Römische Kamille

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Römische Kamille
Römische Kamille (Chamaemelum nobile)

Römische Kamille (Chamaemelum nobile)

Systematik
Ordnung: Asternartige (Asterales)
Familie: Korbblütler (Asteraceae)
Unterfamilie: Asteroideae
Tribus: Anthemideae
Gattung: Römische Kamillen (Chamaemelum)
Art: Römische Kamille
Wissenschaftlicher Name
Chamaemelum nobile
(L.) All.

Die Römische Kamille (Chamaemelum nobile) ist eine Pflanzenart der Korbblütler (Asteraceae). Sie wird ähnlich wie die Echte Kamille als Heilpflanze verwendet.

Merkmale[Bearbeiten]

Blütenköpfchen
Römische Kamille

Die Römische Kamille ist eine ausdauernde, krautige Pflanze, die intensiv aromatisch riecht. Sie erreicht Wuchshöhen von 15 bis 30 cm, ist zerstreut behaart und hat verzweigte Blütensprosse und kurze sterile Sprosse.

Die Blätter sind sitzend, haben einen länglichen Umriss und sind zwei- bis dreifach fiederschnittig. Die einzelnen Abschnitte sind linealisch und spitz.

Die Blütenköpfchen stehen einzeln endständig und sind lang gestielt. Ihr Durchmesser beträgt 18 bis 25 mm. Die Hülle der Körbchen ist 4 bis 6 mm lang und halbkugelig. Die Hüllblätter stehen in wenigen Reihen, sind länglich bis verkehrt-eiförmig, angedrückt behaart, grün, breit und mit einem durchscheinenden Hautrand. Der Boden der Köpfchen ist kegelförmig und markig. Die Spreublätter sind spatelförmig, stumpf und haben einen grünen Mittelstreifen und einen durchsichtigen Rand.

Die Zungenblüten sind weiblich, rund 10 mm lang und weiß. Recht häufig fehlen sie auch. Die Röhrenblüten haben eine gelbe Krone, die am Grund rundum eine schiefe Aussackung besitzt. Blütezeit ist Juni bis Oktober.

Die Früchte sind rund 1 bis 1,3 mm lang, haben einen rundlichen Querschnitt und sind glatt und bräunlich.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 18.

Inhaltsstoffe[Bearbeiten]

Die Römische Kamille enthält vor allem Sesquiterpenlactone, hauptsächlich Nobilin. Daneben Flavonoide, (−)-Pinen, Limonen und Bisabolol.[1]

Verbreitung[Bearbeiten]

Die Art kommt in Westeuropa vor, nördlich bis Nordirland. In Südeuropa und im mittleren Südeuropa ist sie teilweise eingebürgert, ebenso in Nordwest-Afrika.[2] In Mitteleuropa sind ihre östlichsten Vorkommen in Belgien, ansonsten kommt sie nur selten verwildert vor.

Systematik[Bearbeiten]

Ungültige Synonyme für die Art sind: Anthemis nobilis L., Ormenis nobilis (L.) J. Gay und Chamomilla nobilis (L.) Godr.

Trivialnamen[Bearbeiten]

Für die Römische Kamille sind oder waren, zum Teil nur regional, auch die Bezeichnungen die alleredelst Chamill, Gartenkamille (Schweiz), Härmelchen (Meißen), Kuhmelle (Franken), Romer, Romey und Tramilbenblume gebräuchlich.[3]

Nutzung[Bearbeiten]

Medizinisch[Bearbeiten]

Römische Kamille in Form der Blütendroge (Chamomillae romanae flos)

Die Römische Kamille wird in Westeuropa, besonders in Frankreich, Belgien und Großbritannien, wie die Echte Kamille verwendet. Verwendet werden die Blütenköpfchen, die als Droge (Chamomillae romanae flos) einen Mindestgehalt an ätherischen Ölen aufweisen müssen. Anwendungsgebiete sind - wiederum vor allem in Westeuropa - Menstruationsbeschwerden und als Karminativum bei Verdauungsproblemen. Weiters bei Nervosität, Hysterie und allgemeiner Schwäche. Äußerliche Anwendungen (Aufgüsse) erfolgen zur Wundspülung, bei Entzündungen etwa im Mundbereich.[4]

Mit warmen Aufgüssen kann blondes Haar aufgehellt werden.[5]

Gartenbau[Bearbeiten]

Es sind zwei Kulturformen der Römischen Kamille bekannt:

  • die nicht blühende Englische Rasenkamille (Chamaemelum nobile „Treneague“).
  • die Römische Rasenkamille (Chamaemelum nobile v. ligulosa, Chamaemelum nobile „Pleno“, Chamaemelum nobile „Flore Pleno“) mit weißen Blüten.

Beide sind gut geeignet, um einen Duftrasen anzulegen. Anstelle von Rasen werden flache, duftende Kräuter wie die Rasenkamillen gepflanzt. Diese breiten sich von selbst aus und bilden dichte Polster.

Beide Sorten sind steril. Stattdessen breiten sie sich über Bodentriebe aus, die schnell Wurzeln bilden.[6]

Belege[Bearbeiten]

  • Siegmund Seybold (Hrsg.): Schmeil-Fitschen interaktiv (CD-Rom), Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2001/2002, ISBN 3-494-01327-6

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Werner Aberer: Kontaktallergie und Arzneipflanzen. JDDG, Band 6, 2008, S. 15–24. [DOI: 10.1111/j.1610-0387.2007.06425.x (online)]
  2. Simon, Jelitto, Schacht: Die Freiland–Schmuckstauden, Bd. 1, S. 209, Ulmer, 1990, ISBN 3-800163-78-0
  3. Georg August Pritzel, Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze. Philipp Cohen, Hannover 1882, Seite 31, online.
  4. Thomas Schöpke: Römische Kamille, in Arzneipflanzenlexikon, abgerufen 3. Mai 2008.
  5. Avril Rodway: Kräuter und Gewürze. Die nützlichsten Pflanzen der Natur - Kultur und Verwendung. Tessloff Verlag, Hamburg 1980, ISBN 3-7886-9910-8
  6. Mein Schöner Garten

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Römische Kamille – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien