Rita Dove

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Rita Dove im Jahr 2004.

Rita Frances Dove (* 28. August 1952 in Akron, Ohio) ist eine US-amerikanische Dichterin und Schriftstellerin.

Leben[Bearbeiten]

Rita Dove erwarb 1973 einen Abschluss in Englisch (Kreatives Schreiben) an der Miami University of Ohio und verbrachte danach ein Jahr als Fulbright-Stipendiatin an der Universität Tübingen. Ihren Magisterabschluss (M.F.A. – Master of Fine Arts) machte sie 1977 an der University of Iowa. Von 1977 bis 1981 reiste sie viel und verbrachte längere Zeit als freie Autorin in Oberlin (Ohio), Dun Laoghaire (Irland), West-Berlin und Jerusalem (Israel). Von 1981 bis 1989 unterrichtete Dove kreatives Schreiben an der Arizona State University. Seit 1989 unterrichtet sie das Schreiben von Lyrik an der University of Virginia in Charlottesville, wo sie seit 1993 den Lehrstuhl als Commonwealth Professor of English innehat. Seit 1979 ist sie mit dem deutschen Schriftsteller Fred Viebahn verheiratet; sie haben eine erwachsene Tochter.

1987 erhielt Dove den Pulitzer-Preis für ihren Gedichtzyklus Thomas and Beulah (Carnegie Mellon University Press: 1986), für den sie sich von der Lebensgeschichte ihrer Großeltern inspirieren ließ. Diese hatten wie viele andere schwarze Amerikaner in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts die Südstaaten verlassen und in nördlicher gelegenen Industriezentren nach Arbeit gesucht. In diesem wie in anderen Werken setzt Dove die scheinbar unwichtigen Momente, die das Leben ihrer Figuren ausmachen, in Bezug zu historischen und politischen Entwicklungen und versucht, die konkrete Lebensrealität einfacher Menschen, die in herkömmlichen Geschichtsbüchern oft unsichtbar bleibt, greifbar zu machen.

Von 1993 bis 1995 war Rita Dove Poet Laureate der Vereinigten Staaten. Sie war die jüngste Person der diese Ehre bis zu diesem Zeitpunkt zugekommen war. In dieser Funktion versuchte Dove vor allem zu vermitteln, dass Lyrik nicht einer Elite vorbehalten ist, sondern Platz im alltäglichen Leben haben und einer breiten Masse von Menschen zugänglich sein sollte. In diesem Zusammenhang trat sie z. B. auch in der Sesamstraße auf, um Kinder für Gedichte und Literatur zu begeistern.

Werke[Bearbeiten]

  • The Yellow House on the Corner (Gedichte) (1980)
  • Museum (Gedichte) (1983)
  • Fifth Sunday (Kurzgeschichten) (1985)
  • Thomas and Beulah (Gedichte) [Die morgenländische Tänzerin] (1986)
  • Grace Notes (Gedichte) (1989)
  • Through the Ivory Gate (Roman) (1992)
  • Selected Poems (Gedichte) (1993)
  • The Darker Face of Earth (Versdrama) (1994)
  • Mother Love (Gedichte) (1995)
  • The Poet’s World (Vorträge und Essays) (1995)
  • On the Bus with Rosa Parks (Gedichte) (1999)
  • American Smooth (Gedichte) (2004)
  • Sonata Mulattica (Gedichte) (2009)
  • The Penguin Anthology of 20th Century American Poetry (alleinige Herausgeberin) (2011)
auf deutsch
  • Die morgenländische Tänzerin (Gedichte, Rowohlt Verlag) (1988)
  • Die gläserne Stirn der Gegenwart (Gedichte, Heiderhoff Verlag) (1989)
  • Das dunklere Antlitz der Erde (Theaterstück) (2002) (Online-Version; PDF; 382 kB)

Ausführliche Biografie[Bearbeiten]

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Rita Dove ist die populärste zeitgenössische Lyrikerin der USA. Dazu hat neben dem ihr 1987 verliehenen Pulitzer-Preis und der höchsten offiziellen literarischen Ehre der Vereinigten Staaten, der Poet Laureate-Position an der Kongressbibliothek, die sie von 1993 bis 1995 innehatte, vor allem die Aufmerksamkeit beigetragen, die ihr seit Jahren die Massenmedien schenken. So portraitierte sie der Fernsehjournalist Bill Moyers in einem ihr gewidmeten einstündigen Film zur Hauptsendezeit im PBS (Public Broadcasting System), sie ist wiederholt im populärsten Radioprogramm zwischen Atlantik und Pazifik aufgetreten, Garrison Keillors wöchentlicher Live Show "A Prairie Home Companion", und amerikanische Kinder und Eltern bekommen sie immer wieder auf "Sesame Street" zu Gesicht, wie sie Big Bird Lyrik erklärt. Ihre Gedichte hängen sowohl in den U-Bahnen von New York und Chicago als auch, mittels eines Plakats des amerikanischen Bibliotheksverbandes, in zahlreichen Büchereien und Schulen.

