tatsächlich beißt man beim Kauen der Früchte auf kleine Steine, in denen auch der Samen der Brombeere zu finden ist. Anders als bei der Himbeere ist die Frucht fest an den Blütenboden gebunden. Die Fruchtreife reicht von August bis September, bisweilen auch bis Oktober.[3] Nach der Fruchtreife sterben die Triebe ab.

Ökologie[Bearbeiten]

Die vegetative Vermehrung geschieht durch Ausläufer, die bei Kleinarten bis 6 Meter lang sein können, auch durch Wurzelsprosse und vor allem durch sich bogig nieder senkende Zweige, die sich bei Bodenkontakt bewurzeln (Absenker).[3] Die Stacheln dienen als Kletterhaken und wohl auch als Fraßschutz. Brombeeren sind typische Spreizklimmer, wobei die wachsenden Zweige sich mit ihren rückwärts gerichteten Stacheln in der Unterlage verhaken und schließlich wegen ihres Gewichts wieder zurücksinken. An geeigneten Standorten können Brombeeren so bis 5 Meter hoch in Bäume klettern und von dort ihre Zweige wieder zum Boden herabhängen lassen. Die Zweige sind meist immergrün und betreiben Photosynthese. Ihr Chlorophyll wird aber oft von einer roten Lichtschutzfärbung überdeckt.[3]

Die Wurzeln der Brombeeren bilden eine VA-Mykorrhiza mit Stickstoff bindenden Fadenbakterien der Gattung Frankia (Actinorhiza) aus.[3]

Die große Formenfülle der Brombeeren beruht auf ihren besonderen Fortpflanzungsverhältnissen. Bei gelegentlichen Kreuzungen können stabile Hybride entstehen, die Samen ohne Befruchtung ausbilden (Apomixis). Bei dieser Art der Fortpflanzung werden die Merkmale der Hybridpflanzen identisch weitergegeben (Klone).

Die vorweiblichen Blüten sind duftlos. Blütenökologisch handelt es sich „Nektar führende Scheibenblumen“, die ein großes Angebot an Pollen hervorbringen. Blütenbesucher sind (auch kurzrüsselige) Bienen, die neben einer Fremdbestäubung auch eine Selbstbestäubung ermöglichen. Daneben können durch Apomixis auch Samen ohne Bestäubung entstehen.[3] Es ist allerdings immer noch eine Bestäubung notwendig, wobei aber nicht die Eizelle befruchtet wird, sondern eine andere Zelle, die daraufhin das für den Embryo im Samen notwendige Nährgewebe ausbildet. Bei den in Deutschland vorkommenden Brombeerarten handelt es sich bis auf zwei Arten um stabile Klone, die vor langer Zeit entstanden sind.

Die Steinfrüchte schmecken durch Traubenzucker und Fruchtsäuren säuerlich; ihre Farbe wird durch Anthocyane hervorgerufen. Sie unterliegt der Verdauungsverbreitung, besonders durch Vögel und auch durch Schnecken.[3] Die blauschwarze Farbe der Außenhaut der Früchte und die rote Farbe des Beerensaftes wird durch Anthocyane verursacht. Der Saft enthält hierbei Cyanidin-3-O-glucosid als Hauptkomponente.

Brombeerblatt mit Herbstfärbung

Vorkommen[Bearbeiten]

Die Brombeer-Arten sind in den gemäßigten Gebieten der Nordhalbkugel von Europa, Nordafrika, Vorderasien und Nordamerika weitverbreitet. Sie bevorzugen sonnige bis halbschattige Lagen, beispielsweise lichte Wälder oder deren Ränder, mit kalk- und stickstoffreichen Böden.

Anbau[Bearbeiten]

Im Anbau werden bei Brombeer-Arten und -Sorten meist stachellose Zuchtformen bevorzugt. Sie benötigen ein Spalier, um sie in ihrem kräftigen Wuchs überschaubar zu halten. Als Pflanzabstand sind mindestens 2 bis 3 Meter wichtig. Ferner ist regelmäßiges Auslichten und Entfernen von Geiztrieben notwendig, um Gestrüppbildung zu verhindern. Nach der Ernte werden die abgetragenen Ruten am Boden abgeschnitten und neue Triebe auf etwa drei bis fünf Zweige je Pflanzenexemplar reduziert.[4]

Verwendung[Bearbeiten]

Die Früchte sind saftig und wohlschmeckend. Brombeer-Früchte eignen sich zum Frischverzehr, als Kuchenbelag und um Marmelade, Gelee, Sorbet, Saft, Wein und Likör zu bereiten. Die frischen Früchte können außerdem durch Tiefkühlen konserviert werden.[5]

Wegen des angenehmen Geschmacks sind Brombeerblätter in vielen Tees enthalten. Brombeertee kann als Haustee auch über längere Zeit gefahrlos getrunken werden. Die fermentierten Laubblätter der Brombeer-Arten dienen als Ersatz für chinesischen Tee und werden als coffeinfreier Frühstückstee gehandelt.

Pharmakologie[Bearbeiten]

Getrocknete Blätter der Echten Brombeere als Arzneimittel (Rubi fruticosi folium)

Nach Plinius sind Früchte und Blüten harntreibend, ein Aufguss in Wein hilft gegen Gallensteine.[6] John Gerard empfahl in seinem Herbal einen Absud aus Brombeerblättern mit Alaun, Honig und ein wenig Weißwein als Spülung für wunde Stellen im Mund und an den Geschlechtsteilen von Mann und Frau. Außerdem helfe dies gegen Zahnausfall.[6] Aufgrund des Gerbstoffgehaltes eignen sich die Brombeerblätter auch bei Durchfallerkrankungen. Diese Wirkung erkannte schon der griechische Arzt Pedanios Dioscurides, der in seinem Werk materia medica diese Anwendung beschrieb.

Als Arzneimittel dienen heute die getrockneten Blätter (Bezeichnung der Droge ist Rubi fruticosi folium) schwach behaarter Arten. Sie enthalten Gerbstoffe (Gallotanine und dimere Ellagitannine), Flavonoide und Fruchtsäuren wie Zitronensäure und Isozitronensäure und etwas Vitamin C. Aufgrund des Gerbstoffgehalts wird die Arznei als Adstringens und Mittel gegen Durchfall, zum Gurgeln bei Entzündungen im Mund- und Rachenraum, aber äußerlich auch zu Waschungen bei chronischen Hauterkrankungen verwendet.

Literatur[Bearbeiten]

  • Simon Ašič: Pater Simons Hausapotheke. Heilpflanzen und Rezepte aus Natur und Klostergarten.. Kosmos, Stuttgart, 2004, ISBN 3-440-09965-2, S. 36 (aus dem Slowenischen übersetzt von Anton Kovačič).
  • Karl Hiller, Matthias F. Melzig: Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen. 2. Auflage. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2010, ISBN 978-3-8274-2053-4, 659 S.
  • C. Kalkman: Rosaceae. In:  Klaus Kubitzki (Hrsg.): The Families and Genera of Vascular Plants. Volume 6: Flowering Plants, Dicotyledons: Celastrales, Oxalidales, Rosales, Cornales, Ericales, Springer, Berlin/Heidelberg/New York 2004, ISBN 3-540-06512-1, S. 370 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  • Anfred Pedersen, Heinrich E. Weber, Hans Oluf Martensen (Mitarb.), Eckhart Walsemann (Mitarb.): Atlas der Brombeeren von Niedersachsen und Bremen (Gattung Rubus L. subgenus Rubus). In: Naturschutz und Landschaftspflege in Niedersachsen. Band 28, Niedersächsisches Landesamt für Ökologie, Naturschutz, Hannover 1993, ISBN 3-922321-64-X, 202 S.
  • Ingrid Schönfelder, Peter Schönfelder: Das neue Handbuch der Heilpflanzen. Franckh-Kosmos, Stuttgart 2004, ISBN 3-440-09387-5.
  • Heinrich E. Weber: Rubus L. In: Werner Rothmaler (Begr.), Eckehart J. Jäger, Klaus Werner (Hrsg.): Exkursionsflora von Deutschland, Band 4, Gefäßpflanzen: Kritischer Band. 9. völlig neu bearb. Auflage. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg/Berlin 2002, ISBN 3-8274-0917-9. S. 361–402.
  • Heinrich E. Weber: Gebüsche, Hecken, Krautsäume (Ökosysteme Mitteleuropas aus geobotanischer Sicht). Eugen Ulmer, Stuttgart-Hohenheim 2003, ISBN 3-8001-4163-9, 256 S.
  • Heinrich E. Weber: Brombeeren. In: Ökoporträt. Band 39, Nr. 3, 2005, S. 1–4.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Heinrich E. Weber: Rubus L. In: Werner Rothmaler (Begr.), Eckehart J. Jäger, Klaus Werner (Hrsg.): Exkursionsflora von Deutschland, Band 4, Gefäßpflanzen: Kritischer Band. 9. völlig neu bearb. Auflage. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg/Berlin 2002, ISBN 3-8274-0917-9. S. 361–402.
  2. C. Kalkman: Rosaceae. In:  Klaus Kubitzki (Hrsg.): The Families and Genera of Vascular Plants. Volume 6: Flowering Plants, Dicotyledons: Celastrales, Oxalidales, Rosales, Cornales, Ericales, Springer, Berlin/Heidelberg/New York 2004, ISBN 3-540-06512-1, S. 370 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  3. a b c d e f g Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands und angrenzender Länder. Die häufigsten mitteleuropäischen Arten im Porträt. 7., korr. u. erw. Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2011, ISBN 978-3-494-01424-1.
  4. BdB Handbuch Teil VI, Obstgehölze. 6. Auflage. Fördergesellschaft „Grün ist Leben“ Baumschulen, Pinneberg 1985.
  5. Ernst Schneider: Nutze die Heilkraft unserer Nahrung. 7. Auflage. Saatkorn, Hamburg 1992, ISBN 3-8150-1636-3.
  6. a b John Gerard: The Herball or Generall Historie of Plantes. London, John Norton 1597, 1092

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rubus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Brombeere – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen