Russells Teekanne

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Bertrand Russell

Russells Teekanne (von engl. Russell’s teapot) ist eine Religionsparodie in Form eines Analogismus. Sie geht auf einen Aufsatz des Mathematikers und Philosophen Bertrand Russell aus dem Jahr 1952 zurück.

Spezifisch gibt diese Analogie wieder, dass es nicht Sache der Wissenschaft ist, Gott zu widerlegen.

Ursprung[Bearbeiten]

“If I were to suggest that between the Earth and Mars there is a china teapot revolving about the sun in an elliptical orbit, nobody would be able to disprove my assertion provided I were careful to add that the teapot is too small to be revealed even by our most powerful telescopes. But if I were to go on to say that, since my assertion cannot be disproved, it is an intolerable presumption on the part of human reason to doubt it, I should rightly be thought to be talking nonsense. If, however, the existence of such a teapot were affirmed in ancient books, taught as the sacred truth every Sunday, and instilled into the minds of children at school, hesitation to believe in its existence would become a mark of eccentricity and entitle the doubter to the attentions of the psychiatrist in an enlightened age or of the Inquisitor in an earlier time.”

„Wenn ich behaupten würde, dass es zwischen Erde und Mars eine Teekanne aus Porzellan gebe, welche auf einer elliptischen Bahn um die Sonne kreise, so würde niemand meine Behauptung widerlegen können, vorausgesetzt, ich würde vorsichtshalber hinzufügen, dass diese Kanne zu klein sei, um selbst von unseren leistungsfähigsten Teleskopen entdeckt werden zu können. Aber wenn ich nun zudem auf dem Standpunkt beharrte, meine unwiderlegbare Behauptung zu bezweifeln sei eine unerträgliche Anmaßung menschlicher Vernunft, dann könnte man zu Recht meinen, ich würde Unsinn erzählen. Wenn jedoch in antiken Büchern die Existenz einer solchen Teekanne bekräftigt würde, dies jeden Sonntag als heilige Wahrheit gelehrt und in die Köpfe der Kinder in der Schule eingeimpft würde, dann würde das Anzweifeln ihrer Existenz zu einem Zeichen von Exzentrik werden. Es würde dem Zweifler in einem aufgeklärten Zeitalter die Aufmerksamkeit eines Psychiaters einbringen oder die eines Inquisitors in früherer Zeit.“

Bertrand Russell: Is There a God?[1]

Rezeption[Bearbeiten]

Richard Dawkins nahm in Bezug auf Russells Teekanne folgendermaßen Stellung:

„Organisierte Religion verdient aus dem Grund offene Feindschaft, dass Religion, anders als der Glaube an Russells Teekanne, mächtig, einflussreich und steuerbefreit ist und systematisch an Kinder weitergegeben wird, die zu jung sind, um sich dagegen zu wehren. Kinder sind nicht gezwungen, ihre prägenden Jahre damit zu verbringen, verrückte Bücher über Teekannen auswendig zu lernen. Staatlich subventionierte Schulen schließen keine Kinder vom Unterricht aus, deren Eltern das falsche Aussehen der Teekanne bevorzugen. Teekannen-Gläubige steinigen keine Teekannen-Ungläubigen, Teekannen-Renegaten, Teekannen-Ketzer und Teekannen-Lästerer zu Tode. Mütter warnen ihre Söhne nicht davor, Teekannen-Schicksen zu heiraten, deren Eltern an drei Teekannen statt an eine glauben. Leute, die ihre Milch zuerst einschenken, schießen nicht jenen, die den Tee zuerst einschenken, die Kniescheiben weg.“

übersetzt aus Richard Dawkins: A Devil’s Chaplain: Selected Essays[2]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Is There a God? (PDF, 89k), 1952 (,Gibt es einen Gott?‘) von Bertrand Russell, aus The Collected Papers of Bertrand Russell, Volume 11: Last Philosophical Testament, 1943–68
  2. Richard Dawkins: A Devil’s Chaplain. Selected Essays („Eines Teufels Kaplan. Ausgewählte Essays“), Houghton Mifflin Weidenfeld & Nicolson, Boston 2003, Seite ?, ISBN 0-618-33540-4