Religionsparodie

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Das unsichtbare rosafarbene Einhorn in seiner häufigsten Darstellungsform
Darwin-Fisch und Fliegendes Spaghettimonster als Anstecker auf einer Jacke

Als Religionsparodien oder Spaßreligionen werden satirische Religionen bezeichnet, die sich durch Inhalt und Struktur ähnlich wie Religionen präsentieren, jedoch meist nicht als Glaube, sondern als Protest gegen den Einfluss von Religionen auf Gesellschaft, Wissenschaft und Politik konzipiert sind. Besonders häufig treten sie in den USA auf.

Besonders der Versuch der Einführung der Schöpfungslehre, das von Kreationisten so genannte Intelligent Design, im Schulunterricht im Bundesstaat Kansas löste heftige Proteste aus und führte zur Gründung der Religion des Fliegenden Spaghettimonsters[1] und des Intelligent Falling im Jahre 2005[2] und des Unintelligent Design.

Im Jahre 2001 wurde als Folge einer Internetkampagne der Jediismus, eine eigentlich nicht-satirische synkretistische Religion von 0,7 Prozent der Befragten im Vereinigten Königreich aus zumeist eher ironischen Gründen als ihre Religionszugehörigkeit angegeben, und so wurde der Jediismus offiziell in die Statistik miteinbezogen.[3] Ähnliche Aufrufe im Internet fanden auch in anderen Ländern, beispielsweise in Neuseeland, statt.

Ein vergleichbares Schicksal wie der Jediismus teilt Det Missionerande Kopimistsamfundet, zu deutsch: Die missionarische Kirche des Kopimismus. Sie vertritt mit dem Kopimismus eigentlich eine ernst gemeinte Lehre, welche das Kopieren von Informationen, insbesondere als Filesharing, zur heiligen Tugend erklärt.

Bei anderen Gruppierungen ist ebenfalls nicht eindeutig, ob sie parodistisch oder ernsthaft sind. So hat z.B. die Iglesia Maradoniana starken Parodiecharakter, jedoch sind die meisten Anhänger tatsächlich Fußballfans. Der Diskordianismus ist bewusst so.

Andere Spaßreligionen parodieren nicht die Religionen direkt, sondern nur einzelne Aspekte derselben oder pseudoreligiösen Eifer, der an manchen Stellen zu finden ist. So entstandt im Zuge des Editor War die Church of Emacs durch Richard Stallman alias St. IGNUcius. Als Reaktion darauf gründeten die Anhänger des Konkurrenzeditors Vi den Cult of vi. Die Church of Fear stellt eine allgemeine, kritische Auseinandersetzung mit der Verbreitung von Angst durch autoritäre Organisationen dar. Der Darwin-Fisch parodiert zwar den ICHTHYS, soll jedoch kein atheistisches Symbol darstellen, sondern ein Zeichen für das Bekenntnis zur Evolutionstheorie.

Eine Religionsparodie muss nicht wie eine Religion auftreten, sondern kann auch andere Formen haben. Beispiele dieser Kategorie sind Betty Bowers aus dem Bereich des Kabaretts, Die Fromme Helene aus dem Bereich der Literatur, Das Gespenst aus dem Bereich des Films und die Prügelnonne aus dem Bereich der Plastiken.

Viele Atheisten, wie zum Beispiel Richard Dawkins, nutzen Religionsparodien wie die des Fliegenden Spaghettimonsters und des Unsichtbaren rosafarbenen Einhorns als moderne Versionen von Russells Teekanne, um zu zeigen, dass eine Religion von den Gläubigen bewiesen und nicht von Atheisten widerlegt werden muss.[4]

Weitere Beispiele[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Church of the Flying Spaghetti Monster
  2. USA Today - Spaghetti Monster is noodling around with faith
  3. UK govt statistics on Jedi
  4. Richard Dawkins: Chapter 2: The God Hypothesis. In: The God Delusion. Bantam, London 2006, ISBN 9780593055489.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Religionsparodien und Spaßreligionen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien