Nördlingen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Nördlingen
Nördlingen
Deutschlandkarte, Position der Stadt Nördlingen hervorgehoben
48.85083055555610.489575441Koordinaten: 48° 51′ N, 10° 29′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Schwaben
Landkreis: Donau-Ries
Höhe: 441 m ü. NHN
Fläche: 68,1 km²
Einwohner: 19.268 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 283 Einwohner je km²
Postleitzahl: 86720
Vorwahl: 09081
Kfz-Kennzeichen: DON, NÖ
Gemeindeschlüssel: 09 7 79 194
Adresse der
Stadtverwaltung:
Marktplatz 1
86720 Nördlingen
Webpräsenz: www.stadt.noerdlingen.de
Oberbürgermeister: Hermann Faul (PWG)
Lage der Stadt Nördlingen im Landkreis Donau-Ries
Dornstadt-Linkersbaindt Dornstadt-Linkersbaindt Brand (gemeindefreies Gebiet) Esterholz (gemeindefreies Gebiet) Rain (Lech) Münster (Lech) Holzheim (Donau-Ries) Oberndorf am Lech Mertingen Donauwörth Asbach-Bäumenheim Genderkingen Niederschönenfeld Marxheim Tagmersheim Rögling Monheim (Schwaben) Kaisheim Buchdorf Daiting Fremdingen Auhausen Oettingen in Bayern Hainsfarth Ehingen am Ries Tapfheim Marktoffingen Maihingen Megesheim Munningen Wolferstadt Wallerstein Nördlingen Reimlingen Ederheim Forheim Amerdingen Wemding Wechingen Harburg (Schwaben) Hohenaltheim Deiningen Alerheim Otting Fünfstetten Huisheim Mönchsdeggingen Möttingen Baden-Württemberg Landkreis Ansbach Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen Landkreis Eichstätt Landkreis Neuburg-Schrobenhausen Landkreis Aichach-Friedberg Landkreis Augsburg Landkreis Dillingen an der DonauKarte
Über dieses Bild
Panoramablick vom Daniel über Nördlingen
Nördlingen von oben

Nördlingen ist eine Große Kreisstadt im schwäbischen Landkreis Donau-Ries in Bayern. Die ehemalige Freie Reichsstadt ist die größte Stadt des Landkreises.

Geografie[Bearbeiten]

Nördlingen inmitten des Rieskraters, Blick von Südwesten

Nördlingen liegt im Nördlinger Ries, dem Einschlagkrater eines Meteoriten, der vor 15 Millionen Jahren in die Alb eingeschlagen ist. Der Krater hat einen Durchmesser von 23 bis 25 Kilometern; sein Rand ist ringsum als Hügelkette sichtbar. Durch die wissenschaftliche Erforschung des Ries-Ereignisses wurde Nördlingen weltweit bekannt. Das Ries wird von der Wörnitz und der Eger durchflossen; erstere mündet 30 Kilometer südöstlich in die Donau.

Stadtteile[Bearbeiten]

Baldingen Pfäfflingen,
Dürrenzimmern,
Löpsingen
Nachbargemeinden Grosselfingen
Nähermemmingen,
Holheim
Kleinerdlingen,
Herkheim
Schmähingen

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Folgende Gemeinden grenzen an die Stadt Nördlingen: Wallerstein, Maihingen, Oettingen, Munningen, Wechingen, Deiningen, Alerheim, Möttingen, Reimlingen, Hohenaltheim, Ederheim, Neresheim, Bopfingen, Riesbürg.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Die Nördlinger Kernstadt gliedert sich grob in Altstadt, Graben, Wemdinger Viertel, Saubrunnen, Augsburger Viertel, Talbreite, Herkheimer Viertel und Südtiroler Viertel. Die Stadtteile Baldingen und Kleinerdlingen gehen fast fließend in die Kernstadt über, während die übrigen Stadtteile sich den Charakter abgeschlossener Dörfer erhalten haben.

Flächennutzung[Bearbeiten]

Fläche und Flächennutzung
Gesamtfläche 6810 ha
Landwirtschaftsfläche 5418 ha
Gebäude- und Freifläche 591 ha
Verkehrsfläche 529 ha

Geschichte[Bearbeiten]

Darstellung Friedrichs II. am Brot- und Tanzhaus
Nördlingen um 1650, Kupferstich von Matthäus Merian d. Ä.
Brettermarkt um 1918
1100 Jahre Nördlingen: Deutsche Briefmarke von 1998

Funde in den Ofnethöhlen belegen, dass das heutige Ortsgebiet von Nördlingen bereits im Spätpaläolithikum besiedelt war. In den Ortsteilen von Nördlingen wurden Fundstellen aus fast allen folgenden vorgeschichtlichen Epochen entdeckt. Besonders intensiv besiedelt war ein Bereich am Ostrand des Ortsteils Baldingen, wo Siedlungen der Bandkeramik und des Jungneolithikums, der Urnenfelderkultur, der Hallstatt- sowie der Latènezeit entdeckt wurden. Hier lag auch eine römische Villa mit Brandgräberfeld.

Um das Jahr 85 n. Chr. entstand im Süden der Stadt ein römisches Kastell mit Siedlung (vicus), die jedoch im Jahre 259/260 bei der Eroberung des heutigen Süddeutschlands durch die Alamannen unterging. Der Name dieser Siedlung lautete wahrscheinlich Septemiacum. Dieser lateinische Ortsname ist durch die Peutingertafel (Tabula Peutingeriana) für die Gegend von Nördlingen zuverlässig überliefert, er kann aber bisher nicht ganz sicher der römischen Siedlung im heutigen Nördlingen zugeordnet werden. Ein römischer Gutshof (Villa rustica) wurde im Stadtteil Holheim ausgegraben und kann besichtigt werden. Das römische Nördlingen ist bislang kaum erforscht.

Mittelalter[Bearbeiten]

Im 6. und 7. Jahrhundert lässt sich eine alemannische Besiedlung nachweisen. Drei Reihengräberfriedhöfe aus dieser Epoche sind bisher in Nördlingen ausgegraben worden.

„Nordilinga“ wurde im Jahr 898 zum ersten Mal urkundlich als karolingischer Königshof erwähnt. Unter der Herrschaft des Bischofs von Regensburg wuchs Nördlingen zum Markt heran.

1215 erhielt Nördlingen von Kaiser Friedrich II. Stadtrechte und wurde freie Reichsstadt. In jenem Jahr wurde die erste Stadtmauer errichtet, deren Grundriss bis heute sichtbar ist. 1219 wurde die Nördlinger Pfingstmesse das erste Mal urkundlich erwähnt. Die Stadt, an der Kreuzung zweier großer Handelsstraßen (Frankfurt/Würzburg–Augsburg und Nürnberg–Ulm) gelegen, stieg zum wichtigen Handelsplatz für Getreide, Vieh, Textilien, Pelze und Metallwaren auf. Neben Frankfurt war Nördlingen eine der wichtigsten Fernhandelsmessen Deutschlands.

1238 zerstörte ein Brand einen großen Teil der Stadt, von dem sich die Stadt jedoch rasch erholte. Drei Generationen später hatten sich auch außerhalb der Stadtmauern eine große Zahl von Handwerkern, vor allem Gerber und Weber, angesiedelt. 1327 wurde der heute noch bestehende Mauerring gebaut, mit dem die ummauerte Stadtfläche auf das Vierfache anwuchs. 1427 begann der Bau der St.-Georgs-Kirche.

Für das Jahr 1469 ist in den Gerichtsakten der Stadt das Verfahren gegen den städtischen Frauenwirt Linhardt Freiermuth und seine Ehefrau Barbara Taschenfeind protokolliert. Ausgangspunkt der Verhandlung war der Vorwurf der erzwungenen Abtreibung der Dirne Els von Eystett. Das Gericht sprach das Zuhälterpaar schuldig und verbannte den Frauenwirt aus der Stadt. Seine Ehefrau wurde auf der Stirn gebrandmarkt und an den Pranger gestellt. Die im städtischen Archiv von Nördlingen erhaltenen 40 Pergamentseiten zu dieser Gerichtsverhandlung geben einen einmaligen Einblick in die damaligen Zustände eines – der Stadt selbst gehörenden – Bordells.

Die Stadt gehörte 1529 zu den Vertretern der protestantischen Minderheit (Protestation) am Reichstag zu Speyer. Ihre Bürgerschaft forderte die ungehinderte Ausbreitung des evangelischen Glaubens. 1555 wurde die Reformation in Nördlingen endgültig bestätigt. Bürgermeister Peter Seng d. Ä. (1512–1589) unterzeichnete 1579 für den Rat der Stadt die lutherische Konkordienformel von 1577.[2]

Die Geschichte der Hexenverfolgung in Nördlingen ist gut dokumentiert. Zwischen 1589 und 1598 wurden 34 Frauen und ein Mann wegen Hexerei auf dem Scheiterhaufen hingerichtet.[3]

Dreißigjähriger Krieg bis heute[Bearbeiten]

Ein historischer Wendepunkt im Dreißigjährigen Krieg waren die Belagerung von Nördlingen und die darauf folgende Schlacht bei Nördlingen im Jahre 1634, in der die schwedisch-protestantischen Kräfte erstmals entscheidend von den kaiserlich-habsburgischen Truppen geschlagen wurden. Die Stadt musste sich den Siegern öffnen, wurde aber nach hohen Reparationszahlungen nicht durch die siegreichen Truppen geplündert. Allerdings büßte die Stadt während und nach der Belagerungszeit durch Hunger und Krankheit über die Hälfte ihrer Bevölkerung ein. Auch im spanischen Erbfolgekrieg wurde die Stadt durch die Auswirkungen der in der Nähe stattfindenden Schlachten von Höchstädt in Mitleidenschaft gezogen.

Der Handel verlagerte sich nach dem Krieg zu den Seehäfen – ein weiterer Grund, warum Nördlingen seine Bedeutung als Handelszentrum verlor. Dieser erzwungene Stillstand ist der Grund, dass das mittelalterliche Stadtbild so gut erhalten geblieben ist.

Mit der Grafschaft Oettingen, deren Enklave Nördlingen wurde, gab es häufig Konflikte um Hoheitsrechte. Vom 16. bis Anfang des 18. Jahrhunderts reichte Nördlingen 103 diesbezügliche Klagen vor dem Reichskammergericht ein.[4]

Im Zuge der napoleonischen Neuordnung Deutschlands verlor Nördlingen im Reichsdeputationshauptschluss 1803 seinen Status als Reichsstadt und fiel an das Kurfürstentum Bayern, das im Vorgriff auf die bereits ausgehandelten Bedingungen die Stadt schon im September 1802 besetzt und ihre verwaltungsmäßige Eingliederung vollzogen hatte. Zum 1. Januar 1806 wurde die Stadt entsprechend der im Frieden von Pressburg erreichten Rangerhöhung des Fürsten königlich-bayerische Landstadt.

Am 15. Mai 1849 wurde Nördlingen mit der Inbetriebnahme der Ludwig-Süd-Nord-Bahn an das Netz der Königlich Bayerischen Staats-Eisenbahnen angeschlossen. Am 25. Juli 1861 wurde die Eisenbahnverbindung der Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahnen von Cannstatt über Aalen nach Nördlingen eingeweiht. Die Strecke war ab 1863 komplett befahrbar.

Seit dem Mittelalter waren in Nördlingen jüdische Familien ansässig, die ihre Toten auf dem Jüdischen Friedhof am Nähermemminger Weg begruben und sich 1885 in der Kreuzgasse 1 ihre neue Synagoge errichteten. Dieses Gotteshaus wurde beim Novemberpogrom 1938 von SA-Männern verwüstet, woran eine Gedenktafel am heutigen Evangelischen Gemeindehaus erinnert. Mit einem Gedenkstein auf dem Jüdischen Friedhof wird seit 1979 der jüdischen Bürger gedacht, die Opfer der Shoa wurden.[5]

Erst 1939 erreichte Nördlingen wieder die Bevölkerungszahl von 1618.

Bei Luftangriffen gegen Ende des Zweiten Weltkrieges kamen im Frühjahr 1945 insgesamt 33 Menschen ums Leben. Der Bahnhof und mehrere Wohnhäuser wurden zerstört, die St.-Georgs-Kirche schwer beschädigt. Der nahezu komplette Rest der historischen Altstadt blieb jedoch verschont.

Ab 1945 gehörte Nördlingen zur Amerikanischen Besatzungszone. Die amerikanische Militärverwaltung richtete ein DP-Lager ein zur Unterbringung so genannter Displaced Persons (DP). Das Lager wurde von der UNRRA betreut und beherbergte ungefähr 500 DPs. Die meisten von ihnen stammten aus Lettland und Litauen.

Mehr als 4500 Heimatvertriebene ließen sich nach dem Krieg in Nördlingen nieder.

Im Zuge der kommunalen Neugliederung Bayerns verlor Nördlingen am 1. Juli 1972 seinen Status als kreisfreie Stadt und wurde in den neugebildeten Landkreis Nördlingen-Donauwörth eingegliedert, der am 1. Mai 1973 den heutigen Namen „Landkreis Donau-Ries“ erhielt.

Religionen[Bearbeiten]

Nördlingen, das 1522 die Reformation einführte (Kaspar Kantz, Theobald Billicanus), ist Sitz des Evangelisch-Lutherischen Dekanats Nördlingen im Kirchenkreis Augsburg der Evangelischen Landeskirche Bayern. Das katholische Dekanat Nördlingen gehört zum Bistum Augsburg.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. Juli 1972 wurden die bisher selbständigen Gemeinden Herkheim, Holheim, Kleinerdlingen und Nähermemmingen eingegliedert.[6] Am 1. Januar 1973 kam Löpsingen hinzu. Großelfingen (damalige Schreibweise) und Pfäfflingen folgten am 1. Januar 1976. Die Reihe der Eingemeindungen wurde mit der Eingliederung von Schmähingen am 1. Januar 1978 sowie Baldingen und Dürrenzimmern am 1. Mai 1978 abgeschlossen.[7]

Politik[Bearbeiten]

Stadtrat[Bearbeiten]

Der Stadtrat besteht aus 24 Mitgliedern, die sich seit den Kommunalwahlen in Bayern 2008 die Sitze wie folgt aufteilen:

Partei/Gruppierung Sitze
CSU 7
Stadtteilliste 6
PWG (Parteilose Wählergemeinschaft – Freie Wähler Nördlingen) 5
SPD 3
Junge Liste 1*
Bündnis 90/Die Grünen 1*
Nördlinger Frauenliste 1*

* Junge Liste, Grüne und Frauenliste bilden zusammen eine Fraktionsgemeinschaft

Bürgermeister[Bearbeiten]

Liste der Bürgermeister von Nördlingen seit 1761
Name Partei Funktion Amtszeit
Daniel Eberhart Dolp Erster Bürgermeister 1761–1771
Georg Christian Freiherr von Troeltsch Erster Bürgermeister 1771–1804
Georg Friedrich Cramer Erster Bürgermeister 1804–1818
Christian Schröpel Erster Bürgermeister 1818–1831
Friedrich Wilhelm Doppelmayr Erster Bürgermeister 1831–1845
Adolf Liederer von Linderskorn Erster Bürgermeister 1845–1848
Karl Brater Erster Bürgermeister 1848–1851
August Emil Luthardt Erster Bürgermeister 1851–1854
Wilhelm Erhard Erster Bürgermeister 1854–1862
Christoph Bauer Erster Bürgermeister 1862–1865
Johannes von Teubern Erster Bürgermeister 1865–1871
Balthasar Ritter von Reiger Nationalliberale Partei Erster Bürgermeister 1871–1913
Wilhelm Brunco Erster Bürgermeister 1914–1916
Otto Mainer Nationalliberale Partei Erster Bürgermeister 1916–1927
Wilhelm Hausmann DNVP, ab 1933 NSDAP Erster Bürgermeister 1927–1939
Heinrich Schulz NSDAP Kommissar. Bürgermeister 1939–1941
Eugen Einberger NSDAP Kommissar. Bürgermeister 1941–1944
Paul Söldner Erster Bürgermeister 1945–1946
Josef Feil Erster Bürgermeister 1946–1948
Johannes Weinberger SPD Oberbürgermeister 1948–1964
Hermann Keßler CSU Oberbürgermeister 1964–1982
Paul Kling CSU Oberbürgermeister 1982–2006
Hermann Faul PWG Oberbürgermeister seit 2006

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Patenschaft[Bearbeiten]

  • 1951 wurde die Patenschaft für die vertriebenen Sudetendeutschen aus der Stadt und dem Kreis Tetschen-Bodenbach übernommen.
  • 1976 wurde die Patenschaft für die vertriebenen Deutschen aus der Stadt Olmütz übernommen.

Stadtwappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „In Gold ein rotbezungter, goldbewehrter und -bekronter schwarzer (staufisch-reichsstädtischer) Adler.“

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

Stadtmauer

Stadtmauer[Bearbeiten]

Hauptartikel: Nördlinger Stadtmauer

Die komplett erhaltene Stadtmauer von 1327 hat fünf Tore mit Tortürmen, elf weitere Türme und zwei Bastionen. Auch der Wehrgang ist vollständig erhalten und kann begangen werden.

Das größte Stadttor ist das Berger Tor im Süden. Im Uhrzeigersinn folgen das Baldinger Tor im Westen, das Löpsinger Tor, das auch das Stadtmauermuseum beherbergt, im Norden, das Deininger Tor im Nordosten und das Reimlinger Tor im Osten. Die Türme sind im Uhrzeigersinn Feilturm, Löwenturm, Oberer Wasserturm, Backofentürme (5), Spitzturm, Unterer Wasserturm und Reißturm. Die Alte Bastei, die in zwei Geschossen zehn Geschütze aufnehmen kann, ist vollständig erhalten. Die Neue Bastei hingegen wurde 1808–1826 abgebrochen.

Kirchen[Bearbeiten]

St.-Georgs-Kirche (der Daniel)

Das Wahrzeichen Nördlingens ist der rund 90 Meter hohe Kirchturm der 1427–1505 erbauten gotischen St.-Georgs-Kirche, der Daniel genannt wird. Sehenswert ist auch die katholische St.-Salvator-Kirche am südwestlichen Rand der Innenstadt. Die neogotische Friedhofskirche St. Emmeram wurde 1874–1875 erbaut, geht aber auf Nördlingens erste Kirche aus dem 9. Jahrhundert zurück. Die Spitalkirche entstand im 13. Jahrhundert als Teil des Heilig-Geist-Spitals. Die neuapostolische Kirche an der Gartenstraße wurde 1954 bezogen. Die Pfarrkirche St. Josef wurde 1960 bis 1962 errichtet.

Marktplatz[Bearbeiten]

Gleich nördlich der St.-Georgs-Kirche liegt der Marktplatz, auf dem sich im Mittelalter alljährlich zehn Tage lang das Messepublikum tummelte. Die Tuchhändler präsentierten ihre Ware im 1442–1444 entstandenen Brot- und Tanzhaus, dessen Obergeschoss als Festsaal diente. Mit ihm durch eine Brücke verbunden war zu Messezeiten das 1363 erbaute Fachwerkhaus Metzig, das an normalen Tagen die Verkaufsstände der Metzger beherbergte und zu Messezeiten als Erweiterung der Verkaufsfläche diente. Nördlich daran schließt sich das bereits 1304 urkundlich erwähnte Hohe Haus an.

Das Gasthaus zur Sonne auf der gegenüber liegenden Seite wurde 1350 erbaut und seit 1405 als Fürstenherberge genutzt. Um 1500 logierten dort die Kaiser Friedrich III. und Maximilian I., 1548 Karl V. 1788 war Johann Wolfgang von Goethe zu Gast, und 1970 nahmen die amerikanischen Astronauten des Apollo-Mondfahrtprogramms Quartier.

Nördlich anschließend liegt das Rathaus. Wie die St.-Georgs-Kirche und viele andere Stadthäuser ist es aus dem porösen Suevitstein des Nördlinger Rieses erbaut. Bereits 1313 ist es in einer Verkaufsurkunde belegt; in jener Zeit wurde es als Messekaufhaus genutzt. 1382 mietete die Stadt das Gebäude an und nutzt es seitdem ununterbrochen als Rathaus. Um 1500 wurde das Obergeschoss mit seinem Treppengiebel und dem Giebelerker auf das Gebäude gesetzt, 1509 wurde der Schatzturm und 1618 der repräsentative Renaissance-Treppenaufgang angebaut. Innen im großen Versammlungssaal, in dem sich im 16. Jahrhundert die Abgeordneten des Schwäbischen Bundes trafen, befindet sich ein großes, wertvolles Wandfresko von Hans Schäufelin.

Altstadt[Bearbeiten]

Hafenmarkt
Kupferstich 1651 (Andreas Zeidler)
Neumühle

Die gesamte Nördlinger Altstadt beherbergt eine Fülle von liebevoll renovierten, prachtvollen Häusern aus dem Mittelalter und der Renaissance.

Wenige Schritte nordwestlich des Marktplatzes gelangt man über die Eisengasse zum Tändelmarkt und dem damit verbundenen Hafenmarkt. In der Eisengasse, die nach den früher dort niedergelassenen Eisenhändlern benannt ist, ist unter anderem das 1563 errichtete Schneidtsche Haus bemerkenswert. Im Dreißigjährigen Krieg diente es Gustav II. Adolf im September 1632 für zwei Tage als Unterkunft. Am Hafenmarkt befindet sich das Kaisheimer Haus, von 1278 bis 1802 Kastenhaus des Reichsstifts Kaisheim. Bis zu einem Brand am 3. Mai 1955 stand hier auch das Hafenhaus, ein prachtvolles ehemaliges Kaufhaus aus dem Jahr 1425.

An der Nordwestecke des Tändelmarkts fällt das große Klösterle ins Auge, ein ehemaliges Franziskanerkloster. Im Zuge der Reformation verwaiste das Kloster mehr und mehr. Die Stadt kaufte 1536 den Bau und ließ ihn 1584–1587 zu einem Kornspeicher umbauen. Der Chor wurde abgerissen und durch den heutigen großzügig angelegten Treppengiebel ersetzt.

Das westlich daran anschließende Gerberviertel beherbergt etliche der typischen Gerberhäuser mit ihrem Fachwerk und ihren großen, nach vorne kragenden Trockenböden und Galerien in den Obergeschossen. Den großen Wasserbedarf der Gerber deckte der Egerkanal, der das Viertel durchläuft. Bei der Brücke am nördlichen Ende des Viertels befindet sich das große, unterschlächtige Wasserrad der Neumühle.

Das um 1233 gegründete Heilig-Geist-Spital diente früher als Versorgungsstätte alter und armer Menschen. Wie viele ähnliche Einrichtungen jener Zeit wurde es durch Stiftungen finanziert und ausgebaut. Die Spitalkirche aus dem 13. Jahrhundert beherbergt wertvolle Wandmalereien aus dem 14. Jahrhundert. Heute befindet sich in seinen beiden Hauptgebäuden aus dem 15. und 16. Jahrhundert das Stadtmuseum.

Im südlichen Bereich der Altstadt ist das 1697 erbaute Wintersche Haus bemerkenswert. Der große, wohl proportionierte Fachwerkbau birgt an seiner Rückseite einen stilvollen Garten mit Blumengalerien im ersten und zweiten Stock. Am Weinmarkt befinden sich eine Reihe repräsentativer Bürgerhäuser und das große, massiv wirkende, 1541–1543 erbaute Hallgebäude. Es diente einst als Salz- und Weinlager der Stadt. Am Weinmarkt steht auch das ehemalige Gasthaus zur Krone, dessen Wirtin Maria Holl durch die Hexenprozesse berühmt wurde.

Eine Reihe bemerkenswerter Bürgerhäuser findet sich in der Polizeigasse, die den Weinmarkt mit dem Marktplatz verbindet. Darunter sind die Alte Post, das Mötzelsche Haus, das im 15. Jahrhundert von der Familie Oelhafen bewohnt wurde, und die Einhorn-Apotheke.

Östlich der Georgskirche, auf dem Rübenmarkt, steht der Kriegerbrunnen, ein Jugendstil-Bauwerk, das 1902 von Georg Wrba im Andenken an den deutsch-französischen Krieg von 1870/71 geschaffen wurde.

Der Stadtgraben ist im Bereich der Frickhinger-Anlagen, zwischen Ochsenzwinger und Berger Tor, als Parkanlage mit Skulpturen, exotischen Bäumen und Rosengarten (Rosarium) gestaltet.

Baudenkmäler[Bearbeiten]

Marienhöhe[Bearbeiten]

Das Waldgebiet im Südosten der Altstadt bedeckt den Galgenberg sowie den Stoffelsberg und ist nach Marie Friederike von Preußen benannt. Die ursprünglich kahlen Hügel wurden 1834 erstmals mit Bäumen bepflanzt und seither nach und nach zum Landschaftspark gestaltet. Der Hexenfelsen auf dem Galgenberg war zur Zeit der Hexenverfolgung im Mittelalter eine städtische Hinrichtungsstätte. 1817 entstand auf der Marienhöhe der erste Bierkeller. Die drei dort heute noch existierenden Bierkeller sind beliebte Ausflugsziele. Am Südhang der Marienhöhe erstreckt sich das Nördlinger Freibad. Auch die Nördlinger Kreisklinik, das Stiftungskrankenhaus, befindet sich an der Marienhöhe. Von der Altstadt zur Marienhöhe führt der Kellermannsweg, eine Lindenallee mit 60 Bäumen, die 1906 gepflanzt wurden.[8]

Lindenallee (Kellermannsweg)
Panoramablick vom Daniel über Nördlingen

Museen[Bearbeiten]

Mondgestein im Rieskratermuseum
Detail im Bayerischen Eisenbahnmuseum
  • Das Rieskrater-Museum bietet interessantes Anschauungsmaterial über die geologische Entwicklung der Umgebung und eine Simulation des Ries-Impakts vor etwa 15 Millionen Jahren, bei dem das Nördlinger Ries entstand. Außerdem kann dort echtes Mondgestein besichtigt werden, das die Stadt Nördlingen als Dauerleihgabe von der NASA erhielt. Diese trainierte 1970 die Astronauten der Mission Apollo 14 im Ries. In Steinbrüchen im Ries kann Suevit-Gestein gefunden werden, das den Gesteinen auf der Mondoberfläche ähnlich ist. Es enthält Minerale, die nur unter den bei Meteoriteneinschlägen auftretenden extremen Druck- und Temperaturverhältnissen entstehen.
  • Das Stadtmuseum Nördlingen gibt Einblick in die Geschichte der Reichsstadt Nördlingen und die Siedlungsgeschichte des Nördlinger Rieses. Es beherbergt Tafelgemälde von Friedrich Herlin, Hans Schäufelin und Sebastian Taig. Auch die Schädelfunde aus den Ofnethöhlen sind dort zu sehen.
  • Das Stadtmauermuseum in den sechs Stockwerken des Löpsinger Torturmes dokumentiert die Geschichte der Nördlinger Stadtmauer. Hier sind ein Zinnfigurenmodell der Schlacht bei Nördlingen und ein Modell der gesamten Altstadt zu sehen.
  • Das Bayerische Eisenbahnmuseum beherbergt mehr als hundert Originalfahrzeuge, darunter die älteste betriebsfähige Regelspur-Dampflokomotive Deutschlands.
  • Das Museum augenblick – Museum für optische und akustische Attraktionen zeigt Exponate aus den Anfängen des Medienzeitalters: Guckkästen, Panoramen, Laterna magica, Drehorgeln, automatische Klaviere, Spieldosen und Grammophone.
  • Die Thiemig-Galerie im Weilbachhaus zeigte eine Dauerausstellung gerahmter Reproduktionen berühmter Maler. Sie wurde vom 1991 verstorbenen Verleger Günther Thiemig in der ehemaligen Pfisterei des Spitalhofs eingerichtet. Zu sehen waren Werke von Giotto, Tizian, Raffael, Dürer, Rubens, Goya, Macke, Marc und Kandinsky. 2012 wurde die Ausstellung geschlossen.

Theater[Bearbeiten]

Die Schauspiel-Manufaktur in Nördlingen ist ein privat geführtes Schauspielhaus ohne eigenes Ensemble mit 99 Plätzen. Die Freilichtbühne Alte Bastei in einer mittelalterlichen Bastion ist jeden Sommer Schauplatz für historische und zeitgenössische Aufführungen der Laienspielgruppe Verein Alt Nördlingen. Ein unabhängiges und regional renommiertes Theaterprojekt ist das Dramatische Ensemble Nördlingen. Während der Wintersaison treten regelmäßig Tourneetheater im Stadtsaal Klösterle auf. Kleinkunstveranstaltungen finden im Kulturzentrum Ochsenzwinger statt.

Theaterhistorische Bedeutung erlangte Nördlingen dadurch, dass hier im Jahr 1604 mit einer gekürzten und vereinfachten Version von Romeo und Julia eine der ersten Shakespeare-Aufführungen außerhalb Englands stattfand.[9]

Musik[Bearbeiten]

Die 1924 gegründete Knabenkapelle Nördlingen gehört zu den namhaften Jugendblasorchestern in Süddeutschland. Die jungen Musiker sind weltweit auf Tournee und gestalten regelmäßig Fußballländerspiele und Staatsbesuche musikalisch. Die Stadtkapelle wurde 1990 gegründet. Die Rieser Musikschule bietet musikalische Früherziehung und Instrumentalunterricht an. Zahlreiche Chöre (u. a. Kantorei St. Georg), Klassik- und Jazzensembles sind als Vereine in Nördlingen eingetragen. Bekannte Kammermusikensembles treten bei der winterlichen Konzertreihe der Raiffeisen-Volksbank Ries auf. Die Nördlinger Kneiptour, während deren eine Vielzahl von Rock-, Pop- und Jazzbands gleichzeitig in Nördlinger Kneipen auftritt, findet seit 1996 jedes Frühjahr statt.

Kino[Bearbeiten]

Nördlingen hat zwei Kinos: Das Movieworld Nördlingen mit vier Sälen und das Ries-Theater in der Altstadt mit zwei Sälen.

Moderne Kunst[Bearbeiten]

Kunstverein Nördlingen 2013 im Zentrum des „Kunstraumes am Bahnhof“
Lichtkunst im Jahr 2012

Der Kunstverein Nördlingen wurde im Juli 2001 gegründet und verfolgt das Ziel, die bildende Kunst, Künstlerinnen und Künstler sowie das allgemeine Verständnis nationaler und internationaler Kunst zu fördern. Er veranstaltet mehrmals im Jahr verschiedene Ausstellungen, Vorträge und Exkursionen, ergänzt durch ausstellungsdidaktische Angebote. In den Jahren 2006, 2011 und 2012 organisierte er Illuminationen verschiedener historischer Bauwerke der Stadt. 2012 bezog der Kunstverein Nördlingen seine neuen Räume im Gebäude der Post, als Inkubator und Keimzelle im Zentrum des „Kunstraumes am Bahnhof“. 2013 stand im Zeichen der Begeisterung der Jugend für die moderne Kunst und der Ausstellung Punk Rock – Junge Kunst zu Gast im Kunstverein Nördlingen.[10]

Veranstaltungen[Bearbeiten]

  • Im dreijährigen Turnus kann man in Nördlingen das Historische Stadtmauerfest der ehemals Freien Reichsstadt besuchen. Neben alter Handwerkskunst sind Ritter- und Reiterspiele des Mittelalters zu sehen.
Stabenfest
  • Das Stabenfest, das den Frühling begrüßen soll, geht auf das Jahr 1406 zurück und ist damit das älteste Kinderfest Deutschlands.[11] Es wird jedes Jahr am Montag nach dem Muttertag mit einem Umzug für alle Nördlinger Schulkinder, die sich mit den Stadtfahnen, Blumen und Birkenzweigen geschmückt haben, begangen.
  • Am zweiten Samstag nach Pfingsten beginnt jedes Jahr die Nördlinger Pfingstmesse[12] mit einem Festumzug. Sie dauert zehn Tage und beinhaltet eine Verbrauchermesse und einen Vergnügungspark.
  • Am Freitag vor dem Ersten Advent beginnt der Weihnachtsmarkt, der täglich geöffnet hat.[12]
  • Im Sommer findet in Nördlingen das Scharlachrennen statt. Dieses internationale Reitturnier geht auf das Jahr 1438 zurück.
  • Jährliche Veranstaltungen in der Altstadt sind Töpfermarkt, Rosenmarkt, Frühjahrsmarkt, Septembermarkt und Herbstmarkt sowie der im August stattfindende Flohmarkt für jedermann, der laut Stadtverwaltung einer der größten Märkte Bayerns ist.

Sport und Freizeit[Bearbeiten]

Sportvereine[Bearbeiten]

  • Der TSV 1861 Nördlingen ist der mitgliederstärkste Sportverein in Nördlingen. Er bietet zahlreiche Sportarten an, darunter Badminton, Basketball, Fechten, Fußball, Handball, Judo/Ju-Jutsu, Leichtathletik, Tischtennis, Turnen und Volleyball.
  • Der BG Donau-Ries wurde 2008 neu gegründet und ist Stammverein der aktuellen Mannschaft FriendsFactory Baskets in der Ersten Damen-Basketball-Bundesliga.
  • Der im Jahre 1984 gegründete Fußballverein SC Athletik Nördlingen ist vor allem durch seine Damenmannschaften im Fußball bekannt. Der Verein hat rund 300 Mitglieder. Er richtet Maibaumfeiern am Brettermarkt aus und unterhält am Stadtmauerfest ein eigenes Lager.
  • Der Rieser Ski- und Snowboardclub Nördlingen bietet in den Wintermonaten Skiausfahrten an. Es ist eine Ski- und Snowboard-Schule angeschlossen, die Kurse mit einem eigenen Lehrer-Team organisiert. Weiter werden Kurse für Fitness und Skigymnastik angeboten.
  • Der Tennisclub „Rot-Weiß“ Nördlingen e. V. feierte im Jahr 2002 das hundertjährige Bestehen. Insgesamt hat der Verein zehn Sandplätze am Fuße der Marienhöhe. Dort befindet sich auch das im Jahr 2007 eingeweihte Clubhaus.
  • Der Nördlinger Rugby-Club (RC Meteors Nördlingen) wurde im Frühling 2013 gegründet und konzentriert sich hauptsächlich auf die 7er-Variante des Rugbysports.

Freizeit- und Sportanlagen[Bearbeiten]

Der Rieser Sportpark ist eine parkähnliche Anlage. Im Zentrum steht das Leichtathletikstadion (Gerd-Müller-Stadion) mit einem Fassungsvermögen von ca. 10.000 Zuschauern sowie mehreren Ausweich- und Trainingsplätzen. Gleichzeitig ist es auch das Heimstadion der Fußballer des TSV Nördlingen. Daneben ist die Hermann-Keßler-Halle eine weitere zentrale Anlage im Rieser Sportpark. Sie ist als eine Vierfach-Halle aufgebaut und bietet seit einer Erweiterung ihrer Kapazität im Jahre 2008 bei Heimspielen der Nördlinger Basketballer (Giants Nördlingen) bis zu 3.000 Zuschauern Platz. Für Tennisspieler stehen hier mehrere Sandplätze und drei Hallenplätze zur Verfügung. Zudem existiert in Nördlingen ein Flugplatz für Motor- und Segelflug. Der Eisplatz am Bäumlesgraben ist laut Stadtverwaltung eine der größten Natureisbahnen Süddeutschlands.

Am Südhang der Marienhöhe befindet sich das Solarbad – ein im Jahr 1995 umgebautes Freibad. Auf den Dächern sind Schwimmbadabsorber und eine Photovoltaikanlage angebracht. Das städtische Hallenbad ist in der Gerhart-Hauptmann-Straße.

Im Stadtgebiet bieten zwei Fitnessstudios die Möglichkeit zum Kraft und Ausdauertraining.

Jugendarbeit[Bearbeiten]

Die Stadt Nördlingen fördert den gemeinnützigen Treffpunkt der Jugend Nördlingen e. V. Sie stellt dem Verein, der sich um Angelegenheiten der offenen Jugendarbeit kümmert, die Räumlichkeiten des ehemaligen städtischen Eichamtes in der Lerchenstraße zur Verfügung. Der Verein engagiert sich z. B. in Zusammenarbeit mit dem Diakonischen Werk Nördlingen und weiteren ehrenamtlichen Helfern in einem Integrationsprojekt für Spätaussiedler aus Russland.[13]

Cittàslow[Bearbeiten]

Cittàslow-Festival im Jahr 2012
Cittàslow-Schnecke in der Cittàslow-Stadt Nördlingen

Nördlingen wurde als eine der wenigen Städte in Deutschland in die Slow Food-Bewegung Cittàslow aufgenommen. Hauptziele sind die Entschleunigung, die Verbesserung der Lebensqualität, das Verhindern der Vereinheitlichung und der Amerikanisierung von Städten, in denen Franchise-Unternehmen dominieren. Die Zulassungskriterien betreffen die sieben Themenbereiche Umweltpolitik, Infrastrukturpolitik, urbane Qualität, Aufwertung der autochthonen, regionalen Erzeugnisse, Gastfreundschaft, Bewusstsein und landschaftliche Qualität.[14] 2012 entwickelte sich das sommerliche Cittàslow-Festival wieder zu einem Besuchermagneten.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehrsverbindungen[Bearbeiten]

Bahnhof Nördlingen um 1900
Bahnhofsanlage

Straßen[Bearbeiten]

Schiene[Bearbeiten]

Im Bahnhof Nördlingen halten Züge der Riesbahn AalenDonauwörth. Die Strecke nach Dombühl und die Strecke über Gunzenhausen nach Nürnberg haben ihren regulären Personenverkehr verloren. Die Nebenbahn nach Wemding ist abgebaut. Die einstige Funktion Nördlingens als Eisenbahnknoten ist damit verschwunden. Im historischen Bahnbetriebswerk ist heute das Bayerische Eisenbahnmuseum untergebracht.

Luftfahrt[Bearbeiten]

Direkt nördlich der Stadt betreibt der Rieser Flugsportverein e. V. einen Sonderlandeplatz, den auch die Wallersteiner Firma HeliAviation für Flugstunden mit Hubschraubern benutzt. Der Verkehrslandeplatz Aalen-Heidenheim ist 20 km von Nördlingen entfernt. Die nächsten Verkehrsflughäfen befinden sich in Nürnberg, Stuttgart, Memmingen und München.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Nördlingen ist geprägt durch eine Fülle von Betrieben der verschiedensten Branchen, die überwiegend mittelständische Strukturen besitzen. Von den ursprünglichen textilverarbeitenden Betrieben ist nur die gehobene Modemarke Strenesse vorhanden. Der örtliche Handel hat eine zentrale Rolle und deckt ein weites Einzugsgebiet im ländlich geprägten Umland ab.

Traditionsunternehmen[Bearbeiten]

Nördlinger Druckerei

Entsprechend dem hohen Alter und der einstmals enormen Bedeutung der Stadt finden sich in Nördlingen Betriebe mit teilweise jahrhundertelanger Tradition.

  • Die 1608 gegründete Ankerbrauerei ist seit Schließung der Sixenbrauerei im Jahre 1990 die letzte verbliebene Brauerei mit Jahrhunderttradition.
  • Der Verlag C. H. Beck wurde 1763 gegründet. Der Verlag ist inzwischen in München ansässig, die verlagseigene Druckerei aber weiterhin in Nördlingen.
  • An die lange Druckertradition in Nördlingen erinnern heute die Rehlensche Handpresse, die ehemalige Buchdruckerei Greno sowie mehrere kleine und mittelständische Druckereibetriebe.
  • Die Firma Carl Heuchel ist ein 1831 gegründetes Bauunternehmen mit rund 140 Mitarbeitern (Stand 2013).

Unternehmen[Bearbeiten]

  • Die in Nördlingen ansässige Modeschöpferin Gabriele Strehle kreiert unter dem Markennamen Strenesse Damen- und Herren-Oberbekleidung.
  • Der Duftstoff- und Aroma-Hersteller Symrise hat in Nördlingen einen Standort für die Erforschung und Produktion von Aromen und Grundstoffen für die Getränkeindustrie.
  • DS Smith Packaging produziert am Standort Nördlingen Verpackungen und Displays.
  • Die Kathrein-Werke betreiben in Nördlingen ein Werk für Mobilfunkantennen mit mehr als 800 Beschäftigten.
  • Die SPN Schwaben Präzision Fritz Hopf GmbH entwickelt und fertigt hochgenaue Verzahnungselemente und Getriebe am Standort Nördlingen.
  • Der BayWa-Konzern betreibt in Nördlingen einen Agrar- und Baustoffhandel, einen Bau- und Gartenmarkt sowie einen Mineralölvertrieb mit angeschlossener Tankstelle.
  • Das Schwarzer Reise- und Verkehrsbüro ist integraler Bestandteil der örtlichen Infrastruktur.
  • Im Nördlinger Werk von Hamilton Sundstrand fertigen 85 Mitarbeiter[15] Komponenten für die Luft und Raumfahrtindustrie.
  • Die Glockenschweißerei Lachenmeyer repariert Kirchenglocken aus aller Welt.
  • Die Riesmetall GmbH ist auf galvanische Verzinkung spezialisiert.
  • Die Brauerei Maierbier ist in Nördlingen ansässig und braut dort seit Sommer 2011 Bier.
  • Die BayernBahn, ein Eisenbahninfrastrukturunternehmen, hat ihren Sitz am Nördlinger Bahnhof.

Tourismus[Bearbeiten]

Nördlingens mittelalterliche Altstadt ist bereits seit dem Ende des 19. Jahrhunderts als Touristenziel beliebt. Fremdenverkehr und Gastronomie bilden eines der wichtigsten wirtschaftlichen Standbeine Nördlingens. Für 2010 zählte die Stadtverwaltung 88.521 Übernachtungen in den erfassten Betrieben mit mehr als acht Betten.[16] 2007 waren es 70.267 Übernachtungen: Ein Drittel der Gäste kam aus dem Ausland, die meisten davon aus Italien, Südkorea, den Vereinigten Staaten und Großbritannien. Neben der Altstadt hat sich auch der geologisch einmalige Rieskrater zum Anziehungspunkt für Touristen entwickelt. Um das geologische Naturerbe stärker als zuvor der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, wurde der Geopark Ries ausgewiesen. Nördlingen liegt an der Romantischen Straße, der Schwäbischen Albstraße, am Fernwanderweg vom Main zur Donau und am Jakobsweg I der Deutschen St. Jakobusgesellschaft. Der Hauptwanderweg 1 des Schwäbischen Albvereins verläuft südlich von Nördlingen am Riesrand. Der Rieskrater-Planetenweg mit dem Kuppelhelm der St.-Georgs-Kirche als Sonne erstreckt sich im Ries bis zur Plutodarstellung kurz vor Harburg.

Medien[Bearbeiten]

Die örtliche Tageszeitung trägt den Namen Rieser Nachrichten und ist eine Lokalausgabe der Augsburger Allgemeinen. Des Weiteren erscheinen in Nördlingen die Anzeigenblätter Extra Ran, WochenZeitung – WZ aktuell und Sonntagszeitung.

Mediengeschichte[Bearbeiten]

Die erste Zeitung, die in Nördlingen erschienen ist, trug den Namen Continuation der Augspurger Zeitung und wurde von Lucas Schultes gedruckt. Schultes war 1632 von Oettingen, wo er bereits seit 1627 eine Zeitung herausgegeben hatte, nach Nördlingen umgesiedelt.

Bildung[Bearbeiten]

  • Bibliothek der Galvanotechnik
  • Fachakademie für Sozialpädagogik Maria Stern Nördlingen
  • Förderschule Sankt-Georg-Schule
  • Grundschulen: Grundschule an der Schillerstraße (Einweihung 1973), Hans-Schäufelin-Grundschule (Squindostraße) (Einweihung 1960), Grundschule Mitte, GS Mitte – Außenstelle Baldingen, Grundschule Kleinerdlingen-Ederheim, Volksschule Löpsingen
  • Landwirtschaftsschule
  • Liselotte-Nold-Schule; Berufsfachschulen für Altenpflege, Altenpflegehilfe, Hauswirtschaft und Kinderpflege
  • Meisterschule für das Bauhandwerk; Aus- und Fortbildungszentrum
  • Mittelschule Nördlingen
  • Realschule Maria Stern
  • Rieser Musikschule e. V.
  • Rieser Volkshochschule
  • Staatliche Fritz-Hopf-Technikerschule für Mechatronik, Bau-, Elektro- und Maschinenbautechnik´
  • Staatl. gewerbliche, kaufmännische, hauswirtschaftliche Berufsschule mit Berufsaufbauschule (Einweihung 1963)
  • Staatl. Wirtschaftsschule
  • Stadtbücherei Nördlingen
  • Technologie Centrum Westbayern (TCW) (An-Institut der Hochschule Augsburg)
  • Theodor-Heuss-Gymnasium (Einweihung 1964)
  • Zentrum für Rieskrater- und Impaktforschung Nördlingen (ZERIN) (betreut vom Museum für Naturkunde (Berlin))

