Roland Benedikter

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Roland Benedikter

Roland Benedikter (* 1965) ist ein international tätiger europäischer Politikwissenschaftler und Soziologe, der auf dem Feld der Zeitanalyse arbeitet. Seine Spezialisierung ist die Politische Antizipation, die kontextuelle Politikanalyse sowie die "globale Systemverschiebung".

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Benedikter wendet eine multi-disziplinäre, siebendimensionale Methode des Verstehens auf die Erscheinungen der Globalisierung an, um die sechs System- und Diskursrationalitäten von Wirtschaft, Politik, Kultur, Religion, Technologie und Demographie in eine siebte Dimension hinein zu integrieren, die „mehr ist als die Summe ihrer Teile“. Das geschieht zum Zweck mehrdimensionalen Verständnisses. Ziel ist es, „auf der Grundlage von Differenz als Motor und Gesetzmässigkeit der Modernisierung“ Vielfalt in Phänomenologie, Urteilsbildung und Diskurs, das heisst: Begriff und Wahrnehmung „offen“ zu integrieren.

Benedikter versteht die sechs Grunddimensionen in ihrer Wechselwirkung als eine Theorie der funktionalen Gliederung der Gesellschaft – etwa analog zu Weber oder Durkheim, die in der Ausdifferenzierung und eigenlogischen Funktionsweise verschiedener sozialer Bereiche das Charakteristikum der „Moderne“ sahen. Ihre Gesamtheit ist die siebte Dimension, die aufgrund ihrer „zeitspezifischen Kombination von Hyperkomplexität und Tiefenambivalenz“ nicht auf ihre Teile reduziert werden kann und daher in ihrer je spezifischen Komplexität im Schnittpunkt der verschiedenen Dimensionen erfasst werden muss. Zentren von Benedikters Interesse sind Politik- und Kultursoziologie, der multidimensionale globale Wandel sowie Inter- und Transdisziplinarität. Ein wesentlicher Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf der Neubewertung der Rolle des öffentlichen Intellektuellen in offenen Gesellschaften.

Benedikter hat Bücher über multidisziplinäre Gesellschaftsentwicklung, Kultursymptomatologie, kontextuelle Politikanalyse und soziales Bankwesen geschrieben und eine (ebenso multidisziplinäre) 7-bändige Grundlegung des Postmaterialismus herausgegeben (Passagen Verlag Wien). Seit 2013 ist er Research Scholar an der University of California, Santa Barbara. 2009-13 war er Europäischer Stiftungsprofessor für Politische Analyse in residence an der University of California, Santa Barbara und Visiting Fellow / Research Affiliate an der Stanford University. Seit 2010 ist er auch Research and Teaching Associate an der Europa-Universität Viadrina, Frankfurt/Oder, Deutschland.

Leben[Bearbeiten]

Nach seiner Schulzeit am klassisch-humanistischen Gymnasium in Bruneck studierte Benedikter von 1984 bis 1992 komparatistische Kultur-, Sprach- und Literaturwissenschaft an der Innsbrucker Leopold-Franzens-Universität sowie an der Universität Padua.

1990 bis 1991 arbeitete er als Forscher für das österreichische Ministerium für Forschung und Wissenschaft an der Freien Universität Berlin zum Thema "Die Hermeneutik von Politik und Kultur", 1991 bis 1993 an der Universität Innsbruck als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Abteilung für Anglistik und Amerikanistik. Roland Benedikter wurde an der FU Berlin in Soziologie und Politikwissenschaft, sowie in Erziehungswissenschaft an der Universität Innsbruck promoviert. 1993-1996 war er am Aufbau der EURAC, der Europäischen Akademie für angewandte wissenschaftliche Forschung (mit Schwerpunkt auf Forschung zu Sprache, Ethnie sowie Minderheitenschutz) und der dreisprachigen Freien Universität, beide in Bozen, beteiligt.

Von 1995 bis 2003 arbeitete Benedikter als Sprecher bzw. "Persönlicher Referent" des Ministers für Kultur, Wissenschaft und Bildung der deutschsprachigen und ladinischsprachigen Minderheiten der Europa-Region Trentino-Südtirol. Zugleich war er auch als Sprecher des Vorsitzenden der Kommission für Kultur der Versammlung der Regionen Europas sowie des Vizepräsidenten der Föderalistischen Union Europäischer Volksgruppen tätig. Seit demselben Zeitraum ist er ist auch für die Internationale Bürgergesellschaft aktiv.

Er ist u.a. Vollmitglied im "Board of Trustees" der Toynbee Prize Foundation, der wichtigsten amerikanischen Einrichtung, die sich mit Zukunftsfragen der anglo-amerikanischen Hemisphäre befasst, Vollmitglied eines der größten nicht parteigebundenen (bi-partisan) Think-tanks der USA, des Potomac Institute for Policy Studies Washington DC, Vorstandsmitglied des Instituts für interdisziplinäre Forschung Ecolnet Bozen, und er dient auch als "gelisteter" Experte für kulturpolitische Programme der EU und der italienischen Regierung. Bis 2011 war er u.a. External Examiner zweier europäischer Master-of-Arts-Studiengänge (EIMP) in Sozial- und Erziehungswissenschaften der Universität von Plymouth sowie eines Studiengangs für Friedenserziehung in Kindergarten und Volksschule an der Universität Prishtina im Kosovo.

Benedikter hatte zwischen 1996 und 2009 Gast- und Vertragsprofessuren an Universitäten und Denkfabriken in den Vereinigten Staaten, Großbritannien, Australien, Peru, Deutschland, Österreich, der Schweiz, Italien, Bulgarien und der Türkei inne. Darunter sind: Columbia University New York, Georgetown University Washington DC, Villanova University Philadelphia, RMIT University Melbourne, University of Northampton, Universität Wien, Universität Sofia, Pontificia Universidad Católica del Perú Lima und die Mersin Üniversitesi.

Werk[Bearbeiten]

Benedikters Publikationen drehen sich vor allem um die Rolle von Kultur als Faktor in zeitgenössischer Gesellschaft und Politik. Dabei verwendet er bei Integration der sechs typologischen Diskursfelder Wirtschaft, Politik, Kultur, Religion, Technologie und Demographie Ansätze sowohl der Systemtheorie als auch der Theorie des Sozialen Handelns. Er geht in einer kontextbezogenen politischen Analyse inklusiv vor. Er basiert seine Analysen auf vier zentrale Entwicklungen der Zeitgeschichte: 1) das Ende des Neoliberalismus (Wirtschaft), 2) Das Ende der Neuen Weltordnung (Politik), 3) das Ende der Postmoderne (Kultur), und 4) die Renaissance der Spiritualität (Religion). Begleitet sind diese vier Entwicklungen laut Benedikter von 5) dem Aufstieg von Technologie zum gesellschaftlichen Faktor, der von keiner der vier genannten Diskurslogiken mehr vollständig kontrolliert werden kann, und 6) vom wachsenden Einfluss der Demographie, die im 21. Jahrhundert ökonomische, politische, kulturelle und religiöse Verschiebungen und Reibungskonflikte verursachen sowie deren Geltungszusammenhang verstärkt beeinflussen wird. Ziel ist eine Analyse, die 7) die Verwebung dieser sechs Faktoren als "dasjenige, was mehr ist als die Summe seiner Teile" verstehen und berücksichtigen kann.

Dabei müssen – unter vielen anderen von Benedikter herausgearbeiteten Gesetzmässigkeiten – unter anderem in jedem der genannten sechs Felder, sowie auch in siebten Feld des – mutmaßlich – „Ganzen“, der innere Widerstreit zwischen mindestens zwei Gruppierungen: links und rechts, konservativ und liberal, progressiv und regressiv miteinbezogen werden, da deren Dialektik sowohl im Innern aller sechs Grundbereiche, wie im Ganzen ausschlaggebenden Wert hat.

Benedikters Arbeit deckt dazu im Wesentlichen die Rekonstruktion, Analyse und Präsentation folgender Bereiche ab:

1. die Vorstellung der 7-dimensionalen globalen Veränderung in a) Wirtschaft, b) Politik, c) Kultur, d) Religion/Spiritualität, e) Technologie und f) Demographie, sowie g) in deren Ganzheit, die mehr ist als die Summe ihrer Teile; 2. der sich am Schnittpunkt dieser Dimensionen vollziehenden Wechselbezüge, Veränderungsmotoren und-gesetzmässigkeiten; 3. als deren Ergebnis der drei Enden unserer Zeit und der daraus erwachsenden wichtigsten Erneuerungsbewegungen; 4. des Kampfes zwischen progressiven und regressiven Kräften im Innern aller 6 Grunddimensionen und in der Gesamtdimension; 5. der zwei prägenden Merkmale: a) Tiefenambivalenz, b) Hyperkomplexität und deren Zusammenwirken in der heutigen Globalisierungsphase; 6. der "Post-Empire"Psychologie des demokratischen Westens in dieser Konstellation; 7. der in ihrem Rahmen sich abzeichnenden "4. Phase der Globalisierung"; 8. des Zeitalters der "competing modernities" und einiger ihrer wichtigsten Phänomenologien und Effekte; 9. des für dieses Zeitalter prägenden neuen Zusammenhangs zwischen Ideen und Realität, der in Europa im Gefolge des Zweiten Weltkriegs lange verdrängt wurde, in den USA aber schon immer auf der Tagesordnung stand.

Diese Punkte können dann sowohl auf 1. internationale, 2. kontinentale oder 3. nationale Meso- und soweit sinnvoll zusätzlich – und in diese eingebettet – 4. auf symptomatische Mikrorealitäten herabgebrochen werden, indem sie mit den entsprechende Phänomenologien oder symptomatischen historischen Ereignissen konfrontiert und auf diese angewendet werden.

Preise[Bearbeiten]

Benedikter hat bisher 5 internationale Wissenschaftspreise gewonnen, darunter den Dr. Otto Seibert Preis zur Förderung wissenschaftlicher Publikationen der Universität Innsbruck 2005, zuletzt den Klaus Reichert Preis für interdisziplinäre Medizinphilosophie 2012.

Publikationen[Bearbeiten]

  • Europa kann nicht bleiben, was es ist. Hintergründe und Perspektiven der europäischen Krise. Konrad Adenauer Stiftung Berlin 2013.
  • Nachhaltige Demokratisierung des Irak? Sozio-kulturelle und demokratiepolitische Perspektiven. Eine Fallstudie zur inklusiven Entwicklung gesellschaftlicher Paradigmen, Passagen Verlag Wien 2005, ISBN 978-3-85165-629-9.
  • Zusammen mit Ernst Ulrich von Weizsäcker: Report to the Club of Rome 2003 Limits to Privatization. How To Avoid Too Much Of A Good Thing (Englisch 2005, Deutsch 2006, Chinesisch 2007).

Weblinks[Bearbeiten]