Rainer Schwarz (Flughafenmanager)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Rainer Schwarz (* 11. Dezember 1956 in Kettwig) ist ein deutscher Flughafenmanager. Von 2006 bis 2013 war er Sprecher der Geschäftsführung der Berliner Flughäfen.

Ausbildung[Bearbeiten]

Nach dem Abitur studierte er 1975 bis 1981 Betriebswirtschaftslehre an der Freien Universität Berlin und der University of Connecticut, USA. Sein Studium schloss er mit dem Grad eines Diplom-Kaufmanns ab. 1987 promovierte er an der Universität Bayreuth zum Dr. rer. pol.[1] 2008 verlieh ihm die Technische Hochschule Wildau nach zweijähriger dortiger Lehrtätigkeit den Titel eines Honorarprofessors.

Berufliches Wirken[Bearbeiten]

Von 1983 bis 1984 war Schwarz an der Universität Bayreuth beim Lehrstuhl für Finanzwirtschaft und Bankbetriebslehre als Wissenschaftlicher Assistent tätig. Anschließend war er bis 1988 Geschäftsführer des Betriebswirtschaftlichen Forschungs-Zentrums für Fragen der Mittelständischen Wirtschaft in Bayreuth, bevor er von 1988 bis 1996 beim Flughafen München tätig war: erst als Abteilungsleiter der Hauptabteilung Finanz- und Rechnungswesen, dann als Abteilungsleiter innerhalb der Hauptabteilung Marketing und Vertrieb und schließlich als Bereichsleiter Marketing und Vertrieb.

1996 wechselte er als Geschäftsführer zum Flughafen Nürnberg. 2001 übernahm er beim Flughafen Düsseldorf eine Position als Geschäftsführer und stieg 2002 zum Vorsitzenden der Geschäftsführung auf. Zum 1. Juni 2006[2] wurde er zum Sprecher der Geschäftsführung (vergleichbar einem Vorstandsvorsitzenden) der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH ernannt.[3] Ende 2010 wurde sein Vertrag um fünf Jahre, bis Ende 2016, verlängert.[2] Seine Vergütung lag zuletzt bei 318.000 Euro.[4]

Nach drei[4] Verschiebungen des Eröffnungstermins für den neuen Hauptstadtflughafen aufgrund baulicher Mängel wurde Schwarz im Januar 2013 zunächst beurlaubt.[5] Die fristlose Kündigung folgte im Juni 2013.[5] Gegen Fürsprecher Schwarz' seitens der Gesellschafter Berlin und Brandenburg hatte sich der Bund mit der Forderung, Schwarz abzulösen, zuvor nicht durchsetzen können.[4] Die Kündigung wurde im Februar 2014 unter Angabe weiterer Gründe erneuert.[5]

Eine juristische Prüfung sollte etwaige Schadenersatzansprüche gegen Schwarz klären.[2] Dieser reichte im Gegenzug im September 2013 vor dem Berliner Landgericht Klage auf eine Fortzahlung seines Gehaltes bis zum Jahre 2016 ein. Insgesamt geht es hierbei um eine Summe von 1,7 Millionen Euro.[6] Das Berliner Landgericht erklärte die Kündigungen mit Urteil vom 23. Oktober 2014 für unwirksam. Objektiv gesehen sei bereits zum Jahreswechsel 2011/2012 klar gewesen, dass der Flughafen nicht wie geplant im Juni 2012 eröffnet hätte werden können. Mit der erst im Januar 2013 ausgesprochenen Beurlaubung sei der Kündigungsgrund verfristet, da die Kündigung nicht binnen zwei Wochen ausgesprochen wurde. Schwarz hat damit Anspruch auf seine Bezüge zwischen der Kündigung, im Juni 2013, und dem Vertragsende, am 31. Mai 2016. Dabei handelt es sich um ein monatliches Grundgehalt von 29.263 Euro sowie Zuschüssen für Krankenversicherung und Altersvorsorge.[5] Die Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg legte Berufung gegen das Urteil ein.[7]

Am 4. Dezember 2014 sagte Schwarz vor dem BER-Untersuchungsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses, der die Ursachen des Flughafen-Missmanagements weiter klären soll, aus. An frühe Warnungen von externen Gutachtern vor Termin- und Kostenrisiken am BER könne er sich nicht erinnern. Er wies jede Mitschuld an den Verzögerungen von sich. Der Ausschuss konstatierte Widersprüchlichkeiten in seinen Aussagen. Sein Auftreten vor dem Ausschuss wurde hinterher von Ausschussmitgliedern aus verschiedenen Parteien (Piratenpartei, CDU, Linke) als „respektlos“, „arrogant, frech bis patzig“ beschrieben.[8]

Ab dem 1. Dezember 2014 ist er Geschäftsführer des Flughafen Rostock-Laage.[5]

Sonstige Ämter[Bearbeiten]

Von 1995 bis 1997 war er im Airports Council International (ACI – Europe) als Vice Chairman of the Marketing & Commercial Strategy Committee tätig.

Privatleben[Bearbeiten]

Rainer Schwarz ist verheiratet und Vater zweier Kinder.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Rainer Schwarz: Die Börseneinführungspublizität neuemittierender Unternehmen. Lang, Frankfurt am Main 1988. ISBN 3-631-40614-2. (Erschienen in: Betriebswirtschaftliche Forschungsbeiträge, Bd. 6. Zugleich Dissertationsschrift an der Universität Bayreuth, 1987.)
  2. a b c  Silke Kersting: Mit dem Amt überfordert. In: Handelsblatt. Nr. 12, 17. Januar 2013, ISSN 0017-7296, S. 47.
  3. Rainer Schwarz zum neuen Chef der Berliner Flughäfen bestellt. Pressemitteilung der Berliner Flughäfen vom 9. Dezember 2005. (Enthält Lebenslauf), abgerufen am 7. Januar 2009.
  4. a b c  Silke Kerstling: Tiefer Fall. In: Handelsblatt. Nr. 86, 6. Mai 2013, ISSN 0017-7296, S. 5.
  5. a b c d e  Thomas Fülling: BER: Ex-Chef bekommt weitere 1,2 Millionen. In: Berliner Morgenpost. Nr. 290, 24. Oktober 2014, S. 1, ZDB-ID 749437-3 (online).
  6. 1,7 Millionen Euro: Ex-Flughafenchef Schwarz klagt auf Gehalt bis 2016. Spiegel Online, 17. September 2013, abgerufen am gleichen Tage.
  7. Berufung beim Landgericht eingelegt - Flughafengesellschaft will Schwarz nicht kampflos abfinden. rbb aktuell, 15. Dezember 2014, abgerufen am 15. Dezember 2014.
  8. Ex-BER-Chef vor dem Untersuchungsausschuss - Schwarz gibt sich "arrogant, respektlos und patzig". rbb aktuell, 13. Dezember 2014, abgerufen am 13. Dezember 2014.