Justiz[Bearbeiten]

Nördlingen ist Sitz eines Amtsgerichtes, das zum Landgerichtsbezirk Augsburg und zum Oberlandesgerichtsbezirk München gehört.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Persönlichkeiten, die in Nördlingen gewirkt haben[Bearbeiten]

  • Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus, (1493–1541), Arzt, Alchemist, Mystiker, Laientheologe und Philosoph
  • Hans Schäufelin (auch Schäufelein, Schäuffelein, Scheifelen, Scheuflin) (um 1480/1485 – um 1538 oder 1540), Maler, Grafiker, insbesondere Holzschneider und Buchillustrator
  • Maria Holl (1549–1634), widerstand in den berüchtigten Hexenprozessen den Folterungen, brachte die „Unfehlbarkeit“ der Ankläger ins Wanken und leitete das Ende der Hexenprozesse ein.
  • Wilhelm Ludwig Wekhrlin (1739–1792), Journalist und Schriftsteller der Aufklärung
  • Wilhelm Hauff (1802–1827), Schriftsteller
  • Friedrich Völklein (1880–1960), bayerischer Heimatdichter
  • Ernst Niekisch (1889–1967), sozialistischer Politiker und Schriftsteller

Sonstiges[Bearbeiten]

Kulinarische Spezialitäten[Bearbeiten]

  • Rieser Bauerntorte
  • Rieser Küchle
  • Stabenwürste bzw. Messwürscht (lange, schlanke Bratwürste)

Nördlingen im Film[Bearbeiten]

Nördlingens mittelalterliche Altstadt wurde mehrfach von Filmemachern als Kulisse benutzt. So sind Nördlingen-Aufnahmen in den Filmen Charlie und die Schokoladenfabrik (1970) und Bibi Blocksberg (2002) zu sehen. Die Bilderbuchstadt Kinkan, Schauplatz der japanischen Zeichentrickserie Princess Tutu, ist Nördlingen nachempfunden. Nördlinger Gebäude wie die St.-Georgs-Kirche, die Alte Schranne, das Löpsinger Tor, der Kriegerbrunnen und das Klösterle sowie das Narrenbildnis am Rathaus sind hier nahezu originalgetreu dargestellt. Für die Produktion „Wir Schildbürger“ (1972) der Augsburger Puppenkiste diente ein Modell der Stadt Nördlingen als Kulisse. Sowohl in der zweiten als auch in der dritten Staffel der Terra-X-Dokumentationsreihe Deutschland von oben wird Nördlingen u. a. als Beispiel einer mittelalterlichen „Musterstadt“ gezeigt.

Der ZDF-Zweiteiler Schicksalsjahre (2011) mit Maria Furtwängler wurde zum Teil in Nördlingen aufgenommen. In Nördlingen und Umgebung wurde der Spielfilm Kohlhaas oder die Verhältnismäßigkeit der Mittel gedreht.

Literatur[Bearbeiten]

  • Theodor Heuss: Reiz biedermeierhafter Idylle. Besuch in Nördlingen. In: Die romantische Straße. Merian, 7. Jg., Heft 12/1954, S. 34–41.
  • Wolfgang Kootz (Text), Willi Sauer, Ulrich Strauch u. a. (Fotos): Nördlingen im Ries an der Romantischen Straße, Stadtführer mit 90 Farbbildern, Kraichgau Verlag, 2007, ISBN 978-3-929228-47-2.
  • Dietlof Reiche: Der Bleisiegelfälscher. Beltz & Gelberg, 1998, ISBN 978-3-407-78781-1 (Historischer Roman, ausgezeichnet mit dem Kinder- und Jugendbuchpreis der Stadt Oldenburg 1977 und mit dem Deutschen Jugendbuchpreis 1978. In diesem Jugendbuch wird die mittelalterliche Situation der Nördlinger Lodenweber sehr eingehend beschrieben.)
  • Dietlof Reiche: Die Hexenakte. Carl Hanser, 2007, ISBN 978-3-446-20860-5; dtv, 2009, ISBN 978-3-423-62387-2 (Historischer Roman (Jugendroman) zur Hexenverbrennung und -verfolgung in Nördlingen; beruht auf der Geschichte Reiches eigener Vorfahrin).
  • Gustav Adolf Zipperer: Wege durchs Ries. Ein Wanderführer. Donauwörth: Fränkisch-Schwäbischer Heimatverlag, 1975.
  • VII. 90/2: Bernd Vollmar, Georg Paula, Catharina Kociumaka: Stadt Nördlingen, mit Beiträgen von Wolfgang Czysz, Hanns Dietrich, Gerhard Ongyerth und Dietmar-H. Voges und Aufnahmen von Vera Sohnle. Photohaus Finck, Dieter Komma, 1998, ISBN 3-87490-578-0.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Nördlingen – Sammlung von Bildern
 Wikivoyage: Nördlingen – Reiseführer
 Wikisource: Nördlingen – Quellen und Volltexte

Quellen[Bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Volkszählung und Bevölkerungsfortschreibung: Gemeinden, Bevölkerung (Volkszählungen und aktuell) vom 5. Juli 2013 (XLS-Datei; 2,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Vgl. BSLK, S. 765; vgl. S. 17.
  3. Hexenprozesse in Nördlingen
  4. Max Spindler, Andreas Kraus: Geschichte Schwabens bis zum Ausgang des 18. Jahrhunderts. (= Handbuch der bayerischen Geschichte, Band 3: Franken, Schwaben, Oberpfalz bis zum Ausgang des 18. Jahrhunderts.) Beck, München 2001, ISBN 3-406-39452-3, S. 371.
  5. Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Band 1. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 179
  6.  Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 602.
  7.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 792 und 793.
  8. http://www.alleen-fan.de/Kampagne/Lieblingsalleen/Allee_136.html
  9. Anthony B. Dawson: International Shakespeare. In: Stanley Wells, Sarah Stanton: The Cambridge Companion to Shakespeare on Stage. Cambridge University Press, Cambridge 2002, ISBN 978-0-521-79711-5, S. 176
  10. [1]
  11. Bayerischer Rundfunk: Ältestes Kinderfest Deutschlands im Internet Archive
  12. a b Nördlinger Jahrmarktordnung
  13. Webseite des Jugendzentrums mit Informationen zum Integrationsprojekt
  14. Cittàslow – Webseite der Bewegung mit Zulassungskriterien
  15. Rieser Nachrichten: Seit 20 Jahren Nördlinger High-Tec am Himmel; 21. September 2010
  16. Ausländer steigern die Tourismus-Bilanz. In: Ipf- und Jagst-Zeitung, 26. März 2011, S. 21.