Ramón María Narváez

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Ramón María Narváez (1849)

Ramón María Narváez Campos (* 4. August 1800 in Loja; † 23. April 1868 in Madrid), seit 1844 Herzog von Valencia, war ein spanischer Militär und Politiker. Er war zwischen 1844 und 1868 mehrfach spanischer Ministerpräsident und führender Kopf der Gemäßigten (konservativen) Partei während der Herrschaft Isabellas II..

Narváez, der aus altem Adel stammte, trat 1814 in die königliche Garde ein. Bei der Revolution von 1820, die Spanien die von Ferdinand VII. abgeschaffte Verfassung von 1812 zurückbringen sollte, schlug er sich auf die Seite der Liberalen. Er kämpfte 1822 unter Francisco Espoz y Mina in Katalonien, wo er verwundet und von der „Cien Mil Hijos de San Luis“ (dt. Zehntausend Söhne des Hl. Ludwig) genannten französischen Invasionsarmee gefangengenommen wurde. Bis 1824 blieb er in Frankreich und lehnte während der Herrschaft Ferdinands VII. sämtliche ihm angebotenen Ämter ab.

Erst nach Ferdinands Tod 1834 trat er wieder in die spanische Armee ein. Auf Seiten der isabellinischen Partei tat er sich im ersten Carlistenkrieg hervor, namentlich 1836 bei der Verfolgung des karlistischen Generals Gómez. Bereits 1836 wurde Narváez Brigadegeneral, 1838 Generalkapitän von Altkastilien und Oberbefehlshaber einer Reservearmee. Bis 1840 stand er auf Seiten des liberalen Generals Espartero, wandte sich aber um diese Zeit von ihm ab und schloss sich der von der Königin Maria Christina bevorzugten, gegen Volkssouveränität eintretenden konservativeren politischen Richtung der Moderados (dt. Gemäßigte) an, als deren eigentlicher Führer er zwei Jahrzehnte hindurch gelten konnte.

Ramón María Narváez y Campos von Vicente López im Musée de la Légion d'Honneur, Paris

1841 musste Narváez nach dem vergeblichen Versuch, den mittlerweile als Regenten amtierenden Espartero durch eine vom südlichen Spanien ausgehende Erhebung unter Beteiligung des Generals Fernández de Córdova zu stürzen, nach Frankreich flüchten. 1843 gelang ihm der Sturz Esparteros, nachdem er von Frankreich aus in Valencia gelandet war, von wo aus er nach Madrid zurückkehrte. Am 23. Juli 1843 besiegten seine Truppen in Torrejón de Ardoz bei Madrid die Truppen Esparteros, der daraufhin entmachtet wurde und sich nach England ins Exil begab. Narváez erhielt zunächst kein Regierungsamt, war jedoch ein bedeutender Akteur der Folgezeit, in der die damals 13-jährige Isabella II. für volljährig erklärt wurde, womit es keines neuen Regenten bedurfte. De facto gewann damit die mit Narváez und den Moderados verbündete Königinmutter María Christina, die 1840 von Espartero aus dem Amt der Regentin verdrängt worden war, erneut an Einfluss. Nachdem er den Einfluss der Teile der progressiven Partei, die ihm beim Sturz Esparteros unterstützt hatten (unter anderem den seit Esparteros Sturz amtierenden Ministerpräsidenten Joaquín María López López), zurückgedrängt hatte, wurde er im Mai 1844 von der nun amtierenden Königin Isabell II. zum Ministerpräsidenten ernannt und zum Herzog von Valencia erhoben.

Er wurde jedoch bereits am 10. Februar 1846 als Ministerpräsident entmachtet und als spanischer Botschafter nach Paris gesandt. Kurz darauf wurde er nach Madrid zurückberufen und am 4. Oktober 1847 erneut Ministerpräsident. Königin Maria Christina, die nach ihrer Rückkehr aus dem Exil großen Einfluss auf ihre Tochter Isabella II. hatte, entzog ihm zwei Jahre später erneut ihre Gunst, so dass Narváez sich am 10. Januar 1851 genötigt sah, sein Amt niederzulegen und sich erneut nach Frankreich zu begeben. Nach dem Putsch von Leopoldo O’Donnell war Narváez von Oktober 1856 bis Oktober 1857 erneut Ministerpräsident. Ein weiteres Mal hatte er das Amt von September 1864 bis Juni 1865 inne.

Narváez bekämpfte an der Spitze der königstreuen Truppen einen Militäraufstand im Juni 1866 in Madrid und wurde im Juli von der Königin erneut mit der Regierungsbildung beauftragt. Seine Politik war davon geprägt, jede Art von revolutionären, also republikanischen und demokratischen Bewegungen, unterdrücken zu wollen. Seine Strenge und als Willkür wahrgenommene Maßnahmen trugen dazu bei, die Königin und ihr Regime unbeliebter zu machen. Den Sturz der Königin Isabel, zu dem seine repressive Politik unfreiwillig beitrug, erlebte Narváez selbst nicht mehr. Er starb im April 1868 im Amt, bevor die Königin im September 1868 gestürzt wurde.

Vorgänger Amt Nachfolger
Luis González Bravo Regierungspräsident Spaniens
1844–1846
Manuel Pando Fernández de Pinedo
Manuel Pando Fernández de Pinedo Regierungspräsident Spaniens
1846
Francisco Javier Istúriz Montero
Florencio García Goyena Regierungspräsident Spaniens
1847–1849
Serafín María de Soto
Serafín María de Soto Regierungspräsident Spaniens
1849–1851
Juan Bravo Murillo
Leopoldo O’Donnell Regierungspräsident Spaniens
1856–1857
Francisco Armero Peñaranda
Alejandro Mon Menéndez Regierungspräsident Spaniens
1864–1865
Leopoldo O’Donnell
Leopoldo O’Donnell Regierungspräsident Spaniens
1866–1868
Luis González Bravo


Meyers Dieser Artikel basiert auf einem gemeinfreien Text aus Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage von 1888–1890.
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