Rita Dove wurde in der vor allem als Zentrum der Reifenproduktion bekannten Industriestadt Akron im Bundesstaat Ohio geboren; ihr Vater war der erste schwarze Chemiker, dem es gelang, die Rassenschranken in der Reifenindustrie zu durchbrechen. 1970 wurde sie als eine der hundert besten amerikanischen High School-Absolventen des Jahres zum "Presidential Scholar" ernannt und ins Weiße Haus eingeladen, wo sich Richard Nixon jedoch weigerte, ihr und ihren Mitgeehrten die Hand zu geben, da sie ihm eine Protestresolution gegen den Vietnamkrieg überreichen wollten.

Sie studierte Englisch und Deutsch an der Miami University in Oxford, Ohio und machte dort 1973 ihren Abschluss als Bachelor of Arts summa cum laude. Darauf folgten zwei Semester als Fulbright-Stipendiatin an der Universität Tübingen, bevor sie eine Assistentenstelle an der Wiege der kreativen Schreibprogramme amerikanischer Universitäten annahm, dem Creative Writing Workshop der University of Iowa, wo sie 1977 mit dem Magister (Master of Fine Arts) abschloss. Ein Jahr zuvor, 1976, hatte sie den deutschen Autor Fred Viebahn kennengelernt, der ein Semester als Gast des International Writing Program an der University of Iowa verbrachte. Nach dem Studienabschluss lebte sie mit Viebahn in Oberlin, Ohio, während er zwei Jahre lang in der Deutschabteilung des Oberlin College unterrichtete. Sie heirateten dort im Frühjahr 1979, lebten anschließend ein halbes Jahr in Israel und dann, nach einer ausgiebigen Südeuropareise, ein Jahr in West-Berlin. Im Sommer 1981 nahm Rita Dove eine Assistenzprofessur für kreatives Schreiben an der Arizona State University an und zog mit ihrem Ehemann zurück in die USA. Die Tochter Aviva wurde 1983 in Phoenix, Arizona geboren. Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien hatten bereits einige Aufmerksamkeit auf die junge afroamerikanische Lyrikerin gelenkt, als Carnegie-Mellon University Press 1980 ihren ersten Gedichtband veröffentlichte, The Yellow House on the Corner. Darauf folgten Museum (1983) und Thomas and Beulah (1986), beide ebenfalls von Carnegie-Mellon. Für Thomas and Beulah, eine Sequenz inhaltlich miteinander verknüpfter, vom Leben ihrer Großeltern mütterlicherseits inspirierter Gedichte, erhielt Rita Dove 1987 den Pulitzer-Preis. Thomas and Beulah wurde 1989 auch als einstündiger Fernsehfilm produziert und wiederholt über PBS ausgestrahlt.

Auf den Pulitzerpreis folgten die Lyrikbände Grace Notes (1989), Mother Love (1995), On the Bus with Rosa Parks (1999), American Smooth (2004) und "Sonata Mulattica" (2009), alle beim Verlag W.W. Norton (New York & London). 1993 veröffentlichte Random House den Sammelband Selected Poems, der die ersten drei Bände (The Yellow House on the Corner, Museum und Thomas and Beulah) zusammenfaßt. Zwei deutsche Auswahlbände aus diesen frühen Büchern sind ebenfalls erschienen: 1988 Die morgenländische Tänzerin bei Rowohlt in der Übersetzung von Karin Graf, und 1989 Die gläserne Stirn der Gegenwart im Heiderhoff Verlag, übersetzt von Fred Viebahn.

Außerdem liegen von Rita Dove ein Kurzgeschichtenband (Fifth Sunday, Callaloo Fiction Series, 1985), der Roman Through the Ivory Gate (1992), das Theaterstück The Darker Face of the Earth (Story Line Press, 1994; revidierte Bühnenfassungen 1996 und 2000) und ein Band mit ihren Kongreßbibliothekvorträgen, The Poet’s World (Library of Congress, 1995) vor. 1994 wurde ihr Gedicht "Lady Freedom Among Us", das sie zuerst beim zweihundertsten Jubiläum der Grundsteinlegung des U.S.-Kapitols gelesen hatte, eine der frühesten literarischen Veröffentlichungen im Internet, und zwar in einer Multimediaversion der University of Virginia in Charlottesville, wohin sie 1989 von Arizona gezogen war und wo sie seit 1993 einen Lehrstuhl als Commonwealth Professor of English innehat. Das Theaterstück The Darker Face of the Earth, für das sie 1995 den Fund for New American Plays-Preis des John F.Kennedy Center in Washington erhalten hatte, erfuhr seine Premiere im Sommer 1996 beim Oregon Shakespeare Festival in Ashland, Oregon und wurde im Herbst 1997 gemeinschaftlich am Crossroads Theatre in New Brunswick, New Jersey, und am Kennedy Center nachinszeniert. Die europäische Erstaufführung erfolgte im Sommer 1999 am Royal National Theatre in London.

Im Oktober 2011 veröffentlichte Rita Dove The Penguin Anthology of 20th Century American Poetry; es war das erste Mal in der amerikanischen Literaturgeschichte, dass ein großes Verlagshaus einer nicht-weißen Herausgeberin (bzw. Herausgeber) die alleinige Verantwortung für ein solch generelles Sammelwerk übertrug.

Rita Dove und ihr Werk haben zahlreiche Auszeichnungen erfahren - so neben Stipendien und Preisen zweiundzwanzig Ehrendoktorwürden. Unter den Ehrungen der letzten Jahre befinden sich der John Heinz-Preis (1996), zu der Zeit die höchstdotierte Auszeichnung für amerikanische Künstler, die vom US-Präsidenten vergebene „National Humanities Medal“ (ebenfalls 1996), die Bücherlöwenmedaille der New York Public Library (2000), der „Duke Ellington Lifetime Achievement Award“ (2001), der „Common Wealth Award“ (2006), der „Lifetime Achievement Award“ (2008) der Library of Virginia (Staatsbibliothek von Virginia in Richmond), die „Lifetime Achievement“-Medaille der Fulbright Association (2009) und die „National Medal of Arts 2011“ von Präsident Barack Obama.

1995 war Rita Dove gemeinsam mit dem früheren US-Präsidenten Jimmy Carter und unter der Schirmherrschaft des Olympischen Komitees Gastgeber einer einzigartigen Zusammenkunft von Literaturnobelpreisträgern in Atlanta, Georgia. Im Jahr darauf, für die Olympiade in Atlanta selbst, schrieb sie den Sprechtext zum symphonischen Werk Umoja -- Each One of Us Counts des Komponisten Alvin Singleton, das am Eröffnungswochenende der Olympiade in Atlanta mit dem Bürgerrechtler und ehemaligen amerikanischen UN-Botschafter Andrew Young als Sprecher uraufgeführt wurde.

Weitere Gedichte und Texte wurden u. a. vertont von den Komponisten Tania Leon (Uraufführung in der Merkin Concert Hall, New York, 1996) und Bruce Adolphe (uraufgeführt im Lincoln Center, New York, 1997). Der Liederzyklus Seven for Luck, mit Musik des mehrfachen Oscar-Preisträgers John Williams, wurde am 25. Juli 1998 vom Boston Symphony Orchestra unter Leitung des Komponisten beim Musikfestival von Tanglewood, Massachusetts uraufgeführt und über National Public Radio ausgestrahlt. Außerdem arbeitete sie mit John Williams und Steven Spielberg an dem Dokumentarfilm The Unfinished Journey, der in der Silvesternacht 1999/2000 als Teil der Großveranstaltung „American Millennium“ des Weißen Hauses über NBC gesendet wurde und zu dem Rita Dove unmittelbar vor Mitternacht live ihren Text von den Stufen des Lincoln Memorials in Washington vortrug.

Rita Dove ist ehemalige Präsidentin der Associated Writing Programs (der Vereinigung der kreativen Schreibprogramme an amerikanischen Universitäten). Sie sitzt in den Beiräten zahlreicher Zeitschriften (Callaloo, Georgia Review, Gettysburg Review, Ploughshares, Mid-American Review, TriQuarterly u. a.) und Organisationen (u. a. Thomas Jefferson Center for Freedom of Expression). Sie gehört u. a. dem PEN American Center, der American Philosophical Society, der American Academy of Arts and Sciences und der sehr exklusiven American Academy of Arts and Letters an. Sechs Jahre lang (1994–2000) war sie Senatorin (Vorstandsmitglied) von Phi Beta Kappa, dem Verband der amerikanischen Akademikerelite; von 2006 bis 2012 war sie Chancellor der Amerikanischen Dichterakademie (Academy of American Poets).

Weblinks[Bearbeiten]